Faustrecht

Ich habe mir gerade einen schwedischen Film mit dem Titel „Faustrecht“ angesehen. Finde ich großartig, sehr empfehlenswert.

Das Drama spielt in den 1950ern in Schweden. Es geht um einen Jungen namens Erik, der von seinem Vater jahrelang misshandelt, also verprügelt wird. Aufgrund seiner Beteiligung an Schlägereien wird Erik von der Schule verwiesen. Der Vater stirbt und seine Mutter verkauft Einrichtungsgegenstände, um Erik in ein Internat schicken zu können. Dort angekommen wird er mit der faschistischen Ordnung der Schule vertraut gemacht.

(Enthält Spoiler)

Die Schüler der Oberstufe quälen und misshandeln die Schüler der Unter- und Mittelstufe. Das geht immer so weiter, weil die Schüler nachrücken und dann selbst die Sadistenrolle übernehmen dürfen. Die Oberstufenschüler verteilen willkürliche Strafen, aber Erik verweigert die Kooperation. Man versucht ihn dahin zu bringen, dass er sich gewaltsam gegen die Misshandlungen verteidigt, denn dann würde man ihn sofort von der Schule verweisen. Die meisten Lehrer und vor allem der Direktor unterstützen das „traditionsreiche“ System.

Derweil ist Eriks Mutter mit einem neuen Mann zusammen. Als Erik die Familie in den Ferien besucht, wird er von seinem neuen Vater geschlagen, weil sein „Betragen“ im Internat zu wünschen übrig lasse. Dass er gegen alle Widerstände den schulischen Schwimmwettbewerb mit seiner Leistung gegen die Oberstufenschüler gewonnen hat – und die gewinnen normalerweise, weil sich keiner traut, sie herauszufordern – , das zählte nichts.

Eriks sozialdemokratischer Sportlehrer dient als Sympathieträger; ihm zufolge sei Sport „demokratisch“, womit er meint, dass sich jeder durch seine eigene Leistung bewähren könne. Hat zwar nichts mit Sozialdemokratie zu tun (das sind liberale Werte), aber zustimmungswürdig ist es natürlich trotzdem. Ein weiterer Sympathieträger ist Eriks Zimmergenosse, eine typische „Streber“-Figur. Er empfiehlt die Methode von Gandhi, friedlichen Widerstand. Und er hält es auch lange durch, bis er schließlich vorzeitig das Internat verlässt.

Im Internat kann sich Erik bis zum Ende mit der Gegengewalt zurückhalten. Dem Anführer der Bande jagt Erik am Ende ordentlich Angst ein, er geht aber nicht weiter als bis zur wohlverdienten Drohung. Zwei Mitglieder der Bande schlägt er zwar krankenhausreif, aber nur innerhalb eines rituellen Ringkampfes, wo das gestattet ist.

Erik wird aufgrund einer Affäre mit einer jungen Küchenhilfe dann allerdings doch rausgeworfen. Dann schaltet er einen befreundeten Anwalt ein, der dem Direktor mit einem Journalisten droht, der sich für das Internat interessiert, und mit einem Prozess. So kann Erik die Schule erfolgreich beenden.

An der Stelle könnte man meinen, der Film habe nun die Position Gandhis, die am Anfang von Eriks Freund zitiert wurde, beworben: Mit friedlichem Widerstand könne man die Ungerechtigkeit bekämpfen.

So einfach macht es sich der Film aber nicht, und so endet er auch nicht. Erik kommt mit einem sehr guten Zeugnis nach Hause, nur im Betragen hat er eine sechs. Darum will ihn sein neuer Vater wieder verprügeln. Erik hat eine bessere Idee. Als ihn der neue Vater in den an die Küche grenzenden Raum mitnimmt und ihn mit der Peitsche bedroht, sagt ihm Erik:

„Schluss aus, jetzt hörst du mir mal zu! Du wirst von hier verschwinden, verstehst du? In einer halben Stunde landest du im Krankenhaus. Deine Augen werden so geschwollen sein, dass du nicht mehr sehen kannst. Dein Nasenbein wird eingeschlagen sein und beide Arme gebrochen. Du wirst niemandem erzählen, was mit dir geschehen ist. Du wirst sagen, du bist die Treppe runtergefallen. Wenn du die Polizei einschaltest, werden sie erfahren, was du uns all die Jahre angetan hast. Es wird verdammt weh tun. Du wirst schreien, bist du ohnmächtig bist. Ich schwöre, dass ich keine leeren Worte mache. Solche wie du müssen unschädlich gemacht werden.“

Wie bekämpft man das Böse?

Das Böse (im säkularen Sinne, also bösartiges Verhalten) muss kompromisslos bekämpft werden – allerdings, und das macht der Film deutlich, ist es nötig, rationale Strategien für den Kampf zu entwickeln und sie kontextsensitiv zu gebrauchen.

Manchmal ist es besser, sich schlagen zu lassen, um die Verantwortlichen moralisch zu diskreditieren. Manchmal ist eine Gewaltandrohung angemessen. Manchmal sollte man den Rechtsweg beschreiten. Und manchmal sollte man jenen, die Gewalt initiieren, einfach nur die Fresse einschlagen. Optimalerweise werden Konflikte natürlich vor einem Gericht oder durch den Lehrer oder den Schuldirektor oder später durch den Chef geschlichtet. Aber manchmal erfüllt der Rechtsstaat seine Aufgabe nicht, manchmal schaut der Lehrer weg und der Schuldirektor hängt sogar mit drin.

Ich habe in den ersten Jahren meiner Schulzeit ebenfalls die Erfahrung machen dürfen, welch grotesk unfähige, zynische, bösartige Lehrer die 68er-Generation hervorgebracht hat, die absolut nichts gegen Schläger unternahmen und vielmehr auch noch deren Opfer bestraften. Eine Lehrerin hatte mir empfohlen, zurückzuschlagen, also Selbstjustiz zu üben, fast so, als existiere sie überhaupt nicht oder hätte mit der Sache als Lehrkraft nichts zu tun. Aber Kriegsspielzeug haben sie uns natürlich verboten, die Wichser.

