Die Verbrechen des Westens

Warum beging der Westen die Verbrechen, die er im 20. und 21. Jahrhundert beging? Um die Geschichte verstehen zu können, muss man sie zunächst verstehen wollen.

Zunächst folgt ein Überblick über die größeren Verbrechen des Westens, vor allem der USA, im 20. und 21. Jahrhundert sowie die zugehörigen Gründe für diese Verbrechen. Darauf folgt das Fazit, meine moralische Beurteilung und das, was wir meiner Einschätzung nach aus der Geschichte lernen müssen.

2. Weltkrieg (Krieg gegen den Faschismus)

a) Die Bombardierung von deutschen Zivilisten.

Grund: Rache für deutsche Angriffe auf Zivilisten, Schwächung der deutschen Kampfesmoral, Beschleunigung des Kriegsendes. Im Falle der USA: Ausschaltung militärisch relevanter Ziele in Städten.

> Realpolitik: Moralische Kompromisse zur Erreichung moralisch höher eingestufter Ziele.

b) Kollaboration mit Sowjetrussland.

Grund: Militärische Unterstützung gegen Nazi-Deutschland. Furcht vor sowjetischen Angriffen.

> Realpolitik

Darunter: Die Rücksendung vier Millionen Kriegsgefangener und Vertriebener zurück nach Russland nach dem Krieg. Viele wurden dort exekutiert. Die Unterstützung beim Betrieb der Gulags. Die Toleranz gegenüber der sowjetischen Besetzung Osteuropas und Ostdeutschlands nach dem Krieg.

Wiedergutmachung: Der Westen (vor allem die USA) bekämpfte später den sowjetischen Imperialismus und brachte Ende der 1980er das Regime zu Fall. Vornehmlich Ronald Reagans und Margaret Thatchers Verdienst.

3. Weltkrieg (der Krieg gegen den Kommunismus)

a) Die Bombardierung von Zivilisten in Kambodscha während des Vietnamkriegs. Die Aufgabe von Südvietnam 1973, das den Kommunisten 1975 in die Hände fiel.

Grund: Realpolitik, Proteste gegen den Vietnamkrieg seitens Hippies und amerikanischer Kommunisten

b) Unterstützung faschistischer Regime in Chile (Pinochet) und El Salvador im Kalten Krieg.

Grund: Unterstützung des „kleineren Übels“ gegen das im Kontext „größere Übel“. Kein direkter Angriff auf die Sowjetunion aufgrund nuklearer Bedrohung möglich.

> Realpolitik

Wiedergutmachung: Amerika unterstützte die Demokratisierung der rechten Tyranneien nach dem Sieg über die Kommunisten. Süd- und Zentralamerika bewegen sich heute in Richtung liberaler Demokratien.

c) Unterstützung der islamistischen Mudjaheddin in Afghanistan gegen die Sowjets.

Grund: Unterstützung des „kleineren Übels“ gegen das „größere Übel“ im damaligen Kontext.

> Realpolitik

Wiedergutmachung: Entfernung des islamistischen Taliban-Regimes 2001

d) Amerikas Verrat in der Suez-Krise 1956. Amerika stellte sich an die Seite der antisemitischen Tyrannei Ägypten und gegen die Demokratien England, Frankreich und Israel.

Grund: Amerika befürchtete Krieg mit der Sowjetunion

> Realpolitik

4. Weltkrieg (Krieg gegen den Islamismus)

a) Unterstützung von Saddam Husseins Irak gegen islamistische Fanatiker im Iran. Auch durch Deutschland und Frankreich.

Grund: Unterstützung des kleineren Übels gegen das größere Übel im Kontext.

> Realpolitik

Wiedergutmachung: Die USA besiegten Saddam Hussein 2003. Frankreich und Deutschland haben ihre Unterstützung von Saddams Regime nie wiedergutgemacht. Vielmehr unterstützten sie Hussein weiterhin bis und teils sogar nach seiner „Abdankung“.

b) Unterstützung inklusive finanzieller Hilfe für unfreie islamische Staaten wie Saudi Arabien, Kuweit, Katar, Ägypten und Pakistan heute. Unterstützung für unfreie Staaten wie Uzbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und die Nordallianz im Afghanistankrieg.

