Das Ende der Geschlechter

Mein bescheuerter Sexismus-Beitrag fügt sich hervorragend in die bescheuerte Debatte ein, die ein Stern-Artikel über FDP-Chef Brüderles Kommentare an einer Hotelbar auslöste. Hier etwas vernünftigere, provokante Gedanken zum Thema:

1. Die Vorwürfe gegen Brüderle gehen auf einen Vorfall vor einem Jahr zurück. Dass das in der Tat fragwürdige Verhalten des FDP-Fraktionschefs erst jetzt von Laura Himmelreich im Stern publik gemacht wurde, kurz nachdem man Brüderle zum Spitzenkandidaten seiner Fraktion ernannte, weist darauf hin, dass sie mindestens den Vorfall für politische Zwecke ausnutzt. Das würde implizieren, dass ihr der Sexismus gar so viel ausgemacht hat und sie gut damit für ein Jahr lang leben konnte, bis er ihr für politische Zwecke und vielleicht für die eigene Karriere förderlich erschien. Damit entwertet Frau Himmelreich die Sorge um das Problem mit dem Sexismus in unserer Gesellschaft. Trotzdem wird sie von Feministen beklatscht.

2. Sexismus als unterschiedliches Verhalten gegenüber Frauen und Männern ist als solches gerechtfertigt, solange sich Frauen von Männern voneinander unterscheiden. Sobald mittels Gentechnologie ein Einheitsgeschlecht erschaffen wurde, wird es nur nur noch geschlechterindifferente Verhaltensweisen als anerkannte Norm geben. Sexismus als Respektlosigkeit gegenüber Frauen („Schlampen“) oder Männern („Machos“) als solche ist nicht gerechtfertigt. Allerdings gibt es individuelle Schlampen und individuelle Machos.

3. Sexismus im negativen Sinne gibt es sowohl gegenüber Männern als auch gegenüber Frauen. Wenn Männern vorgehalten wird, sie würden sich nur für Sex interessieren, so ist das ein sexistisches Vorurteil. Wenn sich Männer Frauen nicht in einer leitenden Position vorstellen können, ist das ebenso ein sexistisches Vorurteil.

4. Es gibt in der Postmoderne keine klaren Verhaltensstandards im Umgang zwischen den Geschlechtern mehr. Manchen Frauen gefallen erotische Anspielungen und anzügliche Bemerkungen, da sie sich so als Frau wahrgenommen und attraktiv fühlen. Andere drohen bei einem falschen Blick bereits mit einer Klage wegen sexueller Belästigung. Manchen Frauen gefallen anzügliche Sprüche und Witze, sie lachen darüber – und sie fühlen sich zugleich dadurch belästigt!

Fazit: Bis sich wieder normierte Verhaltensstandards bei der Geschlechterinteraktion etabliert haben, ist es besser für Männer, Frauen aus dem Weg zu gehen. Wer nicht das Risiko einer Klage oder wenigstens einer unbeabsichtigten Rufschädigung eingehen möchte, sollte den Umgang mit Frauen als Mann möglichst vermeiden. Wenn er mit ihnen spricht, sollte er alles daran setzen, bloß nichts zu sagen, was irgendwie mit der geschlechtlichen Identität des Gesprächspartners als Frau zu tun hat. „Darf ich Ihnen die Tür aufhalten?“ ist bereits an der Grenze des Erträglichen angesiedelt.

Leider kann ein Mann die Frauen nicht völlig ignorieren, da sie das ebenfalls als unhöflich auffassen und dem Mann allerlei Übles nachsagen. Es empfiehlt sich also eine höfliche Distanziertheit. Ein Beobachter aus dem viktorianischen Zeitalter, wo der Umgang zwischen den Geschlechtern normiert war, würde das Verhalten von Frauen heutzutage als Komplott des Teufels gegen ein friedliches Miteinander der Geschlechter ansehen. Tatsächlich ist es ein Komplott radikaler Feministen zu eben diesem Zweck.

Frauen und Männer haben gleiche Rechte und können daher jeweils ihren eigenen Weg gehen, ohne sich gegenseitig sexuell oder anderweitig zu belästigen. Wir bleiben in Zukunft am besten auf der sachlichen, rein geschäftsmäßigen Ebene und befreien uns von der Illusion, wir würden Frauen für sexuell attraktiv halten und dies zum Ausdruck bringen müssen. Frauen sind keine Frauen mehr, sondern Subjekte ohne geschlechtliche Identität. Man kann ihnen als Handelspartner begegnen, aber nicht länger als Freundinnen oder Partnerinnen.

(Ergänzung: Das ist als Warnung angesichts der aktuellen Entwicklung zu verstehen, nicht als ernsthafte Empfehlung!)

Literatur

Brendan O’Neill: Do we live in a ‘pornified’ world?

7 Kommentare zu “Das Ende der Geschlechter

  1. Fred sagt:

    Es ist schwierig deinen Post zu deuten. Willst du aussagen dass du die Vorwürfe in Richtung Sexismus für überzogen hälst?