Wer da mitspielt, ist selber schuld. Jeder Mensch hat das unveräußerliche Recht, sich selbst mit allen nötigen und angemessenen Mitteln gegen Angriffe zu verteidigen. Wer einem dieses Recht streitig macht, ist ein existenzieller Feind, ein Todfeind. Denn wer sein Leben nicht verteidigen darf, dessen Existenz ist gefährdet.

Auf jeden Fall hat derjenige, der mit der Gewalt anfängt, automatisch Unrecht. Gegengewalt ist moralisch gerechtfertigt – aber je nach Situation können andere Strategien effektiver sein für den Sieg über das Böse. Am Ende zählt, dass man konsequent Widerstand leistet, mit allen angemessenen, effektiven Methoden, denn, wie Erik schon sagte, solche Leute müssen unschädlich gemacht werden.

Streaming-Tipp

Am Ende noch eine Empfehlung. Wie bei so gut wie jedem Amazon-Programm habe ich mich auch bei „Lovefilm“ eingeschrieben. Im Vergleich zu anderen Streaming-Diensten wird Lovefilm in Tests häufig kritisiert, weil das Angebot vergleichsweise schmal ausfällt. Stimmt auch. Ich vermisse vor allem Filme mit englischer Sprachspur. Allerdings wächst das Angebot immer mehr an, nicht zuletzt, weil Lovefilm auf dem Kindle Fire HD genutzt werden kann und Amazon daher ein Interesse daran hat, das Angebot zu erweitern. Auch kommen immer mehr HD-Streams hinzu, deren Qualität meiner Ansicht nach wirklich gut ist („Faustrecht“ habe ich in HD geschaut).

Die Kritiker übersehen aber vor allem eines: Bei anderen Streaming-Diensten wie iTunes muss man sich Film einzeln ausleihen und bezahlt für jeden Film einzeln eine nicht gerade bescheidene Ausleihgebühr. „The Dark Knight Rises“ in HD kostet beispielsweise satte 4,99 Euro Ausleihgebühr. Derweil zahlt man für den Amazon-Streamingdienst 6,99 Euro monatlich und kann jederzeit unbegrenzt auf das gesamte Angebot zugreifen. Man kann sich also jeden Film, ob in HD oder SD, jederzeit und so oft man will ansehen. Und immerhin gibt es schon 1600 On-Demand-Filme, so wenige sind das auch nicht. Ich weiß nicht, was ihr denkt, aber für mich ist damit die Frage nach dem besten Streaming-Dienst beantwortet. 6,99 Euro sind so viel, wie das Ausleihen von zwei Filmen bei iTunes kostet. Und bei Amazon gibts dafür das gesamte Angebot zur freien Verfügung.

Wer also Filme lieber illegal streamt, sollte sich aus Eigeninteresse überlegen, ob das heute noch Sinn ergibt. Vielleicht bei manchen exotischen Filmen und Serien, die es hierzulande nicht gibt (ich spreche jetzt aus deren Sicht, das ist keine Empfehlung meinerseits). Aber bei Lovefilm gibt es keine nervigen Pop-ups, Viren, Trojaner, plötzliche Abbrüche, schlechte Sources und was weiß ich was. Damit lohnt sich das legale Streaming selbst für Berufspiraten. Und das ist eine Empfehlung von mir.

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=feuerbringer-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B00562ILWG&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

18 Kommentare zu “Faustrecht

  1. Fred sagt:

    1. Hobbes argumentiert ja das im Naturzustand die Gewalt immer vorhanden ist. Nur durch einen starken Leviathan also Staat kann dies verhindert werden. Im Fall des Filmes versagt allerdings der Leviathan in Form der Lehrer.

    2. Oder man argumentiert mit der Gewaltspirale. Ist erst einmal Gewalt vorhanden gegen eine Person so wird diese dann auch Gewalt gegen andere ausüben. Auch in diesem Fall braucht es eine Intervention um diese Spirale zu beenden.

    • sba sagt:

      hm..ich würde eher auf Aikido gehen: Neutralisieren ohne zu beschädigen (nun, man beabsichtigt keine Beschädigung; kann aber dennoch passieren, wenn der andere der Bewegung, in die sein Angriff umgelenkt wird, nicht richtig folgt). Passend zum Nichtagressionsprinzip gibt es im Aikido (jedenfalls im waffenlosen Teil) auch keine Angriffsbewegungen.
      Der Entwickler argumentierte damit, dass jemand, der Agression ausübt, einem schrecklichen Irrtum aufgesessen sei (nämlich, mit Gewalt etwas erreichen zu können), und dass man ihn eines besseren belehren müsse (primär, indem man den Angriff sein Ziel verfehlen lässt). Der eigene Vorteil besteht darin, heil aus der Situation zu kommen und (so jedenfalls in der Theorie) den anderen irgendwann gesprächsbereit oder dahin gebracht zu haben, dass er die Sinnlosigkeit der Gewalt einsieht.

      • Fred sagt:

        Die Frage ist natürlich aus welchen Gründen die Täter zur Gewalt greifen. Dafür gibt es ja verschiedene Motivationen. Der Täter kann in Notwehr handeln, kann ein Sadist sein, kann aus einer Norm handeln oder weil er es so gelernt hat.

  2. Martin sagt:

    Zu Mahatma Gandhi hat übrigens Arprin vor einiger Zeit etwas sehr interessantes geschrieben: http://arprin.wordpress.com/2012/10/11/der-totalitare-pazifismus/. Nach diesen Ausführungen kann man Gandhi durchaus als weltfremden Spinner bezeichnen.

  3. Bjoern sagt:

    Das Thema Gewalt bewegt mich schon seit einiger Zeit.

    Hier ein passendes Zitat aus einem Buch das ich zurzeit lese:

    „Freedom isn’t the highest good. Power is. For without power your freedom can be taken.“

    Ein Gedanke der sich bei mir langsam ausformt:

    Es gibt kein Form von Zivilisation ohne Gewalt, ohne letzteres lässt sich keine (soziale) Ordnung aufbauen. Gewalt ist ein Grundpfeiler jeder Zivilisation. Wir haben die Wahl Gewalt zu leugnen oder zu kultivieren.

