Mit Kapitalisten spricht man nicht!

Sodenn; nun haben sich zwei Organisationen/Institutionen entschlossen, dass sie lieber keinen Vortrag von mir hören und nicht mit mir diskutieren möchten. Einmal lag die Entscheidung bei Atheisten, ein anderes Mal bei gläubigen Menschen. Der Stein des Anstoßes in beiden Fällen: Ich argumentiere für die freie Marktwirtschaft.

Kein Witz.

Selbstverständlich kann jeder selber entscheiden, wen er auf seiner eigenen Plattform anhören möchte und wen nicht. Bei staatlichen Einrichtungen ist es nicht ganz so einfach, weil die nicht die Einrichtungen eines bestimmten Eigentümers sind, sondern „Allgemeingut“, und insofern auch die verschiedenen Teile der Bevölkerung, die für sie bezahlen, irgendwie repräsentieren müssen. Aber sei es drum.

Als die Verantwortlichen erfuhren, dass ich für den Kapitalismus argumentiere, assoziierten sie dies mit „Raubtierkapitalismus“, „unsozial“, „extrem“, „nicht humanistisch“ und so weiter; auch wenn meine eigenen Ausführungen zum Thema im gerne übersehenden Philosophiebereich in eine andere Richtung weisen. Vielleicht ist es ja naiv von mir, aber ich gehe davon aus, dass die Wohlfahrt ohne Staat keineswegs verschwinden würde, sondern dass man wirklich Bedürftigen zielgerichteter, effizienter helfen könnte, wären die Hilfseinrichtungen alle in privater Hand. Davon abgesehen setze ich „Kapitalismus“ mit „freie Gesellschaft“ gleich. Das ist es, was der Begriff „Kapitalismus“ für mich bezeichnet: Ein politisches System, in dem der Staat die Rechte seiner Bürger schützt und sie anderweitig in Ruhe lässt.

Was die Ablehnung einer Diskussion mit der Begründung „Kapitalist“ angeht, stelle ich mir eine grundlegende Frage.

Die letzte unterdrückte Minderheit?

Der gierige Kapitalist (Karikatur)Woran liegt es, dass in jeder Talkshow, von jedem Politiker, in jeder Schule, von jeder Kanzel in Deutschland der „Kapitalismus“ verurteilt wird – und man niemals irgendwo auch mal etwas von einem Kapitalisten selbst zu hören bekommt? Allenfalls wird irgendein Banker oder Hotelier, der den Kapitalismus nicht philosophisch verteidigen kann, für ein paar Sekunden alibihalber vors Mikro gezerrt.

Wo sind diese Kapitalisten eigentlich? Was denken die? Wie rechtfertigen sie ihre eigene Position? Sind sie wirklich so böse, wie alle sagen?

Mal angenommen, sie sind wirklich so böse, wie alle sagen: In einer Demokratie gehört es zu den Gepflogenheiten (und ist auch gesetzlich festgeschrieben), dass jeder das Recht hat, sich selbst nach außen darzustellen. Die Meinungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) und das Allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG) bilden die gesetzliche Grundlage hierfür und sind zudem der Hintergrund des Rechts auf Gegendarstellung, wie man sie in den Pressegesetzen finden kann. Kurz gesagt müssen Menschen als eigenständige Subjekte, als Personen anerkannt und respektiert werden.

Nur bei „Kapitalisten“ ist es der Fall, dass sie in dieser Hinsicht scheinbar nicht als volle Staatsbürger oder auch nur volle Menschen anerkannt werden, welche die gleichen Rechte haben wie alle anderen. Man spricht systematisch über Marktradikale – aber man lässt sie nur selten sprechen, was man selbst mit NPD-Funktionären gerne tut. Im Gegensatz zu allen anderen Menschen dürfen sich Befürworter der freien Marktwirtschaft nicht immer gleichberechtigt am öffentlichen Diskurs beteiligen. Man sieht in den Talkshowrunden Politiker, Philosophen, Theologen, die alle gegen „Gier“ und „Raubtierkapitalisten“ hetzen – aber man sieht niemals jene Phantome, von denen sie da sprechen. Kapitalisten werden allenfalls gelegentlich durch CDU-Politiker vertreten, die aber keine Kapitalisten sind, sondern die den inzwischen sogar ökologischen Sozialstaat befürworten.

