Aufklärung der Woche

Gestern beklagte sich ein Leser über meinen Essay Pluralismus gegen die Vernunft. Und mit seiner Beschwerde bestätigte er sogleich, was ich schrieb.

Ebenso möchte ich auf den Anarchokapitalismus eingehen, der noch immer zu viel Staat in meinem Minimalstaat erblickt. Manche Leute bekommen nie genug. Oder nie genügend weggestrichen.

Den Online-Streit zum Thema „Michael Schmidt-Salomon versus Norbert Hoerster“ aus dem Magazin Aufklärung und Kritik möchte ich auch kurz kommentieren.

Ihr seht: Bei mir gibts mal wieder volles Programm Aufklärung! Da habt ihr was Schönes zu lesen für die nächsten Tage.

1. Der Pluralist

Ein von mir rücksichtslos anonymisierter Facebook-Kommentator, dem mein „Pluralismus ist keine solide epistemologische Grundlage“-Beitrag nicht passte, äußerte sich wie folgt:

Die Diktatur der Freiheit. Bloß keine Konsenslösungen, die möglicher Weise schwierig und nachbesserungswürdig sind, aber viele Menschen einen. Denn der Objektivismus ist die Lösung. Und Du wunderst Dich, wenn Du als Dogmantiker gesehen wirst?!

Ja. Beziehungsweise: Nein. Denn Pragmatiker müssen mich notwendigerweise als Dogmatiker ansehen, auch wenn es objektiv betrachtet Unsinn ist. Für Pragmatiker ist absolut jede Ausrichtung an Prinzipien gleich welcher Art „dogmatisch“, also willkürlich festgelegt.

Jemand kann nach dem Prinzip leben (was ich auch tue): „Nimm nicht regelmäßig Drogen“. Dieses Prinzip lässt sich rational rechtfertigen – Drogen begrenzen das Funktionieren des lebensnotwendigen menschlichen Geistes. „Nimm niemals irgendwelche Drogen“ halte ich für kein rationales Prinzip, da ich nicht sehe, wie man dieses begründen sollte. Wenn jemand irgendwann mal eine Zigarette probiert oder einen Schnaps trinkt, so schadet ihm das überhaupt nicht, insofern er dann wieder aufhört und es eben nicht regelmäßig tut, sondern nur einmal oder sehr sporadisch. Das wollte ich übrigens auch mit der unglücklichen Formulierung „Ich halte Glücksspiel für unmoralisch“ ausdrücken – ich meinte kein einmaliges oder sehr sporadisches Glücksspiel, sondern regelmäßiges Glücksspiel zum Broterwerb.

Schließlich halte ich selbstverständlich meine eigene Philosophie für korrekt. Die Alternative lautet, dass ich eine Philosophie predigen würde, die ich für falsch halte oder für halbwahr. Es wäre unehrlich gegenüber meinen Lesern, so etwas zu tun, und somit unmoralisch. Ebenso erkenne ich an, dass der Pragmatiker seine Null-Philosophie darum vertritt, weil er sie für objektiv besser hält als meine.

Für mich ist Deine diktatorische Rhetorik das Problem, denn sie erlaubt einen Blick in Deine Karten.

Wie ich jüngst in einem Gespräch über die angeblichen Geheimpläne von uns Neo-Aufklärern sagte: Der Witz an der Sache ist, dass wir eigentlich gar keinen Plan haben.

Ich will politisch gar nichts erreichen. Ich will einfach nur meine Meinung äußern und andere können meine Gedanken gerne so kritisch rezipieren – oder sie ignorieren – wie sie das möchten. Ich bin kurz gesagt ein Intellektueller und kein Politiker. Und ich will auch keiner werden.

Wer nicht Deiner Meinung ist kann Dir gestohlen bleiben und ist Feind Deines Weltbilds, Linker Fehlgebildeter, Uneinsichtiger, ewig Gestriger oder eben einfach nur auf dem falschen Weg.

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Na ja. Ich denke zunächst natürlich schon, dass andere im Unrecht sind, wenn sie mit einer Position nicht übereinstimmen, die ich für richtig halte. Würde ich das nicht denken, so würde ich zwei sich widersprechende Aussagen beide für korrekt halten und wäre somit möglicherweise verrückt.

Allerdings sehe ich Andersdenkende nicht per se als Feinde an. Es ist nicht ethisch relevant, ob jemand mit mir übereinstimmt. Er sollte nur ehrlich darum bemüht sein, die Wahrheit zu entdecken (ob die Wahrheit nun der Objektivismus ist oder etwas anderes). Vielleicht lerne ich noch etwas von ihm, oder er etwas von mir. Oder sie etwas von uns beiden.

Nun Herr Heilsbringer, nur weiter so, aber Pluralisten, die (zugebener Weise schwierige) Wege gehen wollen, bei denen aber menschenwürdige Lösungen angestrebt werden, wird es immer geben.

