Kinderrechte – nicht in Deutschland

Uh, im neuen WordPress heißen „Artikel“ nun „Beiträge“. Wir wurden von Journalisten zu irgendwelchen Blogger-Idioten degradiert. Um den schäumig kochenden Topf, der mein Haupt symbolisiert, noch ein wenig anzuheizen, wurde nun Beschneidung in Deutschland offiziell erlaubt. Insofern ich nicht blind geworden bin, hat die Achse des Guten bislang gar nichts dazu zu sagen. Offenbar gibt es jetzt nichts zu meckern und vor den Nazi-Deutschen zu warnen. Sich zu freuen und Entwarnung zu geben wäre auch langweilig. Also sagen sie zur Abwechslung mal nada (übrigens gibt es ein großartiges Gebäckstück namens „Nata“, das aber nicht mit „nada“ verwechselt werden sollte“).

Es war ja auch eine schändliche Debatte mit allerlei Skinheads, die mit den schlimmsten Penis-verteidigenden Mitteln gegen das Judentum vorgehen wollten, wie etwa die Deutsche Kinderhilfe und der Bund Deutscher Kriminalbeamter, welche die Kampagne für die Menschenrechte von Kindern der Giordano Bruno Stiftung unterstützten. Wobei Kinder entgegen allem Anschein (insbesondere um 10 Uhr früh in der Schulpause) auch Menschen sind.

Es wäre immerhin ein Fortschritt gewesen, wenn man von nun an, wie in allen anderen Fällen, Arzt sein müsste, um jemanden operieren zu dürfen. Aber auch das ist laut dem finalen Gesetz nicht länger der Fall. Jeder Depp darf nun offiziell an den Genitalien von kleinen Jungs herumschneiden, so lange er es „nach den Regeln der ärztlichen Kunst“ tut und von irgendeiner Religionsgemeinschaft dazu „ausgebildet“ wurde – wenn er schon keine Ahnung von Medizin hat.

Ich kann mir vorstellen, wie eine solche Ausbildung zum Beschneider durch eine Religionsgemeinschaft in der Praxis aussehen wird:

„Hey, Achmed, schneid mal die Gurke in Scheiben!“

„Wieso? Ich hab gestern doch schon gekocht!“

„Weil wir dich zum Beschneider ausbilden, Alter! Halt die Fresse und schneid die Gurke oder ich schneid deine Mutter!“

„Fick dich, Yussef! Ich schneid hier gar nichts, schneid selber die Gurke!“

„Na gut, dann schneid ich halt Gurke, du Schlappschwanz! Dann bin ich aber auch der neue Beschneider von der Gemeinde!“

„Das musst du dann aber ’nach den Regeln der ärztlichen Kunst‘ machen, sagen die ungläubigen Flachwichser – mögen sie in der Hölle schmoren, bis sie knusprig sind wie Döner.“

„Nach den Regeln der was? Was redest du für eine Scheiße, Achmed? Was interessiert der Quatsch, bist du mischugge?“

Und darum gehts bei dem Gesetz:

„Das Gesetz sieht vor, dass die Personensorge der Eltern grundsätzlich auch das Recht umfasst, bei Einhaltung bestimmter Anforderungen in eine nicht medizinisch indizierte Beschneidung ihres nicht einsichts- und urteilsfähigen Sohnes einzuwilligen“, fasst die F.A.Z. das Gesetz zusammen. Man darf also an einem Kind herumschnippeln, solange man es auf anständige Weise tut.

In der Süddeutschen war ein versöhnlich gemeinter Kommentar von Heribert Prantl zum Thema zu lesen, der seine Wirkung nicht recht entfalten möchte. „Die Bundestagsdebatte hat nun, hoffentlich, ein wenig zu diesem Lernen und zur Befriedung beigetragen“, schreibt er über den heftigen Streit ums Thema. Tut mit Leid, aber aus dieser „Debatte“ ging ein eindeutiger Sieger hervor, dem zu 100% Recht gegeben wurde und der anderen Seite, die für einen Kompromissentwurf argumentierte (Beschneidung freiwillig ab 14 und durch einen Arzt) hat man ins Gesicht gespuckt.

Wenigstens haben die Parlamentarier mit ihrer Abstimmung für den fundamentalistischen Ultra-Pro-Beschneidungsentwurf gezeigt, dass sie ganz bestimmt keine judenfeindlichen Nazis sein können wie zum Beispiel sämtliche Beschneidungsgegner. Sie sind lediglich ein Haufen Arschlöcher, denen die Rechte von Kindern gleichgültig sind.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Politik.

7 Kommentare zu “Kinderrechte – nicht in Deutschland

    • derautor sagt:

      Ist doch egal, obs ein Jude schreibt. Entweder es stimmt oder es stimmt nicht. Diese Panik vor Antisemitismusvorwürfen ist ein Zeichen von Schwäche und macht keinen guten Eindruck.

  1. Brutha sagt:

    Auch die Achse des Guten hat hier wohl ihren blinden Fleck!

    Wie so oft, geradezu häufig wird nicht mehr ein Gesetz nach sinnvollen (Recht des Menschen, Medizinisch notwendig) Gesichtspunkten erlassen,
    sondern wo die Gefühlslage gerade zu verorten ist.
    Nicht umsonst kommt unserer witziger Haufen im Bundestag auf so tolle Ideen. Dort ist Karneval nicht die fünfte Jahreszeit, sondern herscht das ganze Jahr über.
    Aber unpopuläre Entscheidungen werden eh nur gefällt wenn das Wasser bis zum Halse steht und nicht wenn es notwendig wäre.