    Ich weis nicht, ob ich jemals einen Artikel einer renommierten Zeitschrift über Gewalt gelesen habe. Ich erinnere mich nicht daran. Höchstens als Randnotiz oder Unterthema. Und dann selbstredend auf eine weltverklärende Weise die weder mit den Weltgeschehnissen noch meinen Schulhoferlebnissen konform geht.

    Intellektuelle machen einen Bogen um dieses Thema, und das regt mich mehr und mehr auf.

    • sba sagt:

      “Freedom isn’t the highest good. Power is. For without power your freedom can be taken.”
      –> Power for Power’s sake or Power for Freedom’s sake?
      Wenn man Macht gebraucht, um Freiheit zu schaffen undzu erhalten, dann ist die Macht nicht der Zweck der Unternehmung, sondern die Freiheit, und die Macht bloß das Mittel. Als Mittel kann sie aber schwerlich das höchste Gut sein, oder hab ich da was falsch verstanden?

      Ansonsten würde ich eher sagen, dass Gewalt und Zuvilisation einander ausschließen (sonst hieße letzteres auch eher „Militation“ ) und wenn es wahr ist, dass „ohne Gewalt … sich keine (soziale) Ordnung aufbauen“ lässt, dass lediglich gegen die Personen spricht, die die Ordnungsmacht zum Einschreiten zwingen.

      Aber ganz am Anfang: Geht es Dir um den sozialen oder um den politischen Bereich?

      • Bjoern sagt:

        Dass sind alles noch unraffinierte Gedanken, wenig strukturiert. Der Entstehungsprozess einer Meinung, wenn man so will.

        „Wenn man Macht gebraucht, um Freiheit zu schaffen undzu erhalten, dann ist die Macht nicht der Zweck der Unternehmung, sondern die Freiheit, und die Macht bloß das Mittel. Als Mittel kann sie aber schwerlich das höchste Gut sein, oder hab ich da was falsch verstanden?“

        Ich stimme dir voll zu. Aber ich unterscheide die theoretische von der praktischen Ebene. Meine Zustimmung basiert auf der theoretischen Ebene. Praktisch brauche ich „Power“ bevor ich Freiheit habe.

        Zwei Gedanken dazu:

        1. Das bedeutet auf staatlicher Ebene: Eine Demokratie die sich nicht (Innen sowie Außen) verteidigen kann oder will ist bald keine mehr.

        2. Praktisch ist der Einzelne nicht in der Lage genügend Power aufzubringen um seine Freiheit zu erhalten. Daher ordnet man sich einem Gewaltmonopol unter, was wiederum ein Einbußen an Freiheit mit sich bringt.

        „Ansonsten würde ich eher sagen, dass Gewalt und Zuvilisation einander ausschließen (sonst hieße letzteres auch eher “Militation” ) und wenn es wahr ist, dass “ohne Gewalt … sich keine (soziale) Ordnung aufbauen” lässt, dass lediglich gegen die Personen spricht, die die Ordnungsmacht zum Einschreiten zwingen.“

        Mein Gedankengang rührt daher, dass ohne ein Gewaltmonopol des Staates >sofort< die soziale Ordnung zusammenbricht. Erst wenn genügend Gewaltpotenzial vorhanden ist um alle Aggressoren (wieder Innen wie Außen) abzuwehren, beginnt die eigentliche Zivilgesellschaft.
        Also ja, die Zivilgesellschaft zeichnet sich durch Gewaltfreiheit aus, aber sie beruht auf Gewaltpotenzial. Solange der Pausenhofschläger möglich ist, gibt es keinen friedlichen Klassenverbund. Und wie macht man ihn unmöglich?

        • Bjoern sagt:

          „Also ja, die Zivilgesellschaft zeichnet sich durch Gewaltfreiheit aus, aber sie beruht auf Gewaltpotenzial.“

          Ich denke es ist dieser Gedanke, der mich bewegt. Meine persönliche Erfahrung ist es, dass dieser Zusammenhang schlichtweg ignoriert wird. Mit wirksamen Konsequenzen für das Leben.

      • Bjoern sagt:

        Ganz vergessen:

        „Aber ganz am Anfang: Geht es Dir um den sozialen oder um den politischen Bereich?“

        Im Grunde beides, auch wenn ich hier eher den politischen Aspekt behandelt habe.

        • sba sagt:

          Moin!
          „Eine Demokratie die sich nicht (Innen sowie Außen) verteidigen kann oder will ist bald keine mehr.“
          Stimme zu! Wer sich nicht wehrt, ist Freiwild.

          „Praktisch ist der Einzelne nicht in der Lage genügend Power aufzubringen um seine Freiheit zu erhalten. Daher ordnet man sich einem Gewaltmonopol unter, was wiederum ein Einbußen an Freiheit mit sich bringt.“
          Stimme im ersten Satz zu. Beim zweiten frage ich an, welche Freiheiten es sind, die man einbüßt? Der „reinen Lehre“ der Staatstheorie zufolge lediglich die „Freiheit“ zu destruktivem Handeln (was ich jetzt einfach mal als Begriff für „Gewalt“ setze; korrigier mich ruhig bei Einwänden): Ich darf nicht stehlen, niemanden angreifen, verletzen, töten; für meinen Umgang mit anderen Menschen ist ausgeschlossen, dass ich körperliche Kraft einsetze, um sie meinem Willen gefügig zu machen. (Übrigens ein Prinzip, dass in der BRD jedenfalls durch das Recht auf Streik und Aussperrung im „Arbeitskampf“ unterminiert ist: Es bedeutet, dass Vertragspartner legal auf Zeit aus ihrem Vertrag aussteigen dürfen, um der anderen Seite gezielt Schaden zuzufügen, während die andere Seite denselben Vertrag nicht kündigen darf, den Schaden also ohne Gegenwehr hinnehmen und hinterher mit dem vertragsverletztenden Partner wieder kooperieren muss, als wäre nichts gewesen. Früher nannte man sowas Leibeigenschaft.)

