Das Gerede von Gestern

In den letzten Tagen haben sich einige Nachrichten angesammelt, die ich nicht kommentierte, weil ich zu viel zu tun hatte. Nunmehr möchte ich dies kurz nachholen. Es geht um den Amoklauf in Newtown und um die islamistische Übernahme Ägyptens und um die universelle Zwangsfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Keine schönen Themen für Heiligabend, darum gibts noch einen Kommentar über den vernachlässigten Josef aus der Weihnachtsgeschichte, über den die Süddeutsche Zeitung sich in einem absonderlichen Artikel ausließ.

1. Der Amoklauf in Newtown, Connecticut

Ein psychisch gestörter Jugendlicher erschoss in den USA zwanzig Kinder. Er lebte sozial isoliert und litt am Asperger-Syndrom, hatte keine Freunde und seine Mutter grenzte ihn weiter von der Außenwelt ab. Im Keller spielte er Computerspiele und sammelte Militärspielzeug.

Die Demokratische Partei nutzte den Amoklauf, um erneut ein Verbot des Waffenbesitzes zu fordern. Daniel Greenfield wies im konservativen FrontPageMag darauf hin, dass die Waffenkultur, wie Linke sie darstellen, erstens so gut wie nicht existiert und zweitens passt keiner der Amokläufer ins Profil des ungebildeten, Waffen-sammelnden Landeis aus den Südstaaten.

„Der durchschnittliche Schulschütze ist unglücklich und wütend, nicht religiös und unfähig, sich in eine Gemeinschaft einzugliedern und erfüllt mit Zorn, den er in Gewaltfantasien auslebt.“

In der Tat waren alle Amokläufer von Columbine über Winnenden bis Newtown nihilistische, männliche Jugendliche mit urbaner Kultur und keine konservativen Christen aus ländlichen Dörfern.

Über eine Berechtigung eines Waffenverbots sagt das natürlich nichts aus. Hier würde ich unterscheiden wollen zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Kontext. In Deutschland sind die Waffengesetze bereits sehr streng. Hier gibt es sogar unangekündigte Kontrollen, die ohne die Notwendigkeit eines begründeten Verdachts in den Privathäusern von Waffenbesitzern vorgenommen werden dürfen, was ich ehrlich gesagt für verfassungswidrig halte. Hier kommt man nur nach einer aufwändigen bürokratischen Prozedur an Waffen und nur, wenn man einen sehr guten Grund dafür hat, vornehmlich Jäger und jene Bürger, die nachweisbar bedroht werden und zur Selbstverteidigung eine Waffe benötigen könnten.

Ich halte die deutschen Waffengesetze für zu streng, da sie die Möglichkeit zur Selbstverteidigung unverhältnismäßig einschränken. Meiner Ansicht nach sollten Erwachsene ab 25 Jahren das Recht haben, sich eine normale Handfeuerwaffe (9mm) zur Selbstverteidigung zu kaufen und sie verdeckt in Taschen mit sich zu führen, insofern dies private Eigentümer oder öffentliche Einrichtungen jeweils erlauben. Ebenso sollten Distanz-Elektroimpulsgeräte für Erwachsene ab 25 Jahren erlaubt sein. Die hohe Altersgrenze begründe ich mit dem statistisch überdurchschnittlichen Ausmaß an kriminellen Aktivitäten der Altersgruppe männlicher Jugendlicher bis 24 Jahren.

In einigen amerikanischen Bundesstaaten hingegen erscheint mir eine Einschränkung des erlaubten Waffenbesitzes, wie er vorgeschlagen wird, durchaus sinnvoll. Ich sehe keinen guten Grund, warum ein gewöhnlicher Bürger zur Selbstverteidigung Gewehre, Maschinenpistolen oder vollautomatische Pistolen mit großem Magazin benötigen sollte. Normale Handfeuerwaffen hingegen halte ich auch hier für legitim. Einen Angreifer oder gewaltsamen Einbrecher, auch mehrere, kann man mit einer gewöhnlichen Pistole aufhalten.

Warum ein Bürger nicht das Recht haben sollte, sich mit angemessenen Mitteln im Notfall zu verteidigen, erschließt sich mir nicht. Jeder, der schon einmal angegriffen wurde, weiß genau, dass in solchen Situationen nicht die Zeit ist, die Polizei zu rufen, geschweige denn, auf deren Ankunft zu warten. Es besteht natürlich die Gefahr der Überreaktion. Auf der anderen Seite kann mir bei Gelegenheit jemand erklären, warum eine Bande von Schlägern, die in U-Bahnhöfen Rentner zu Tode tritt, eigentlich selbst den Tod nicht verdient haben sollte. Wer nicht erschossen werden will, der möchte vielleicht in Zukunft davon absehen, andere Menschen physisch anzugreifen. Schließlich gibt es keinen Grund, warum jemand dies tun sollte oder warum man dies zu tolerieren hätte.

