Grass: „Ich bin doof“

Der deutsche Schriftsteller Günter Grass räumte ein, dass es mit seinen intellektuellen Fähigkeiten nicht weit her sei. „Vom Grundprinzip her bin ich ein Idiot“, erklärte der Literat („Die Blechtrommel“, „Der Fußschemel“) auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz am Mittwoch. Grass habe jahrzehntelang den Bildungsbürger und Moralisten der Nation lediglich gespielt. Der Enthüllung folgten bittere Reaktionen der Öffentlichkeit.

„Der Grass war mein großes Vorbild!“, erklärte der Philosoph Richard David Precht. „Er war gegen Amerika, für die Schwachen und Geknechteten und Geknebelten, das Stimmrohr der Nation, die Flüsterpost der Massen, die Moral in Person, und jetzt die Scheiße! Ich habe immer geglaubt, der wäre mindestens so schlau wie ich, weil er immer in Talkshows über anspruchsvolle Themen spricht, der Wichser!“

„Meine Lieblingsfilme sind Twilight mit Robert Pattison“, erklärte Grass. „Ich habe Goethe nie gelesen, nur die BILD“.

Grass war in den letzten Jahren bereits mehrmals in die Kritik geraten, nachdem seine SS-Mitgliedschaft als Jugendlicher bekannt geworden war und er ein israelkritisches Gedicht veröffentlicht hatte. 2012 löste sein Engagement für den Nationalsozialistischen Untergrund verhaltene Verwunderung aus. „Ich habe denen doch nur die Pizza gebracht!“, erläuterte Grass damals seine Rolle in der NSU.

Das Literaturnobelpreiskomitee kündigte an, die Verleihung des Preises an Grass für seine Blechtrommel zu überprüfen. „Normalerweise kriegt ja keiner den Nobelpreis, der offen zugibt, dass er ein Idiot ist“, erläuterte Friedrich Spezisowksi, Vorsitzender des Prüfungskomitees, die Entscheidung. „Was in ihrem Hinterstübchen zugeht, behalten die Leute für sich und was in ihrem Oberstübchen zugeht, sollten sie im Grunde auch für sich behalten. Erst recht, wenn sie Intellektuelle sind.“

„Gibts aufs Maul“, sagte Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko. „Gibts einfach aufs Maul.“

„Ich habe keinen Schimmer, was sich die Leute darüber aufregen“, schrieb Henryk Broder in seiner aktuellen Welt-Kolumne. „So, Grass ist ein Depp. Ich weiß nicht mal, was da die News sein soll.“

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4 Kommentare zu “Grass: „Ich bin doof“

  1. philosopherofanniversary sagt:

    Hei wenigstens hat Grass den Mumm gehabt zuzugeben, dass er dumm ist und das verdient Respekt. Den die meisten Menschen halten sich selbst für allen anderen haushoch sowohl in moralischer Hinsicht als auch in intellektueller für überlegen. PS: Ich habe deinen Blog verlinkt, auch wenn wir nicht zu 100% einer Meinung sind.

  2. Fred sagt:

    Satire lebt davon dass sie einen bestehenden Charakterzug überzeichnet. Aber die Selbsterkenntnis und die Demut sind sicher kein Charakterzug von Grass.

    • derautor sagt:

      Seltsam, wie alle Kommentatoren es für selbstverständlich und weithin bekannt darstellen, dass Grass ein Idiot ist. Bezweifelt wird lediglich, dass er es zugeben würde (klar, die Satire muss ja erkennbar sein). Die Idee ist: Ein Intellektueller organisiert eine Pressekonferenz, um zu erklären, dass er gar kein Intellektueller ist, sondern ein Dummkopf. Die Leute glauben ihm das sofort und sind schwer enttäuscht. Das ist eigentlich absurd. Würde ein echter Intellektueller sagen, er sei tatsächlich ein Idiot und habe das nur vorgespielt, so würde man ihm das eben nicht glauben oder ihm zustimmen. Das wäre ja die völlige Aufgabe der eigenen Urteilskraft.

      • Fred sagt:

        Gut. Weil ich Hypothese stellt du denn auf?
        Durch das Label „Intellektueller“ kann man jede Ansicht, auch wenn sie nicht der Wahrheit entsprechen muss, verkaufen.

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