Peter Sloterdijk über Steuern als Diebstahl

Und noch so ein lästiger Denker – Peter Sloterdijk im Gespräch mit dem „Schweizer Monat“:

Der Mangel an Fiskaldemokratie ist der Grund, warum der Griff der Finanzämter in die Taschen der Bürger nach wie vor fast überall als eine Art von Kleptokratie erlebt wird – schon Thomas von Aquin hat das Wesen der Steuern als «legalen Raub» definiert –, weswegen die Steuerflucht für viele, die sich von höchster Stelle bestohlen fühlen, ein naheliegender Reflex bleibt. Ich spreche daher von der psychopolitischen Fehlkonstruktion des modernen Steuerstaats. Der betrügt seine Bürger chronisch und systematisch, indem er sie im Augenblick ihrer intensivsten Zuwendung zum Gemeinwohl, im Moment des Einzahlens in die Staatskasse, in die passivste und würdeloseste Position drängt, in die der ohnmächtigen Duldung.

Zwar kann Sloterdijk es mal wieder nicht lassen, sich so abgehoben und umständlich wie möglich auszudrücken, aber seine überzeugende Argumentation ist trotzdem einen Blick wert. Er argumentiert essenziell für die freiwillige Großzügigkeit der Bürger und gegen den Wohlfahrtsstaat. Sloterdijk zufolge habe unsere Gesellschaft ein Problem mit der „Vortrefflichkeit“, also essenziell das Verlangen, möglichst gut sein zu wollen und ebenso ein Problem mit jenen, die besser sind als der Rest.

Der griechische Begriff „Aristeúein“ bringt die griechische Ethik auf den Punkt und er bedeutet so viel wie „danach streben, der Beste zu sein“. Heute gelte stattdessen: „Die Hervorragenden sind nach gängiger Logik Räuber an den Gleichrangigkeitschancen der anderen. Wer mehr als andere besitzt, symbolisch oder pekuniär, muss zuvor Dieb gewesen sein – Eigentum ist Diebstahl, so will es das munter gewordene Ressentiment.“

Die französische Revolution habe dazu geführt, dass sich alle Bürger auf den Adelsstand erheben wollten und nun mit den Forderungen nach dem, was ich „Wohlfahrtsrechte“ nenne, nicht mehr aufhören.

In Europa sei lediglich in der Schweiz die Steuer nicht „die Fortsetzung der mittelalterlichen Fron mit moderneren Mitteln.“

Da bin ich wohl dem philosophischen Mainstream näher, als ich dachte. Sloterdijks Ausführungen in diesem Interview sind jedenfalls mit dem Objektivismus kompatibel und Leonard Peikoff schreibt etwas ähnliches über die griechische Ethik-Grundhaltung  im Kontrast zur heutigen in The DIM Hypothesis.

Schließlich gebe ich einen Tipp von Bad Religion weiter: „Think before you die!“

Danke an Andreas Dietz für den Hinweis auf den Sloterdijk-Artikel!

Literatur

Peter Slotderdijk: Die verborgene Großzügigkeit

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