Wie der Kapitalismus die Umwelt schützt

…oder schützen könnte, wenn man ihn nur ließe. Mir wurde vor einigen Monaten mitgeteilt, der Markt könne nicht alle Probleme lösen und ich hätte keine Ahnung, wovon ich rede. Bei dieser Gelegenheit wurden „externe Effekte“ als Begründung angeführt, die vornehmlich die Umweltschädigung betreffen. Also gut, sagte ich, dann werde ich ein Buch über Ökologie lesen, wenn mein Gesprächspartner dafür ein Buch von Ludwig Mises liest. Das wollte er nicht.

Ich habe mich trotzdem entschlossen, noch tiefer in die Materie einzusteigen und gleich ein Semester Ökologie zu studieren, was ich nun getan habe. Ich kann schließlich als Aufklärer keine falschen Thesen verbreiten und sich richtige „Thesen“ anzueignen ist unter Umständen eben viel Arbeit.

Nun erkläre ich also auf Grundlage meines neu erworbenen Wissens grundsätzliche Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Umweltschutz und biete marktwirtschaftliche Lösungsvorschläge für die Probleme an, welche die Ökologie identifiziert.

Zunächst einmal erkenne ich die Umweltschädigung als reales Problem an. Phänomene wie Überfischung und Luftverschmutzung existieren. Die Umweltproblematik lässt sich rein ökonomisch erklären und so vielleicht am besten verstehen.

Was allen gehört, kann jeder zerstören

Man unterscheidet in der Ökonomie vier unterschiedliche Arten von Gütern: Private Güter, „Natürliche Monopole“, Gesellschaftliche Ressourcen und Öffentliche Güter. Manchmal nennt man sie auch anders, aber bleiben wir einmal bei diesen Bezeichnungen. Man unterscheidet diese Güter anhand zweier Prinzipien, dem Ausschluss- und dem Konkurrenzprinzip.

Das Ausschlussprinzip bedeutet, dass andere Marktteilnehmer vom Konsum ausgeschlossen werden können, was eine Folge der Güterknappheit ist: Es gibt eine begrenzte Menge von Rohstoffen und Gütern, die daraus gefertigt werden, und somit kann nicht jeder alles haben, was er möchte – sondern nur so viel, wie er sich leisten kann. Daher wird das Ausschlussprinzip durch den Preis signalisiert. Gäbe es eine unendliche Menge von Eiscreme, dann könnte jeder so viel Eiscreme essen, wie er möchte, ohne dafür zahlen zu müssen.

Das Konkurrenzprinzip bedeutet, dass eine Rivalität um die Güternutzung besteht. Mit anderen Worten herrscht Wettbewerb: Wenn eine Person ein Gut nutzt, kann die andere Person es nicht ebenso nutzen. Wenn ich einen Porsche fahre (sehr fiktiv), so kann jemand anderes nicht zugleich denselben Porsche fahren.

Bei Privaten Gütern gilt sowohl das Konkurrenz- wie auch das Ausschlussprinzip. Eiscreme hat einen Preis und es herrscht ein Wettbewerb um Eiscreme: Langnese und Schöller möchten Ihnen beide ihre Eiscreme verkaufen.

Bei Natürlichen Monopolen herrscht zwar das Ausschlussprinzip, aber kein Konkurrenzprinzip. Es gibt keine Konkurrenz um das Kabelfernsehen als solches, jeder Mensch auf der Welt könnte theoretisch Kabelfernsehen nutzen. Aber es hat einen Preis, er müsste dafür zahlen.

Bei Öffentlichen Gütern gilt weder das Ausschluss- noch das Konkurrenzprinzip. Die nationale Verteidigung, die Bundeswehr, hat keinen Marktpreis und sie hat keine Konkurrenz. Entsprechend kreativ wird sie beizeiten eingesetzt.

Die natürliche Umwelt gehört zu den Gesellschaftlichen Ressourcen. Hier gilt kein Ausschlussprinzip, da jeder die natürliche Umwelt unbeschränkt nutzen darf, aber es gibt zugleich Konkurrenz um die natürliche Umwelt. Das Resultat ist ein rücksichtsloser Kampf um natürliche Ressourcen. Man muss sie sich nehmen, bevor sie sich ein anderer nimmt. Sie gehören niemandem und nur mittels Gewalt kann man sie an sich reißen und verteidigen.

