Das Wort, das man gerade sagt

Entweder ich spinne oder jeder hat ein Wort, das er in einem bestimmten Zeitraum bevorzugt gebraucht. In der Grundschule sagten alle eine Weile lang „Alter“, sodass man die weißen Haare wachsen fühlen konnte. Bei mir ist es gerade der Ausruf „Jo!“ anstelle von „Ja“ und einfach als Bestätigungslaut. „Das Wort“ gebraucht man immer in einem bestimmten Kontext, aber als Ersatz für ein gebräuchlicheres Wort und nur eine bestimmte Zeit lang. Zum Beispiel sagen manche „Einen Guten“, statt „Guten Appetit“, bis sie dann doch wieder „Guten Appetit“ sagen. Oder „Tschö“ statt „Tschüs“.

Daher meine Frage: Geht euch das auch so oder bin ich ein noch größerer Freak, als es ohnehin den Anschein hat?

9 Kommentare zu “Das Wort, das man gerade sagt

  1. Thomas B. sagt:

    Geht mir auch so. Besonders, wenn ich viel mit Menschen, die ich gern mag zu tun habe, die ein bestimmtes Wort oft verwenden, welches ich sonst nicht unbedingt gebrauchen würde. Im Englischen sage ich in letzter Zeit ständig „precisely“ statt „yes“, was ich wohl von Mr Spock und P.G. Wodehouse’s Jeeves übernommen habe…

  2. Fred sagt:

    Komisch. Das Wort „Alter“ hab ich in meiner Kindheit und Jugend nie gehört. Obwohl ich nur ein paar Jahre älter bin. Jetzt höre ich das fast ständig bei Jugendlichen.

  3. kawe sagt:

    Letzteres.

  4. Maier sagt:

    Sprache ist u.a. ein Ausdruck von Coolness. Als lässig gilt, was aktuell und neu ist. Veraltete Begriffe sind uncool. In den Achzigern sagte man „super“. Davor sagte man „prima“. „Prima“ war sodann(und heute immer noch) völlig out. Anfang der 90er sagte man „goil“ statt „geil“. Das galt als cool. Heute klingt das Wort „goil“ einfach nur peinlich.
    Ende der 90er galt es als lustig, türkisch-deutsch zu labern: „Ey, Alda, was geht…?“ Heute ist da nicht mehr lustig, sondern einfach nur noch nervig.
    Ich persönlich orientiere mich nicht unbedingt am Zeitgeist und mag auch altmodische oder uncoole Redewendungen. So benutzte ich z.B. gerne mal das Wort „fei“ oder das Wort „urst“. Das sind zwei regionale Fachbegriffe (Franken und Ostdeutschland), die in meiner Region (BaWü) eigentlich nicht benutzt werden.

    Der Potsdamer Radiosender „Fritz“ hat gerade das „Rentnerwort des Jahres“ gekürt: „Kokolores“.
    Lustige Idee, wie ich finde. Vielleicht werden durch diese Aktion „tote“ Begriffe wieder zum Leben erweckt…?

    http://de.nachrichten.yahoo.com/fritz-k%C3%BCrt-das-rentnerwort-des-jahres-2012-kokolores-000000541.html

  5. pufaxx sagt:

    Für mich, der in einer sehr ländlichen Gegend Schleswig-Holsteins aufgewachsen ist, ist „Jo“ genau das gleiche wie „Ja“. Nur eben in „meinem“ Dialekt.

    Und das hat sich auch noch so angefühlt, als auf MTV die Show „Yo! MTV Raps“ lief. Mit Fab5Freddy. So B here or B square. Ich kann also ganz normal norddeutsch „Jo“ sagen und „Ja“ meinen – oder „Jo“ sagen und „Yo!“ meinen. Phat!

    Der akustische Unterschied ist marginal. Wenn man ganz genau hinhört, hat das norddeutsche „Ja“ ein kleines bisschen mehr „u“ am Ende drin („Jou!“) als das Hiphopper-„Yo“ …

    @Maier: Viel peinlicher als „goil“ war ja eigentlich ja „gaul“. Aber man kann alles irgendwie steigern.

    • pufaxx sagt:

      Noch ein kleiner Nachtrag: Ich wohne jetzt nicht mehr in Schleswig-Holstein, sondern in Mittelfranken.

      Zuerst war ich echt bemüht, keine typischen Dialektwörter wie „fei“ oder „halt“ anzunehmen. Inzwischen hab ich doch so Einiges im Repertoire. Okay, „Grüß Gott!“ gehört sicherlich nicht dazu.

      Aber mittlerweile sag ich z.B. „Semmel“. Denn „Leberkäs-Semmel“ ist bei weitem nicht so sperrig wie „Brötchen mit Leberkäse“.

      Ebenfalls praktisch ist das Wörtchen „halt“. Das ja eigentlich nicht wirklich etwas bedeutet, außer vielleicht „eben nun mal“. Is halt so. Is eben nun mal so.

      Desweiteren gibt’s ein hier etliche Wörter, die kurz, knackig und dennoch präzise sind – und zu denen ich kein hochdeutsches Äquivalent kenne …

      Beispiel: Das Adjektiv „strümpfert“ – Fällt jemandem für „nur mit Socken an den Füßen“ ein einzelnes hochdeutsches Wort ein?

      Oder: „heimradeln“ – Fällt jemandem für „mit dem Fahrrad nach Hause fahren“ ein einzelnes hochdeutsches Wort ein?

      • Flo sagt:

        Strumpfsockig.

        Wenn du hingegen in Bremen eine „Semmel“ bestellst, schauen dich alle an, als kämst du vom Mond, schon ausprobiert (ok, ist 15-20 Jahre her :-).

  6. Milfweed sagt:

    „Schmock“ seitdem ich Serien im O Ton höre 😀

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