„Kapitalisten“ haben insofern einiges mit den „Finanzjuden“ von damals gemein. Niemand kennt sie persönlich – was kaum verwundert, da sie angeblich im Hintergrund die Fäden ziehen (sehr praktisch, da kann man sie ja nicht kennen). Persönlich kennt man allenfalls den einen guten Juden, den vermeintlich großen Ausnahmefall. Man darf mit solchen Leuten keinen Umgang pflegen, nicht mit ihnen reden, nicht mit ihnen gesehen werden. Der Historiker Götz Aly zeigt in seinem Buch „Warum die Deutschen? Warum die Juden?: Gleichheit, Neid und Rassenhass – 1800 bis 1933“ auf, inwiefern tatsächlich der Antisemitismus mit der Abneigung gegen den Liberalismus zusammenhing.

Und heute? Vielleicht gibt es ja andere, gute Gründe, mich nicht anhören zu wollen (obwohl sich bislang niemand beschwert hat, der sich dazu überwinden konnte), aber wenn explizit meine Befürwortung der Marktwirtschaft als der ausschlaggebende Grund angeführt wird, mich nicht reden lassen zu wollen, dann ist was faul im Staate Deutschland.

Wie bemerkenswert, dass man mir obendrein eine „antidemokratische“ Haltung bescheinigen sollte, wenn ich es bin, der jedem die Hand zum Dialog reicht – und hingegen die kapitalismuskritischen Zeitgenossen nicht einmal willens sind, sich die Ausführungen ihres vermeintlichen Gegners überhaupt anzuhören.

Man könnte angesichts dieser dogmatischen Ablehnung eines Dialogs fast meinen, ich würde einen totalitären Staat befürworten, den Faschismus oder Kommunismus oder Islamismus oder dergleichen – und mich somit unmöglich machen. Angesichts dessen, dass immer wieder Faschisten, Kommunisten und Islamisten zu öffentlichen Diskussionen eingeladen werden und Kapitalisten nicht, kann ich allerdings kaum zu solchen Leuten gehören.

Was ist denn nun dieses verwerfliche, unsoziale Ding namens „Kapitalismus“? Auszug aus dem Eintrag „Kapitalismus“ in meinem Philosophiebereich:

Das grundlegende gesellschaftliche Prinzip der objektivistischen Ethik lautet, dass kein Mensch das Recht hat, von anderen einen Wert mittels physischer Gewalt anzustreben – das heißt, dass kein Mensch und keine Gruppe das Recht hat, physische Gewalt gegen andere zu initiieren. Menschen haben lediglich das Recht, Gewalt zur Selbstverteidigung einzusetzen und dies nur gegen jene, die mit der Gewalt angefangen haben.

Die Menschen müssen miteinander als Händler umgehen und Wert für Wert geben; durch freies, gegenseitiges Einverständnis zum gegenseitigen Vorteil. Das einzige Gesellschaftssystem, das physische Gewalt aus menschlichen Beziehungen ausschließt, ist der Laissez-faire-Kapitalismus.

Der Kapitalismus ist ein System, das auf der Anerkennung individueller Rechte, einschließlich Eigentumsrechte, beruht, in dem die einzige Funktion der Regierung darin besteht, individuelle Rechte zu schützen, das heißt, Menschen vor jenen zu schützen, die den Gebrauch physischer Gewalt initiieren.

Darum lehnt der Objektivismus jede Art von Kollektivismus ab, wie Faschismus oder Sozialismus. Er lehnt auch die aktuelle Mischwirtschaft ab; die Idee, dass die Regierung die Wirtschaft regulieren und Wohlstand umverteilen sollte.

Damit muss man nicht übereinstimmen, habe ich auch nie behauptet. Ich akzeptiere im Gegenteil, dass mir kaum jemand zustimmt. Es ist aber etwas anderes, nicht mehr mit mir reden zu wollen. Es ist auch nicht gerade das erste Mal. Leute haben mir ausdrücklich wegen meiner pro-marktwirtschaftlichen Position – und ich spreche die nur an, wenn es zum Thema passt und nerve die Leute durchaus nicht damit – die Freundschaft aufgekündigt, mich aus den Reihen der „Humanisten“ ausgeschlossen, mich nicht oder nicht mehr zu Vorträgen oder auch nur Stammtischen eingeladen. Einerseits ist es blöd, darüber hier herumzuheulen, andererseits hat das Phänomen inzwischen Ausmaße angenommen, dass ich es doch einmal ansprechen möchte.

Und dabei bin ich gar kein Jude.

Literatur

Ayn Rand: America’s Persecuted Minority: Big Business

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16 Kommentare zu “Mit Kapitalisten spricht man nicht!