Privateigentum als Grundlage der Zivilisation

Das war der Grund, warum das Privateigentum am Anfang der modernen Zivilisation stand: Man erklärte, dass der Teil der Umwelt, den ein Mensch durch seine eigene Arbeit verändert, nun ihm gehört. Wenn jemand wilde Beeren aberntet, so gehören sie bereits ihm und niemand sonst hat ein Recht darauf. Das war die Argumentation des britischen Philosophen John Locke im 17. Jahrhundert. Die aufgeklärten amerikanischen Gründungsväter schlossen sich ihm im 18. Jahrhundert weitgehend an.

Nun gehören natürlich die Fische, die im Meer gefangen werden, den Fischern. Aber das Meer selbst gehört ihnen nicht und dieses ist nun einmal der Lebensraum der Fische. Es gibt also keine Möglichkeit, die natürliche Umwelt unter die Kontrolle der Zivilisation zu bringen, weil man sie „Gesellschaftliche Ressource“ nennt, also weil sie allen und somit niemandem wirklich gehört.

Und was niemandem gehört, darf sich jeder unbegrenzt nehmen. Es entsteht somit ein Anreiz zur Übernutzung gesellschaftlicher Ressourcen – und öffentlicher Güter wie der Landesverteidigung, die oft zu anderen Zwecken eingesetzt wurde.

Externe Effekte

Aus diesem Grunde entstehen die „externen Effekte“, womit zumeist negative externe Effekte gemeint sind. „Extern“ sie sind, weil sie sich außerhalb des Marktes abspielen. Ein negativer externer Effekt entsteht, wenn für Dritte ein Schaden oder eine Aufwendung erzeugt wird, die der Verursacher nicht bezahlen muss. Der Schaden wird sozialisiert und der Nutzen wird privatisiert. Das ist etwa der Fall, wenn Autofahrer oder Unternehmen die Luft mit Emissionen verschmutzen. Die Luftqualität sinkt, ohne dass die Verursacher für den Schaden aufkommen würden.

An der Überfischung leiden dann in der Tat die „kleinen Fischer“. Große Fischereiunternehmen können die Ozeane mit riesigen Netzen durchkämmen und alles leer fischen, so weit das möglich ist (in der Tat ist es unwahrscheinlich, dass eine Fischart vollkommen ausstirbt). Dann bleibt für die kleinen Fischer wenig übrig. Das wäre dann in Ordnung, wenn die Ozeane und Fische den großen Unternehmen gehören würden und sie nur ihr Eigentum abernten würden. So ist es aber nicht, die Ozeane und Fische gehören niemandem, also ebenso den kleinen, wie den großen Fischern.

Bis dahin könnten sich Kapitalisten und Umweltschützer im Grunde einig sein. Die Lösungsvorschläge unterscheiden sich allerdings grundlegend.

Die Chimäre Ökologie

Die Ökologie ist nicht nur eine Wissenschaft, sondern auch eine politische Bewegung, die auf massive staatliche Interventionen setzt. Zur sozialdemokratischen Politik, die zur Ökologie dazugehört, kommt die Idee hinzu, das Wirtschaftswachstum müsse begrenzt werden. Ökologen sehen die Wirtschaft als offenes System an, das immer weiter wachsen kann, während sie die Umwelt als geschlossenes System betrachten. Das Wirtschaftswachstum stoße somit an die Grenzen der Umweltkapazität. Ökologen fordern unter anderem Steuern für Umweltschädigung, Subventionen für Maßnahmen zum Umweltschutz.

