Feminismus als männliche Fortpflanzungsstrategie

Im Grunde sehe ich nur eine Erklärung, warum einige männliche Kommentatoren auf meinen Artikel gegen den V-Day mit wüsten persönlichen und intimen Angriffen reagierten (ja, ich drücke mich ebenso sehr direkt aus – aber in der Sache). Das Phänomen wäre besonders interessant für Evolutionäre Psychologen. Offenbar ist der „Feminismus“ nicht in erster Linie ein Thema, das in Politik und Philosophie eine Rolle spielt und über das man sich auch zwischen Männern intellektuell austauschen kann wie über jedes andere Thema – sondern der Feminismus dient bestimmten, besonders progressiven Männern als Strategie, um Frauen rumzukriegen.

Wo wir schon bei „persönlich“ sind – und wenns um die Geschlechter geht, schalten viele Leute offenbar sofort ihren Verstand aus und etwas anderes ein – so kann ich bestätigen, dass ich auch persönlich schon auf das Phänomen des „Feminismus als männliche Fortpflanzungsstrategie“ gestoßen bin.

Feministische Chauvinisten

Männer, deren Verhalten auf eine chauvinistische Haltung gegenüber Frauen schließen lässt, bezeichneten sich als „Feministen“, wenn ihre weibliche Begleitung anwesend war, und bestätigten, dass Frauen immer und überall vom männlichen Patriarchat bedroht würden. Sie nahmen ihre Partnerin schützend in die Arme, als ob meine kritische Haltung sie irgendwie bedrohen würde, und streichelten ihr Haar, als wäre sie ein Stofftier. Die emanzipierte Dame schmiegte sich unterwürfig an ihren progressiven Partner.

In der Annahme, dass emanzipierte Frauen ja nun für sich selbst sprechen, fragte ich die Dame, ob sie denn wirklich der Meinung sei, dass nur Männer für Kriege verantwortlich wären. Der Mann schob sogleich seine vor persönlicher Stärke strotzende Emanze mit einem Arm zurück und antwortete, dass dies ja nun offensichtlich der Fall sei. Ferner wolle er nichts mehr hören von so einem Chauvinisten wie mir.

War die Emanze einmal nicht anwesend, äußerte sich der progressive Mann über sie, als wäre sie ein wandelndes Sexspielzeug, das zu Hause zwischen Bett und Küche brav umherwandle.

Welche Haltung hat ein Mann, der seine Partnerin mit physischen Gesten bis hin zur physischen Gewalt vor logischen Argumenten in den Schutz nimmt? Eine solche Haltung bestreitet, dass Frauen vernunftbegabte Menschen sind und sie bestreitet obendrein ihr Recht, für sich selbst zu sprechen.

Sex ist keine intellektuelle Qualifikation

Eine weitere typische Argumentation aus der Ecke lautet, dass ein Mann möglichst umfassende sexuelle Erfahrung mit möglichst vielen Partnerinnen gehabt haben müsse, um qualifiziert über „Feminismus“ sprechen zu können. Ein kurzer Anflug von Intelligenz würde einem sofort aufzeigen, welche Implikation eine solche Auffassung hat: Nur chauvinistische Machos, die möglichst viele Frauen rumgekriegt haben, können sich qualifiziert über den Feminismus äußern. Was wiederum bestätigen würde, dass es sich um eine männliche Fortpflanzungsstrategie handelt. Demnach wären die saudi-arabischen Scheichs mit ihren Harems die größten Experten in Sachen Feminismus.

Offenbar ist der sexuelle Akt als solcher obendrein eine ganz besondere Qualifikation, wenn es um Geschichte und ideologischen Gehalt des Feminismus geht. So wiesen mich linke Kommentatoren darauf hin, dass ich wohl schon lange nicht mehr eine (vermutlich emanzipierte und selbstbestimmte) Frau „bedient“ hätte, um mich derart kritisch über den Feminismus auszulassen. Hätte ich eben dieses getan, wüsste ich sogleich viel besser Bescheid über den Respekt vor Frauen, den jene Kommentatoren einforderten.

Nun zum Vorwurf, meine Äußerungen seien nicht „humanistisch“. Da dieser Begriff beinahe vollkommen inhaltsleer ist, fällt es leicht, dies einem vorzuwerfen. Ich könnte problemlos Erasmus von Rotterdam vorhalten, er sei kein Humanist gewesen, und viele zeitgenössische „Humanisten“ würden mir dafür applaudieren. Leute – ich habe es seit meiner Verteidigung des Irakkriegs schon eine Zillion Mal vernommen, dass mir linke Aktivisten den „Humanismus“ absprechen und es interessiert mich noch immer nicht. Nur Menschen, die Identitätsprobleme haben, lassen sich davon beeindrucken, wenn jemand ihnen die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv streitig macht. Davon abgesehen bin ich in erster Linie Objektivist, nicht „Humanist“. Und Objektivisten sind dem modernen Feminismus gegenüber feindlich eingestellt. Also habe ich sicherlich keine intellektuellen Zugehörigkeitsprobleme.

