Feminismus gegen die Aufklärung

Wenn man mal darüber nachdenkt, ist es doch seltsam, dass ein ganzes Land in der Lage sein sollte, über einen Macho-Dirndl-Spruch an einer Bar zu diskutieren. Hätte Frau Himmelreich zu ihren Freundinnen gesagt: „Hey, schon wieder einer mit einer blöden Anmache!“ und die Damen hätten eine Runde gekichert und die Sache wäre erledigt gewesen – dann wäre die Welt im Grunde noch in Ordnung. Ist sie aber nicht.

Kollege Vonhaeften zeigt auf, wie es trotz der Trivialität des Ereignisses zu einer gesamtgesellschaftlichen Debatte kommen konnte. Die Frage nach der Zulässigkeit von Anmachsprüchen wird regulär mit der Forderung nach Frauenquoten verknüpft.

Frauenquoten sollen eine korrektive Maßnahme gegen patriarchale Ideen in männlichen Köpfen darstellen.

Das Patriarchat

Zur Erinnerung: Das Patriarchat war eine Einrichtung, die Frauen erlaubte, weitgehend untätig zu Hause zu hocken, während Männer für sie und die gemeinsamen Kinder durch ihre produktive Arbeit alleine sorgen mussten, wenn sie mal nicht für sie in Kriegen starben. Das war viele Jahrtausende, wenn nicht Jahrmillionen der Fall, weshalb man bereits an der biologischen Beschaffenheit der Geschlechter – Männer sind größer und stärker als Frauen, sterben aber früher – erkennen kann, wer sich stets unter den schlimmsten Bedingungen zu Tode schuften musste und wer derweil zu Hause die Füße hochlegen konnte. Inzwischen wird die Hausfrauenarbeit als eine der männlichen Arbeit gleichwertige Tätigkeit anerkannt, so ähnlich wie das Kämpfen in Afghanistan damit gleichzusetzen ist, wenn die Damen an der Heimatfront einen Apfelkuchen für ihre Soldatenmänner backen und diesen mit der Feldpost rüberschicken. „In Liebe, Mariechen! Und lass den Kopf nicht hängen – oder ihn dir abhacken.“

Wie die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton einst bemerkte: Das eigentliche Opfer, wenn ein Mann im Kriege fällt, ist nicht etwa der tote Mann – sondern seine Frau, die sich nun alleine um die Kinder kümmern muss. Es ist so ähnlich wie bei Stargate: Stirbt der Wirt, fühlt sich sein Goa’uld (ein außerirdischer Wurm, der die Galaxis unterwerfen möchte) als eigentliches Opfer.

Nicht nur heute, sondern für den Großteil der menschlichen Geschichte zeigte das Patriarchat sein hässliches Gesicht: Frauen durften nach der Einführung des Wahlrechts im 18. Jahrhundert (gut, vielleicht doch nicht der Großteil der menschlichen Geschichte) so um die 100 Jahre lang nicht wählen. Zuerst durften nur wohlhabende Männer wählen, weil diese am produktivsten waren. Dann sprach man auch der Unterschicht das Wahlrecht zu, weil diese immerhin ebenso ihre Männer in den Krieg schickte, um das Land zu verteidigen. Erst im frühen 20. Jahrhundert sah man endlich ein, dass auch jene, die weder arbeiten, noch sich für Politik interessieren, noch in Kriegen kämpfen müssen, ebenfalls wählen sollen dürften.

Der Feminismus der Aufklärung

Der Feminismus der Aufklärung, des 18. Jahrhunderts, hatte ein anderes Programm im Sinne als der Feminismus des 20. Jahrhunderts. Mary Wollstonecraft (1759-97), Autorin der revolutionären feministischen Schrift „The Vindication of the Rights of Woman“, argumentierte, dass Frauen im Gegensatz zu den Vorurteilen der Zeit sehr wohl zum vernünftigen Denken in der Lage seien. Rationale, unabhängige und somit „volle Menschen“ könnten und sollten Frauen nun werden. Mit der Bildung würden sie auch ihre Pflichten erkennen, sie würden ihren Selbstwert aus ihrer Selbstkontrolle und ihrem Wissen gewinnen. Als rationalen und unabhängigen Menschen würde Frauen auch das Wahlrecht und der Zugang zu politischen Ämtern zustehen. Frauen sollten produktive Tätigkeiten lernen, um sich und ihre Kinder selbst finanzieren zu können, sobald der Mann das nicht mehr kann, damit sie nicht aus finanzieller Notwendigkeit wieder heiraten müssten. Alle Berufe müssten ihnen offenstehen, sie könnten ebenso Schwestern wie Ärztinnen sein. Ebenso rief Wollstonecraft Frauen dazu auf, sich für Politik zu interessieren und für „die Angelegenheiten der gesamten Menschheit“.

