Es gibt keine „Männerrechte“

So, genug gegen den Feminismus gewütet. Jetzt ist die „Männerrechtsbewegung“ dran!

Das Konzept der „Männerrechte“ ist ebenso absurd wie das der „Frauenrechte“. Es gibt nur Menschenrechte. Die Idee, es sollte spezielle Rechte für Frauen oder für Männer geben, entspricht jener, es müsse Sonderrechte für Weiße oder für Katholiken geben. Männerrechtsorganisationen, die dasselbe fordern wie Feministen, nur für Männer, sind gleichermaßen zu verurteilen wie sie.

Das Problem mit dem Feminismus ist gerade jener, dass er Sonderrechte für Frauen fordert und dass er seine Ideale durch gesetzliche Zwangsmaßnahmen durchsetzen will.

Aber: Wenn Männerrechtler dasselbe fordern wie Feministen, nur mit umgedrehten Vorzeichen, dann sind sie auch genauso zu bewerten wie Feministen.

Eine Diskussion über eine amerikanische Dokumentation über vergewaltigte Frauen im US-Militär motivierte mich, mir die Männerrechtsinitiative MANNdat etwas kritischer anzusehen. Gut finde ich – und darum hatte ich sie auch hier verlinkt – dass sie Belege und Argumente gegen feministische Mythen anführt.

Schlecht finde ich, dass sie die politischen Forderungen von Feministen einfach unter männlichen Vorzeichen kopiert. Beispielsweise wird ergänzend zur Gesundheitspolitik, welche speziell die Gesundheit von Frauen im Auge hat, eine Gesundheitspolitik für Männer gefordert. Dazu gehören „männergerechte Gesundheitswerbung und Aufklärung“ sowie eine „Männergesundheitsdatenbank“ und Hilfsangebote für suizidgefährdete Männer – alles staatlich. Die den „MANNdat“-Forderungen gehören auch die „Implementierung einer Jungen- und Männerpolitik in Parteien und Regierungen“ und „Gleichstellungsstellen zur Jungenförderung“.

Eine die „Frauenpolitik“ ergänzende „Männerpolitik“ würde zu erheblich mehr Staat führen. Und dies in Bereichen, die nicht zu den legitimen Aufgaben des Staates gehören. Insofern können Liberale unmöglich solche Männerrechtsforderungen unterstützen. Den Link habe ich entfernt.

Das ist sehr schade, so ist doch ein großer Teil der Kritik von Männerrechtlern gerechtfertigt.

Ein Beispiel: Das Erste Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts (1. EheRG) von 1976. Viele Elemente dieser Gesetzesreform sind gut, wichtig und unterstützenswert. Der Mann hatte zuvor erheblich zu viel Macht über seine Frau – inklusive ihrer Berufstätigkeit, die er untersagen konnte – und seine Familie. Aber der Wegfall des Verschuldensprinzips, ebenfalls in dieser Reform geregelt, ist moralisch nicht zu rechtfertigen.

Für den Fall einer Scheidung wurde das bisherige Verschuldensprinzip verworfen, nach dem der Ehepartner, der das Scheitern der Ehe maßgeblich verschuldet hatte, dem anderen Partner und den gemeinsamen Kindern gegenüber unterhaltspflichtig gewesen war. Stattdessen wurde das Zerrüttungsprinzip eingeführt, nach dem beim Scheitern einer Ehe ungeachtet des Verschuldens stets der wirtschaftlich stärkere Partner dem wirtschaftlich Schwächeren Unterhalt zahlen musste.

Der wirtschaftlich stärkere Partner ist in der Regel noch immer der Mann. Mit anderen Worten kann die Frau rumhuren, Drogen einwerfen, ihre Kinder an Sklavenhändler verkaufen – völlig egal, denn laut dem „Zerrütungsprinzip“ muss der Mann ihr den Unterhalt zahlen, auch wenn sie für das Scheitern der Ehe verantwortlich war. Absolut unglaublich!

Ebenso gerechtfertigt war der Einsatz der Männerrechtler für ein Beschneidungsverbot für Jungen, wofür ich mich ebenfalls ausgesprochen hatte. Die körperliche Unversehrtheit kann nicht nur ein Recht von Mädchen sein (wobei sie selbstverständlich auch ein Recht von Mädchen ist!).

Aber dass einige Männerrechtler die Forderungen der Feministen einfach kopieren, also derselbe Quatsch, nur mit „Mann“ statt „Frau“ darin – eine herbe Enttäuschung.

Auslöser meiner kritischen Überprüfung war eine Diskussion über vergewaltigte Frauen im US-Militär und die Forderung eines Diskutanten, man solle doch ebenso die Vergewaltigung von Männern im Militär ankreiden. Man sollte nicht ebenso wie die feministische Fraktion Zahlen verbiegen. Statistiken zeigen, dass der überwältigende Teil der Opfer von Vergewaltigungen im US-Militär Frauen sind und er überwältigende Anteil der Täter sind Männer, meist mit höherem Rang. Ich halte es für völlig unangemessen, angesichts der Tatsachen männliche Opfer gleichermaßen zu betonen wie weibliche.

Dies ist in einem anderen Kontext gerechtfertigt, nämlich beim häuslichen Streit, wo in der Tat die Geschlechter gleichermaßen aufeinander eindreschen. Aber im Militär? Da sind doch eher die Männer die Täter. Was angesichts der militärischen Struktur auch logisch ist. Es gibt dort viel mehr Männer als Frauen, Männer sind physisch stärker, also kommt es zu sexuellem Missbrauch von Frauen. Wenn dann noch Offiziere involviert sind, wird es umso schwerer, dass sich die Soldatinnen wehren können. Klar sind hier Frauen die Opfer!

