Feminismus: Wer glaubt das wirklich?

Der Kommentator „Trinculo“ bezweifelte, dass Feministen wirklich glauben, was ich behaupte. Ich würde gegen Strohmänner ankämpfen. In der Tat scheinen viele Leute über etwas anderes zu reden als ich, wenn sie „Feminismus“ sagen. Ich höre dann so etwas wie „Man(n) sollte Frauen respektvoll behandeln“ oder „Man(n) sollte Frauen nicht gegen ihren Willen belästigen“.

Ja, danke, das ist mir auch schon aufgefallen!

Unter „Feminismus“ hingegen verstehe ich nicht vor allem eine kulturelle Bewegung, die dafür argumentiert, Frauen wie menschliche Subjekte zu behandeln, sondern eine politische Bewegung, die politische Forderungen stellt. Und das bedeutet: Forderungen, wie der Staat sein Gewaltmonopol einsetzen sollte.

Selbst bei spätabendlichen Stammtischen dürfte die Frage, ob man Frauen respektvoll behandeln sollte, keine Debatten mehr auslösen:

„Hey Frank, ich bin Feminist, ich finde man sollte Frauen mit Respekt behandeln.“

„Du, Joe, da kann ich jetzt nicht mitgehen. Ich plädiere eher für Respektlosigkeit gegenüber Frauen. Ich finde, Frauen sind einfach keine menschlichen Subjekte.“

Wer bitte sagt so etwas?

Und nun zum historischen Hintergrund und den Forderungen des politischen Feminismus.

Mit Marx und den Feministen

Die einflussreichste Figur des modernen Feminismus ist wohl Betty Friedan, die den „second wave feminism“ gründete – also den modernen Feminismus. Der Feminismus der ersten Welle forderte gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die rechtliche Gleichstellung von Frauen und schloss somit an die Aufklärung an – wobei es auch hier schon sozialistische Einflüsse gab. Die zweite Welle hat einen ganz anderen ideologischen Hintergrund.

Betty Friedan (1921-2006) war die Mitbegründerin der National Organization for Women (NOW) in den USA. Sie war lange Zeit Mitglied der kommunistischen Linken und unterstütze 1940 die „Populäre-Front-Strategie“, die darin bestand, idealistische Bewegungen zu gründen, um wohlmeinende Bürger dazu zu bringen, sich für kommunistische Ziele einzusetzen. Von 1942-43 war Friedan ein Mitglied der Jungen Kommunistischen Liga. 1944 wollte sie der Amerikanischen Kommunistischen Partei beitreten, wurde aber abgelehnt, weil bereits zu viele Intellektuelle Mitglied waren. Von 1943-52 arbeitet sie als Journalistin für Medien, die von den Kommunisten kontrolliert wurden.

Friedan ist Autorin des Bestsellers Der Weiblichkeitswahn, der argumentierte, dass Frauen als Klasse (!) nicht nur durch viele Formen der Diskriminierung zu Opfern gemacht würden, sondern auch durch die gesellschaftlich verbreitete Botschaft, sie könnten nur indirekt durch ein Leben für ihren Ehemann und ihre Kinder Identität und Erfüllung erlangen – während sie ihre eigenen Ansprüche, etwas anderes zu sein als Ehefrauen und Mütter, sublimierten. Daher lebten Frauen in Amerika in einem „bequemen Konzentrationslager“. Der Weiblichkeitswahn wurde 2,6 Millionen mal verkauft. Es handelte sich bei der Kommunistin Friedan also eben nicht um eine irrelevante Randfigur des modernen Feminismus. Vielmehr schlägt marxistische Ideologie im Herzen des modernen Feminismus.

Die bekannteste radikale Feministin ist Andrea Dworkin (1946-2005), die lange Zeit Mitglied von NOW gewesen ist. Sie behauptete, dass Vergewaltigung und die Unterdrückung von Frauen die Grundlage der meisten menschlichen Kulturen bildeten. Dworkin forderte Frauen auf, nicht nur gegen ihre männlichen Unterdrücker zurückzuschlagen, sondern ihren eigenen exklusiven Frauenstaat zu gründen. Jeglichen heterosexuellen Sex setzte sie mit Vergewaltigung gleich und wünschte, „die patriarchale Macht an ihrer Quelle zu zerstören, die Familie, (und) ihrer bösartigsten Form, den Nationalstaat“; sie erklärte Ehe zu „einer legalen Lizenz zur Vergewaltigung“ und sie versicherte, dass „das Zufügen von Schmerz bei der Frau (…) grundlegend für die sexuelle Lust des Mannes“ sei, wobei sie Männer als „Vergewaltiger, Frauenschänder, Plünderer, Totschläger“ charakterisierte.

