Was machen meine Lieblingsmarxisten?

Die Redaktion des marxistischen Magazins Spiked aus Großbritannien tut sich immer wieder damit hervor, die Marktwirtschaft zu verteidigen, da diese am besten geeignet sei für die Erreichung marxistischer Ziele wie die Bekämpfung der Armut und die Emanzipation der Geschlechter.

Stimmt natürlich auch. Aber wann hat das schon jemals ein dezidierter Marxist eingesehen? So etwas gibts wohl nur im Land von Monty Python.

Im aktuellen Editorial Wie wir alle vom Staat verführt werden verteidigt Chefredakteur Rob Lyons schon wieder die Marktwirtschaft. „Staatliche Regulationen zu kürzen und Steuern zu senken könnte helfen“, schreibt er, damit die britische Wirtschaft wieder wachsen kann. Ja, es fällt mir schwer, hier den Kommunisten zu widersprechen. In einem anderen Artikel namens Doha: Es ist das Ende der Welt, wie wir sie kennen freut sich Lyons, dass die jüngste Klimakonferenz gescheitert ist. Wir benötigten ökonomische Entwicklung, um auf die Klimaveränderungen wie Trockenheiten und Überschwemmungen reagieren zu können. Wenn Kyoto weg ist, sollen wir eine Flasche Sekt aufmachen.

Wer solche Feinde hat, braucht keine Freunde mehr.

In dem Artikel Könntest du ein unbewusster Vergewaltiger sein? kritisiert Alka Sehgal Cuthbert eine politische Kampagne in England, die männliche Jugendliche vor sich selbst warnen möchte. Es wird ihnen in Videos fürs Kino und Fernsehen empfohlen, jeden ihrer jugendlichen Gedanken daraufhin zu überprüfen, ob er irgendwie auf die freundliche Anfrage, Sex zu haben, den Druck, Sex zu haben oder die Vergewaltigung von Mädchen hinausläuft – alles offenbar irgendwie dasselbe. Falls dem so ist, sollten sich die Heranwachsenden an ausgesuchte Experten richten und diesen ihre bösen Gedanken beichten, damit ihnen geholfen wird. Cuthbert hält dies für einen Angriff auf die kritische Urteilskraft der Jugendlichen, die ihre Selbstverantwortung an Experten abgeben sollen. Sie nennt die links-feministisch motivierte Kampagne „misanthropisch“ und „pervers“. Eben. Diese dämlichen Linken schon wieder. Oder so.

Schließlich weist Tim Black darauf hin, dass Telefonstreiche niemanden umbringen. Es geht um einen Scherzanruf eines australischen Radiosenders im Krankenhaus, in dem Herzogin Kate untergebracht ist. Das Land verfolgt gerade mit größter Spannung ihre unerwartete Schwangerschaft. Eine Schwester fiel auf den Telefonstreich hinein und hielt die Radiomoderatoren für Prinz Charles und die Queen. Sie lieferte den Radioclowns tatsächlich Informationen über den aktuellen Zustand der Herzogin. Die Schwester Jacintha Saldanha wurde später tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Radiomoderatoren werden insbesondere von der Internetgemeinde, die für übereilte Reaktionen bekannt ist, dafür verantwortlich gemacht.

Black widerspricht einer solchen Interpretation: „Immer wieder jemanden zu verantwortlich machen zu wollen bedeutet, dass man ein Netz aus von außen wirkender Intention und Kausalität Ereignissen beimisst, bei denen immer andere Faktoren im Spiel waren, von denen einige das subjektive Empfinden des angeblichen Opfers umfassen.“ Mit anderen Worten muss der Anruf gar nichts mit dem Selbstmord der zweifachen Mutter zu tun haben. Korrelation statt Kausalität. Und warum sollte er auch etwas damit zu tun haben?

Da kann ich nur mal wieder die Lektüre meines favorisierten marxistischen Magazins empfehlen.

8 Kommentare zu “Was machen meine Lieblingsmarxisten?

  1. Sophian Philon sagt:

    Wie sagte Ludwig von Mises im „Liberalismus“:

    „Der Liberalismus hat immer das Wohl des Ganzen, nie das irgendwelcher Sondergruppen im Auge gehabt. Das wollte die berühmte Formel der englischen Utilitarier: ‚Das größte Glück der größten Zahl‘ in einer allerdings nicht sehr geschickten Weise ausdrücken. Geschichtlich war der Liberalismus die erste politische Richtung, die dem Wohle aller, nicht dem besonderer Schichten dienen wollte. Vom Sozialismus, der ebenfalls vorgibt, das Wohl aller anzustreben, unterscheidet sich der Liberalismus nicht durch das Ziel, dem er zustrebt, sondern durch die Mittel, die er wählt, um dieses letzte Ziel zu erreichen.“

  2. Milfweed sagt:

    Ich fragte mich schon die ganze Zeit, was du zum Vorfall mit dem Phone Prang denkst. Ich habe mir es ja schon gedacht, dass du den australischen Radiomoderatoren keine Schuld gibst. Ich bin jedenfalls entsetzt über den Zorn der Internetgemeinde und auch meiner Arbeitskollegen, die hin und wieder Klatsch und Tratsch und Politik reden. Das grenzt ja schon an Lynchjustiz.