  1. Bjoern sagt:

    Ich denke, 1 bis 2 Mal habe ich einen Kapitalisten in Diskussionsrunden gesehen. Lange her, weis nicht mehr wo und wann genau. Aber du hast völlig recht, es gibt niemanden (im öffentlichen und medienwirksamen Raum), der explizit den Kapitalismus verteidigt. Es wird überhaupt nicht über Kapitalismus gesprochen.
    Allenfalls hört man noch, „dass verdient werden muss, was umverteilt werden soll“.
    Der letzte Ast der unsere Marktwirtschaft hält. Mir schwant übles, sollte eine neue, innovative altruistische Staatsform erdacht werden.

    Aber zurück zur Verteidigung des Kapitalismus: Wenn es mal Redner gibt, die zumindest ein wenig in die Richtung argumentieren, muss ich gestehen, dass sie in manchen Punkten schlichtweg versagen.
    Für viele Menschen hört sich eine Rede auf die Freiheit nur noch weltfremd an, eine Lobpreisung der Marktwirtschaft geradezu zynisch.
    Ein Philosoph, oder überhaupt irgendein Redner der seine Meinung durchsetzen will, muss die Leute dort abholen, wo sie stehen.
    Nicht „Freiheit ist großartig, weil Axiom A->B->C“ sondern „Übernimm Verantwortung für dein Leben und es wird dein E sowie F und sogar G verbessern. Siehe Personen die dir ähnlich sind 1, 2 und 3. Dann eindrückliche Beispiele der Angst: „Überlasse Verantwortungen jemand anderen, deinem Chef zum Beispiel und du wirst den Dre** fre****, den er dir überlässt. Du willst in das Privatleben anderer eingreifen? Der Staat wird es gerne tun und dann wird er dir gewaltsam Y, X, Z nehmen und du wirst immer wissen, dass du daran schuld warst.“

    Vielleicht nicht genau so, aber das Prinzip ist hoffentlich rüber gekommen. Aufklärung, Appelle an die Vernunft! Wir sehen, dass reicht nicht. Menschen sind keine 100% rationalen Wesen. Die Vernunft ist unsere wichtigste Eigenschaft, aber nicht die einzige. Alles andere auszublenden führt zum Sieg der anderen Seite und damit dem Beweis der Realitätsferne des eigenen Gedankenguts. Das hat einen darwinistischen Beigeschmack, zurecht. Zwei Anekdoten dazu:
    Wäre Ayn Rand jemals erfolgreich geworden, hätte sie ihre Philosophie nicht als Roman verkauft?
    Und welches Gedankengut dominiert unsere Medien & Entertainmentindustrie?

    Eine Sache noch Offthread: Ich sehe nicht, dass der Objektivismus eine vernünftige Lösung für Gemeingüter anbietet. Objektivisten erkennen die Überlegenheit von Privateigentum gegenüber Gemeingütern und argumentieren folglich für die Privatisierung. Aber sie vermeiden oder ignorieren die Posten, die nicht zu privatisieren sind. Was ich besonders lustig in diesem Zusammenhang finde, wobei ich nur eine Referenz dazu gelesen habe, ist dass Ayn Rand vorgeschlagen haben soll, dass die Menschen in einem objektivistischen Staat freiwillig Steuern zahlen. Also es auch bleiben lassen könnten. Oder anders ausgedrückt: Steuernabgaben werden zu einem Gemeingut (Gemeinabgabe?), genau dass, was unglaublich schlecht funktioniert. Da stimmt etwas nicht mit der Philosophie nicht.
    Kommen wir von der Anekdote zu meiner eigentlichen Frage: Wie wird das Gemeingutproblem in einem objektivistischen Staat gelöst? Nicht durch Privatisierung, was sich privatisieren lässt, ist per Definition nicht Teil des Gemeingutproblems. Wie lassen sich beispielsweise Ökosysteme oder die Luft „schützen“? Ich konnte in deinem Post genau zu diesem Thema keine Antwort erkennen.

    Letztlich sehe ich genau in der Problematik der Gemeingüter (Recht, Militär, Luft etc.) die Existenzberechtigung und Notwendigkeit von Staaten. Die noch zu klärenden Fragen sind, was ist Gemeingut und was nicht sowie: Muss ein Staat eingreifen bevor oder nachdem Gemeingüter benutzt bzw. geschädigt werden?