Patricia Ireland war von 1991-2001 Präsidentin von NOW. In dieser Zeit gehörte sie zu den tonangebenden Persönlichkeiten des Feminismus. In den 1970ern hatte Ireland eine starke Affinität zum kommunistischen Regime von Fidel Castro entwickelt. Pat Silverthorn von der Sozialistischen Arbeiterpartei wurde später ihre lesbische Liebhaberin. In den 1980ern nahm Ireland an zahlreichen pro-kommunistischen Kundgebungen teil.

Zu Irelands Zeit standen Abtreibung und die Rechte Homosexueller und Lesben oben auf der Agenda von NOW. Ireland und ihre Organisation stellten Amerika als eine Nation dar, in der sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen um sich griffen und wo das Gesundheitssystem, das Bildungssystem und Großunternehmen den Bedürfnissen der Frauen feindselig gegenüberstanden. Ihre politischen Gegner bezeichnete Ireland als unauthentische Frauen, beispielsweise nannte sie die republikanische Senatorin Kay Bailey Hutchinson aus Texas eine „Frauenimitatorin“.

Von 2001 bis 2009 war Kim Gandy Präsidentin von NOW. Sie lehnte die Idee ab, dass Ehe notwendig von Vorteil sei für Frauen, vor allem für arme Frauen. „Single-Mütter werden dämonisiert. NOW hat sich das Ziel gesetzt, diese absichtliche Rückkehr zu den Tagen der unbestrittenen männlichen Kontrolle aufzudecken und dagegen organisiert vorzugehen.“

Feminismus in Deutschland

Es ist diese kommunistische zweite Welle des Feminismus, die in Deutschland angekommen ist und nun die größte Rolle in der Politik spielt. So ist es im Grunde immer: Deutschland übernimmt zeitverzögert intellektuelle Trends aus den USA. Inzwischen gibt es in Amerika schon die „Dritte Welle“ des Feminismus. Die Dritte Welle setzt sich für Chancengleichheit für Frauen in der Wirtschaft und in der Bildung ein („Equality Feminism“ oder „Equity Feminism“), während die Feministen der Dritten Welle es auch für legitim halten, wenn Frauen zu Hause bleiben und Kinder großziehen. Sie veralbern den Marxismus ihrer Vorgängerinnen und erkennen biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern an, die auch einen Einfluss auf ihre Bedürfnisse und ihr Verhalten haben.

Das ist aber nicht unser Feminismus. Feministen in Deutschland wiederholen die Forderungen der „Second Wave“: Quoten in Bildung und Wirtschaft, das Recht auf steuerfinanzierte Abtreibung, staatlich finanzierte Kinderkrippen, Lohnvorgaben durch Gesetze, Mutterurlaub, etc. Der Feminismus, der in Deutschland die größte Rolle spielt, schließt an die kommunistische Second Wave an, die sich dadurch auszeichnet, dass sie Staat und Regierung ausweiten und individuelle Freiheit und Verantwortung einschränken möchte. Darum ist der Feminismus dieser sozialistischen Ausprägung ein Feind der freien Gesellschaft, wie sie der Liberalismus versteht. Und darum habe ich ein Problem mit dem Feminismus.

Literatur

Discover the Networks: Feminism, Feminists

MANNdat: Patriarchat

Brendan O’Neill: It is wrong to say „Sex withouth consent is rape“

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3 Kommentare zu “Feminismus: Wer glaubt das wirklich?

  1. sba sagt:

    „Frauen wie menschliche Subjekte zu behandeln“
    Okay, das kann mir jetzt böse auf die Füße fallen, aber ich erhoffe mir eine kleine Lektion in objektivistischer Ontologie davon und trete mal mit voller Absicht auf die Mine:
    Im Gefolge von Schopenhauers (und nebenbei: Er hat die Objektivität der Realität vertreten; einer der Punkte seiner Kant-Kritik) ETheorie und Metaphysik wäre zu sagen, dass es nur ein Subjekt gibt (übersetzt: das jeweilige Ich) und ansonsten vier Klassen von Objekten (Konkreta (Dinge); Abstrakta (Begriffe, Konzepte); Raum, Zeit, Kausalität; der eigene Körper). Den Unterschied definiert er sinngemäß so: Subjekt ist, was erkennt, aber nicht erkannt wird; Objekt ist, was erkannt wird, aber nicht erkennt.
    Die erste Schlussfolgerung aus Schopenhauer ist also, dass Menschen vom Subjekt nicht als Subjekte erkannt werden können, sondern nur als Objekte (weil ein Subjekt eben nicht erkannt werden kann; in diesem Sinne ist „Es gibt nur ein Subjekt“ ein subjektiver (vom Subjekt bedingter) und objektiver (da vom Subjekt erkennbar und von Subjekten kommunizierbarer) Satz zugleich). Schopenhauers berühmt-berüchtigte Misanthropie unterdessen beruht nicht auf dieser „Objektivierung“ von Menschen, sondern eher noch darauf, dass er sie in den Möglichkeiten ihres Subjektseins ernst nahm, und sie nach ihrer Ausschöpfung dieser Möglichkeiten beurteilte, die für ihn eben enttäuschend ausfiel.
    Aus der ersten Schlussfolgerung aus Schopenhauer würde ich jetzt mit objektivistischen Zugaben weitergehend folgern, dass Menschen unter den Konkreta eine bestimmte Klasse bilden, welche ihrerseits aufgrund ihrer Natur auf bestimmte Weise zu behandeln sind, nämlich moralisch und zivilisiert, als Subjekte, auch wenn sie als solche nicht eindeutig zu erkennen sind. Bis zur Erstellung einer besseren Methode haben wir den (im normalen Umgang miteinander im Wesentlichen automatisch ablaufenden) Turing-Test als Stütze, um zu urteilen, dass ein konkretes Objekt ein Mensch uns damit als Mensch zu behandeln ist.