Was Schulen angeht, so sollte man natürlich den Schülern nicht erlauben, innerhalb der Schule mit Waffen herumzulaufen. Allerdings waren fast alle Schulen, Kinos, Einkaufszentren in den USA, wo Amokläufe stattgefunden haben, No Gun Zones, also Waffenverbotszonen. Es gab hingegen Schulen, die Waffen eingeschränkt erlaubten, etwa wenn ältere Schüler und Lehrer sie in ihrem Auto aufbewahrten. Auf diese Weise konnten sie bereits Amokläufe verhindern. Ich sehe keinen guten Grund, warum man Lehrern verbieten sollte, eingeschlossen in ihren Autos Waffen aufzubewahren. Das Recht auf verdeckten Waffenbesitz für Erwachsene hat auch einen präventiven Effekt: Jeder könnte in seiner Tasche eine Waffe aufbewahren – das schüchtert Kriminelle ein.

Ann Coulter: Conceiled-carry laws. How we stop school shootings

2. Ägypten wird islamisch

Ägypten erhielt nun offiziell eine islamische Verfassung, die von der Mehrheit der Bevölkerung abgesegnet wurde. Das prophezeie ich schon seit Monaten. Immer wieder gab es Einwände, laut denen die liberalen Demonstranten am Ende den Sieg davontragen würden, oder laut denen das säkulare Militär eine solche Entwicklung aufhalten würde. Ich hoffe, diese Diskussion hat jetzt endlich ein Ende. Die konservativen Amerikaner hatten Recht mit ihrer Einschätzung des „arabischen Frühlings“ und linke Journalisten haben sich als naive Träumer erwiesen. Wie peinlich für sie, wie schlecht für Ägypten.

3. Auch du musst zahlen

Ich selbst nutze keines der Angebote der Öffentlich-Rechtlichen und verlasse mich auf das gedruckte Wort. Dem Staat ist das egal, er verlangt nun von jedem Haushalt, dass er das öffentlich-rechtliche Fernsehen finanziert, auch wenn es ihm egal ist und er es gar nicht nutzt.

Als alternativer Vorschlag ist die Finanzierung des Öffentlich-Rechtlichen mit Steuern im Gespräch. Das wäre die eine Möglichkeit, wie man es noch schlechter anstellen könnte. Dann wäre das Öffentlich-Rechtliche nämlich endgültig an Parteipolitik gebunden und müsste sich den Vorstellungen regierender Politiker beugen, anstatt gelegentlich halbwegs unabhängig zu sein.

Die GEZ beschwerte sich, dass viele Menschen Schlupflöcher gebrauchten, um die Fernsehgebühr nicht zahlen zu müssen. Doch ist die Fernsehgebühr keine Zahlung für eine erhaltene Leistung, sondern sie war immer schon eine Zwangsabgabe für ein Angebot, das man nutzen konnte oder auch nicht, für das man aber auf jeden Fall zahlen musste, insofern man einen Fernseher irgendwo herumstehen hatte.

Als Gegenargument wird auch angeführt, dass wir ja ebenfalls für Krankenhäuser und die Feuerwehr zahlen, obwohl auch nicht alle von deren Leistungen profitieren. Nun zieht der Vergleich aber nicht, da die Feuerwehr so oder so das eigene brennende Haus löschen muss, damit andere Häuser nicht in Flammen aufgehen. Dass jeder insofern eine Feuerwehrgebühr zahlen muss, halte ich für gerechtfertigt. Wenn jemand nicht ARD schaut, brennt darum nicht das Nachbarhaus ab. Medizinische Versorgung hingegen kann man in der Tat privat finanzieren. Der Krankenwagen kommt auch so und irgendwann wird man eben um sein Versichertenkärtchen gebeten, wie es heute schon ist.

Es ist für mich kein guter Grund ersichtlich, warum wir öffentlich-rechtliches Fernsehen benötigen sollten. Es gibt andere Medien, die weitaus kostengünstiger finanzierbar sind. Selbst wenn man meint, wir benötigen irgendein von der Wirtschaft völlig unabhängiges, gebührenfinanziertes Medium – warum muss es ausgerechnet das Teuerste sein? Reichen denn nicht ein paar Zeitungen aus? Zudem wird das Öffentlich-Rechtliche von der jüngeren Generation kaum noch genutzt, die lesen alle News auf ihren Smartphones und Tablets (die zum Glück bald etwas kosten werden. Ja, Journalismus kostet Zeit und Geld, auch wenns die Parasiten nicht einsehen wollen).

4. Josef als Mann der Zeit

Es ist peinlich genug, dass ein Wüstennomadentext wie die Bibel überhaupt noch eine Rolle spielen sollte in einer aufgeklärten Gesellschaft, aber zu Weihnachten kommt ein erstaunliches Phänomen hinzu: Auf einmal glauben alle, die Weihnachtsgeschichte habe sich tatsächlich zugetragen, wo den Rest des Jahres selbst Theologen davon ausgehen, dass sie 99% Mythologie ist.