Meine Kritik lautet, dass die Pluralisten nicht wissen, wohin ihre Wege eigentlich führen sollen. Der Kommentator spricht von „menschenwürdigen Lösungen“. Wofür? Und wer bestimmt, was „menschenwürdig“ bedeutet? Für die Pragmatiker ist es nur der demokratische Konsens, der auch diese grundlegenden Fragen beantwortet.

Dein scheinbar „rational für alles geltender“ Objektivismus steht im völlig paradoxen Gegensatz zu Andersdenkenden!

Daran ist gar nichts paradox.

Die passen nicht rein, die bekommen nur dann ihre Freiheit, wenn sie sich Deinen (von Dir, von Deinem Standpunkt aus) stets richtigen Ideen unterordnen.

Ideen wie: Ihrer Freiheit. Ist irgendwie seltsam, mir vorzuwerfen, dass ich andere unterdrücken möchte, indem ich fordere, dass niemand ihre Rechte verletzt.

Völlig paradox. Um so mehr man von Dir ließt, desto paradoxer wird dieses Weltbild. Sich für die Probleme der Menschen objektive(istische) Lösungen einfallen zu lassen und sich dabei offenkundig Mühe zu geben, verdient Respekt. Die abfällige Rhetorik ALLEN anderen Denkschulen gegenüber, ist ein trauriges Armutszeugnis.

Die negative Bewertung aller anderen Denkschulen folgt notwendig aus der Überzeugung, dass meine richtig ist und die anderen nicht (wobei sie sich zum Teil natürlich überschneiden und beide Recht haben können). Der Kommentator fordert offenbar wirklich, dass ich widersprüchliche Ideen gleichermaßen anerkennen soll. Das kann ich nicht als Vertreter der „klassischen“ Logik, die von so „willkürlichen“ Ideen ausgeht, wie dass Aussagen nicht zugleich wahr und falsch sein können.

2. Anarchokapitalismus

Nach der Lektüre einer Auseinandersetzung zwischen Objektivisten und Anarchokapitalisten im Journal of Ayn Rand Studies frage ich mich allmählich, warum die Anarchos überhaupt ernstgenommen werden. Vermutlich wegen ihrer naturrechtlichen Argumentation, die der objektivistischen ähnelt.

Trotzdem läuft die Anarcho-Argumentation stets darauf hinaus, dass es „unvernünftig“ und „unökonomisch“ sei, wenn sich konkurrierende private Sicherheitsdienste bekriegen würden. In der Abwesenheit einer unabhängigen Judikative und insofern das Gewaltmonopol nicht beim Staat liegt, ist das zwar immer noch richtig, aber auch ziemlich egal.

Es trifft sicherlich zu, dass friedliche Konfliktlösungen rationaler sind als die gewaltsame Überwältigung von konkurrierenden Sicherheitsfirmen. Aber es muss nur eine Sicherheitsfirma anderer Meinung sein, um das System in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen.

Die Wortwahl der Anarchokapitalisten lenkt zudem davon ab, worum es hier eigentlich geht. Es geht um das Ende der Zivilisation und die Wiedereinführung von Stammeskulturen. Darauf laufen anarchokapitalistische Ideen hinaus. Mehrere „private Sicherheitsdienste“, die von verschiedenen „Kunden“ bezahlt werden und die obendrein auch verschiedene private Gesetzgeber und Gerichte haben, ist nur eine andere Art zu sagen, dass verfeindete Stämme sich wieder bekriegen werden. Es ist unglaublich naiv, etwas anderes zu behaupten.

Essenziell ist der Anarchokapitalismus das liberale Spiegelbild des „normalen“, linken Anarchismus. Der erste sagt, wir würden alle friedlich miteinander zum Eigennutz Handel treiben, der andere sagt, wir würden alle friedlich alles teilen und verschenken. Da brauche ich keinen Hobbes, um das für lächerlich zu halten. Wir sehen doch, wie es in Staaten zugeht, in denen kein liberaler Rechtsstaat und keine Gewaltenteilung existieren. Wir sehen doch, wie sich in Afrika verfeindete Stämme bekriegen und Diktatoren um die Macht kämpfen.

Nun weist Walter Block darauf hin, dass das internationale Staatensystem ja eigentlich genauso aussieht. Das ist mehr oder weniger richtig. Aber warum sollten wir bitte das internationale Staatensystem, von dem wir doch wissen, dass es nicht friedlich funktioniert, auch noch im Kleinformat kopieren? Es wäre doch naheliegender, das, was im Kleinformat funktioniert, global zu etablieren (meine Idee eines liberalen Imperiums, das so ähnlich ist wie Mises Weltregierung).

Marsha F. Enright bringt wichtige Argumente gegen den Anarchokapitalismus auf den Punkt:

1. Konsistentes Recht in einer geografischen Region

Um überhaupt handeln zu können, müssen Menschen wissen, was in ihrer Heimat erlaubt ist und was nicht. An welche Regeln und Gesetze der unzähligen privaten Gesetzgeber, Gerichte, Sicherheitsfirmen sollen sie sich halten?