Der moderne Feminismus

Die modernen Feministen hingegen führen die patriarchale Tradition fort. Sie möchten sich nicht emanzipieren, sie möchten nicht das Denken lernen und selbst tätig werden, sondern sie möchten weiterhin von der produktiven Tätigkeit der Männer leben. Jetzt ist es endlich bequem genug für Feministen in den gepolsterten Chefsesseln. Sie möchten allerdings nicht den langen, mühsamen Weg gehen müssen, den Männer zurückzulegen hatten, um sich in den Sesseln niederlassen zu können. Sie bevorzugen eine Abkürzung, die sie durch staatliche Gewalt durchsetzen möchten: Quoten – mit denen Frauen an leitende Positionen kommen, ohne sie sich verdient zu haben.

Da man normalerweise erkennen würde, dass Quoten einen Raubüberfall auf Männer darstellen, müssen Männer zunächst als solche moralisch herabgesetzt werden, um diese „ausgleichende Gerechtigkeit“ zu legitimieren. So dreht man den historischen Spieß um und argumentiert, das Patriarchat habe Frauen nicht dazu gedient, Männer auszunutzen, sondern es habe Männern dazu gedient, Frauen zu unterdrücken.

Man kann die Sache auch versöhnlicher betrachten. Dazu müsste man allerdings die biologische Tatsache anerkennen, dass Frauen nun einmal Kinder bekommen und dass sie zu dieser Zeit nicht arbeiten können. Von der Natur der Sache her mussten Männer daher in den ersten Jahren für ihre Frauen und Kinder sorgen. Da einer die Kinder bekommen muss und dies notwendig die Frau ist, und somit die Karriere der Frau unterbrochen werden muss, würde die Frau in den folgenden Jahren weniger verdienen als der Mann. Also bleibt der Mann für längere Zeit der Ernährer.

Im Gegenzug, so Wollstonecraft, müssten Frauen ihren Geist ausbilden, um auch die Kinder rational erziehen zu können. Sie sollten politisch informiert sein und darum auch wählen dürfen. Später nach dem Tod des Mannes, oder wenn die Kinder alt genug sind, würde die Frau ihre Karriere beginnen oder diese wieder aufnehmen, um schließlich für sich selbst und die Kinder sorgen zu können, wie es in früheren Jahren der Mann tat. Das wäre gerecht. So könnten Eheleute in Liebe und Harmonie zusammenleben, ohne Ausbeutung des einen durch den anderen.

Was ist vom Feminismus der Aufklärung übrig geblieben?

 

19 Kommentare zu “Feminismus gegen die Aufklärung

  1. sba sagt:

    Darf man noch hinzufügen, dass Frauen eigentlich immer mitgearbeitet haben und die eigentliche Unterscheidung im „Patriarchat“ nicht die von tätig vs. untätig, sondern die von draußen (Feld, Jagd, Handel, Krieg, Politik) vs. drinnen (Spinnen, Weben, Filzen, Nähen, Kochen, Kinder bzw., in höheren Ständen, als „Feldwebel vom Dienst“ den Haushalt koordinieren) war? Die Idee, zu hause zu bleiben mit weitgehender Untätigkeit zu verbinden, ist eigentlich erst seit der Maschinisierung des Haushaltes (oder durch Hausangestellte) möglich (nichts gegen Staubsauger, Geschirrspül- und Waschmaschinen: dadurch bekommt hausfrau die Zeit, den Anregungen von Mdm. Wollstonecraft zu folgen.)