Auch die Süddeutsche Zeitung konnte die Finger nicht davon lassen, irgendetwas über die Weihnachtsgeschichte in ihrer Weihnachtsausgabe zu schreiben (die ZEIT hatte den Amokläufer von Newtown mit Herodes verglichen). „Zwischen Macho und Softie“ nennt sich der Artikel von Matthias Drobinski. Josef muss darin als Rollenmodell für den modernen Mann herhalten. Auch habe er tatsächlich existiert, wobei über ihn nicht viel „sicher“ bekannt sei (tatsächlich ist historisch gar nichts über ihn bekannt und höchstwahrscheinlich gab es ihn nie).

Man genieße folgende Aussage aus dem Artikel über Josef: „Er hat sich – gegen die Männerwelt, die den Samen heiligte -, entschieden, bei Maria zu bleiben, das Wagnis der Patchworkfamilie einzugehen, die Migrations- und Asylgeschichte eingeschlossen.“

So, die Männerwelt heiligte also den Samen. Keine Ahnung, was das nur bedeuten mag. Vielleicht heißt es, dass die Männer gerne Sex mit ihren Frauen hatten und auf diese Weise Kinder zeugten. Wirklich seltsam, wer kommt denn auf so etwas? Da müssen sie sich schon unterstellen lassen, den Samen anstelle von Gott geheiligt zu haben.  Josef war allerdings darüber erhaben, er ließ seine Frau vom „Heiligen Geist“ befruchten. Heraus kam eine Patchworkfamilie, weil der leibliche Vater – der Heilige Geist – nach der Zeugung das Weite suchte. Auch zu Weihnachten ist es mir jedenfalls wichtig, meine Rationalität zu erhalten und an Wahnsinn grenzende Artikel wie dieser helfen mir nicht unbedingt dabei.

Zur Rettung eilt der katholische Theologe Paul Zulehner, der in einem Kurzinterview für die SZ seinen Senf über Josef abgeben darf. Man erfährt erstaunliche Dinge darin über den verweiblicht-verweichlichten Gottesdienst, mit dem echte Kerle nichts anzufangen wissen. Echte Kerle haben was anderes im Sinn, weiß Zulehner: „Männer wollen raus in die Natur, wandern, in die Wüste. Ich begleite gerade zwei 15-Jährige zur Firmung, mit denen will ich auch so was machen, eine spirituelle Wanderung durch die Natur und in der Kirche trommeln […].“ Ja, die wahren Kerls wollen in die Wüste pilgern und in Kirchen trommeln.

Der Theologe zitiert obendrein eine Studie, laut der im Jahre 1998 46% der Männer sagten, Kirche und Glaube hätten keinen Einfluss in ihrem Leben, während es inzwischen nur noch 35% sind. Männer sind sich in ihrer Rolle nicht mehr sicher und suchen nach Orientierung, die Kirche bietet sie an. Wer sind wir überhaupt noch? Arbeiter, Hausmänner, Ernährer, Väter, Kindermädchen, Feministen, Chimären zwischen Frau und Mann?

Was andere Männer tun, ist ihr Problem, ich jedenfalls hänge an meiner Rationalität. Und die sagt mir, dass man keine willkürlichen Behauptungen wie Gott akzeptiert, nur weil man widersprüchliche Aussagen über die Rolle des Mannes in der Moderne hört. Wir Männer zeichnen uns dadurch aus, dass wir denken. Frauen sind herzlich dazu eingeladen, es uns gleichzutun, wie wir herzlich dazu eingeladen sind, Vaterschaftsurlaub zu nehmen und uns um die Kinder zu kümmern.

Für den Fall, dass dies ein wenig gemein war, hier noch ein schönes Foto vom Ludwigsburger Weihnachtsmarkt:

Ludwigsburger Weihnachtsmarkt (c) Andreas Müller

2 Kommentare zu “Das Gerede von Gestern

  1. arprin sagt:

    „Immer wieder gab es Einwände, laut denen die liberalen Demonstranten am Ende den Sieg davontragen würden, oder laut denen das säkulare Militär eine solche Entwicklung aufhalten würde. Ich hoffe, diese Diskussion hat jetzt endlich ein Ende. Die konservativen Amerikaner hatten Recht mit ihrer Einschätzung des “arabischen Frühlings” und linke Journalisten haben sich als naive Träumer erwiesen.“

    Das war etwas zu voreilig:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegyptens-militaer-stuerzt-praesident-mohammed-mursi-a-909326.html

    „In Ägypten hat das Militär die Kontrolle übernommen. Die Armeespitze hat Präsident Mursi seines Amtes enthoben und eine Übergangsregierung eingesetzt, die das Land bis zu Neuwahlen führen soll. Bis dahin wird der Chef des Verfassungsgerichts die Aufgaben des Präsidenten übernehmen. Die Verfassung, die von den Muslimbrüdern in einem umstrittenen Referendum durchgepeitscht wurde, wird vorübergehend außer Kraft gesetzt. …

    Auf dem Tahrir-Platz brach im Anschluss an die Erklärung ohrenbetäubender Jubel aus. Die Menschen feiern den Sturz des Präsidenten und die Aufhebung der Verfassung. Feuerwerk stieg in den Himmel.“

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.