Ökologen befürworten Gesetze zugunsten der Nachhaltigkeit und sie fordern, dass die „Knappheitspreise“ in die Preise von Produkten eingeschlossen werden. Die Knappheitspreise beziehen sich darauf, dass natürliche Güter mengenmäßig begrenzt sind. Diese Knappheit fließe angeblich nicht in die Preise ein, sondern es werde nur berechnet, was beispielsweise die Erdölförderung kostet. Allerdings ist die Güterknappheit ja gerade der Grund, warum wir überhaupt wirtschaften, das heißt privat wirtschaften müssen. Niemand kann knappe Ressourcen so effektiv einsetzen wie private Wirtschaftsunternehmen, die sich an der Nachfrage orientieren, und nicht an Quoten oder Fünfjahresplänen. Wenn es irgendeine historische Erfahrung Erfahrung mit der Wirtschaft gibt, dann diese.

Ziel der Nachhaltigkeit ist es, dass bei erneuerbaren Ressourcen die Abbaurate die Regenerationsrate nicht überschreiten darf. Wälder müssen also wieder aufgeforstet werden, wenn man sie abgeholzt hat. Genau das wird natürlich auch gemacht in allen kapitalistischen Ländern. In Deutschland werden nicht absichtlich Wälder abgefackelt und in den USA ebensowenig. Das geschieht nur in Drittweltländern, die auf private Marktwirtschaft verzichten. In kapitalistischen Ländern weiß man, dass eine rationale Forstwirtschaft ihre eigene Grundlage nicht zerstören sollte. Es ist vergleichbar mit der Horde Wilder, die Jared Diamond zufolge große Säugetiere ausrottete, weil sie kein Privateigentum kannte. Sonst hätten sie die Tiere eingezäunt und gezüchtet, wie man das eben tut in kapitalistischen Ländern. Gerade weil wir Privateigentum kennen, zerstören wir die Umwelt nicht, sondern wirtschaften nachhaltig – nur überall dort, wo das Privateigentum nicht gilt, herrscht Umweltzerstörung.

Die Umwelt privatisieren

Ebenso geht es bei der Nachhaltigkeit darum, dass die „Aufnahmekapazität“ der Umwelt für Schadstoffe nicht überschritten wird. Erneut sind die selben Zusammenhänge erkennbar. Warum werden Giftstoffe in Flüsse, Seen und Meere gekippt? Weil die Flüsse, Seen und Meere niemandem gehören. Also kann man damit machen, was man will. Welcher private Unternehmer kauft sich hingegen einen Badesee, mit dem er Touristen anlocken will, und kippt absichtlich Chemieabfälle hinein? Welcher Unternehmer würde sich einen Teil des Meeres kaufen, wobei er durch Schiffahrt und Fischerei Profit machen würde – nur um Giftstoffe in sein eigenes Meer zu schütten? Mal angenommen, die Meere befänden sich in Privatbesitz. Ein Unternehmer hat sich die Nordsee gekauft. Eine Chemiefabrik leitet Giftstoffe in die Nordsee. Offensichtlich würde der Unternehmer die Chemiefabrik bis in den siebten Kreis der Hölle verklagen, wenn sie so etwas mit seinem Eigentum anstellt.

Der Verbrauch nicht erneuerbarer Rohstoffe soll derweil durch eine gesteigerte Wirksamkeit ausgeglichen werden. Dem steht der „Reboundeffekt“ entgegen, laut dem Verbesserungen in der Ressourcenproduktivität in kurzer Zeit von Produktionssteigerungen überholt werden. Wenn man weniger Ressourcen verwenden muss, um beispielsweise ein Auto herzustellen, so muss man weniger für die Ressourcen bezahlen und dann sinkt auch der Preis des Autos. Mit dem sinkenden Preis steigt die Nachfrage und mehr Autos werden produziert. Dadurch werden die Effizienzgewinne aus ökologischer Sicht zunichte gemacht, wobei die Konsumenten immerhin günstigere Autos bekommen. Allerdings beträgt der Reboundeffekt in der Regel nicht 100%, also können nicht erneuerbare Rohstoffe durchaus durch eine gesteigerte Wirksamkeit gespart werden, nur steht einer 100%igen Wirksamkeitssteigerung keine 100%ige Ressourcenersparnis gegenüber, was man auch nicht rational erwarten kann.