    • derautor sagt:

      Irgendwas werden sie schon gemacht haben, die Zeiten waren generell härter. Aber für die Männer waren sie noch viel härter. Nehmen wir das Beispiel der Inuits, da mussten die Männer hinaus aufs glatte Eis und Wale und Robben jagen und sich gegen Wölfe und Eisbären wehren. Ein falscher Schritt und sie waren tot. Die Frauen waren zu Hause und haben dort mehr oder weniger schwer geschuftet. Sie konnten sich an einer Nadel stechen, mit viel Pech. Aber das biologische Argument ist ziemlich unschlagbar. Man sieht auf einen Blick, dass Frauen kleiner und schwächer sind, was sich auch objektiv messen lässt und in die Sportbewertung einfließt. Es gibt nur eine Erklärung dafür, nämlich dass die Arbeit der Frauen körperlich weniger fordert war – und zwar für hunderttausende, wenn nicht Millionen Jahren, dass es sich selbst in den Genen niederschlug.

      • derautor sagt:

        Man könnte höchstens argumentieren, dass sie vielleicht nicht physisch so fordernd war, aber geistig. Viel Spaß damit… Vielleicht werden Männer, wenn das so weitergeht mit ihrer Entrechtung, irgendwann einmal einsehen, dass sie Frauen im Grunde gar nicht brauchen. Dann können sich Frauen gegenseitig mit Quoten in Chefpositionen bringen und Männer leben auf ihrem eigenen Kontinent in Frieden und Wohlstand.

        • sba sagt:

          „vielleicht nicht physisch so fordernd war, aber geistig.“
          ähm…ne. Irgendwie schlechte Laune gerade?
          Eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass die Sache mit der Unterdrückung der Frauen vor dem 19ten Jahrhundert anscheinend niemandem aufgefallen ist – just in der Zeit dann aber, als eine allgemeine Senkung des Arbeitsaufwandes für „drinnen“ einsetzte. Woraufhin die Neuverhandlung der Arbeitsteilung anfing und eigentlich darauf hinauslief, dass die jeweiligen Aufgaben nicht mehr vom Geschlecht determiniert werden. Bleibt die Frage, warum dieses einfache Fazit 2 Jahrhunderte später immernoch traktiert statt einfach durchgeführt wird.

  2. Bjoern sagt:

    „hab gerade schlechte Laune, weil die Leute wieder an diesem wunderbar ausgewogenen Artikel rumnörgeln.“

    Wer sind denn die Leute? Würde gerne mal Artikel über deine Artikel lesen 😉

    Aber ausgewogen ist dieser Artikel wohl nicht. Das Patriarchat war eine Institution FÜR Frauen? Ärm, nein.

    „So dreht man den historischen Spieß um und argumentiert, das Patriarchat habe Frauen nicht dazu gedient, Männer auszunutzen, sondern es habe Männern dazu gedient, Frauen zu unterdrücken.“

    Die Vorteile für Frauen im Patriarchat bzw. die Nachteile für die Männer im Patriarchat zu beschreiben ist nur für Verblendete ein Problem, aber diese Schlussfolgerung ist, ehm, komisch.

      • Bjoern sagt:

        Frauen haben sich Männern zu ihrem Vorteil unterworfen? Auf Kosten der Männer? Frauen hatten eine Wahl?

        Das Frauen nicht alle Nachteile dieses Systems abbekommen hatten/haben, sicher. Aber dass sie Männern dieses System aufgebürdet haben, dafür will ich Beweise sehen. Oder haben sie es ihnen nicht aufgebürdet, waren die Männer lediglich zu blöd um ihre Benachteiligung zu bemerken? Vielleicht wurden die Männer auch von den Frauen zu Hause geschlagen, wenn sie es wagten gegen die Ungerechtigkeit der Arbeitsverteilung aufzubegehren. Kein Wunder also, dass Männer schlussendlich die Emanzipation gegen die Frau durchgesetzt haben.

        • sba sagt:

          „Aber dass sie Männern dieses System aufgebürdet haben, dafür will ich Beweise sehen.“
          Warum? Gibt es Beweise für das (vorher/i> proponierte) Gegenteil?
          Ich zumindest habe bisher nur unterschiedliche Interpretationen der selben Fakten gesehen, die mir ehrlich gesagt sehr von der Agenda der InterpretInnEn abhängig aussehen: Frauen durften nicht in die Politik (und Kleopatra?)? Männer durften im Kriegsfall nicht zu hause bleiben. Die weibliche Rolle war auf das Haus beschränkt? Die männliche Rolle war auf die Schwerarbeit beschränkt (stimmt für das Landleben nichteinmal, da durften die Frauen bei der Ernte auch zeigen, was sie so draufhaben).
          So kann man sich fröhlich bis in alle Ewigkeit um des Kaisers Bärtchen streiten und vor lauter historischen Vorwürfen glatt vergessen, dass es auch noch eine Gegenwart gibt.
          Vilar und Co liegen trotzdem 20.000 Sympathiepunkte vorne für intellektuelle Selbstverteidigung.
          (und die Daumenregel ist ganz einfach: Wann immer irgendjemand irgendetwas über die Zeit vor den ersten Aufzeichnungen erzählt, sollte man nach den archäologischen Indizie fragen, die auf genau diese Geschichte zeigen.)

