Der muslimische Winter

Was den „arabischen Frühling“ angeht, wurde ich beim letzten Beitrag zum Thema belehrt, dass ich zu früh meine Rechthaberei zum Ausdruck brachte. Ich hatte die Meinung vertreten, dass islamische Diktaturen das Resultat der Volksaufstände in der islamischen Welt sein würden.

Die Tatsache, dass die Muslimbrüder die Wahl in Ägypten gewannen, sei allerdings noch immer etwas, das bei der nächsten Wahl anders aussehen könnte und auch die Islamisten (jetzt neu in „moderat“) seien ja an demokratische Prinzipien gebunden worden.

Nun hat der ägyptische Präsident Mursi die gesamte Macht an sich gerissen und die Gewaltenteilung aufgehoben. So viel zu den demokratischen Prinzipien, die ihn binden.

Ich probiers also noch einmal: Der „Arabische Frühling“ ist tatsächlich der „Muslimische Winter“ (David Horowitz).

Damit eine solche Fehlscheinschätzung nicht noch einmal vorkommt, dichtete ich spontan jene gräuslichen, leicht angenervten Merk-Zeilen über die Krieger des Dschihad:

Der Winter kommt

Wenn du glaubst, die Welt wird besser,

die Blumen blühen, die Vögel singen.

Vergiss besser nicht dein Messer,

wenn du nicht willst, dass sie dich umbringen.

Du glaubst an Sonnenschein und Menschenrechte,

an die Geborgenheit durch hohe Mächte.

Ich glaube an überlegene Feuerkraft,

die Frieden und Freiheit erst schafft.

1000 Jahre Dunkelheit

sind manchen noch 1000 zu wenig.

Dafür gibts 1000 Bomben. Mein Beileid,

Gott habe sie selig.

Sie denken an die gute alte Zeit

von Steinigung und Islamismus.

Ich denke an die gute alte Zeit

des westlichem Imperialismus.

Ihr Glaube heißt Krieg,

und Tod ist ihre Schrift,

Mein Credo heißt Sieg,

Freiheit das Gegengift.

Sie lieben den Tod wie wir das Leben,

sagen sie mit stolzgeschwellter Brust.

Amen. Er sei ihnen gegeben.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Politik.

8 Kommentare zu “Der muslimische Winter

  1. sba sagt:

    ähm…die Voraussage, dass es nach einer Revolution erstmal absolutistischer wird, ist eigentlich ähnlich zuverlässig, wie die Voraussage, dass es im Sommer wärmer wird als jetzt – das Gegenteil wäre erklärungsbedürftig.
    Warum? – Meiner Vermutung nach begünstigen Zeiten ohne gültige Verfassung und funktionierende Staatsmacht, also anarchistische Zeiten, einfach Gewaltmenschen – ob sie sich an die Macht kämpfen oder gewählt werden, weil sie ein Moment der Sicherheit in unsichere Zeiten zu bringen versprechen (meistens ohne dies Versprechen zu halten).
    (Passend dazu ist Mursis Erklärung die Standarterklärung aller Revolutionäre für ihre Unrechtseinführungen – andererseits haben wir bei der nächsten Wahl in Ägypten spätestens eine empirische Messung, wie es um die Befristung bestellt ist.)

    • sba sagt:

      PS: Sinn des Beitrags war eigentlich ein Gegenvotum: Ich denke nicht, dass die genaue Ideologie für die Genese der Diktatur eine Rolle spielt.

    • derautor sagt:

      Danke für den Kommentar. Ich denke, es kommt schon auf die Ideologie an. Bedenke etwa die amerikanische Revolution, die zu einer Republik führte.

      • sba sagt:

        Ja, hat sie, und dieser Umstand ist m.E. der eigentlich erklärungsbedürftige.
        Die kürzeste mögliche Erklärung wäre wohl, dass nach der „Revolution“ kein Machtvakuum bestand (soweit ich weiß, waren die Kollonialparlamente die ganze Zeit über in Kraft) – eigentlich ging es bloß darum, das schon bestehende eigene System unabhängig zu kriegen; nicht darum, ein völlig neues System auf Kosten des bestehenden zu etablieren.
        Etwas länger wird es, wenn man überlegt, ob es nach der Unabhängigkeitserklärung, die die Kollonien zu souveränen Staaten erklärt, überhaupt eine Revolution ist oder nicht vielmehr eine Art Verteidigungskrieg (zur Entfernung/ Neutralisierung fremder Truppen auf eigenem Territorium).

  2. Fred sagt:

    Bei der französischen (1789), der russischen (1917) und der iranischen (1979) sieht man ein ähnliches Muster. Zuerst eine relativ breite plurale Front gegen die vorherigen Machthaber. Das ganze oft noch friedlich und am Anfang sogar mit einer gemäßigten Revolutionsregierung. Dann konnten sich in allen drei Fällen die radikalen Kräfte durchsetzen (Jakobiner, Bolschewisten, Mullahs). Wohlgemerkt hatten die radikalen Kräfte aber nie eine Mehrheit in der Bevölkerung (obwohl diese im Nachhinein oft konstruiert wurde). Sind diese Kräfte dann einmal an der Macht können sie ihre Herrschaft über Jahrzehnte halten (siehe Russland, siehe Iran). Bei der amerikanischen Revolution gab es keine radikale Ideologie in dem Sinn. Zum Einen weil die Idee der Gewaltenteilung und der Mäßigung des Staates zentraler Gedanke der Unabhängigkeitsbewegung war und zum Anderen weil der Aufstand an vielen Institutionen der Kolonialzeit anknüpfte (wie sba schon sagte.)

    Ich glaube das liegt daran dass sich radikale Ideologien in Zeiten der Krise einfach besser durchsetzen können (wie sba ja auch schon angemerkt hat). Ohne langwierige Diskussionsprozesse und mit einer fanatischen Gefolgschaft können sie sich dann besser organisieren und koordinieren. (Was aber nicht heißt das sie auch eine bessere Regierung stellen, eher im Gegenteil).

    Wie das in Ägypten wird da wage ich keine Prognose. Allerdings sollte das ein Lehrstück sein gegenüber denen die Extremisten (sei es jetzt von links, rechts oder religiös) für ungefährlich halten oder sie in einem falsch verstandenen naiven Multikulturalismus verharmlosen. Ich halte das Paradoxon der Toleranz von Popper für immer noch gültig.

    • derautor sagt:

      Bezüglich der nicht-sarifen Schriftart. Das scheint man nicht generell einstellen zu können und ich müsste es jedes Mal einzeln machen.

      • Fred sagt:

        Danke für die Auskunft.

        Ist ja auch kein großes Problem. Den Blog lese ich trotzdem 🙂 Manche haben sogar eine Serifenschrift lieber. Ich glaube da streiten die Gelehrten und die Meinungen noch.

  3. Rüdiger sagt:

    Ein kraftvolles politisches Gedicht!

    Und es reimt sich sogar. 🙂

    Es wird eingehen ins Poesiealbum des Counterjihad. Den die Israelis jetzt und wir in einigen Jahren werden führen müssen – auf Strafe der Unterwerfung.

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