  3. Mauna sagt:

    Es gibt übrigens innerhalb der Linken (auch in Deutschland) durchaus häufiger so eine Art „libertäre Linke“. Wobei ‚häufig‘ wohl auch wieder etwas übertrieben wäre, verglichen mit der ‚orthodoxen‘ Linken.
    Innerhalb dieser anderen Linken jedenfalls gibts natürlich auch die unterschiedlichsten Sichtweisen. Und unter anderem auch die staatskritische Linke; die Linke, die zwar den Kapitalismus generell für irgendwie schlecht hält (aus unterschiedlichsten, oft gar nicht uninteressanten, zumindest reiferen Überlegungen als bei den meisten Mainstream-Attac-Marxisten), aber zugleich einsieht, dass innerhalb einer Warenproduzierenden Gesellschaft der Kapitalismus – und zwar der staatsferne/-freie – Fortschritt und die Verbesserung bedeuten.

  4. spkr sagt:

    Am Rande eine Frage an den Autor (und alle anderen die eine Meinung dazu haben): Wie steht ihr zu der kleinen Partei pdv (Partei der Vernunft, http://www.parteidervernunft.de/)? Wäre deren Programm prinzipiell mit der Philosophie des Objektivisumus kompatibel? Würdet ihr sie wählen? Oder gibt es in diesem Sinne eine Partei die besser geeignet ist?

    Viele Grüße!

    • derautor sagt:

      Das ist eben die deutsche libertäre Partei. Ohne philosophische Grundlage ist das alles sinn- und zwecklos. Warum sollten wir das Recht auf Eigentum anerkennen? Warum darf der Staat nicht ins Eigentum eingreifen? Steht nirgends. Natürlich gibt es starke inhaltliche Überschneidungen mit den politischen Aspekten des Objektivismus, aber ohne den Rest steht das alles im luftleeren Raum. Mir erscheint deren Perspektive etwas beschränkt zu sein, beschränkt auf die österreichische Schule (im Gegensatz etwa zur Verknüpfung der Austrians mit den klassischen Liberalen auf objektivistischer Grundlage, die George Reisman in „Capitalism“ vornimmt) und beschränkt auf Ökonomie. Wie es mit den Libertarians meist der Fall ist. Philosophisch sind die häufig Subjektivisten und ihr Poster Boy Ron Paul vertritt naive, anti-westliche Positionen, was Außenpolitik angeht.

    • Sophian Philon sagt:

      Die PdV ist keine objektivistische Partei, aber das ist m.E. kein Problem. Natürlich haben sie auch Antworten auf die Frage, warum man Eigentum anerkennen soll, nur schreiben sie keine philosophischen Abhandlungen darüber. Auch kein Problem, sie sind halt eine Partei. Wenn du mit ihren Forderungen übereinstimmst, kannst du sie auch wählen, finde ich. Ihre Sympathie für Ron Paul ist jetzt auch nicht das Schlimmste (anti-interventionistische Außenpolitik ist nicht gleich anti-westlich). Problematisch finde ich, dass in ihren Reihen einige Verschwörungstheoretiker sitzen, wie Freunde von mir erfahren mussten. Das kann man aber auch selber testen, wenn man das Buch „Das Kapitalismus-Komplott. Die geheimen Zirkel der Macht und ihre Methoden“ (allein der Titel!) von ihrem Guru Oliver Janich liest.

      Eine Partei, die besser geeignet ist? In diesem Land gibt es nicht einmal einflussreiche objektivistische Philosophen bzw. Publizisten (außer Andreas Müller natürlich :-)), wie sollte es da eine Partei geben?

      • derautor sagt:

        Verschwörungstheoretiker sind geradezu der Normalfall in libertären Reihen. Ich denke nicht, dass die wissen, was sie tun, diese Partei.

      • derautor sagt:

        Ja, vielleicht. Aber man könnte verhältnismäßig womöglich mehr erreichen, indem man die größere FDP wählt. Ich selbst sehe da nicht meine Aufgabe und wähle ehrlich gesagt gar nicht mehr. Ich bin aber in der Hinsicht kein Vorbild, nur sehe ich meine Rolle als Intellektueller, nicht als Politiker oder als jemand, der Parteienwerbung machen würde. Andere können es selbst beurteilen.

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