Grund: Teilweise Rohstofflieferanten (Erdöl) und teilweise militärische Unterstützung in Kriegen gegen andere unfreie Staaten.

> Realpolitik

c) Amerika und die EU schicken finanzielle Unterstützung und sogar Waffen an die „Polizei“ und an die „Sicherheitskräfte“ der Palästinenser, inklusive der UNRWA und unterstützen die Fatah gegenüber der Hamas (beides antisemitische Terrorgruppen). Diese Verbrechen werden von der Linken begrüßt.

Grund: „Diplomatie“ um „Frieden“ zu sichern. Antisemitismus. Einfluss linker Intellektueller.

Fazit

Der Hauptgrund für die westlichen Verbrechen im 20. und 21. Jahrhundert war ein Konzept namens „Realpolitik“. Realpolitik ist bereit, bei grundsätzlichen Fragen Kompromisse einzugehen. Moralische Grenzen werden übertreten, weil man sich damit das Erreichen „höherer Ziele“ erhofft. Verantwortlich waren außerdem rechte und vor allem linke Ideologen, die entweder keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung befeindeter Nationen nahmen (rechts) oder die den Feind ideologisch unterstützten (links).

Die Moral von der Geschichte

Was Moral ist, sehen die Leute unterschiedlich. Als Vertreter der objektivistischen Philosophie glaube ich, dass es objektive Grundlagen der Moral gibt, die man entweder anerkennt und sein Leben an diesen ausrichtet, oder man wird weniger glücklich sein und weniger erfolgreich, als man es hätte sein können. Wie also beurteilt meine Philosophie die Verbrechen des Westens?

Zunächst ein paar Worte zur Frage von Krieg und Frieden. Einige Autoren des Ayn Rand Institute lehnen das Konzept des gerechten Krieges ab und argumentieren gegen die Rücksichtnahme auf Zivilisten im Feindesland. Die konsistentere Position stammt von der Atlas Society, die für den gerechten Krieg zur Selbstverteidigung und der Verteidigung von Alliierten argumentiert. Gewalt ist demnach nur als Gegengewalt legitim.

Bezüglich der Frage, ob „Realpolitik“ der richtige Weg ist, lautet die objektivistische Position, dass es bei grundsätzlichen moralischen Angelegenheiten keine Kompromisse geben kann. Realpolitik ist demnach keine realistische Politik, sondern sie beruht auf der Leugnung der Realität und auf der Leugnung des objektiven Wertes der Integrität. Darum musste die Realpolitik notwendig scheitern.

„Es kann keinen Kompromiss bei grundsätzlichen Prinzipien geben. Es kann keinen Kompromiss bei moralischen Fragen geben. Es kann keinen Kompromiss bei Fragen des Wissens, der Wahrheit oder der rationalen Überzeugung geben“ (Ayn Rand).

Westliche Politiker und auch das Volk, das sie wählte, haben sich nicht immer daran gehalten. Aus ihrer Sicht musste man moralische Kompromisse eingehen, um dem unmittelbaren, kurzsichtigen Eigennutz oder einer „wichtigeren Sache“ oder einer „höheren Moral“ zu dienen. Resultat ist der Schuldkomplex des Westens aufgrund der moralischen Fehler, die er begangen hat, und die von seinen Feinden für Propaganda in eigener Sache missbraucht werden.

Der Westen hat mit seiner „Realpolitik“, die am Ende schlicht eine Politik der moralischen Korruption war, seine Seele feilgeboten. Die Feinde der freien Welt haben das Angebot dankend angenommen.

Diplomatie und Kompromisse kann es nur unter bestimmten Bedingungen geben, nämlich wenn beide Seiten einen gerechtfertigten Anspruch haben und eine angemessene Gegenleistung anbieten. Das bedeutet, dass beide Seiten eine gemeinsame Grundlage haben müssen für ihre Verhandlungen. Diese Grundlage kann nicht selbst zur Debatte stehen. Beispielsweise das Prinzip der friedlichen Einigung, der Gewaltfreiheit. Die gegenseitige Achtung der Rechte beider Verhandlungspartner.