    • derautor sagt:

      Na ja, so wirklich freiwillig ist Rands freiwillige Steuer nicht, schließlich muss sie jeder zahlen, der irgendwie am Handel beteiligt und in der Lage ist, sie zu zahlen. Die Mehrwertsteuer, kurz gesagt, wird in objektivistischen Kreisen am ehesten als Steuer angesehen, die sich rechtfertigen lässt.

      „Wie lassen sich beispielsweise Ökosysteme oder die Luft “schützen”? Ich konnte in deinem Post genau zu diesem Thema keine Antwort erkennen.“

      Nicht durch Privatisierung der Luft selbst. Allerdings führt Luftverschmutzung zur Schädigung des Privateigentums anderer Menschen (auch des Körpers, Gesundheit). Dies müsste man vor Gericht nachweisen und kann so Luftverschmutzer zur Zahlung bemerkenswerten Schadensersatzes zwingen.

      • Bjoern sagt:

        Das mit dem Nachweisen ist so eine Sache. Ökosysteme sind komplex, was die Luft verschmutzt bzw. einen negativen Einfluss auf mein Eigentum oder meine Gesundheit hat ist komplex. Das alles sind Fragen, die nur von Fachleuten mit erheblichem Kostenaufwand geklärt werden können.

        Angenommen jemand wird krank. Angenommen das liegt daran, dass die Früchte aus dem Garten dieser Person eine schädliche Substanz anreichern. Diese Substanz stammt aus dem Grundwasser, welches von einer 3km entfernten Fabrik verschmutzt wird. Diese Fabrik wiederum leitet einen bis dato als ungefährlich eingestuften Stoff über Leitungen innerhalb ihres Geländes in die Erde (oder einen Fluss etc.).

        Wie soll eine Privatperson so etwas lösen? Das ist kein unrealistisches Beispiel, eher im Gegenteil. Die Realität ist komplexer.

        • Bjoern sagt:

          Btw: Das mit der Rand Steuer relativiert sich dann wieder. Danke für die Aufklärung.

        • derautor sagt:

          Das wäre auch ein Fall für Journalisten, wenn die nicht abgeschafft werden. Da können sich mehrere betroffene Privatmenschen aber durchaus zusammentun und die Sache mit ihren Anwälten zusammen klären.

          • Bjoern sagt:

            Ich weis nicht. Das klingt nicht überzeugend. Überhaupt die technische Ursache für die Krankheit zu finden dürfte erheblichen finanziellen Aufwand benötigen. Von dort aus die verantwortliche Fabrik ausfindig zu machen, scheint mir eine Sache der Unmöglichkeit. Der Beweis dafür liegt auf privatem Gelände, Zutritt verboten. Auf einem privaten Gelände von vielen wohlgemerkt.
            „Entschuldigen sie, ich würde gerne Ihr Gelände betreten und Proben von Ihrem Abwasser entnehmen“.
            „Und der Grund?“
            „Irgend jemand vergiftet das Grundwasser.“
            „Und sie können beweisen, dass wir das sind?“
            „Nein, dafür möchte ich ja auf ihr Grundstück“.
            „…“

            Was spricht dagegen, dass Gemeingüter vom Staat überwacht werden?

      • sba sagt:

        Ich hätte noch eine andere Idee zu (indirekten) Privatisierung der Luft: Man könnte den Luftraum über einem Grundstück einfach als Teil des Grundstückes behandeln (bis zu einer zu bestimmenden Höhe; ich halte Meter für sinnvoll, da dies die Luftverkehrs-Mindesthöhe ist, soweit ich weiß).

        Ansonsten erlebe ich die Tragik der Almende jeden Tag und würde sagen: Wenn sich etwas pastout nicht privatisieren lässt, sollte es in Trauhänderschaft genommen und für die Nutzung eine Gebühr erhoben werden (mit unserer Waschmaschine ist alles in Ordnung – sie zu benutzen kostet Geld. Unsere Küchen müssten nach Restaurantmaßstäben dichtgemacht werden).

  2. Bjoern sagt:

    Noch einen Nachtrag:

    Ich denke, man kann die Aufklärung einer Rechtsverletzung nicht der Privatperson überlassen. Man stelle sich vor, eine Person wird auf der Straße überfallen und muss danach Journalisten und andere Privatpersonen bitten, die Täter zu ermitteln. Das selbe Prinzip wie in meinem anderen Beispiel.

    (Tragischerweise kommt genau das immer wieder vor, damit sich die Justiz einer Rechtsverletzung überhaupt annimmt muss genügend „öffentliches Interesse“ vorhanden sein. Widerlich.)