2. Genug Sicherheit für alle?

Anarchokapitalisten und Objektivisten (allgemeiner Minarchisten) sind sich einig, dass Wohlfahrtsrechte keine legitimen Rechte sind. Aber die Rechte auf Leben, Freiheit, Eigentum sind dies eben schon. Also müssen sie geschützt werden und jeder Bürger hat auch einen Anspruch auf diesen Schutz. Damit wir überhaupt friedlich und freiwillig miteinander handeln können, brauchen wir diesen Schutz unserer Rechte.

Müssten wir ihn alle privat finanzieren, so hätten manche Menschen genug Geld, um sich ausreichend schützen zu können, während andere, mit deren legitimen, unverzichtbaren Jobs sich nicht genug Geld verdienen lässt, von kriminellen Banden überwältigt werden könnten. Menschen und auch unsere Wirtschaft würden zerstört werden.

3. Könige und Feudalherren: Private Sicherheitsunternehmen

Da die meisten friedlichen, produktiven Menschen eben finanziell nicht in der Lage waren, für ihren Schutz zu sorgen, haben Feudalherren und Könige diese Aufgabe übernommen. Dafür verlangten sie Steuern, aber nicht nur dafür. Sie verlangten auch Steuern für ihren privaten Reichtum und für Angriffskriege. Ebenso gab es bald keine Wahl mehr, sich seinen König auszusuchen, wenn man nicht gevierteilt werden wollte.

4. Der moderne Rechtsstaat

Im demokratisch kontrollierten Rechtsstaat haben sich viele Menschen zusammengeschlossen, um einen Polizei- und Militärapparat zu finanzieren, der stark genug ist, um Kriminelle und ausländische Feinde abzuwehren. Wir haben gemeinsam Gerichte etabliert, die objektiv den Schuldigen ermitteln und ihn verurteilen. Wir sind uns in unserer Demokratie nicht einig, wie viel Steuern der Staat zu diesem Zweck erheben darf. Aber wir sind uns überwiegend einig, dass jeder Bürger einen Anspruch auf den Schutz seiner Rechte hat. Objektivisten argumentieren, dass der Schutz unserer Rechte die einzig legitime Funktion des Staates ist. Wir sind frei, darüber friedlich zu diskutieren. Und zwar, weil wir auf private Gesetzgeber und Gerichte verzichten.

3. Die Debatte über den Ausstieg Norbert Hoersters aus der Giordano Bruno Stiftung

Diese Debatte behandle ich auch kurz in meinem aktuellen Buch, Der Westen. Ein Nachruf. Es geht darum, dass der Rechtsphilosoph Norbert Hoerster den deutschen Think-Tank der Aufklärung namens Giordano Bruno Stiftung als Beirat verlassen hat. Das ist jetzt schon eine Weile her (außerdem war er eigentlich nicht der erste Aussteiger). Aber die Sache hat unter Aufklärern eine längere Debatte veranlasst.

Einen Auszug aus dieser Debatte mit etablierten Denkern unter den Teilnehmern kann man in einer Online-Ausgabe von Aufklärung & Kritik nachlesen, dem einflussreichsten akademischen Aufklärungsmagazin des Landes. Es ist Karl Popper gewidmet, der sicherlich zu den vernünftigsten modernen Denkern gehört und irgendwem muss man es ja widmen.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht ein Streit zwischen Dr. Gerhard Engel und Michael Schmidt-Salomon (der Stiftungssprecher und Quasi-Chefdenker der Stiftung). Es lohnt sich, das nachzulesen, da beide Autoren einen unterhaltsamen Stil haben. Dr. Engel ist schön frech und schreibt so ähnlich wie ich, das dürfte meinen Lesern zusagen. Schmidt-Salomon grundsätzlich auch, allerdings wird er persönlich und bedient sich bei Ad Hominems, was man doch eher vermeiden sollte.

Inhaltlich wirft Dr. Engels MSS unter anderem vor, er würde sich zu wenig mit aktuellen wissenschaftlichen Debatten befassen und insofern den Anspruch der Stiftung nicht erfüllen, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse für ein humanes Menschenbild, eine humane Ethik und Politik zu verarbeiten. Insbesondere schlägt er sich auf die Seite der Österreicher (der österreichischen Schule der Ökonomie, der ich auch nahestehe) und argumentiert aus deren Sicht gegen Schmidt-Salomons linke Umverteilungsorgien.