Der Westen ist hingegen Kompromisse mit Tyrannen und Terroristen eingegangen, die keinerlei Respekt vor den Grundlagen der Diplomatie und der Kompromissbereitschaft hatten und haben.

Die einzig angemessene Antwort auf Gewalt ist die Gegengewalt. Man reicht dem Teufel nicht die Hand. Der Westen muss diese Lektion lernen. Er muss aufrecht stehen können, um als Verhandlungspartner ernstgenommen zu werden, als Freund – und gegebenenfalls als Feind.

Literatur

Mark Humphrys: The Defense of the West has involved crimes

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Politik.

5 Kommentare zu “Die Verbrechen des Westens

  1. Martin sagt:

    Im Großen und Ganzen stimme ich damit überein, besonders mit dem Fazit.
    Interessant wäre es evtl. auch noch, aufzuführen wie unterschiedlich die Beschäftigung und Aufarbeitung der „westlichen Verbrechen“ gegenüber der Aufarbeitung „nichtwestlicher Verbrechen“ ist. Ein Beispiel wäre da z.B. die schulische, mediale und literarische Behandlung der Atombombenabwürfe gegenüber der (in Summe und teils auch im Einzelfall) abscheulicheren japanischen Kriegsverbrechen, Massenermordungen von Zivilisten etc..

    Weiter wäre vielleicht noch aufzuführen, das der strategische Bombenkrieg gegen Deutschland und die vom dritten Reich besetzten Gebiete von britischen und US-Luftstreitkräften grundsätzlich unterschiedlich und mit unterschiedlicher Zielsetzung geführt wurde.
    Das Ziel der bei Tage stattfindenden US Angriffe war -im Gegensatz zu den nächtlichen britischen Angriffen- nicht die Bombardierung von Zivilisten, sondern die Zerschlagung der Produktionskapazität und -besonders kurz vor und während der Invasion in der Normandie- der Transportwege.

  2. spkr sagt:

    Im 1. Golfkrieg wurden meines Wissens beide Seiten (der Iran zumindest mit taktischen Informationen) vom Westen unterstützt. Daher vielleicht als Grund: Die Übel schwächen sich gegenseitig. Macht es moralisch aber nicht besser.

    Wie bewertest du die derzeit diskutierten Waffenlieferungen an Saudi-Arabien? Ist SA als Stabilitätsfaktor die bessere Alternative (http://zettelsraum.blogspot.de/2012/12/rustungsexporte-siedlungspolitik.html) , bzw. siehst du die „diplomatischen Grundlagen“ in diesem Fall als erfüllt an?

    • derautor sagt:

      Waffenlieferungen an Saudi-Arabien sind Waffenlieferungen an den Feind. Saudi-Arabien finanziert islamistische Propaganda im Westen und Terrorgruppen überall auf der Welt. Das Land ist die Zentrale des Islamismus und dessen größter und wichtigster Geldgeber. Wir brauchen Saudi-Arabien so sehr wie einen Schlag ins Gesicht. Und ich mache außerdem keine Realpolitik, ich mache Moralpolitik.

      „Pazifisten empören sich über die geplanten deutschen Waffenlieferungen an Saudi-Arabien“, schreibt Fleischhauer. Ich bin kein Pazifist. Ich will, dass unsere Feinde unschädlich gemacht werden, solange sie eine Bedrohung darstellen. Ich habe auch nicht prinzipiell etwas gegen Waffenlieferungen, aber man liefert keine Waffen an seine Feinde.

      „Aber die Alternative zur Diktatur ist in der arabischen Welt nicht notwendigerweise die repräsentative Demokratie, wie sie im politikwissenschaftlichen Grundseminar gelehrt wird. Die Alternative ist hier der islamistische Terrorstaat.“

      Saudi-Arabien ist bereits ein islamistischer Terrorstaat.