In diesem Zusammenhang ist das Phänomen der Heliumknappheit aufschlussreich. Im Weltall gibt es reichlich Helium, aber auf der Erde wird es allmählich knapp. Wir füllen es absonderlicherweise auf Kindergeburtstagen in Luftballons. Dabei wird Helium beispiesweise für die Kühlung von Kernspintomographen benötigt. Grund dafür ist die Überschwemmung des Marktes mit Helium aufgrund eines Gesetzes, das die Clinton-Regierung erließ. Die USA lösen bis 2015 ihre Heliumreserve auf, die in Texas gelagert ist, und die Regierung verscherbelt das Helium zu Tiefstpreisen, die in der Tat seine Knappheit nicht berücksichtigen. Dazu kommt es zur Verschwendung von Helium – durch eine Maßnahme der Regierung und eben nicht durch freie Marktwirtschaft. Der Physiker und Nobelpreisträger Robert Richardson kritisierte die Heliumverschwendung im „New Scientist“. Er sagte im Interview, dass ein Heliumluftballon auf dem freien Markt (!) 100 US-Dollar kosten würde. Auf dem freien Markt – ohne Regierungsintervention. Natürlich gibt es diese staatliche (!) Heliumreserve nun, aber die Regierung könnte sie wenigstens zu angemessenen Preisen verkaufen, um ihren tatsächlichen Marktwert zu etablieren.

Immerhin sind sich Ökologen und Kapitalisten einig, dass das Verursacherprinzip, beziehungsweise das Kostenzurechnungsprinzip in vollem Maße zu gelten hat. Wenn jemand andere Menschen schädigt, muss er in vollem Maße dafür aufkommen. Wenn eine Firma die Luft verpestet und dadurch sinkt meine Lebensqualität, meine Häuserwand ist voller Ruß oder ich werde sogar krank, dann muss die Firma Schadensersatz leisten. So wäre das auch in der freien Marktwirtschaft, wo individuelle Rechte konsequent geschützt werden. Atomwerksbetreiber müssten beispielsweise in vollem Ausmaß für die Folgen von Unfällen und für die Entsorgung von Atommüll aufkommen.

Macht Euch die Erde untertan

Man sieht also, dass die Ursache von Umweltverschmutzung eben nicht ein „Marktversagen“ ist – sondern die Abwesenheit des Marktes bei „Gesellschaftlichen Ressourcen“ wie der natürlichen Umwelt. Die effektivste Lösung ist die Privatisierung der natürlichen Umwelt, soweit das möglich ist (was ja nicht überall der Fall sein mag, etwa bei der Luft).

Insofern steckt vielleicht doch eine gewisse Weisheit in dem, was Gott – an den ich nicht glaube – einst gesagt haben soll:

„Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“ (Gen 1,27-28). Wir haben uns die Erde nicht vollständig untertan gemacht. Wir zerstören nun alles, was wir nicht „unterworfen“, was wir nicht zu unserem Privateigentum erklärt haben. Zumindest in diesem einen Punkt hätten wir vielleicht doch auf den alten Schöpfer hören sollen.

Vortragsangebot

Off Topic: Ich möchte gerne einen Vortrag zum Thema „objektive Ethik“ halten, in dem es um die ethischen Ansätze von Sam Harris, Richard Carrier und Ayn Rand gehen soll. Die Frage lautet, ob und wie man aus den Tatsachen der Realität eine Ethik ableiten kann. Dabei wird der „naturalistische Fehlschluss“, die Sein-Sollen-Dichotomie („aus dem was ist, folgt nicht, was sein soll“) von den genannten Denkern bestritten.

Falls jemand Interesse hat, den Vortrag zu organisieren (bzw. ihn bei einer Vorlesungsreihe einzugliedern), bitte melden: feuerbringer(at)hotmail.de

Literatur

Die Austrians (österreichische Schule der Ökonomie) haben sich in größerem Detail durchdacht, wie man die natürliche Umwelt privatisieren könnte:

Murray N. Rothbard: Law, Property Rights, and Air Pollution

Laut Murray muss die Luft selbst nicht privatisiert sein, um gegen Luftverschmutzer im Kapitalismus effektiv vorgehen zu können.

Walter Block: Water privatization

Block möchte alle Flüsse, Seen und Meere privatisieren. Man hat ja sonst nichts zu tun.