Ebenso kritisiert er die moralische Verurteilung der Bush-Regierung seitens MSS angesichts seiner Argumentation, man könne selbst die Nazis aufgrund ihrer mangelnden Willensfreiheit nicht verurteilen (in seinem Hauptwerk Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind). Da versucht sich MSS in seiner Replik rauszureden, aber das kann er ja wohl vergessen. Natürlich hat er eine linke Agenda und steht nicht objektiv über den Dingen. Und Dr. Engels kritisiert die zweifelhaften Quellen von MSS (u.a. Michael Moore). Witz an der Sache: Ich hatte MSS rechtzeitig und mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass er solche Quellen wie Moore als Philosoph nicht zitieren sollte und ich hatte versucht, eine besonders problematische ältere Polemik von ihm als Jugendsünde darzustellen. Das wollte er nicht einsehen und beharrte auf seine Anti-Bush-Meinung. Ich wusste, dass es auf ihn zurückfallen würde.

Dazu würde ich drei weitere Dinge anmerken:

1. Ich denke, es ist offensichtlich, dass sich Schmidt-Salomon nicht mit allen aktuellen Erkenntnissen in allen wissenschaftlichen Fachbereichen auskennt. Das tue ich auch nicht. Und mit Verlaub: Das tut kein Mensch, denn es ist unmöglich. Theoretisch wäre das der Grund, warum man einen Beirat braucht, aber wenn der sich nur einmal im Jahr trifft, hat die Sache als intellektuelles Projekt keinen großen Nutzen, tut mir Leid. Ich habe bereits während meines Literaturstudiums überproportional viel gelesen und tue das weiterhin. Mit noch so viel Lesen wird man heutzutage kein Universalgelehrter mehr sein. So einfach ist das.

Aber, und hier ist Dr. Engels (und Dieter Nuhr) Recht zu geben: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal… Ich bekomme es ja auch hin, mir allerlei Dinge zusammenzuspinnen, ohne sie zu publizieren (zumindest nicht in Büchern) und eben nur das zu publizieren, von dem ich weiß, dass es eine gewisse Substanz hat.

Insbesondere von Ökonomie und Außenpolitik hat Schmidt-Salomon offensichtlich keine Ahnung. Ich habe ihm damals schon versucht zu sagen, dass es insofern sinnvoll wäre, sich erst zu informieren und dabei auch die Gegenseite anzuhören, bevor man etwas publiziert, was mit der offiziellen Position der ganzen Denkfabrik verwechselt werden könnte (was ja auch sehr wahrscheinlich ist, das MSS seine Bücher und die GBS stets zusammen auftreten lässt). Hat er aber nicht gemacht.

Stattdessen schrieb er nach seinem für mich überaus befremdlichen Buch Leibniz ist kein Butterkeks, wo es um das Privatleben seiner Tochter und ihre naiven Fragen an den großen Philosophenvater geht, die mit Beleidigungen übersäte Streitschrift Keine Macht den Doofen. Darin bezeichnet er alle möglichen Leute, die nicht seiner Meinung sind, als Idioten.

Nun hätte ich weder das Buch über meine Tochter geschrieben, wo man allerlei Wissenswertes über das Sexualleben der Familie erfährt – allerdings bin ich in dem Bereich konservativer als der Durchschnitts-68er und insofern nicht repräsentativ – noch hätte ich das „Alle Leute doof außer ich“-Buch geschrieben.

Während wir Intellektuellen grundsätzlich arrogante Säcke sind, die glauben, dass alle anderen irgendwie verblendet sein müssen, dass sie die Weisheit der eigenen Einsichten nicht einsehen wollen – so macht es keinen guten Eindruck, das allzu deutlich raushängen zu lassen. Wichtiger jedoch: Man sollte keine Bücher schreiben über Dinge, von denen man keine Ahnung hat.

Natürlich stimme ich nicht allem zu, was Dr. Engels sagt, und wer meine Philosophie kennt, wird sich denken können, wo die Unterschiede liegen.

Norbert Hoerster selbst meldet sich auch zu Wort. Seine bevorzugten Philosophen sind Hume und Kant, die ja nicht gerade zu den Top Ten der beliebtesten Philosophen für uns Objektivisten zählen (andererseits wird Humes Argumentation für den freien Markt und seine Religionskritik ebenso anerkannt wie einige Schriften Kants). Das Hauptargument von Hoerster lautet essenziell, dass ihm Schmidt-Salomon zu niveaulos ist und ihm daher seine Meinung nicht interessiert.

Prof. Dr. Hermann Josef Schmidt, der ja zu den Stammgästen der GBS zählt, darf sie umfassend verteidigen.

Jetzt wisst ihr Bescheid. Da habt ihr also noch mehr Lesestoff.

Literatur

http://www.gkpn.de/AuK_debatte2012.pdf

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14 Kommentare zu “Aufklärung der Woche

  1. Sophian Philon sagt:

    Zum Anarchokapitalismus:

    „Trotzdem läuft die Anarcho-Argumentation stets darauf hinaus, dass es ‚unvernünftig‘ und ‚unökonomisch‘ sei, wenn sich konkurrierende private Sicherheitsdienste bekriegen würden.“

    Ich glaube, das Problem liegt darin, dass die Theoretiker in ihrer Beschreibung des Anarchokapitalismus vom „homo oeconomicus“ ausgehen, einem Konzept, von dem sie sich eigentlich schon lange emanzipiert hatten (oder haben müssten). Insofern trifft der Vorwurf der Naivität zu.