    In so einem System gewinnen dann tatsächlich die Stärkeren auf Kosten der Schwächeren (Verstoß gegen das Prinzip des Handels zum beidseitigen Vorteil), was dem Kapitalismus immer wieder und wieder vorgehalten wird.

  3. Xazas sagt:

    Die Verfolgung von Straftaten sollte auf keinen Fall vom „öffentlichen Interesse“ abhängen. Wen dem so wäre, könnte man gleich wieder Schauprozesse einführen.

    Die Steuern zahlenden Menschen haben ein Recht darauf, dass an ihnen verübte Straftaten aufgeklärt werden. Dabei ist es egal ob nur ein Mensch oder eine Gruppe betroffen ist. Der Staat hat bei einer Rechtsverletzung, oder dem Verdacht dazu (fast) alles zu unternehmen um den Schuldigen zu finden und zu bestrafen. Die Menschen zahlen schließlich dafür – Geld gegen Leistung.

    Selbst wenn überhaupt kein öffentliches Interesse besteht und auch der betroffene kein Interesse an der Bestrafung des Schuldigen zeigt muss der Staat handeln.
    Die willentliche Verletzung der Individualrechte des anderen führt zur Verwirkung der eigenen Rechte.

    • Bjoern sagt:

      Das Problem ist ein Mangel an Ressourcen. Ich habe in meinem Bekanntenkreis einen Polizeiangehörigen und eine Geschäftsfrau, die mich darauf aufmerksam gemacht haben. Ersterer bestätigt, dass bei bestimmten Delikten überhaupt nichts unternommen wird (keine Ressourcen) mit dem Hinweis auf mangelndes öffentliche Interesse. Letztere hat das mangelnde öffentliche Interesse (keine Ressourcen) bei einer ihr widerfahrenden Rechtsverletzung selbst erlebt.

      Mich stören daran zwei Dinge:

      1. Ressourcenknappheit und die daraus folgende Notwendigkeit der Priorisierung bitte genau so benennen. Bilde ich mir das ein, oder lieben besonders staatliche Einrichtungen den Gebrauch von Bedeutungsverschleierungen?

      2. Dass ein Mangel an Ressourcen nicht Ausnahme sondern Alltag in unserem Justizsystem ist.

    • derautor sagt:

      Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Natürlich ist die Aufklärung von Straftaten Aufgabe der Kriminalbehörden und sollte dies auch bleiben! Ich dachte jetzt eher an die Recherche, die zunächst nötig ist, um eine Untersuchung durch die Behörden einleiten zu können.

  4. Mauna sagt:

    Das der Antisemitismus eine anti-modernistische und anti-liberale ‚Weltanschauung’/’Welterklärung‘ ist, ist im Übrigen tatsächlich einer der wichtigen Bestandteile des sog. modernen Antisemitismus. Und auch die Tendenz, in antikapitalistischen Kreisen Denkmuster dieses Antisemitismus hervorzukramen und zu replizieren ist eine nicht unzutreffende und bereits häufig (wobei nicht häufig und öffentlichkeitswirksam genug) erkannte Tatsache. Häufig handelt es sich dabei um strukturellen Antisemitismus, also AS der sich gegenüber dem Hassobjekt (das imaginierte, konstruierte jüdische Kollektiv) verselbständigt hat. Nun werden die vormals mit Juden gleichgesetzten Merkmale angeprangert ganz ohne einen Feind zu benennen (oder eben indem man diese *’jüdischen‘ Merkmale einem neuen Feindkonstrukt unterschiebt, das natürlich genauso diffus bleibt – Kapitalisten, Finanzjongleure, Neoliberale,… wie auch immer man sie gerne nennen will). Du hattest ja in deiner Neocon-zeit auch schon mal einen entsprechenden Artikel, in dem du das gleiche Phänomen in Bezug auf die neocons beschrieben hast.
    Da wunderts einen dann auch tatsächlich nicht, wenn auf Demos der Globalisierungskritiker plötzlich Leute in Tierkostümen, mit Rumsfeld- und Sharon-Masken und einem gelben Stern an der Brust (!!!) um ein goldenes Kalb tanzen… man ist ja schließlich kreativ in diesen Reihen

  5. Martin sagt:

    Tja nun. Wir leben halt in einer Sozialdemagogie.

  6. sba sagt:

    Solidaritätsnote: Fehler bei Star Trek, und was es uns trotzdem an Argumenten für den Kapitalismus liefert: http://wiredtale.myblog.de/wiredtale/art/7713103/Solinote

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