          • Bjoern sagt:

            @Kleopatra
            Ausnahmen und teils andere Regelungen in bestimmten Kulturen zu bestimmten Zeiten für bestimmte Bevölkerungsgruppen, also Ausnahmen.

            Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass wir zumindest für die letzten paar Jahrhunderte so gar keine Daten zu diesem Thema haben. Und schlussendlich haben wir Kulturen in denen das Patriarchat bis heute gelebt wird.

            Und ich weis nicht aber, härtere Arbeit oder nahezu 0 Rechte und immer noch harte Arbeit, ich bin für ersteres.

            Sind wir hier nicht in einem Objektivistischen Blog? Die Menschenrechte gehören in nahezu jeder Argumentation zu der Grundlage einer menschenwürdigen Existenz schlechthin und auf ein mal soll das nicht mehr so sein?
            Frauen ohne Rechte waren die Profiteure im Vergleich zu Männern mit Rechten? Wenn Liberale und Objektivisten auch nur ansatzweise recht haben, müssen sie/wir alleine bei der theoretischen Betrachtung vom absoluten Gegenteil ausgehen.

            Und was ich bisher gehört/gelesen habe [zum Thema Leben der Frau in solchen Systemen], unterstreicht das. Es wundert mich auch nicht, dass beispielsweise Scheidungsraten und Bildungsniveau bei Einfuhr entsprechender Rechte in den jeweiligen Staaten drastisch ansteigen. Warum sollten sich Frauen die Mühe machen, wenn vorher alles zu ihren Gunsten war? Warum haben Männer gegen die Emanzipation angekämpft?

            Wem geht es zurzeit in Afghanistan und Konsorten schlechter, Männern oder Frauen?

          • derautor sagt:

            Natürlich finde ich das Patriarchat schlecht für alle Beteiligten. Nur wenn es denn so ist, dass Frauen wenig produktiv waren, so war es auch moralisch gerechtfertigt, dass die Produktiven mehr zu sagen hatten. Wenn es nach mir geht, sollten Frauen und Männer arbeiten, damit niemand existenziell abhängig ist.

          • sba sagt:

            Namaste!
            Ich gebs zu: ich sollte weniger Anspielungen machen und die Dinge klarer beim Namen benennen:
            – Aufzeichnungen: Um die letzten paar Jahrhunderte geht es dabei gar nicht, sondern diverse „Urzustand/Urhorde“-Fabeln.