          „Mein Gedankengang rührt daher, dass ohne ein Gewaltmonopol des Staates >sofort< die soziale Ordnung zusammenbricht. Erst wenn genügend Gewaltpotenzial vorhanden ist um alle Aggressoren (wieder Innen wie Außen) abzuwehren, beginnt die eigentliche Zivilgesellschaft"
          Ohne Wertung: Der erste Satz schaut ziemlich pessimistisch aus (was ich allerdings zuweilen teile). Ansonsten ist m.E. das Stichwort Potenzial das entscheidende (das eben nicht schon Verwirklichung ist): Unter der Prämisse, dass die Pointe eines Staatswesens darin besteht, die Macht den Rechten zu unterwerfen, sodass sie also nicht gegen Rechte, sondern zu ihrem Schutz eingesetzt werde, bedeutet das staatliche Gewaltmonopol erstmal, dass keine Einzelperson als Privatperson Gewalt beginnen darf – und dass durch die Verfassung das staatliche Gewaltpotenzial ebenfalls an diese Kette gelegt wird, nicht die Initiative zu ergreifen, sondern nur zu verteidigen und zu bestrafen. Und damit die Verteidigung wirksam sein kann, muss das Potenzial natürlich größer sein, als die Gewalt, die Einzelne oder ein beliebiger Mob aufbringen können: Als wirksame weil glaubhafte Androhung, deren eigentlicher Zweck jedoch ist, nicht umgesetzt werden zu müssen (so ähnlich, wie beim kalten Krieg).

          Also ja: Die staatliche Ordnung hängt damit zusammen, dass auf den einzelnen eine nahezu beliebige Menge Gewalt ausgeübt werden kann – dass dies tatsächlich aber nur defensiv geschieht (Ayn Rand würde jetzt noch hinzufügen, dass derzeit de facto jeder Staat von sich aus Gewalt auf seine Bürger ausübt, indem er ihnen in Form von Steuern mit Gewaltandrohung Geld wegnimmt, der Punkt jedoch um einiges deutlicher wird, wenn man sich die SU, das 3. Reich, die VR China, Nordkorea und die DDR anschaut – oder jeden beliebigen Regierungscheff, der tatsächlich herrschen will, statt einfach nur den Nachtwächterstaat zu verwalten).

          Wenn Leute diese Zusammenhänge ignorieren…ja gut, dann passieren so Sachen wie die „Gaza-Friedensflottille“ und allgemein ein „Pazifismus“, der diesen Namen nicht verdient, weil er letztlich bloß hofft, als Opfer uninteressant zu sein.

          Wenn man das jetzt auf den sozialen Bereich überträgt…sollte man eigentlich a) keine Gewalt initiieren und b) jede angetane, angedrohte und drohende Gewalt konsequent abwehren und verfolgen (lassen) – letztlich genau das, was Andreas oben geschrieben hat, oder?
          __________________________
          Übrigens sehr angenhem, die Polemikfreiheit 🙂

          • sba sagt:

            PS: Wir können den Pausenhofschläger nicht unmöglich im strengen Sinne machen, ohne allen Menschen ihre Freiheit zu nehmen. Wir können den Pausenhofschläger bloß die Falschheit seines Tuns spüren lassen – und damit auf längere Sich evtl. dazu bringen, sich zu ändern (ihm diese Möglichkeit abzusprechen, hieße, dem Menschen seine Rationalität absprechen – pädagogisch gesehen soll die Strafandrohung ja Regeltreue und Eigennutz vereinen.)

  4. Bjoern sagt:

    Vorweg zur Polemik: Ich halte beinahe nichts davon. Zusätzlich ist das hier für mich gerade eine Meinungsbildung, schon jetzt mit Polemik um mich zu werfen wäre schon ein starkes Stück! 😉

    „Stimme im ersten Satz zu. Beim zweiten frage ich an, welche Freiheiten es sind, die man einbüßt? Der “reinen Lehre” der Staatstheorie zufolge lediglich die “Freiheit” zu destruktivem Handeln (was ich jetzt einfach mal als Begriff für “Gewalt” setze; korrigier mich ruhig bei Einwänden):“

    Letztlich büßen wir sehr viel mehr an Freiheit ein, durch: Bauvorschriften, Steuern, Regeln zur Steuerdarlegung, Vorschriften zu Mietverträgen, Straßen- und Verkehrsordnung, Gesetzen zur Eheschließung etc.

    Ich habe noch keine Zusammenfassung darüber gelesen, was ein objektivistischer Staat an Gesetzen veranlassen müsste. Aber ich vermute sehr stark, dass auch dieser mehr Vorschriften verfassen würde als manch Objektivisten klar ist. (Einfachstes Beispiel: StVO).

    „…Potenzial…“

    Ich habe selbst überlegt, diesen Begriff zu verwenden. Ich stimme dir auch bei allem zu, was du darüber geschrieben hast. Aber hier kommen wir zum nächsten Punkt: Ein Staat der meine Rechte verteidigt, ist hervorragend, aber wie äußert sich das in der Realität?

    Wenn ich von Angreifern stark verletzt wurde, ist mein Recht auf physische Unversehrtheit „quasi“ unnütz. Ich will gar nicht erst verletzt werden. Damit der Schutz meines Rechts auf Unversehrtheit gewährleistet werden kann, muss der Staat präventiv in die Aktionen seiner Bürger eingreifen. Ein Damm muss nicht nur gebaut werden, er muss sicher gebaut werden und der Benutzer sich darauf verlassen können. Freiheit gegen Sicherheit. Die Angreifer müssen identifiziert, beobachtet und vor bzw. im Moment ihres Angriffes neutralisiert werden. (Identifikation & Beobachtung sind dafür notwendig, beides geht wieder mit einem Eingriff in Freiheitsrechte einher). Freiheit gegen Sicherheit.

    Ich habe das Oberthema Gewalt weitgehend verlassen wie ich feststellen muss, aber mir ist bei meinen Überlegungen der hier dargestellte Konflikt von Freiheit und Sicherheit, auch in einem objektivistischen Staat, bewusst geworden.