      „Wer bei der Wahl seiner Verbündeten zu pingelig ist, läuft Gefahr, bald ziemlich allein dazustehen.“

      Im Gegenteil: Wer pragmatisch handelt, anstatt moralisch zu handeln, wird bald ziemlich allein dastehen.

      Was bedeutet „konservativ“ eigentlich? Heißt „konservativ“, dass man sich zu der Zeit zurücksehnt, als die Menschen schon keine Moral mehr hatten? Wieder einer dieser Gelegenheiten, bei der man sich die Frage unwillkürlich stellt.

      • arprin sagt:

        @derautor:

        Danke für die klaren Worte zu Fleischhauers Saudi-Arabien-Artikel.

        In Saudi-Arabien ist es durchaus möglich, dass es einen Volkaufstand gegen das Könighaus gibt, und dass diese Panzer dann gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt werden. Man würde dann eine Mitschuld an diesen Massakern tragen, sowie damals, als man Saddam mit Giftgas beliefert hat, mit dem er dann die Kurden massakriert hat.

        Aber das ist Fleischhauer egal, denn er sagt:

        „Augstein hat recht mit seiner Warnung, dass die Panzer noch fahren werden, wenn die Dynastie der Saudis von der nächsten islamistischen Welle hinweggefegt sein sollte. Aber dieses Risiko tragen wir zuletzt. Berlin ist nicht Tel Aviv, auch wenn auf dem nach oben offenen Betroffenheitsindex beides hierzulande etwa gleich bewertet wird.“

        Das bedeutet ja im Grunde: Wenn die Israelis durch deutsche Panzer massakriert werden, ist es nicht unser Problem, auch wenn wir sie geliefert haben.

        Dabei ist Kooperation mit Saudi-Arabien bis zu einem gewissen Grad ja angebracht. Die USA brauchen das saudische Öl, die saudische Regierung ist gegen die Hisbollah, die Hamas, Iran und Syrien, und auch wenn die al-Qaida aufgrund der wahhabitischen Staatsideologie in Saudi-Arabien viele ihrer Mitglieder aus diesem Land rekrutieren kann, sieht al-Qaida das saudische Königshaus als Feind an, weil sie mit den USA kooperieren. Außerdem hat der derzeitige König einige durchaus beachtliche Reformen angestoßen. Aber Waffenlieferungen sind dennoch nicht zu rechtfertigen.

        Ein anderer „Konservativer“ mit ähnlichen außenpolitischen Ansichten wie Fleischhauer ist Helmut Schmidt. Im September hat er sich u.a. über Mao und das Peking-Massaker 1989 geäußert. Hier das ganze Horror-Interview:

        http://www.zeit.de/2012/38/Helmut-Schmidt-di-Lorenzo-China-Mao-Menschenrechte/komplettansicht

        Ein Feuerwerk von Relativismus und Nihilismus.

        • sba sagt:

          Das Interview ist echt interessant…ich dachte bis eben, sowas kriegen nur Kishon und unser Autor hin, und dann als Satire. War die Wirklichkeit mal wieder härter.

          Und alles, was man braucht, um zu wissen, was man von Schmidt zu halten hat, ergibt die Passage:
          Schmidt: Die Menschenrechtserklärung ist eine Resolution, sie ist kein Bestandteil der Charta der Vereinten Nationen. Ich bin übrigens kein allzu begeisterter Anhänger der Vereinten Nationen.

          di Lorenzo: Aber Sie weisen immer wieder darauf hin, dass militärische Interventionen nur durch ein Mandat des Sicherheitsrates völkerrechtlich legitimiert werden können.

          Schmidt: Das stimmt. Deswegen bin ich sehr skeptisch, wenn ich das neue Schlagwort der responsibility to protect höre. Dieses Prinzip propagiert einen Verstoß gegen geltendes Völkerrecht. […] Es geht von der Vorstellung aus, dass Menschenrechte wichtiger sind als das Völkerrecht.

          Und ich armer Tropf dachte die ganze Zeit, positives Recht sei den Menschenrechten untergeordnet, weil diesen dienend. So kann man sich irren.

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