    „Aber warum sollten wir bitte das internationale Staatensystem, von dem wir doch wissen, dass es nicht friedlich funktioniert, auch noch im Kleinformat kopieren? Es wäre doch naheliegender, das, was im Kleinformat funktioniert, global zu etablieren (meine Idee eines liberalen Imperiums, das so ähnlich ist wie Mises Weltregierung).“

    Was deine Ablehnung der Rückkehr zum Stammessystem (und darauf wird der Anarchokapitalismus wohl hinauslaufen) betrifft, hast du Recht. Aber vom „funktionierenden“ Kleinformat zu sprechen als jemand der den Minimalstaat befürwortet? Die Position der Anarchisten ist ja nur so stark, weil die Geschichte gezeigt hat, dass ein Minimalstaat nicht minimal bleibt, siehe die USA. So sehr ich mir wünsche, dass alle nicht-westlichen Staaten liberale Rechtsstaaten werden, so sehr schrecke ich vor einem Imperium zurück, denn anzunehmen, dass dieses jemals liberal sein kann, halte ich für naiv. „Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.“ Ein Europa aus vielen Lichtensteins wäre m. E. der Freiheit weitaus zuträglicher…

    Zum Anarchismus als Kritik an der Gegenwart (im Gegensatz zur positiven Utopie) hatte ich an anderer Stelle geschrieben und möchte es hier wiederholen:

    Die Güte eines Gesellschaftssystems hängt von seiner legitimatorischen Basis (moralischer Aspekt) und seiner Effizienz bzw. Funktionalität (funktionaler Aspekt) ab. Der Anarchismus ist moralisch im Recht, da er in keinster Weise die Freiheitsrechte einschränkt; er ist aber funktional defizitär, da er Folgen zeitigt, die äußerst unerwünscht sind (was nützen Rechte, wenn sie nicht effektiv geschützt werden können). Der Minarchismus hat ein moralisches Defizit, da er in einer Hinsicht Zwang ausübt; er hat aber nicht die Folgen wie der Anarchismus. Ich glaube, das ist ein Dilemma.

    Es ist ja alles richtig, was du gegen die anarchokapitalistische Utopie vorbringst, aber ein Staat, auch ein Minimalstaat, beruht auf Zwang und damit auf einer Rechtsverletzung. Wie kann man diese Notwendigkeit (?) moralisch, d.h. unter Bezug auf das Naturrecht, rechtfertigen; ich denke, das geht nicht, es geht nur funktional. Und ich meine, dass man das ehrlich zugeben sollte.

    Ich würde mich freuen, wenn du darauf eingehst. Ich zerbreche mir darüber schon seit langem den Kopf.

    • philosopherofanniversary sagt:

      Grundsätzlich hast du recht, dass der Staat auf Zwang baut, aber zwischen den einzelnen Individuen gibt es nach John Locke und Thomas Hobbes eine Übereinkunft, einen sogenannten Gesellschaftsvertrag, in dem man einem Souverän die Macht gibt, die Menschen voreinander zu beschützen. Doch während Locke und die meisten Vertreter des klassischen Liberalismus diese Aufgabe im Schutz der Rechte Leben, Freiheit und Eigentum sahen, meinte Hobbes, dass der Staat dies am besten kann, wenn er unumschränkt ist. Der Staat verlangt zu dem Schutz jedoch Steuern. Und das ist im Sinne des Liberalismus auch die einzige Form von Gerechtigkeit. Oder einfacher ausgedrückt: Bürger bezahlen den Polizei- und Militärapparat, damit er sie sowohl vor äußeren als auch inneren Feinden beschützt. Ob der Staat auch die Aufgabe hat, vor nichtpersonellen Gefahren zu schützen, darüber habe ich keine Ahnung. Das war meine ziemlich bescheidene Antwort.

    • derautor sagt:

      Zwang ist nicht per se eine Rechtsverletzung. Wenn man dich zwingt, für das zu bezahlen, was du dir nimmst, was du nutzt, was du gegen eine Leistung eintauschst, so ist das ethisch angemessen. Sonst könntest du Banken ausrauben und dürftest nie gezwungen werden, das Geld zurückzugeben.

      Jeder, der an einem Handel teilnimmt, profitiert somit von den Institutionen und Gesetzen, die diesen Handel überhaupt erst ermöglichen. Die dafür sorgen, dass er friedlich und frei über die Bühne geht. Und dafür muss man eben etwas bezahlen.