Donald R. Leal: Homesteading the Oceans

Leal ist bescheiden und begnügt sich mit der Privatisierung der Fische.

Peter T. Leeson: Want to Prevent Piracy? Privatize the Oceans

Leeson erkennt in der Privatisierung der Ozeane das effektivste Mittel gegen Piraterie. Darauf muss man auch erstmal kommen.

Und ja, es gibt ein Buch zum Thema, das sogar vom MIT herausgegeben wurde:

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=terrrott-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B00194D8L4&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

16 Kommentare zu “Wie der Kapitalismus die Umwelt schützt

  1. arprin sagt:

    Einige afrikanische Länder wie z.B. Namibia haben die Besitzrechte an Wildtieren an private Landbesitzer übertragen, dadurch entstanden florierende Nationalparks und der Wildbestand nahm stark zu:
    http://www.huntersnamibia.com/lamprecht-hunting%20paper.htm

    „If it were not for trophy hunting, wild animals in most of Africa would have little value to the local people and would be killed indiscriminately because they compete with domestic livestock and occupy land that could be farmed, built on or otherwise developed.“

  2. CR sagt:

    Schöner Text,gut geschrieben.
    In dem Zusammenhang: Vielleicht sollte man auch Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind, zur Privatzucht freigeben (und dann natürlich auch zur Verwertung).
    Wenn z.B. Elfenbein der Elefanten wieder frei handelbar wäre, oder Tigerfelle, Nashörner usw wäre der Anreiz für Wilderer geringer. Auch würden die Tiere nun eher geschützt als jetzt. Ich weiss- für das einzelne Tier wäre es eher unvorteilhaft, dafür würde die Art als solche überleben.
    Z.B. kann ich mir nicht vorstellen, dass wenn alle Menschen Vegetarier wären, es soviele Schweinearten geben würde. Genauso Rinder, Hühner, Ziegen etc. Alle Tiere, die für den Menschen nutzbar sind wurden weitergezüchtet und haben überlebt (als Art). Natürlich sind Grosstiere wie Wale, Elefanten als Zuchttier eher schwierig zu handhaben 😉

    • Wafthrudnir sagt:

      Bei einer gefährdeten Pflanze, der fleischfressenden Venus-Fliegenfalle, hat genau das geklappt. Früher wurde sie in großen Mengen für den Verkauf gesammelt, was sehr bedenklich war, weil das natürlich Verbreitungsgebiet sehr klein ist. Ab etwa 1990 überschwemmten Privatunternehmen den Markt mit Pflanzen, die im Labor gezüchtet wurden, und man kann sie heute um maximal €10 im Baumarkt kaufen. Für €10/Stück riskiert kein illegaler Pflanzensammler eine Strafe, und so hat sich das Sammelproblem von selbst gelöst.
      Andere fleischfressende Pflanzen (einige Arten des Trompetenblatts) wurden, da hochgradig bedroht, per Gesetz nur unter hohen, und teuren, Auflagen zum Handel zugelassen. Damit scheuen Unternehmen den Aufwand, sie im Labor zu züchten, was technisch auch nicht schwieriger wäre, sie sind sie bis heute teuer und werden entsprechend weiterhin illegal gesammelt.

  3. Gutartiges Geschwulst sagt:

    CR sagt:
    „Natürlich sind Grosstiere wie Wale, Elefanten als Zuchttier eher schwierig zu handhaben.“

    Außerdem sind sie schwieriger zu grillen und benötigen unverhältnismäßig lange Garzeiten.
    Hinzu kommt, dass Elefanten, ebenso wie ich, Vegetarier sind und einen Futterrivalen, wie mich, regelrecht verhungern ließen, sobald sie die Massenzucht eroberten.
    Dabei bin ich doch schon oft genug zu kurz gekommen!

  4. Sophian Philon sagt:

    Sehr schöner Artikel!

  5. Xam Reindl sagt:

    Eine Frage am Rande des Themenbereich hätte ich:

    Wie sollte eine Privatisierung im Moment in staatlicher Hand liegender Güter(wie hier Meeresbereiche,Flüsse,Küste etc.) verlaufen, ohne dass dabei eine Monopolbildung bzw. eine Bevorteilung derjenigen mit viel Kapital oder/und Einfluss(Macht) auf den Staat verhindert wird.