    In deinem Nachtrag
    „PS: Wir können den Pausenhofschläger nicht unmöglich im strengen Sinne machen, ohne allen Menschen ihre Freiheit zu nehmen. Wir können den Pausenhofschläger bloß die Falschheit seines Tuns spüren lassen – und damit auf längere Sich evtl. dazu bringen, sich zu ändern (ihm diese Möglichkeit abzusprechen, hieße, dem Menschen seine Rationalität absprechen – pädagogisch gesehen soll die Strafandrohung ja Regeltreue und Eigennutz vereinen.)“

    hast du dass im Grunde schon angesprochen. Aber deine Lösung finde ich nicht befriedigend. Der Pausenhofschläger hat kein Recht darauf, seine Mitschüler (heutzutage auch Lehrer) einzuschüchtern und Gewalt anzutun. Es kann nicht sein, dass andere Leiden müssen damit der Schläger sich langsam ändert. Der Schläger muss neutralisiert werden, die negativen Konsequenzen seines Handelns dürfen auf Andere keine Auswirkung haben. Ein Staat der nicht in der Lage ist, das zu gewährleisten, versagt. Es führt zu den Bedingungen wie im Film, den Andreas beschrieben hat. Der Held des Films scheint sehr gut mit der Situation umzugehen, da stimme ich Andreas und dir voll zu, aber es hätte nie soweit kommen dürfen.

    Zusammenfassend:
    Jetzt haben wir Freiheit, Sicherheit, Gewalt.
    Ich ordne mich dem Gewaltmonopol des Staates unter, als Gegenleistung erwarte ich Sicherheit, d.h. den Schutz meiner Rechte. Ich erwarte, dass meine Rechte nicht verletzt werden und nicht nur, dass der Täter bestraft wird >nachdem< er ein Messer zwischen meinen Rippen platziert hat. Davon wird die Verletzung meines Rechtes nicht rückgängig gemacht. Damit mein Recht tatsächlich geschützt werden kann, muss der Staat aktiv in die Freiheit der Bürger eingreifen. Von Beobachtungen bis präventiven Maßnahmen, oder verhaltenssteuernden Gesetzen. Selbstredend braucht es für all das ein jegliche nicht-staatliche Gewalt überwiegendes staatliches Gewaltpotenzial.

    Ich denke, Objektivisten sehen den Schutz der Rechte anders. Für sie gibt es keine Bauvorschriften, stürzt die Brücke zusammen und kommt ein Nutzer ums Leben, werden die Verantwortlichen des Brückenbau verurteilt. Aber das interessiert den Nutzer nicht mehr. Ein objektivistisches Gegenargument wäre wohl, dass der Brückenbauer ja ein Interesse daran hat, dass die Brücke nicht zusammenstürzt und deswegen alles, ganz ohne Vorschrift, dafür tun wird damit dies nicht geschieht. Doch leider würden in einem objektivistischen Staat nicht nur rationale Objektivisten leben und Brücken bauen.

    • sba sagt:

      Sorry für die Wartezeit: War abgelenkt und musste nachdenken.
      Im wesentlichen gibt es drei Punkte, die ich anders sehe:
      1. Die Rolle von Gesetzen: Technisch gesehen sind sie dazu da, die Interaktions vieler untereinander (als viele) zu regeln, mithin, da zum Einsatz zu kommen, wo die Dinge persönlich miteinander zu regeln praktisch unmöglich ist. Von Deinen Beispielen bliebe dann nur die StVO übrig: Wie etwas gebaut werden soll, macht der Bauherr mit Architekt und Baufirma aus, Mietverträge sind Sache von mieter und Vermieter, die Bedingungen einer Ehe können sie Ehegatten unter sich ausmachen.

      2. Freiheit vs. Sicherheit: Halte ich für einen Scheinkonflikt und halte vielmehr für wahr, dass Freiheit und Sicherheit einander bedingen: Bin ich nicht frei, kann ich nicht für eine Sicherheit sorgen. Kann ich mich nicht sichern, werde ich meine Freiheit verlieren. Man sollte es kaum glauben, aber ein Stück weit wird dem in der BRD tatsächlich Rechnung getragen, indem es hier ein verbrieftes Recht auf Selbstverteidigung gibt (Straffreiheit für sonst Strafbare Handlungen im Rahmen der Verhinderung eines Verbrechens). Und das gilt, wenn es wegen versagender Staatsorgane nicht anders geht, genauso gegenüber dem Schulhofschläger, wie gegenüber dem Straßenräuber und gehört zu den Strafen, die die Welt für Irrationalität austeilt, womit wir bei

      3. Rechtsbrüche durch Individuen sind: Rand weist mehrfach darauf hin, dass Individuen Rechte nicht umfassend bedrohen können. Sie können dagegen verstoßen – dafür wird in der Folge in ihre Rechte eingegriffen.
      „Der Pausenhofschläger hat kein Recht darauf, seine Mitschüler (heutzutage auch Lehrer) einzuschüchtern und Gewalt anzutun. Es kann nicht sein, dass andere Leiden müssen damit der Schläger sich langsam ändert.“
      Stimmt. Aber bevor er verbrochen hat, ist der Verbrecher kein Verbrecher. Sobald er verbrochen hat, werden seine Rechte eingeschränkt, sodass er 1. Zeitweise handlungsunfähig ist und 2. Wiedergutmachung zu leisten hat (nicht wirklich empirisch, sollte aber so sein). Geht allerdings alles nur unter der Annahme, dass Verbrechen nicht der Normalfall sind, was die Annahme einschlösse, dass auch ohne Staat nicht sofort der Krieg aller gegen alle ausbricht, wobei das ja genau der Punkt ist, den Du nicht teilst…Vielleicht könnte man hier ein Plädoyer für Waffenfreiheit einbauen, aber eigentlich sind mir gerade die Ideen ausgegangen.

      • Bjoern sagt:

        Hey,
        jetzt habe ich etwas länger gebraucht 🙂

        Aus meiner Perspektive ist meine Differenz zu deinem Post nach wie vor der Wunsch nach Sicherheit.

        Ich sehe auch nicht, dass Freiheit und Sicherheit einen Scheinkonflikt darstellen. Besser gesagt: Manchmal begünstigen sich beide Konzepte gegenseitig, manchmal stehen sie im Zielkonflikt, manchmal haben sie keinerlei Einfluss aufeinander.

        Es kommt auf die einzelne Situation an.

        Wenn alle Menschen Waffen haben können, haben auch diejenigen Waffen, die mental instabil sind (oder einfach lebensfeindliche Weltvorstellungen haben) und sie eines Tages missbrauchen. Stell dir vor, Schiiten hätten Zugriff auf Atomwaffen. Wenn Freiheit kein Problem für Sicherheit darstellt, ist an dieser Vorstellung nichts auszusetzen.