      Die Frage ist höchstens, wie man es einrichtet, dass man wirklich für diese in Anspruch genommenen Leistungen des Staates bezahlt. Ich denke, die Mehrwertsteuer ist dafür sehr gut geeignet. Sie bestraft niemanden für seine Arbeit, sondern man muss direkt eine Abgabe für einen bestimmten Handel bezahlen, wie Ayn Rand es vorschlug. Ich komme leider erst jetzt darauf, dass wir ihre „Händlerabgabe“ bereits haben und dass sie „Mehrwertsteuer“ heißt. Andere Arten von Besteuerung wären problematischer. So sehe ich sieben Jahre später endlich ein, was mein Wirtschaftslehrer mir zu erklären versuchte.

  2. sba sagt:

    derautorschrieb:
    „Na ja. Ich denke zunächst natürlich schon, dass andere im Unrecht sind, wenn sie mit einer Position nicht übereinstimmen, die ich für richtig halte. Würde ich das nicht denken, so würde ich zwei sich widersprechende Aussagen beide für korrekt halten und wäre somit möglicherweise verrückt.“

    Jetzt klingst Du schon wie Luther. Bloß dass der nach Worms ziemlich schnell politisch werden musste und Dein Gewissen in Logik befangen ist.

    „man muss direkt eine Abgabe für einen bestimmten Handel bezahlen“
    ähm…wenn das jeden Handelsförmigen WErtetransit betrifft, dann doch auch die zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, oder? (also meine Frage: Wie sorgt man dafür, dass nicht die Erwerbssteuer in der Handelssteuer enthalten ist und vice versa?)

    Sophain Philon sagt:
    „aber ein Staat, auch ein Minimalstaat, beruht auf Zwang und damit auf einer Rechtsverletzung.“

    Lektüreempfehlung: The „Conflicts“ of Men’s Interests. In: The Virtue of Selfishness. S. 57ff.

    (meine Zusammenfassung und Anwendung auf Staat:
    Wenn es um die Interessen von Menschen geht, muss man 4 Aspekte berücksichtigen:

    1. die Realität: Welchen Zwang übt ein Staat nach objektivistischem Modell im Normalfall aus?
    Den, Steuern zu zahlen. Und das wars. Wenn man sich ansonsten innerhalb der ethischen Parameter verhält, kann und darf der Staat einem nichts sonst aufzwingen. Denn: „Du sollst nicht töten, Du sollst nicht stehlen, Du sollst niemanden zwingen“: Was zu tun wird einem denn da aufdiktiert? – Nichts.
    Ist es nicht widersprüchlich, zu sagen, man sei gezwungen, wenn man Dinge nicht tun soll?

    2. Kontext: Betrifft Reichweite und Mittel. Die Reichweite gegenüber Zivilisten endet an der Staatsgrenze, die gegen Soldaten mit der Gefechtsreichweite (ist aber eigentlich irrelevant). Kein objektivistischer Staat zwingt irgendwen, in ihm zu leben. (Ausreiseverbote hat man eher in Kollektivismen). Betr. der Mittel: Ist der Zwang, den der Staat ausübt, Mittel zum Zweck oder Zweck selbst?
    Er dient dem Zweck, die friedliche Koexistenz und Kooperation er Bürger zu ermöglichen. Der einzige Zwang auf den Normalbürger, die Steuerpflicht dient dazu, die Exekutive für die Ausführung der Staatspflicht zu bezahlen. Eigentlich ist es ein Trade zwischen Bürger und Staat: Er beschützt mich, ich bezahle ihn. Wenn ich ihn nichr bezahle, kann er mich schlecht als einzigen nicht beschützen (wäre komisch, wenn die Polizei erst nach der Steuerquittung fragte…aber prinzipiell möglich). Ansonsten greifen Zwangsmaßnahmen nur gegen Verbrecher: Die ihrerseits damit angefangen haben, Zwangsmittel anzuwenden, wodurch ihnen mit ebensolchen begegnet werden darf (von Neutralisierung und Festnahme bis zum Strafvollzug).

    3. Verantwortung: Letztlich ist man selber dafür verantwortlich, wie viel Zwang der Staat auf einen ausüben kann, darf oder muss. Durch Auswanderung kann man sich diesem Zwang auch ganz entziehen.

    4. Aufwand: Ohne den staatlichen Zwang müsste man seine eigene Sicherheit komplett selber organisieren. Oder sich in die Hände einer privaten Sicherheitsfirma begeben.

    Insgesamt halte ich es für unmöglich, für Unrecht zu halten, wenn man dazu „gezwungen“ wird, nicht zu töten, nicht zu stehlen und nicht zu versklaven, sowie denjenigen, der garantiert, dass auch je mir das nicht angetan wird, für seine Arbeit zu bezahlen.

    Gibt übrigens ein komplettes RPG-Franchize, samt Buchreihe, in der die Gesellschaft „anarchokapitalistisch“ aufgebaut ist: Shadowrun.

  3. Sophian Philon sagt:

    Danke an alle für die Antworten.