Ergänzung: Laut einer Umfrage, die auch im Welt-Artikel genannt wird, gibt es eine hohe Dunkelziffer von männlichen Opfern. Allerdings sind auch hier die meisten Täter Männer. Die männlichen Opfer hätte man trotzdem in der Doku wohl auch erwähnen sollen.

Siehe Die Welt über eine neue Doku zum Thema: „Frauen dienen hier, um gevögelt zu werden“

Demokratischer Sozialdarwinismus

Wo man auch hinsieht, jeder fordert Vorrechte für sich und seine Gruppe. Fakten interessieren so gut wie niemanden. Moral spielt keine Rolle. Es ist ein einziger Krieg jeder gegen jeden.

Das ist es, was mir nicht passt. Darum der raue Ton in meinem Beitrag gegen den V-Day. Nicht aus „Frauenhass“ oder „Angst vor Frauen“, wie mir vorgehalten wurde, sondern weil hier ein Festtag mit positiven Konnotationen, der Valentinstag (Männer und Frauen finden zueinander), mit negativen Konnotationen (Männer schlagen Frauen) aufgeladen werden sollte. Und dies von irgendwelchen paranoiden Giftzwergen, die über eine „Vergewaltigungskultur“, „Patriarchat“ und so weiter fabulieren, nur um, wie praktisch jede politische Interessensgruppe (und leider, wie es ausschaut, auch die Männerrechtler), das Gewaltmonopol des Staates für ihre eigenen Zwecke und ihre eigene Klientel ausnutzen zu können.

Die meisten Frauen waren wahrscheinlich einfach dabei, um gemeinsam etwas zu unternehmen, um zu tanzen, sich des Lebens zu erfreuen. Das ist an sich schön und ohne politischen Inhalt würde ich solche Veranstaltungen auch unterstützen. Man stelle sich vor: Frauen treffen sich zum öffentlichen Tanzen, einfach weil es schön ist, einfach, um sich zu freuen über das Leben! Aber so war es eben nicht, auch wenn es viele Teilnehmerinnen ignoriert haben. Die Texte der Veranstalterinnen sprechen eine klare Sprache, siehe etwa den von Eve Ensler (letztes Mal hat kaum jemand draufgeklickt – nicht informieren, aber mich für meine Kritik verurteilen. Haben wir schon wieder gerne!).

Vielleicht ist mein Engagement für den radikalen Liberalismus psychologisch betrachtet das Ergebnis von einem ausgeprägten Harmoniebedürfnis. Denn ein stärkerer Schutz individueller Rechte würde einen großen Schlussstrich ziehen unter die primitiven, tribalistischen Konflikte, die in politischer Form noch immer unsere Zivilisation heimsuchen.

4 Kommentare zu “Es gibt keine „Männerrechte“

  1. Arne Hoffmann sagt:

    „You can’t really address the problem of military sexual trauma until you include the 56 percent of the victims — the men — and they are being ignored right now,“ Lewis said.

    Quelle: http://usnews.nbcnews.com/_news/2013/02/08/16890167-betrayed-male-rape-victims-slam-oscar-nominated-filmmakers-over-focus-on-women

    • derautor sagt:

      Die Zahlen ergeben keinen Sinn und wie im verlinkten Beitrag zu sehen kann da was nicht stimmen.

      • Sandy sagt:

        Sind Sie sicher?

        Der huffingtonpost.com Artikel den Sie oben verlinken, nennt die Statistik von 12% Männer vs. 88% Frauen.
        Jedoch gibt diese Statistik lediglich diejenigen Fälle wieder, die der Militärjustiz gemeldet und von ihr offiziell untersucht wurden.
        Der selbe Artikel zitiert die Einschränkung: „The department estimates that only roughly 14 percent of the assaults were reported.“

        Ob diese Statistik also tatsächlich „eindeutig [zeigt], dass der absolut überwältigende Teil der Opfer von Vergewaltigungen im US-Militär Frauen sind“, wie Sie schreiben, ist fraglich.

        Die Statistik von 10.000 Männer vs. 9000 Frauen, die sowohl im Link von Arne Hoffmann als auch in dem von Ihnen verlinkten welt.de Artikel genannt wird, stammt hingegen aus einer repräsentativen Umfrage vom „U.S. Defense Department’s Sexual Assault Prevention and Response Office“.

        Im welt.de Artikel wird sie als die „geschätze Dunkelziffer“ zitiert.

        Das ist natürlich ebenfalls kein „eindeutiger Beweis“ für irgend etwas, aber man kann es denke ich auch nicht einfach mit „ergibt keinen Sinn“ abtun und ignorieren.

        • derautor sagt:

          Wenn sie nicht gemeldet und offiziell untersucht wurden, dann sind die Zahlen wohl oder übel weniger verlässlich. Und wenn nur 14% der Fälle gemeldet wurden, dann würde das nichts am Verhältnis von 12% gegen 88% verändern. Vielmehr wären es einfach quantitativ mehr Fälle. Dagegen nun ein Umfrageergebnis mit 10000 Männern gegen 9000 Frauen. Ergo: Die Zahlen ergeben keinen Sinn. Was nicht heißt, dass ich sie ignoriere. Ich sage, sie passen nicht zusammen, sind inkonsistent. Aber meinetwegen: Dann hätte man in der Doku stärker auf die männlichen Fälle eingehen sollen (wobei das schwierig ist, wenn sie nicht offiziell untersucht wurden – wer sich als Journalist auf Hörensagen verlässt, bekommt schnell größte Probleme!).

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