    • derautor sagt:

      Ich selbst halte Brüderles Verhalten für falsch, erst recht, wenn man seine Stellung bedenkt. Dass dies erst nach einem Jahr publik gemacht wird, ist auch fraglich.

      Ansonsten sage ich, dass es in unserer Kultur eigentlich keine klaren Richtlinien gibt, wie man sich als Mann überhaupt Frauen gegenüber verhalten sollte. Und somit gibt es auch keine Bewertungsgrundlage für die Verurteilung von Brüderle oder von irgendwem für irgendetwas jenseits von klar strafbaren Handlungen wie Vergewaltigung. Das wiederum heißt nicht, dass ich selbst keine Meinung dazu hätte.

      • derautor sagt:

        Daher die Beispiele, dass Frauen ganz individuell und unterschiedlich auf Anmachsprüche reagieren. Es gibt einfach keine kulturelle Richtlinie. Das verwirrt und verunsichert beide Geschlechter. Obendrein gibt es die Tendenz, Intimität und Beziehungen durch Sex zu ersetzen, siehe den in der Literatur empfohlenen Artikel. Wenn nun der „Respekt“ gegenüber Frauen zusammentrifft mit der Tendenz, dass Beziehungen durch Gelegenheitssex ersetzt werden, so ist das Ergebnis blanker Psychoterror für die Männer. Sie sollen einerseits auf sexuelle Anspielungen und Anzüglichkeiten verzichten – auf der anderen Seite steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen schnell mit ihnen ins Bett steigen werden und kein Interesse an einer tiefergehenden Beziehung haben. Ja, was gibts da überhaupt noch zu respektieren? So kommt es dann auch, dass manche meine logische Folge der Entwicklungen – die vollkommene Entfremdung der Geschlechter – als Verhaltenstipp interpretierten und nicht als Warnung.

  2. Martin sagt:

    Den bisher bei weitem besten Artikel zu dieser aktuellen Debatte habe ich grade hier gelesen:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/wie_sexismus_entsteht_-_und_warum_es_dafuer_keine_entschuldigung_gibt/

  3. Trinculo sagt:

    zu 1.:
    Das „Argument“ habe ich schon öfter gehört. Ich verstehe nicht warum da immer so getan wird, als wäre das irgendeine finstere Verschwörung. Himmelreich hat den Vorfall doch selbst so beschrieben, wie von dir dargestellt. Sie fand Brüderle einfach unhöflich, hat deswegen aber kein schweres Trauma erlitten, dass sie sich darüber ausheulen müsste. Ein Jahr später wurde Brüderle zum Spitzenkandidaten seiner Fraktion ernannt, und sie schrieb, wie die Autoren anderen Magazine und Zeitungen auch, einen Artikel über ihn. Das ist völlig normal. Und sie ließ dabei eben auch eine persönliche Erfahrung mit Brüderle, eben diese Sache von vor einem Jahr, mit in den Artikel einfließen. Na und? Wo ist das Problem? Vielleicht war das auch teilweise politisch motiviert, weil sie in Frage stelle, ob jemand mit einem solchen Benehmen, der wohl seine Triebe nicht im Griff hat, auch wirklich für hohe politische Ämter geeignet ist.
    Himmelreich hatte nie die Absicht, damit eine große Diskussion über Sexismus loszutreten. Es waren andere, die diesen Vorfall als Auslöser aufgegriffen haben.

    zu 2.:
    Nein. Unterschiedliches Verhalten ist nicht dann gerechtfertigt, wenn es irgendwelche Unterschiede gibt, sondern nur dann, wenn die Unterschiede für die konkrete Situation auch relevant sind. Ja, es gibt gewisse anatomische Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Das zu leugnen wäre Blödsinn.
    Da Männer und Frauen unterschiedliche Geschlechtsorgane haben müssen sie notwendigerweise auch unterschiedliches Verhalten erfahren, in Situationen, wo diese relevant sind. Das betrifft natürlich sexuelle und auch romantische Kontakte, die Reproduktion, und medizinische Angelegenheiten. Es wäre Schwachsinn für Frauen eine Gleichbehandlung bei der Prostatakrebsvorsorge zu fordern.
    Für die meisten Angelegenheiten des täglichen Lebens kommt es aber hauptsächlich darauf an, was man zwischen den Ohren hat, als auf das was zwischen den Beinen steckt. Menschen unterscheiden sich ja auch in anderen Punkten, z.B. in der Blutgruppe. Die ist, dann relevant, wenn man viel Blut verloren hat und eine Konserve braucht. Aber keiner meint, man Menschen mit Blutgruppe A besser Autofahren als die mit Blutgruppe B, oder dass sie andere Berufe ausüben müssten. Und keiner meint, dass man Menschen mit Blutgruppe 0 ungefragt an den Arsch tatschen darf.
    Nur beim Geschlecht wird so ein riesen Terz darum gemacht und es als Kategorie ständig in Bereiche gezerrt, wo es eigentlich überhaupt keine Relevanz hat.