    „Grundsätzlich hast du recht, dass der Staat auf Zwang baut, aber zwischen den einzelnen Individuen gibt es nach John Locke und Thomas Hobbes eine Übereinkunft, einen sogenannten Gesellschaftsvertrag, in dem man einem Souverän die Macht gibt, die Menschen voreinander zu beschützen.“

    Klar, aber das ist dann ein kontraktualistische Argument, kein moralisch-naturrechtliches; wenn nur einer offen sagt, dass er nicht zustimmt, wird der ganze Gesellschaftsvertrag hinfällig. Ich suche nach eine objektiven Begründung für den Staat.

    „Zwang ist nicht per se eine Rechtsverletzung. Wenn man dich zwingt, für das zu bezahlen, was du dir nimmst, was du nutzt, was du gegen eine Leistung eintauschst, so ist das ethisch angemessen. Sonst könntest du Banken ausrauben und dürftest nie gezwungen werden, das Geld zurückzugeben.“

    Klar, aber von diesem Zwang habe ich nicht gesprochen.

    „Jeder, der an einem Handel teilnimmt, profitiert somit von den Institutionen und Gesetzen, die diesen Handel überhaupt erst ermöglichen. Die dafür sorgen, dass er friedlich und frei über die Bühne geht. Und dafür muss man eben etwas bezahlen.“

    Man könnte einwenden:
    1. Ich habe nicht daraum gebeten. Warum sollte ich dann dafür bezahlen? Das ist nichts anderes als die Free-Ride-/Trittbrettfahrer-Theorie, mit der Sozialisten alle möglichen Steuern rechtfertigen.
    2. Wieviel soll es denn sein? Wer setzt den Preis fest, wer das Maß an Sicherheit? Objektiv lässt sich das nicht entscheiden.

    „Welchen Zwang übt ein Staat nach objektivistischem Modell im Normalfall aus? Den, Steuern zu zahlen. Und das wars. […] Er dient dem Zweck, die friedliche Koexistenz und Kooperation er Bürger zu ermöglichen. Der einzige Zwang auf den Normalbürger, die Steuerpflicht dient dazu, die Exekutive für die Ausführung der Staatspflicht zu bezahlen. Eigentlich ist es ein Trade zwischen Bürger und Staat: Er beschützt mich, ich bezahle ihn. Wenn ich ihn nichr bezahle, kann er mich schlecht als einzigen nicht beschützen (wäre komisch, wenn die Polizei erst nach der Steuerquittung fragte…aber prinzipiell möglich). Ansonsten greifen Zwangsmaßnahmen nur gegen Verbrecher: Die ihrerseits damit angefangen haben, Zwangsmittel anzuwenden, wodurch ihnen mit ebensolchen begegnet werden darf (von Neutralisierung und Festnahme bis zum Strafvollzug).“

    Das ist eben kein Handel, sondern Zwang. Anakaps bringen dann immer das Beispiel mit dem Schutzgelderpresser.

    • Sophian Philon sagt:

      Noch ein Hinweis auf ein Interview mit Hoppe, wo er das Argument mit den Schutzgelderpressern vorbingt:

      http://www.misesde.org/?p=3491

      „Interviewer:
      Stimmt, aber der Staat beruht auf einem Gesellschaftsvertrag, der dem einzelnen andererseits auch Schutz und einen gewissen Entfaltungsspielraum gibt, den er ohne den Staat – im Kampf aller gegen alle – nicht hätte.

      Hans-Hermann Hoppe:
      Nein, der Staat ist gerade nicht das Resultat eines Vertrages! Niemand, der auch nur einen Funken Verstand hat, würde einem derartigen Vertrag zustimmen. In meinen Akten gibt es viele Verträge, aber so einer findet sich nirgends. Der Staat ist das Resultat aggressiver Gewalt und Unterwerfung. Er ist ohne jede vertragliche Basis entstanden, genauso wie eine Bande von Schutzgelderpressern. Und was den Kampf aller gegen alle betrifft so ist dies ein Mythos. Natürlich schützt ein Schutzgelderpresser seine Opfer auf „seinem“ Territorium vor anderen Erpressern, aber doch nur, um die eigenen Erpressereien umso erfolgreicher durchführen zu können. Darüber hinaus: Es sind Staaten, die allein im 20. Jahrhundert für mehrere hundert Millionen Tote und unermessliche Zerstörung verantwortlich sind. Dagegen fallen die Opfer privater Kriminalität kaum ins Gewicht. Und glauben Sie im Ernst, dass es etwa zwischen den Bewohnern des Dreiländerecks bei Basel, die ja im Zustand der Anarchie miteinander leben, mehr Konflikte gibt als zwischen denen Dortmunds und Düsseldorfs, die Einwohner ein- und desselben Staates sind? Mir ist davon nichts bekannt.“

    • sba sagt:

      „Das ist eben kein Handel, sondern Zwang.“
      Nicht, wenn man sich diesem entziehen kann.
      Überspitzt gesagt: Du hast nicht darum gebeten, hier zu sein? Niemand zwingt Dich, hier zu bleiben. Wo ist das Problem?