        Ich nehme an, niemand außer diesen Leuten selbst will Atomwaffen in deren Händen sehen. Damit ist dann das Prinzip der ungezügelten Freiheit, wie du sie beschrieben hast bzw. wie ich deine Schilderung verstanden habe, nicht haltbar.

        Für mich stellt sich eher die Frage(n), welche Privatperson warum und im welchem Ausmaß bei welchen Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen über welches Gewaltpotenzial verfügen darf. Der TÜV beispielsweise ist eine notwendige Institution, weil umgewartete Autos eine Lebensgefahr für andere darstellen. Der staatlich geprüfte Führerschein ist notwendig, weil Autos per se ein hohes Gewaltpotenzial besitzen.
        Wann immer eine Gefahr für andere besteht, braucht es staatliche Sicherheitsvorkehrungen.

        • sba sagt:

          HeiHo 🙂
          was ich letztes Mal vergessen habe, zum Thema Polemik: Sich noch nicht über das Was und Warum ihrer Meinung klar zu sein hindert manche Menschen an gar nichts und meine Filter sagen mir, dass „manche“ eine „Mehrheit“ sind – da bin ich über jede „Ausnahme“ sehr froh.

          ..Ich fange mal mit dem für mich leichteren an.
          „Wenn alle Menschen Waffen haben können, haben auch diejenigen Waffen, die mental instabil sind (oder einfach lebensfeindliche Weltvorstellungen haben) und sie eines Tages missbrauchen. Stell dir vor, Schiiten hätten Zugriff auf Atomwaffen. Wenn Freiheit kein Problem für Sicherheit darstellt, ist an dieser Vorstellung nichts auszusetzen.“
          Auch wenn es nervt, zuerst ist die Crux wieder das Können im Unterschied zum Sein. Auch wenn Newtown mir als Gegenbeispiel arg ins Konzept schießt, aber ich bezweifle, dass mental instabile Personen regelmäßig in der Lage sind, sich Waffen zu beschaffen – weil ihre Anschaffung ganz shön ins Geld geht bzw. ihre Herstellung eine Menge komplexer Arbeit erfordert (und das gilt sogar für sowas relativ primitives, wie das Schwert an meiner Wand).
          Atomige Schiiten sind vermutlich ein Beispiel, das Andreas ablehnen würde, aber ich find es ganz interessant: 1. Prinzipielle Frage: Wie könnten sie an ABomben kommen? Herstellen oder kaufen. Haben sie das Geld zum kaufen? (ich glaube, die Saudische Regierung könnte). Sollten sie in der Lage sein, selber herzustellen – dann haben wir das selbe Problem wie immer: Technishcer Fortschritt um Längen schneller als moralischer Fortschritt (komischerweise konstatiere ich das schon ewig und unter allen ethischen Flaggen, unter denen ich bisher gefahren bin). Ich glaube, die einzige Rechtfertigung, die Produktion zu (zer)stören besteht darin, dass es sich um die historisch allerersten handelt, von denen wir annehmen müssten, dass sie die Bombe tatsächlich im größeren Stile anwenden wollen (wobei für eine tatsächliche Bedrohung auch noch ein Trägersystem benötigt wird, also entweder ein leistungsstarker Bomber oder eine Rakete). Also all das angenommen, wäre ein Schlag gegen die Produktiosstätten nicht bloß gerechtfertigt, sondern geboten.

          Ansonsten habe ich mit Waffenregulierungen ein ganz anderes Problem: Je mehr der Staat in das reinreguliert, was man als freier unbescholtener Bürger an Arsenal spazieren tragen darf, desto größer ist der Vorteil der bösen Jungs (da die sich an die Regulierungen eh nicht scheren) Im „Gerede von Gestern“ schreibt Andreas, bspw. ein G36 wäre nicht sinnvoll für Privatpersonen und sollte nicht an Privat verkauft werden (sinngemäß). Ich stimme nicht zu. 1. fällt es nunmal auf, wenn man mit Gewehr rumrennt, sodass man sich schonmal selber taggt. 2. denke ich, dass das einzige sinnvolle Kriterium für Waffenregulierungen darin besteht, dass der Staat ein größeres Gewaltpotenzial im petto haben muss, als jede Privatperson oder Gruppe. Auf dieser Grundlage können wir Sturmgewehre verbiten, weil der normale Streifenpolizist nunmal bloß mit ner Pistole rumrennt – oder die Polizei besser ausrüsten (bin ich sowieso für: Bessere Ausrüstung und mehr Streifenpräsenz)
          Und meinetwegen können wir einen Waffenführerschein einführen, der ähnlich wie ein Verkehrsführerschein erworben und gehandhabt wird – in DLand braucht man eh für alles ein Zertifikat, da würde das auch nichts mehr machen. (in den USA bekommt man, soweit ich weiß, einen Autoführerschein, wenn man demonstriert, dass man einen Wagen kontrolliert benutzen kann, also bloß eine praktische Prüfung besteht, während es in der je eigenen Verantwortung liegt, sich mit der StVO vertraut zu machen)

          „Wann immer eine Gefahr für andere besteht, braucht es staatliche Sicherheitsvorkehrungen.“
          dazu gibt es eine Southpark-Folge:
          http://www.southpark.de/alle-episoden/s16e01-r%C3%BCckw%C3%A4rts-reiten
          Das Problem besteht m.E. darin „Gefahr für andere“ zu definieren. Ich wittere Willkürgefahr. Und dann würde ich anfragen, ob der Staat die richtige Stelle ist, sich darum zu kümmern: Angenommen, jemand sei HIV-positiv. Diese Person stellt eine Gefahr für andere dar, sobald sie blutet, Blut und Organe spendet, sexuellen Verkehr hat und in die Nähe von Verletzten kommt. Was soll der Staat mit dieser Person machen?