    zu 3.:
    Eben. Sexismus ist grundsätzlich ein Problem, nicht nur eines der Frauen. Deshalb verstehe ich nicht warum immer so getan wird, als ginge es dabei um einen Kampf von Männern gegen Frauen und umgekehrt. Eben nicht. Es ist eher eine Auseinandersetzung zwischen Idioten mit sexistischen Vorurteilen vs. rational denkende Menschen.

    zu 4.:
    Oh, Überraschung! Frauen sind Individuen! Es gibt keine einheitliche Bedienungsanleitung für Frauen, nach der du dich richten kannst, um bei allen Frauen super anzukommen. Jede Frau hat etwas unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche. Aber das ist auch überhaupt nicht schlimm. Denn, nochmal Überraschung! Männer sind auch Individuen. Und wenn du es schaffst dich in männlicher Gesellschaft zu bewegen, ohne dich dabei wie ein totaler Arsch aufzuführen, dann sollte dir das bei Frauen auch gelingen. Alles was es dazu braucht sind grundsätzliche Regeln des Anstands und der Höflichkeit. Frage dich einfach: Würdest du es genauso machen, wenn dein Gegenüber ein Mann wäre? Wenn die Antwort Nein lautet, solltest du es bei einer Frau vielleicht besser auch lassen. Damit wären schon die meisten Frauen zufrieden.
    (Es gibt natürlich immer ein paar Mimosen, die auch bei der höflichsten Ansprache noch etwas zu meckern haben, aber damit muss man halt leben, die kann man nun wirklich nicht als Maßstab nehmen.)
    Wenn du einfach ganz normal höflich bist, brauchst du dich auch nicht von Frauen fernhalten. Wenn du das als notwendig erachtest, sagst da damit im Prinzip, das du kein zivilisierter Mensch bist, sondern ein wildes Tier, dass seine Triebe nicht im Griff hat und nicht in der Lage ist vernünftig mit einer Frau zu reden, ohne ihr gleich an die Wäsche zu gehen.

    • derautor sagt:

      Zu 1. Das ist wirklich Unsinn. Himmelreich ließ sich zu 100% einspannen und ich glaube nicht, dass sie jemals gegen dieses Verständnis ihres Artikels einen Widerspruch äußerte. Ihre jüngere Begegnung mit Brüderle wurde zu einem großen Event hochstilisiert und sie hat mitgemacht. Und das Erscheinungsdatum ihres Artikels und dessen Einleitung werden kaum ein Zufall sein.

      Zu 3: „Idioten mit sexistischen Vorurteilen“. Definiere „sexistisches Vorurteil“.

      Zu 4: „Würdest du es genauso machen, wenn dein Gegenüber ein Mann wäre?“

      Wieso ein Mann? Da leugnet man ja eben, dass man mit einer Frau spricht und gerade nicht mit einem Mann! Ist ja noch entwürdigender, als würde man mit Frauen sprechen, als hätten sie gar kein Geschlecht.

      Bessere Frage: Sollte sich ein Mann genauso gegenüber einer Frau verhalten, wie er sich wünscht, dass Frauen sich ihm gegenüber verhalten? Ich schätze, ziemlich viele Männer hätten kein Problem damit, wenn halbwegs attraktive Frauen sie gleich fragen würden, ob sie Lust auf Sex haben. Aus Männersicht ein sehr höfliches, zuvorkommendes Verhalten. Ich sage ja, dass es kein kulturell festgelegtes Sozialverhalten zwischen den Geschlechtern mehr gibt. Anything goes. Die sexuelle Befreiung hat gesiegt. Und jetzt zahlt den Preis.

      „Wenn du einfach ganz normal höflich bist, brauchst du dich auch nicht von Frauen fernhalten.“
      Oh, danke.

    • Bjoern sagt:

      @Trinculo

      Am Rande mal ein Hinweis auf einen Widerspruch bei einer viel zu oft gehörte Forderung:

      Frauen sind Individuen, Männer sind Individuen, seit nett zu einander.

      Derautor hat schon darauf hingewiesen, das bei romantischer Interaktion Männer Frauen nicht wie Männer behandeln sollten. Es sei denn, sie wollen Freundschaft.

      Aber kommen wir zum eigentlichen Punkt: Einerseits zu schreiben, alles Verhalten ist individuell und andererseits ein allgemeines freundschaftliches Verhalten zu fordern ist ein klarer Widerspruch. Machos sind erfolgreich, Frauen die auf BDSM stehen sind erfolgreich, überfreundliche Typen sind erfolgreich, aber alle nicht bei allen. Und was macht der konservative Mann, der eine konservative Frau sucht?
      Er nähert sich über konservatives Verhalten – ob das einer progressiven Frau passt oder nicht. Er stellt dann fest, dass sie nicht die Person ist, die er sich wünscht und zieht weiter. Sie denkt sich, was für ein Idiot und zieht weiter.

      Geht das für Feministen?

      Im übrigen treffen Männer auch Männer mit denen sie nicht klar kommen oder deren Verhalten sie für unangemessen und bescheuert halten. Überraschung!

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