      „Anakaps bringen dann immer das Beispiel mit dem Schutzgelderpresser.“
      Komisch: Anakap kann man das selbe an den Kopf werfen: Wenn es außer privaten Sicherheitsfirmen keine Legislative oder Exekutive gibt, können die ihre Kunden auch einfach a lá Mafia „akuirieren“ – Und aus der Zuständigkeit der Mafia gibt es kein entkommen.

      • Sophian Philon sagt:

        Zu 1: Wo ist dann der Unterschied zu einem Unternehmen, das mit Gewalt Konkurrenten aus einem Gebiet vertreibt und dort etwa Wasser anbietet. Ist das auch kein Zwang, weil man ja weggehen kann?

        Zu 2: Das finde ich überzeugend.

        • sba sagt:

          Unterschiede, die mir einfallen, ohne mir ganz sicher zu sein, worauf Du hinaus willst:
          a) Ein Staat soll nicht auf Gewinn wirtschaften (weil es völlig ausreicht, wenn er seine Kosten deckt), ein Untenehmen muss auf Gewinn wirtschaften. Ceteris paribus müsste ein Unternehmen, dem man die Aufgaben eines Staates gäbe, mehr Geld einnehmen, ergo mehr Geld verlangen.

          b) Unternehmen streben nach Expansion, Staaten brauchen keine Expansion.

          c) Solange wir nicht bei Shadowrunverhältnissen angekommen sind, dürfen Unternehmen keine Gewalt initiieren. Der Staat seinerseits darf Gewalt auch nur anwenden, um Gewaltanwendung zu unterbinden oder zu beenden.
          (vermutlich habe ich meilenweit danebengehauen, sorry, aber mir ist leider wirklich nicht ganz klar, worauf Du hinaus wolltest :-/ )

          Übrigens@ Andreas: Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass ein Plural an Staaten unumgänglich ist. Von Kultur- und Sprachrücksichten abgesehen, ist das Vielsein von Staaten ein wirksamer Schutz gegen menschliche Fehlbarkeit (denn wohin soll man nötigenfalls auswandern, wenn es kein politisches anderswo gibt?)

          • derautor sagt:

            Das liberale Weltimperium ist nicht dasselbe wie ein Weltstaat. Es ist eine Art von NATO/EU, das den Freihandel der Einzelstaaten verteidigt und über die Staaten hinausgehende Polizei- und Militäraktionen koordiniert. Dabei wird auf weltanschauliche Missionierung verzichtet und auch auf die Förderung eines bestimmten politischen Systems. Ziel ist vielmehr der Schutz der individuellen Rechte, also der ökonomischen Rechte und Bürgerrechte.

          • Sophian Philon sagt:

            A ist ein Anbieter von Wasser. B ist ein Anbieter von Sicherheit.

            Wenn A mit Gewalt Konkurrenten aus einem Gebiet vertreibt, um dort sein Produkt (Wasser) zu einem Preis und in einer Qualität anzubieten, die er bestimmt, würden wir sagen, dass es unrecht ist.

            Warum ist es nicht unrecht, wenn B (nennen wir ihn „Staat“) mit Gewalt Konkurrenten aus einem Gebiet vertreibt, um dort sein Produkt (Sicherheit) anzubieten.

            Die Erklärung, dass es kein Zwang ist, weil man ja weggehen kann, trifft doch auf beide Fälle zu.

          • derautor sagt:

            Bei einem Schutzgelderpresser kann man nicht den Anbieter wechseln, ohne dass er einen physisch bedroht oder ermordet. Bei einem Staat schon.

          • sba sagt:

            Danke Andreas,
            ansonsten, Sophian Philon: Rand beharrt in ihren Staatstheoretischen Auslassungen immer wieder auf die Unabhängigkeitserklärung, in der es heißt, dass Regierungen von den Regierten eingesetzt und kontrolliert werden (sollen).
            Hinsichtlich der Aufgaben kann man Staat und Regierung identisch annehmen. (Da die Regierung letztlich bloß dafür verantwortlich ist, die „Maschine Staat“ in Gang zu setzen und zu halten)
            Und dann greifen die Rand-Essays „The Nature of Government“ und „Government Financing in a Free Society“ (zB in „The Virtue of Selfishness“ S. 125ff; Zusammenfassungen auf Anfrage; ich geh jetzt schlafen)

  4. Sophian Philon sagt:

    Ich danke ich euch für die Hinweise. Ich werde mich erst einmal zurückziehen und in mich gehen.

    Ich finde aber trotzdem, dass die anarchistische Kritik (im Gegensatz zur Utopie) damit noch nicht erledigt ist. Selbst wenn man sich dem „Monopol Staat“ durch Auswanderung entziehen kann, bleibt es doch Zwang (im Vergleich zu dem anarchistischen Modell). Ich sehe nicht, wie man den (Minimal)Staat durch naturrechtliche, objektive Argumente rechtfertigen kann; ich denke, dass es nur kontraktualistisch o.ä. geht.

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