    Folgendes Szenario dazu:
    Ein Entwicklungsland entschließt sich ihre Küstenabschnitte zu privatisieren.
    Als Konkurenten treten die kleinen,vielen Fischerdörfer, die seit Jahren aus diesem bislang staatlichen Gewässer gefischt haben gegen einen/mehrere andere Investoren an.
    Würde es ethisch gerecht sein einfach den Investoren mit dem höchsten Investitionspotential die Fischgründe zuzusprechen,der wahrscheinlich auch das meiste daraus holen würde?
    Haben die Fischerdörfer ethisch gesehen ein Recht auf ihre bis dahin bewirtschaftetes Gebiet oder müssten sie es einfach hinnehmen wenn ein Konkurent mit mehr Geld sie übertrifft und ihnen das Fischen verbietet?

    Freundliche Grüße
    Xam

    • Xazas sagt:

      Ich denke die Fischerdörfer, bzw. die kleinen Fischer haben eine Art Gewohnheitsrecht, kein ethisches Recht.
      Sie haben bisher am meisten die Natur dem Menschen bzw. sich selbst nutzbar gemacht. Daher haben sie eigentlich sowieso schon Eigentum am Küstenabschnitt. Man könnte eher sagen, dass der Staat den Fischern ihr Eigentum gestohlen hat als er den Küstenabschnitt für öffentlich erklärte.

      Sollte ein Staat überhaupt Geld dafür verlangen wenn er ein öffentliches Gut privatisiert? In manchen Fällen ist das denke ich nicht rechtens ist. Im Falle der „kleinen Fischer“ ist es für mich eher ein zurückgeben ihres Eigentums. Für weiter drausen liegende Gewässer die die Fischer nicht erreichen können sieht die Situation natürlich schon wieder anders aus.

    • Sophian Philon sagt:

      Xazas hat Recht. Warum die Fischer allerdings kein ethisches Recht haben sollten, weiß ich nicht. Es ist ihr Eigentum, da sie es sich zuerst angeeignet haben; folglich haben sie darauf ein ethisches Recht.

      Zum Thema hat sich Rothbard ein paar Gedanken gemacht, etwa in der „Ethik der Freiheit“. Durch die „Privatisierung“ wird das Gut wieder zu einem herrenlosen Gut, das der Aneignung freisteht. Die Fischer waren zuerst da, also gehört es ihnen. Man kann natürlich auch sagen, dass sie ihr Eigentum wieder zurück erhalten, entweder als Enteignete oder als Erben der Enteigneten.

      Ich denke, dass der Staat kein Recht dazu hat, Geld bei der Privatisierung zu verlangen, da er in den allermeisten Fällen (mir fällt eigentlich kein Fall ein, auf den das nicht zutrifft) Eigentum enteignet, etwas mit enteignetem Geld (zweckentfremdeten Steuern) gekauft oder Ansprüche erhoben hat, die nicht rechtmäßig sind (da keine ursprüngliche Aneignung stattfand).

      Eine andere Frage, die mich umtreibt, ist die, ob große Meeresabschnitte überhaupt „privatisiert“ werden können, da sie – anders als Land – nicht ursprünglich angeeignet werden können!?a Laut Rothbard reicht es nicht, einfach einen Zaun um ein riesiges Gebiet zu ziehen, man muss es auch bearbeiten („mit seiner eigenen Arbeit vermischen“ im Sinne Lockes). Bei einem Ozean scheint mir das kaum möglich…

      • Sophian Philon sagt:

        … sie können natürlich nicht privatisiert werden, was der Autor ja auch schreibt (das ist ja das Problem). Meine Frage bezieht sich hierauf: Wenn das Prinzip der ursprünglichen Aneignung nicht anwendbar ist und dies aber nun einmal ein Basisaxiom der Gerechtigkeitstheorie ist, können dann die Notlösungen (Verschmutzungszertifikate etc.) überhaupt als gerecht angesehen werden? Nach welchem Prinzip?