          „das Prinzip der ungezügelten Freiheit“
          da fühl ich mich jetzt mal ehrlich missverstanden: ungezügelte Freiheit ist keine Freiheit, sondern tierisches Triebausagieren. Zur Freiheit gehört ihr vernünftiger Gebrauch, ohne den sie ziemlich sofort pervertiert. Pointiert gesagt: Freiheit besteht weniger darin, zu tun, was man gerade will, und mehr darin, nicht zu tun, was man gerade alles kann (sondern bloß das gute, sinnvolle). Man muss aus den momentanen Handlungsoptionen wählen, will man nicht zum Sklaven seiner Leidenschaften werden. Die Freiheit eines vernünftigen Wesens reguliert sich selbst.

          …ich glaube, ich packe meinen Pathos jetzt wieder ein.

          „Aus meiner Perspektive ist meine Differenz zu deinem Post nach wie vor der Wunsch nach Sicherheit.“
          Eigentlich nicht. Wir haben nur unterschiedliche Vorstellungen davon, wie man zu Sicherheit kommt (und möglicherweise noch, was Sicherheit eigentlich ist – ich werde z.B. sofort unsicher in dem was ich tue, wenn irgendjemand meint, mir die Sicherheit einer sachkundigen Beaufsichtigung zu geben.) Die Verantwortung für meine Sicherung würde ich nur abgeben, wo ich etwas selber nicht leisten kann, und dann nur auf Basis einer Vereinbarung – praktisch ist dieses Prinzip in der BRD leider unmöglich umzusetzen durch einen Wust von Pflichtversicherungen.

  5. Bjoern sagt:

    Olla! Bilde ich mir das ein, oder nähren sich unsere Meinungen etwas an? 🙂

    „…aber ich bezweifle, dass mental instabile Personen regelmäßig in der Lage sind, sich Waffen zu beschaffen – weil ihre Anschaffung ganz shön ins Geld geht bzw. ihre Herstellung eine Menge komplexer Arbeit erfordert (und das gilt sogar für sowas relativ primitives, wie das Schwert an meiner Wand).“

    Für besonders komplexe Waffen liefert Nordkorea (leider) ein Negativbeispiel.
    Schusswaffen aller Art machen ständig Schlagzeile. Um ein (wieder leider) populäres beispiel aufzugreifen, ist es für einen psychisch angeschlagenen Jugendlichen einfacher das Jagdgewehr der Eltern zu nehmen, als sich eine Waffe mit vergleichbaren Gewaltpotenzial auf dem Schwarzmarkt zu besorgen.
    Das gleiche gilt für Große- und Kleinkriminelle. Die sind zwar durchweg besser vernetzt was solche Dinge betrifft, aber die profitieren ebenfalls vom offenem Waffenhandel. Ein Grund lautet, je mehr Waffen Zivilisten besitzen, desto leichter können Waffen gestohlen und für kriminelle Zwecke missbraucht werden.

    A1: „Atomige Schiiten sind vermutlich ein Beispiel, das Andreas ablehnen würde, aber ich find es ganz interessant:“
    A2: „Also all das angenommen, wäre ein Schlag gegen die Produktiosstätten nicht bloß gerechtfertigt, sondern geboten.“

    Also stimmst du Andreas hier zu, oder?

    „Ansonsten habe ich mit Waffenregulierungen ein ganz anderes Problem: Je mehr der Staat in das reinreguliert, was man als freier unbescholtener Bürger an Arsenal spazieren tragen darf, desto größer ist der Vorteil der bösen Jungs (da die sich an die Regulierungen eh nicht scheren)“

    Da bin ich mir nicht sicher. Wie beschrieben, auch Kriminelle haben einen Nutzen von leichter verfügbaren Waffen. Abgesehen von den mental instabilen Personen. Wobei ich damit nicht nur psychisch kranke meine, sondern auch solche die kurzzeitig die Kontrolle verlieren, beispielsweise weil der Ehepartner fremd gegangen ist. Die Verfügbarkeit einer Waffe schafft die Möglichkeit, Gefühlen der Ohnmacht und Wut in Gewalt zu kanalisieren. Rachefantasien entwickeln sich vom dem Denkbaren ins Mögliche.

    Im “Gerede von Gestern” schreibt Andreas, bspw. ein G36 wäre nicht sinnvoll für Privatpersonen und sollte nicht an Privat verkauft werden (sinngemäß). Ich stimme nicht zu. 1. fällt es nunmal auf, wenn man mit Gewehr rumrennt, sodass man sich schonmal selber taggt. 2. denke ich, dass das einzige sinnvolle Kriterium für Waffenregulierungen darin besteht, dass der Staat ein größeres Gewaltpotenzial im petto haben muss, als jede Privatperson oder Gruppe. Auf dieser Grundlage können wir Sturmgewehre verbiten, weil der normale Streifenpolizist nunmal bloß mit ner Pistole rumrennt – oder die Polizei besser ausrüsten (bin ich sowieso für: Bessere Ausrüstung und mehr Streifenpräsenz)“

    Für besser ausgerüstete Polizei die effizienter, besonders zum eigenen Schutz, handeln darf bin ich auch.
    Ich kann auch dem Gedankengang zur Waffenregulierung voll zustimmen, wobei dass besonders in Amerika strittig sein dürfte.

    „Und meinetwegen können wir einen Waffenführerschein einführen, der ähnlich wie ein Verkehrsführerschein erworben und gehandhabt wird – in DLand braucht man eh für alles ein Zertifikat, da würde das auch nichts mehr machen. (in den USA bekommt man, soweit ich weiß, einen Autoführerschein, wenn man demonstriert, dass man einen Wagen kontrolliert benutzen kann, also bloß eine praktische Prüfung besteht, während es in der je eigenen Verantwortung liegt, sich mit der StVO vertraut zu machen)“

    So richtig begeistert klingst aber nicht 😀
    Ich wüsste vor allem nicht, wie man den Waffenführerschein umsetzen soll. Kann man dass überhaupt?

    „Das Problem besteht m.E. darin “Gefahr für andere” zu definieren. Ich wittere Willkürgefahr. Und dann würde ich anfragen, ob der Staat die richtige Stelle ist, sich darum zu kümmern: Angenommen, jemand sei HIV-positiv. Diese Person stellt eine Gefahr für andere dar, sobald sie blutet, Blut und Organe spendet, sexuellen Verkehr hat und in die Nähe von Verletzten kommt. Was soll der Staat mit dieser Person machen?“

    Stimme dir voll zu, an diesem Punkt bleibe ich selbst immer wieder kleben. Will ich einen Staat der meine Rechte schützt und nicht nur rächt, muss er präventiv handeln. Bloß findet sich in allem ein Gefahrenpotenzial für andere. Mhmpf.