            – objektivistischer Blog: Ja. Und was hab ich damit zu tun? Ich mach hier nur das Fehlerlesen.
            Davon abgesehen: Objektiv haben wir erstmal bloß die paar Daten, die wir haben. Strittig ist gerade deren Deutung. Was muss die leisten – Alle Daten berücksichtigen und sich selber nicht widersprechen. Haben wir zwei Deutungen: D1: Patriarchat unterdrückte Jahrtausende lang die Frauen. D2: Patriarchat hatte Jahrtausende lang Frauen als Hauptprofiteure.
            Widersprechen sich die Deutungen, prüfen wir mal die Daten. Auch ohne eydeetisches Gedächtnis kommt dabei heraus, dass das Sollen und Dürfen von Frauen in verschiedenen Gesellschaften verschiedener Kulturen zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten – tatamm – verschieden ausformuliert und praktiziert war. In Ägypten anders als in Sparta anders als in Athen anders als in Mykene anders als in Asia Minor anders als in Rom anders als bei den Deutschen anders als bei den Slawen anders als in Arabien anders als in Indien… Nebenbei kommt dabei heraus, dass Frauen nicht die einzige Gruppe mit besonders formuliertem Sollen und Dürfen waren, sondern Menschen generell in Gruppen gepackt wurden, die – tatamm – zur Hälfte aus Männern bestanden. Bei manchen wurde das durch Geburt, bei manchen durch Verdienst festgestellt.
            Schlussfolgerung (meine Deutung): „Das Patriarchat“ (nota bene: als globales Phänomen) existiert genauso wenig, wie der Klassenkampf (unbeschadet einiger historischer Stellen, wo das eine oder das andere tatsächlich vorkommt.) Es ist keine Universalie.
            Was es die ganze Zeit gab, waren ungerecht Verhältnisse, a.k.a. Vorrechte a.k.a. Privilegien. Stellten in Europa irgendwann schlaue Menschen fest, dass einige Privilegien geschlechtsbezogen waren – und machten sich an deren Abschaffung, den anderen Vorrechten hinterher. Wenn ich Andreas richtig verstehe, besteht momentan das Problem darin, dass einige Menschen wieder geschlechtsspezifische Privilegien einführen wollen und dabei als Grund dafür die vormals umgedrehten Verhältnisse angeben. Hat Rand sich zu der Idee geäußert im Aufsatz „Racism“:
            “ ‚The white leadership must be honest enough to grant that throughout our history there existed a special privileged class of citizens who recieved preferred treatment. That class was white, Now we’re saying this: If two men, one Negro [sic!] and one white [sic!], are equally qualified for a job, hire the Negro‘
            Consider the implications of that statement. It does not merely demand special privileges on racial grounds-it demands that white men be penalized for the sins of their ancestors. It demands that a white laborer be refused a job because his grandfather may have practiced racial discrimination. But perhaps his grandfather has not practiced it.“
            (The Virtue of Selfishness. S. 155. Itallics i.O.)
            Man tausche „race“ gegen „gender“ etc. und landet in der Gegenwart (und sie wiederholt sich doch!)

            Die Sache mit dem Profitieren: Soweit ich das verstehe hat Esther Vilar sich in den 70ern den Spaß gemacht, die Deutungen des damaligen Feminismus einfach mal umzudrehen. Und da niemand die Eulenspiegelei bemerkte, geht seitdem der Streit, welche Seite nun das größere Opfer des Patriarchates sei. „Den Deutschen“ (-; fehlt es einfach an Humor.

            „Wem geht es zurzeit in Afghanistan und Konsorten schlechter, Männern oder Frauen?“
            Sir, den Versuch, Leid gegen Leid auszumessen, halte ich für geschmacklos.

            May You live long and in
            PEACE
            🙂

  3. DeeTee sagt:

    Ich finde, der Artikel ist eine gesunde Gegenposition zum Feminismus unser Zeit und darf daher gerne auch etwas überziehen. Um es mal mit den Worten Ingo Appelts zu sagen: Frauen wünschen sich einen starken, schönen Ritter auf einem weißen Pferd, der sie mitnimmt zu sich ins Märchenschloss. Das Problem der meisten Frauen ist: Sie glauben tatsächlich, dass sie das auch verdient haben!

  4. Franziska Illi sagt:

    Hallo Andreas. Gerne erkläre ich dir, weshalb ich deinen Artikel als „unterirdisch“ bezeichnet habe. Was ich übrigens nicht getan hätte, wenn ich gecheckt hätte, das du der Autor bist:) So angriffig bin ich nicht. Also, ich bin keine Feministin, und trotzdem finde ich deinen Artikel beleidigend und zynisch.
    1. Besonders das hier: „Zur Erinnerung: Das Patriarchat war eine Einrichtung, die Frauen erlaubte, weitgehend untätig zu Hause zu hocken,…“ Unsere Großmütter haben ohne viele Fertigprodukte und Haushaltsgeräte 2 – 3 Mahlzeiten pro Tag für 4 – 6 Personen gekocht, Geschirr gespült, Einkäufe nach Hause geschleppt, geputzt, gewaschen, gebügelt, genäht, geflickt, die Kinder betreut. Sie hatten eine 7-Tagewoche und sicher nicht um 5 Uhr Feierabend wie er. Ohne eigenes Geld und ohne die Option, ihren Mann zu verlassen. Er konnte mit Kollegen raus was Trinken wann immer er wollte, bei ihr lag höchstens mal ein Kaffeekränzchen am Nachmittag drin. Er hatte im Büro vermutlich auch noch weniger Stress als wir heute und zuhause wartete der volle Rundum-Service auf ihn. Währst du da wirklich lieber die Frau gewesen? Also ich eher nicht.