A=A, Privat ist Privat

Während meines Erststudiums der deutschen Literaturgeschichte erzählte uns ein Professor, er habe seinen Studenten die Aufgabe gestellt, Konzepte der romantischen Liebe in der deutschen romantischen Literatur in Form einer Proseminararbeit darzustellen. Eine irgendwie naheliegende Aufgabenstellung, die ein Literaturstudent wohl bewältigen können sollte. Der Professor erzählte weiterhin, dass kein einziger Student in der Lage gewesen sei, diese Aufgabe zu erfüllen. Vielmehr hätten alle ausnahmlos in ihren Seminararbeiten über ihre persönlichen Liebesabenteuer geschrieben. Niemand schrieb eine Hausarbeit über die Liebeskonzepte der Romantik (die eigentlich sehr interessant sind und viel komplexer, als man annehmen würde).

Ich empfand dies als ungemein peinlich für meine Kommilitonen, da ich auch im „realen Leben“ ein großer Freund der Sphärentheorie bin. Demnach gibt es eine Intimsphäre, die niemals an die Öffentlichkeit zu geraten hat, und eine Persönlichkeitsphäre, die nur in absoluten Ausnahmefällen und bestenfalls verfremdet das Licht der Öffentlichkeit erblicken darf (normalerweise im Kontext der journalistischen Berichterstattung – aber für diese Unterscheidungen gibt es Gründe). Darum erwähne ich meistens keine Namen, wenn es um die Sache geht und in der Öffentlichkeit geht es immer um die Sache, sondern umschreibe persönliche Erlebnisse wie jenes Erlebnis mit dem chauvinistischen Feministen oben.

Derweil berichten fortschrittarische Feministen – um nicht zu sagen alle Generationen von meiner bis zur jüngsten, die dazu in der Lage sind – unablässig über ihre eigenen sexuellen Abenteuer, wenn sie nach allgemeinen Prinzipien gefragt werden, welche die Geschlechter betreffen. Oder nach abstrakten Liebeskonzepten. Oder nach irgendetwas, das irgendwie mit Frau und Mann zusammenhängt. Vielleicht handelt es sich nicht mehr länger nur um eine intellektuelle, sondern schon um eine neurologische Degeneration, die man gehirnphysiologisch messen kann. Auch das ein faszinierendes Studienobjekt für Evolutionäre Psychologen.

Ein Kommentar zu “Feminismus als männliche Fortpflanzungsstrategie

  1. Ruediger sagt:

    Das beschriebene Verhaltensmuster der Abwehr logischer Argumente durch Verteufelung dessen, der sie vorträgt, kenne ich aus Diskussionen zu anderen Themen (z.B. Islam).

    Ich glaube, die Möglichkeit, sich auf diese Weise eine Partnerin zu angeln, ist hier nur sekundär. Wichtiger ist es, das Wunschbild von der Welt, wie sie sein sollte, gegen die Realität zu verteidigen. Im Grunde ist es eine Form von Narzissmus, von Nicht-Erwachsenwerdenwollen. Die Journalistin Diana West weist in ihrem Buch The Death of the Grown-Up nach, dass die westlichen Gesellschaften ungefähr seit der Mitte des letzten Jahrhunderts beginnen, das Teenager-Alter zu verherrlichen. Das lässt sich bis in die Sprache hinein nachweisen.

    Man könnte das auch als eine Art Magie ansehen: Pazifisten, Linke, Feministinnen, Grüne sprechen ihre Beschwörungsformeln über die Welt, in der Erwartung, dass sie so werde, wie sie nach eigenem Wunschbild sein soll. Sie sprechen die rituellen Texte laut und unduldsam – und müssen Abweichler zum Schweigen bringen: sie sind schuld, wenn das Ritual nicht gelingt. Je klarer sie insgeheim wissen, dass das ein absurdes Vorgehen ist, um so aggressiver werden sie gegenüber denen, die auf die Realität hinweisen.

    Weil z.B. die Welt „gewaltfrei“ sein sollte, gilt es, alle zu verteufeln, die darauf hinweisen, dass Gewalt und Kriege eben manchmal notwendig sind. Dass der Islam die „Religion des Friedens“ ist, glauben wir ganz fest, als Geste unserer Offenheit und Toleranz gegenüber den unter uns lebenden Moslems – und wer darauf hinweist, dass der Jihad als offensive militärische Operation gegen Ungläubige ein zentraler Bestandteil des Islam ist, der ist böse, weil er Dinge sagt, die gegenüber unseren neuen Mitbürgern nicht nett sind. Diese letzte Art von Bosheit ist übrigens die allerschlimmste: Sie kleben dem, der unliebsame Wahrheiten über den Islam ausspricht, das Etikett „Rassismus“ auf.
    Wie die Berichterstattung zur versuchten Ermordung Lars Hedegards zeigte, erlischt für solche „Rassisten“ jeglicher Rechtsschutz; sie zu ermorden, ist nachvollziehbar und letztlich kein so schlimmes Vergehen. Solche Menschen sind schlicht vogelfrei.

    Diese Haltung steckt in unser allen Köpfen. Sie hat sich tief dort eingenistet. Ich will nicht behaupten, dass ich ganz frei davon bin. Aber der Weg, sich daraus zu befreien, ist, sie bewusst zu machen, sie mit dem Licht der Erkenntnis auszuleuchten!

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