  2. DeeTee sagt:

    Ich kann es immer noch nicht fassen-fassungslos bin ich allerdings auch darüber, wie wenige Menschen sich dafür interessieren. Diese Beschneidungsdebatte wäre DIE Chance gewesen, etwas für die Integration von Religionsgemeinschaften bzw. für ein friedliches, verständnisvolles Miteinander zu tun. Statt mal vorbildlich für ein demokratisches, säkulares Land mit Grundrechten eine rote Linie zu ziehen und gruselige Dinge, die immer noch im Namen der Religion geschehen, zu verbieten, Einknicken vor der viel zu mächtigen Lobby von Geisterbeschwörern und Spukfantasten. Das ruft bei der großen Mehrheit der Bevölkerung berechtigterweise Kopfschütteln und Unverständnis hervor, mit dem Resultat, dass nun Vorurteile gegen den Islam und das Judentum erst recht brodeln-sie sind nämlich nun keine Vorurteile mehr, sondern Tatsachen: der Koran bzw. die Tora stehen über dem Grundgesetz! Genau das haben uns auch radikale Salafisten immer wieder gesagt-was für eine Signalwirkung mag das nun haben.
    Ich jedenfalls fühle mich seither nicht mehr an unser deutsches Recht gebunden.

    • sba sagt:

      Vorsicht, es ist dieses „unser“ deutsches Recht, dass Dir eine einigermaßen ungefährdete Opposition (noch?) erlaubt. Ich würde mir die zu ignorierenden Gesetze sehr gut aussuchen.

      • DeeTee sagt:

        Falls (falls) ich einmal in eine Situation käme, in der ich mich entscheiden muss zwischen meinem Gewissen und dem Gesetz in Deutschland, fiele mir die Entscheidung nun leichter. Es gingen aber auch vorher schon etliche Gerichtsurteile durch die Medien, die mich schockiert haben.

  3. Elirithan sagt:

    Religion ist integraler Bestandteil von Systemen vernetzter und organisierter Institutionen der Herrschaft und Ausbeutung.

    Ganz gleich ob wir die leichte Diffenzierung eines Priester/Deutertypus in Stammeskulturen, dem Gott der gottgegebenen Ordnung des europäischen Mittelalters oder abstrakte diffenzierte moderne Kultbegriffe wie ‚das Volk‘,’das Kollektiv‘ oder ‚das Gesetz‘ haben – es handelt sich objektiv um weitestgehend äquivalente Funktionseinheiten – die in der Regel für die Konstrukteure Kompatibel erscheinen bzw gemacht werden.

    Wenn ein solches Kultelement wie die Penisverstümmelung einer einflussreichen Gesellschaftlichen Gruppe (Elite) oder Instanz in den Kanon des religiös-staatsstiftenden Mythos aufgenommen wird, welcher in dem als Deutschland bezeichneten Gebiet wohl ein Komplex aus den angedeuteten Gesetzesdogmen ist, dann heisst dies lediglich, dass die besagte Gruppierung eine vorrübergehend entsprechend dominante Stellung erreicht hat. Mehr nicht.

    Objektiv gesehen ist dieser Vorgang in Zivilisationen des Rom-Typus nichts Ungewöhnliches.
    Geschriebene also externalisiert statische Gesetze und Regelwerke,welche ihren Ursprung in Systemen mit wechselnden personellen Herrschaftsverhältnissen haben, sind immer widerspruchsbehaftet und inflationär.
    Allein deswegen, weil sie dazu dienen sollen, eherne Konstanz oder sogenannte Rechtssicherheit in der genannten Dynamik zu erzwingen.

    Rechtsicherheit und sozialer Friede sind aber lediglich für den Besitzenden sehr wichtig, da sie ihm die Planung seiner wirtschaftlichen aber auch kulturellen positiven Agenda enorm erleichert.
    Ob das nun Arbeit, Krieg oder andere Verstümmelungen sind für den der erwirtschaftete Überfluss unter Zwang aufgewendet werden muss, ist so gesehen gleichgültig – die Zeche zahlen immer die Schwachen, Beherrschten und Unvermögenden, welche daher leider auch nur sehr selten eine origin eigene positive Agenda verfolgen können, und aufgrund dieser vormaligen Marginalisierung im Falle einer Umkehr der Herrschaftsverhältnisse dazu neigen, ihre alten Meister an Hybris überbieten zu wollen.

    Deswegen Gesetze verschieben das Unerwünschte, das Hässliche und Grausame lediglich aus dem zentralen Wirkungsbereich des bereits angesprochenen Identitätsstiftenden Mythos, welcher eine derartige Zivilisation reproduziert.

    Wer demnach konfessionelle Religion ablehnt, muss auch konsequenter Weise geschriebenes Gesetz ablehnen oder vielmehr seine soziale Kreativität bemühen. Er muss sich so er Verantwortung besitzt überlegen wie wir lebenswert koexistieren können, ohne auf derartigen Selbstbetrug zurückgreifen zu müssen – und gleichzeitig mit oben genannten soziopathischen Nachbarn zurecht kommen, denn selbige sind leider sehr perennierend in ihrem aggressiven Streben nach Selbstzweck und Monodominanz ihres Kanons.

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