      • derautor sagt:

        Grundsätzlich stimme ich dem zu, aber ganz so einfach ist es dann auch nicht. Zunächst besteht die Frage, wer „die Fischer“ eigentlich sind, also welchem Fischer gehören nun welche Fische oder welcher Teil eines Sees? „Die Fischer“ sind ja kein einzelnes Privatunternehmen, sondern viele mehr oder weniger unabhängige Unternehmer. Zudem denke ich, dass die Regierung – siehe Heliumbeispiel – gute Gründe hat, Geld für privatisiertes Staatseigentum zu verlangen und zwar den Preis, der dem hypothetischen Marktpreis entspricht. Ansonsten werden kostbare Rohstoffe verschleudert (wie eben Helium). Dieses Geld kann die Regierung in legitime Staatsaufgaben stecken und ich hätte kein sonderliches Problem mehr damit.

        • Xazas sagt:

          Wenn die Fischer sich rein privat und freiwillig untereinander organisieren und absprechen das Gewässer gemeinsam, nach entsprechen Regeln zu nutzen sollte es gehen. Wenn ein Fischer natürlich nicht mitmachen will wird das ganze problematisch. Man könnte dann Entschädigungen anbieten, die aber auch freiwillig angenommen werden müssen. Irgendwie wird mann sich einigen müssen, da sonst niemand Fischen kann.

          Die Heliumreseve ist glaube ich ein anderer Fall. Hier hat der Staat nicht direkt enteignet sondern das Helium auf dem Markt angekauft. Das ist insofern auch legitim wenn eine Reserve eines Guts z.B. für die Landesverteidigung benötigt wird. Allerdings muss der Staat beim Auflösen der Reserve das Gut auch wieder möglichst Gewinnbringend, zum Marktpreis verkaufen, da er sonst Steuergelder verschwenden würde, was ja nicht unbedingt im Interesse der Bürger ist, denn die haben das Gut ursprünglich bezahlt.

  6. Lexi sagt:

    Das alles klingt mir zu sehr nach Bully-Ideologie.
    Die mächtigsten Institutionen (und nur die wären in der Lage, ein öffentliches Gut als ihr Eigentum zu verteidigen) hören auf damit, es zu zerstören wenn es ihnen oder einer ähnlich mächtigen Institution gehört. Sehr toll.

    Meine Oma hatte von ihren Eltern ein Stückchen Wald geerbt. Es gehört ihr privat. Das hat aber einen großen Energiekonzern nicht davon abgehalten, eine Teilenteignung durchzusetzen, um da Überlandleitungen hindurchzulegen, komplett mit teilweiser Rodung um die Pfeiler zu setzen und zu verhindern, dass Bäume in die Leitungen wachsen.

    Im Gebiet eines Wasser- und Abwasserunternehmens, welches vor einigen Jahren privatisiert wurde, müssen alle Anwohner plötzlich für ihren schon lange vorhandenen Kanalisationsanschluss noch einmal zahlen (abgesehen von den Abwassergebühren). Warum? Bei einer Modernisierung der Anlagen nach deren Übernahme wurden diese vollkommen überdimensioniert. Die Firma hat also krasse Misswirtschaft betrieben. Eine natürliche Person oder kleine Firma würde die Folgen zu spüren kriegen. Nicht diese. Draufzahlen müssen die „Kunden“, also jene, die in die Klauen eines privaten Infrastrukturbetreibers mit lokaler Monopolstellung gezwungen wurden.

    Es gibt noch mehr Beispiele, wie aus weiten Teilen der USA, wo das Leitungswasser ungenießbar ist, weil die privaten Wasserbetriebe lieber Chlor ins Wasser geben als die vermodernden Leitungen zu ersetzen. Oder aus England, wo fotografierende Touristen auf offener (und vermeintlich öffentlicher) Straße plötzlich von privatem Wachpersonal drangsaliert werden, weil Fotografieren dort unerwünscht ist.

    Theoretische Ausarbeitungen über Privatwirtschaft sind ja schön und gut. Aber die Geschichte zeigt nur eines: Produktion und Dienstleistungen laufen privat besser. Die sozialistischen Staaten der Zeit des Kalten Kriegs haben gezeigt, wie es nicht geht.