    2. Dein Unverständnis für die aktuelle Sexismus Debatte kommt sicher daher, dass du als Mann viele Belästigungen und Sprüche gar nicht mitbekommst. Vielleicht solltest du dir dessen aber etwas mehr bewusst sein, bevor du alles als Trivialität bezeichnest. Es geht selbstverständlich auch nicht um solche Sprüche im einzelnen, sondern um die Regelmässigkeit, mit der es passiert. Das sind doch nur die Symptome, die zeigen, dass Männer uns immer noch nicht für voll nehmen. Ich kann dir sagen, dass ich echt nicht empfindlich bin, aber was mir schon alles passiert ist mit Männern, ist echt unglaublich. Es ist wirklich längst überfällig, dass wir uns alle wehren für jene, die es nicht selber können oder wollen. Sei es, weil sie zu wenig Selbstbewusstsein haben, in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen, die Situation schlicht nicht noch unangenehmer werden lassen oder als prüde dastehen wollen.

    3. „weshalb man bereits an der biologischen Beschaffenheit der Geschlechter – Männer sind größer und stärker als Frauen, sterben aber früher – erkennen kann, wer sich stets unter den schlimmsten Bedingungen zu Tode schuften musste und wer derweil zu Hause die Füße hochlegen konnte.“ Das stimmt doch nicht, ich glaube du verwechselst hier Ursache und Wirkung. Bei Säugetieren ist fast immer das Männchen grösser, das hat aber mit sexueller Selektion zu tun, und nicht damit, dass die Männchen überall die ganze Arbeit alleine machen.

    4. „So dreht man den historischen Spieß um und argumentiert, das Patriarchat habe Frauen nicht dazu gedient, Männer auszunutzen, sondern es habe Männern dazu gedient, Frauen zu unterdrücken.“ Das scheint mir doch SEHR unlogisch. Ich lasse mich aber gerne belehren.

    5. „Erst im frühen 20. Jahrhundert sah man endlich ein, dass auch jene, die weder arbeiten, noch sich für Politik interessieren, noch in Kriegen kämpfen müssen, ebenfalls wählen sollen dürften.“ Sich nicht für Politik interessieren?!? Geht’s noch?!? Echt der Oberhammer. Höre gerade die Sprüche die sie sich anhören musste, wenn sie sich erdreistete, ihre Meinung zu Politik zu äussern. Vor allem, wenn sich das gesagte nicht mit der Meinung ihres VIEL INTELLIGENTEREN Gatten gedeckt hat.

    6. „Stirbt der Wirt, fühlt sich sein Goa’uld (ein außerirdischer Wurm, der die Galaxis unterwerfen möchte) als eigentliches Opfer.“ Hausfrauen mit Parasiten zu vergleichen, schon happig. In Ausnahmefällen sicher berechtigt, aber so allgemein gesagt? Nö!

    7. Das mit dem Krieg. Hätten Frauen die ganzen Kriege überhaupt geführt? Ich glaube nein.

    • derautor sagt:

      1. Von welcher Zeit und von welchem Ort sprichst du? Ich rede sicher nicht von den 1950ern in Deutschland. Ich rede zum Beispiel vom Mittelalter, wo fast alle Menschen von König und Papst geknechtet wurden und nicht nur die Frauen. Da mussten nur die Männer in den Krieg ziehen und Schwerstarbeit auf den Feldern verrichten – klar ging es den Frauen auch nicht so hervorragend. Mir fehlt außerdem eine Differenzierung der intellektuellen Anforderungen einer Tätigkeit. Hausarbeit ist intellektuelle belanglos, ein Unternehmen zu leiten ist äußerst anspruchsvoll und man ist verantwortlich für die Existenzen aller Mitarbeiter. Da hat man auch mehr Recht auf Ruhe, sorry.

      2. Frauen müssen es klar ansprechen, wenn ihnen ein Spruch oder eine Berührung nicht gefällt. Es gibt keine eindeutigen Verhaltensregeln für alle mehr, also fehlt auch Männern hier die Orientierung. Sich für Frauen aussprechen zu wollen, die es vermeintlich nicht selbst können, ist eine Entmündigung der betroffenen Frauen und sehr anmaßend. Aus Sicht des Mannes hat er wahrscheinlich oftmals gar nichts falsch gemacht. Da geht man munter seines Weges, glaubt, gut gelaunt mit Frauen zu flirten und auf einmal erfährt man, dass sie einen wegen sexueller Belästigung verklagen. Und man hat keine Ahnung, warum und was eigentlich vorgefallen ist – und warum sie ihren Mund nicht aufbekommen.