    Meine ehrliche Frage jetzt: Ist das da oben aus objektivistischer sicht konsenzfähig, und wenn nicht, warum nicht und wie ist es richtig?

    • derautor sagt:

      Aus objektivistischer Sicht sind Menschen Subjekte (also haben Persönlichkeit, Selbstreflexion, voluntaristisches Bewusstsein), was auch erkennbar ist. Ich finde Schopenhauer hier zu rationalistisch. Er definiert einfach „Subjekt“ als das, was erkennt und man kann unmittelbar nur von sich selbst sagen, dass man erkennt, also ist nur man selbst Subjekt. Allerdings ist die Behauptung, dass andere Menschen, also Entitäten mit derselben Identität wie man selbst, keine Subjekte wären, eine willkürliche Behauptung, da sie nicht auf Belegen oder logischen Argumenten beruht und somit ist sie keiner weiteren Beachtung würdig. Man müsste irgendeine empirische Beobachtung oder logische Schlussfolgerung von unstrittigen Tatsachen anbieten, mit denen man darauf schließt, dass man selbst das einzige Subjekt ist und andere Menschen nur Objekte sind. Man müsste aufzeigen, dass andere Menschen keine Menschen sind und somit keine menschlichen Eigenschaften besitzen. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass andere Menschen nicht erkennen können.

      • sba sagt:

        Danke für die Antwort. Verstehe ich gerade alles richtig, so liegt der Fehler also im Konzept des transzendentalen Subjektivismus. (oder in fehlerhaften Ableitungen meinerseits aus „Die vierfache Wurzel…“).
        Ansonsten zur Klärung: Die Behauptung ist nicht, dass andere Menschen (oder überhaupt Wesen) keine Subjekte seien, sondern, dass ich sie nicht als solche erkennen kann. Aber als solche behandeln kann, bis ich Grund für das Gegenteil finde (in den 90ern ist man doch öfter mal für eine halbe Sekunde auf die Begrüßung durch den Anrufbeantworter hereingefallen, bis das Band nach dem eigenen Ansprechen einfach weiterlief). Das Prinzip wäre hier nach meiner Einschätzung das selbe, wie bei der moralischen Einschätzung noch unbekannter Menschen (innocent til proven guilty) – auch hier geht man ja von einer Standad-Startthese aus, bis man Grund für das Gegenteil erhält.
        Man selbst als das einzige Subjekt gilt nur in Bezug auf einen selbst – worin sich der TS eben vom Objektivism unterscheidet: In den Grundaxiomen. Für den TS ist es nur das Bewusstsein des Ich. Formal wird dabei vom Inhalt des Bewusstseins erstmal abstrahiert, da die Welt (ich glaube, im Gefolge von Leibniz) fast nur aus „zufällig wahrem“ bestehe. Insofern handelt es sich um den Streit um Huhn und Ei bezüglich der Erkenntnisordnung von Welt und Ich: Rand sagt, bevor ich mich als Ich in der Welt verorten kann, muss ich die Welt (als nicht-Ich?) erkennen. Der TS besagt, dass die Welt erst in Ableitung von der spezifischen Natur des Ich als Welt erkannt werden kann. Bzgl. der Erkenntnis neige ich Rands Auffassung zu, da man erst anhand der eigenen Welterkenntnis auch die spezifische eigene Natur (als Körper und als Erkenntnisapperat) erkennen kann. Kants struktureller Fehler: Messen unter Verwendung des gemessenen. Zirkelschluss.

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