    Infrastruktur und alles was Gemeingut ist sollte lieber in öffentlicher Hand bleiben. Das zeigen die letzten zwanzig Jahre.
    Mehr Regulierung, härtere Strafen für Naturzerstörer und überhaupt eine Regierung, die sich nicht von Wirtschaftsmächten an den Eiern herumführen lässt würden auch das anfängliche Problem der Nichtachtung von Allgemeingut lösen.

    Eine Regierung, die das nicht schafft, kann genausogut privatisiert und nach Indien geoutsourced werden.

    • derautor sagt:

      Da sind einige zweifelhafte Interpretationen enthalten. Misswirtschaft bei privaten Unternehmen existiert natürlich, klarer Fall. Nur gibt es die bei der Regierung auch, nur vielfach stärker und ohne „Marktkorrektur“, also ohne dass die Regierung aufgrund von Misswirtschaft von Konkurrenten aus dem Markt verdrängt werden könnte.

      Ansonsten beziehen sich deine Beispiele eher auf einen fehlorganisierten Übergang von Gemein- zu Privateigentum. Ich stimme mit dir überein, dass Regierung und Privatwirtschaft voneinander getrennt sein sollten, ähnlich wie Regierung und Kirche.

    • A. Behrens sagt:

      Hallo,

      kleiner Kommentar dazu:

      Der Wald wurde nicht von einem Energiekonzern enteignet. Der Konzern war der Nutznießer der Enteignung. Die eigentliche Enteignung ist durch den Staat passiert. In einer Privatgesellschaft ala Ayn Rand gibt es keine Enteignung.

      Bei der Abwasserleitung (habe sowas im Osten erlebt): Die Planung der Abwasserleitung erfolgte durch die Kommune, ebenso die Beauftragung des Baus. Bezahlen mussten dann aber die Grundstückseigentümer (musste auch mal zahlen). Was man hier hat ist ein klassischer, eigentlich sittenwidriger, Vertrag zu lasten Dritter. Zwei Parteien beschließen etwas, eine dritte Partei muss für den Vertrag bezahlen. Auch die Abwasserleitung hätte es in einer Privatgesellschaft nicht gegeben.

      Schwieriger ist dagegen das Leitungswasserproblem in den USA. Wasserleitungen zu legen ist sehr aufwendig und teuer. Liegt einmal ein Leitungsnetz im Boden, wird es für einen Konkurrenten finanziell fast unmöglich ein paralleles, zweites Netz aufzubauen. Bei gleichen Investitionskosten gibt es eine deutlich geringere Chance auf Kunden. Das ist das Problem natürlicher Monopole.

      Zum Problematik gibt es in der VWL aktuell zwei Lösungsansätze: Verstaatlichung oder staatliche Kontrolle. Keine der Ansätze ist wirklich gut. Nach Adam Smith müsste es eine staatliche Instanz geben, die solche natürlichen Monopole verhindert. Eine Kartellbehörde müsste verhindern, dass ein Wasserwerk ein zu großes Leitungsnetz bekommt. Aber auch dieser Ansatz ist nicht gut, weil ein großes Leitungsnetz die Effizienz verbessert und damit hilft den Preis zu senken.

      • sba sagt:

        Moralisch und auch rechlich richtig wäre es dennoch gewesen, das Waldstück zu kaufen oder die Fläche für die Oberleitungen zu pachten, statt den Fehler im GG auszunutzen. Hätten beide Seiten von profizieren können (zumal die Fläche unter den Leitungen noch für Bäume mit geringer Wuchshöhe nutzbar sein müsste). So war es einfach nur Raub im Staatsmantel.

  7. Bjoern sagt:

    Nie vergessen darf man auch, dass es Ökosysteme nicht schert, ob mir oder jemand anderem ein Stück Land gehört. Fische ziehen durch Meere, Wildschweine durch Wälder und wenn mein Nachbar auf seinem Grundstück alle Bienen vergiftet, dann werden am Ende meine Blumen nicht mehr bestäubt.

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