    „da fühl ich mich jetzt mal ehrlich missverstanden: ungezügelte Freiheit ist keine Freiheit, sondern tierisches Triebausagieren. Zur Freiheit gehört ihr vernünftiger Gebrauch, ohne den sie ziemlich sofort pervertiert. Pointiert gesagt: Freiheit besteht weniger darin, zu tun, was man gerade will, und mehr darin, nicht zu tun, was man gerade alles kann (sondern bloß das gute, sinnvolle). Man muss aus den momentanen Handlungsoptionen wählen, will man nicht zum Sklaven seiner Leidenschaften werden. Die Freiheit eines vernünftigen Wesens reguliert sich selbst.“

    Ungezügelte Freiheit war auch wirklich schlecht gewählt. Mein Fehler, sorry.

    „Eigentlich nicht. Wir haben nur unterschiedliche Vorstellungen davon, wie man zu Sicherheit kommt (und möglicherweise noch, was Sicherheit eigentlich ist – ich werde z.B. sofort unsicher in dem was ich tue, wenn irgendjemand meint, mir die Sicherheit einer sachkundigen Beaufsichtigung zu geben.) Die Verantwortung für meine Sicherung würde ich nur abgeben, wo ich etwas selber nicht leisten kann, und dann nur auf Basis einer Vereinbarung – praktisch ist dieses Prinzip in der BRD leider unmöglich umzusetzen durch einen Wust von Pflichtversicherungen.“

    Ich vermute, wir müssen grundsätzlicher diskutieren um weiterzukommen. Aus welchen Axiomen schlussfolgern wir unsere Meinung?

    Ich ringe noch mit Rands rationalem Menschen. Es ist ein großartiges Ideal, wer rational handelt, dem geht es besser. Aber ich bin noch niemandem begegnet, der immer rational gehandelt hat. Es sieht mir danach aus, dass Rand keine Antwort auf das Irrationale im Menschen liefert. Wie gehe ich mit einem Wesen um, dass sowohl rational als auch irrational handelt? Wie auf privater, wie auf gesellschaftlicher Ebene?

    Aber da bin ich schon wieder bei weiterführenden Gedanken. Inwieweit der Mensch rational sein kann ist die vorausgehende Frage. (Wobei mir schon die Formulierung der Frage missfällt).

    „Technishcer Fortschritt um Längen schneller als moralischer Fortschritt (komischerweise konstatiere ich das schon ewig und unter allen ethischen Flaggen, unter denen ich bisher gefahren bin).“

    Kannst du das näher ausführen? 🙂

    • Bjoern sagt:

      Ergänzung:

      Leichter zugängliche Waffen auch für Kriminelle: Letztlich habe ich keinen Überblick über die Statistiken. Was ich davon mitbekommen habe, geht in beide Richtungen. Mal sollen es Kriminelle schwerer haben, mal leichter, je lockerer Waffengesetze sind.

      Wie gesagt, ich bin mir hier nicht sicher. Vielleicht ist das eine eher technische Frage, abhängig von den Rahmenbedingungen.

  6. Elirithan sagt:

    Hm ich hab das hier jetzt mal überflogen, ich halte es mittlerweile für sinnfrei, dieses Thema mit irgendwelchen Thesen erörtern zu wollen, wenn sich nach vorgefallener Gewalt doch eigentlich immer nur ein rat- und hilfloses ‚Warum?‘ ergibt….. oder anders ausgedrückt ich kapiere es einfach nicht , obwohl ich durchaus genug Kriegsspielzeug hatte und den Mist lange exzessiv studiert habe.

    Darum lieber fragen:

    Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Leistungsprinzip auf das durch die Schule konditioniert wird und der Gewalt und ihren mannigfaltigen Formen?
    Allgemein: Besteht ein Zusammenhang zwischen Schule und beispielsweise der Atombombe oder dem Holocaust? (die Frage klingt dümmer als sie in Wahrheit ist)

    Es gibt ja nichtnur die Gewalt zwischen zwei oder mehr Menschen oder anderen Tieren, sondern auch Gewalt gegen sich selbst oder Dinge, also allgemein Gewalt gegen irgendwelche Teile des Seins.
    Es gibt sogar Gewalt von Dingen oder man könnte sagen ‚Unleben‘ ohne einen eigenen Willen, zB bei autonomen Waffensystemen… und wenn man schon die müssige polare Frage nach ‚dem Bösen‘ stellt, ist dann nicht dieses Unleben vorerst soetwas wie das ‚ultimative Böse‘ – und ist es nicht wiederrum Folge einer bestimmten Art von Zivilisation oder besser krankhaften Massenpsychose?

    Warum möchte soviel in der Kultur unserer sogenannten ‚Zivilisation‘ uns gerne immerzu das ‚wilde primitive Leben‘ in Abwesenheit formaler Herrschaft als Zustand der totalen Anomie suggerieren, den es zu regulieren gilt?
    Ist das Faustrecht wirklich schlimmer als das eingebildete staatliche Gewaltmonopol mit seinen Besatzungstruppen und ihrer Justiz und den Armeen aus zwanghaften Befehlsempfängern und ihren Massenvernichtungswaffen?

    Sind wir eigentlich alle wahnsinnig geworden in unserer Suche nach den ultimativen Vorteilen?

    In welche ontologischen Komponenten kann man sie Zerlegen, die Gewalt? Anders ausgedrückt, wie sieht die Prädikatenlogik der Gewalt aus, und ab welchem subjektiven Aussagewert definieren oder vielmehr empfinden wir etwas als ‚Gewalt‘?

    Zu guter Letzt:
    Leistung führt vielleicht und irgendwann zu ihrem Erfolgserlebnis, Faulheit tut es immer und sofort. 😉

    Und ob der sogenannte ‚Burnout‘ eine Krankheit ist oder vielleicht doch eher ein Heilungsprozess – darüber kann man diskutieren…..

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