      3. Also welchen Grund sollte es geben, dass Männer größer und stärker sind als Frauen? Das muss irgendeinen Überlebensvorteil gehabt haben.

      4. Verstehe ich nicht.

      5. Du sprichst offenbar von irgendeinem spezifischen, persönlichen Erlebnis, das ich unmöglich kennen und kommentieren kann.

      6. Klar war es Gegenprovokation für die Männerhasser. Das Patriarchat war schlecht für alle Beteiligten. Ich sage ja, dass bestenfalls Männer und Frauen beide arbeiten sollten, wobei die Frau offensichtlich ihre Karriere unterbrechen muss, während sie hochschwanger ist und in der ersten Zeit nach der Kindsgeburt. Das kann nicht der Mann übernehmen.

      7. Und ich glaube, dass jeder Hitler seine Eva Braun hatte. Es gab immer Frauen, die Diktatoren und Terroristen unterstützten. Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Horst Mahler, Peter Homann, Brigitte Asdonk. Drei Frauen, drei Männer, eine Terrorgruppe.

      Die Frauen-als-Opfer-Geschichtsschreibung finde ich absolut lächerlich und in der Tat einen Auswuchs kollektivistischen Denkens, bei dem bestimmten Menschengruppen eine Kollektivschuld zugesprochen wird.

      • derautor sagt:

        In der Tat ist die Behauptung, nur Männer würden Krieg führen eine Variante der christlichen Erbschuld-Idee. Männer wären von Natur aus böse (!). Man würde sie für eine Eigenschaft verurteilen, für die sie objektiv nicht verantwortlich sind. Absolut pervers.

      • Bjoern sagt:

        „3. Also welchen Grund sollte es geben, dass Männer größer und stärker sind als Frauen? Das muss irgendeinen Überlebensvorteil gehabt haben.“

        Selektionsvorteil != Überlebensvorteil.
        Beispiel aus der Tierwelt: Männlicher Pfau.

        Ob deine Schlussfolgerung dennoch richtig ist, keine Ahnung.

  5. Trinculo sagt:

    Wenn das Patriarchat für die Frauen so toll war, warum sind dann die Männer, die ja die Macht dazu hatten, nicht lieber zu Hause geblieben und haben die Frauen an die Front geschickt?
    Sicher irgendeine finstere Verschwörung! Gedankenkontrolle, oder sowas.
    Wenn Hausarbeit so toll ist, warum nicht 100% Quoten für Frauen? Lass doch die blöden Weiber arbeiten, dann kannst du selbst zu Hause auf der Bärenhaut liegen! Das bisschen Haushalt macht sich ja von alleine!

    Mal im Ernst:
    Im Grunde ist es nebensächlich wem es nun im Patriarchat besser ging. Im Grunde, war es für die gesamte Gesellschaft schlecht. Warum? Weil es eine Form der Unfreiheit war. Die Rollen waren festgelegt und nicht frei gewählt.
    Es gab sicher auch Menschen, die mit der ihnen zugedachten Rolle zufrieden waren. Aber andere eben nicht.
    Frauen einerseits zu verbieten zu arbeiten und politisch aktiv zu werden, und ihnen andererseits vorzuwerfen, dass sie faul waren, weil sie nicht gemacht haben, was sie gar nicht machen durften(!) ist einfach nur noch perverser Hohn. Kannst du echt stolz drauf sein!

    Feminismus ist lediglich die gewagte Annahme, das Frauen auch denkende Menschen sind, die gleiche Rechte haben sollten. Nicht mehr, nicht weniger. Einfach nur die gleichen.
    Ist das wirklich so skandalös?

    „Von der Natur der Sache her …“
    Schwachsinn. Ja, nur Frauen können schwanger werden. Aber wenn das Kind erst einmal da ist, kann sich genauso der Mann darum kümmern und die Frau arbeiten. Oder beide arbeiten. Oder, oder, oder…Fürs Arbeiten und für die Kindererziehung braucht man vor allem ein funktionierendes Hirn und gesunde Hände. Da ist es egal, ob sich die eigenen Gonaden nun innerhalb oder außerhalb der Bauchdecke befinden.
    „Von der Natur der Sache her …“ ist nur ein dumme Ausrede, um sich keine Argumente überlegen zu müssen.

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