Zurück zur Natur, zurück zum Mittelalter

Kapitalisten gehen davon aus, dass globaler Freihandel zu wachsendem Wohlstand für alle führen würde. Der Ökologe Chandran Nair, Autor des Buches Consumptionomics: Asia’s Role in Reshaping Capitalism and Saving the Planet (dt: Der große Verbrauch: Warum das Überleben unseres Planeten von den Wirtschaftsmächten Asiens abhängt), hat gerade darum ein Problem mit dem Kapitalismus. Er sorgt dafür, dass Menschen mehr konsumieren können, was schlecht sei, da das Wirtschaftswachstum die Umwelt zerstöre. Darum sollten sich Asiaten, die in östlichen Nationen leben, in Bescheidenheit üben. Ihre Wirtschaft dürfe nicht wachsen, wie es im Westen der Fall ist, da sonst die Umwelt in Mitleidenschaft gezogen werde.

Wie lautet die Alternative? Mit ökologischen Worten ausgedrückt liest sich diese wie folgt: Wir sollten „Resourcenproduktivität“ fördern anstelle von Arbeitsproduktivität. Großflächig eingesetzte Technologie und intensiv betriebene Landwirtschaft sollten durch „arbeitsintensive Landwirtschaft“ ohne den Gebrauch von CO2 und chemische Dünger ersetzt werden. Mit anderen Worten möchte Nair die moderne Landwirtschaft mit ihren Traktoren und Erntemaschinen (die CO2 ausstoßen) durch eine vor-industrielle Landwirtschaft ersetzen, wie man sie aus dem Mittelalter kennt. Eine Landwirtschaft ohne chemische Dünger und Maschinen ist nämlich genau das: Mittelalter.

Passend zur mittelalterlichen Landwirtschaft fordert Nair ein passendes politisches System. Schließlich versuchen Asiaten gerade, ihren Lebensstandard zu erhöhen und nur eine Macht kann sie davon abhalten: Die Staatsgewalt. Zu mittelalterlichen Anbaumethoden gesellt sich also das passende System der Grundherrschaft, des Feudalismus. So könnte Nairs Endziel jedenfalls lauten angesichts von seinen Vorschlägen wie: Asiatische Staaten sollten ihren Bürgern verbieten, zu viel Fleisch zu essen, zu viel Auto zu fahren, vom Land in die Stadt umzusiedeln. Nair fordert eine Kohlendioxid-Steuer, eine Zuckersteuer, eine Fleischsteuer und ein Ende von Werbeanzeigen, die Menschen dazu motivieren, etwas zu kaufen. Mit anderen Worten möchte Nair Asien in die Zeit vor der Industrialisierung zurückführen, gerne mit Hilfe staatlicher Zwangsmaßnahmen.

Para Mullan verurteilt Nairs Ideen im britischen Magazin Spiked: „Diese Art von ‚Wohlstand‘, die Nair empfiehlt, eine ohne ökonomisches Wachstum, verurteilt asiatische Gesellschaften, zur Stagnation zurückzukehren. (…) Wie das im Interesse der Menschen ist, entzieht sich mir.“

In Deutschland scheinen manche dies anders zu sehen. Während für Kapitalisten die globale ökonomische Entwicklung eine Win-Win-Situation für alle ist, scheint man selbst beim Handelsblatt der Meinung zu sein, dass man die Asiaten ruhig ein wenig mehr vom Konsum ausschließen könnte. So urteilt die Fachzeitschrift über Nairs Buch:

„Ein Buch über die neuen Spielregeln des Wettbewerbs, das man gelesen haben sollte. Vor allem diejenigen westlichen Manager, die davon leben, den Asiaten Konsumgüter zu verkaufen.“ (Handelsblatt)

Diese gierigen Manager, die den nichts Böses ahnenden Asiaten westliche Konsumgüter andrehen wollen, sollten sich wirklich was schämen… heißt es in einem Magazin, dessen Leserschaft aus Managern und Wirtschaftsführern besteht. Irgendwann ist Selbsthass nur noch peinlich.

Literatur

Para Mullan: Saving the Planet by Condemning People

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=terrrott-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B005HNJQXM&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

3 Kommentare zu “Zurück zur Natur, zurück zum Mittelalter

  1. Auferstehung (aus dem geistigen Tod der Religion)

    „Sollte es irgendwelche Götter geben, deren Hauptanliegen der Mensch ist, so können es keine sehr bedeutenden Götter sein.“

    Arthur C. Clarke

    (Genesis 2,15-17) Und Gott der HERR nahm den Menschen (freier Unternehmer) und setzte ihn in den Garten Eden (freie Marktwirtschaft), dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR (künstlicher Archetyp Jahwe = Investor) gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen (Gewinn bringende Unternehmungen) im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen (Zinsgeldverleih) sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes (in religiöser Verblendung) sterben.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

  2. Martin sagt:

    Irgendwie kommen mir Nair’s Ideen so seltsam bekannt vor. Gab’s das irgendwie nicht ein paarmal schon, die Rückkehr zur arbeitsintensiven Landwirtschaft und so? Und die Erziehung der Bevölkerung und so? Hat immer super geklappt und war total zum Besten der Menschen, wie in Kambodscha zum Beispiel…
    Die Kennedys hatten da schon den richtigen Ferien-Einfall für Leute wie Nair… 😉

  3. Gutartiges Geschwulst sagt:

    Ist es nicht ein wunderschönes Gefühl, zu wissen, dass die Menschen in Asien Chandran Nairs Buch nicht kennen und, wenn es der Fall wäre, sich bestenfalls den Arm damit abwischten?

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