Tipp: OHL – Freier Wille

Zum Glück muss man ja nicht anwesend sein oder Zeit haben, um zu bloggen. Hier aus aktuellem Anlass also doch ein neuer Beitrag. Der Anlass: OHLs neues Album „Freier Wille“ ist ab heute erhältlich!

Richtig gehört: Die Oberste Heeresleitung ist wieder da. Man hat wahlweise seit Ende des Ersten Weltkriegs oder seit ihrem letzten Album Krieg der Kulturen nichts mehr von ihr gehört. Überraschung: Es geht um die deutsche Punk-Band und nicht um Kaiser Wilhelms militärisches Führungspersonal.

Die Band gibts schon seit über 30 Jahren, was sie zusammen mit Bad Religion zu einer der ältesten, aktiven Punk-Bands überhaupt macht. Im Gegensatz zu den zwar ungewöhnlich anspruchsvollen, aber politisch korrekten Krachmachern von Bad Religion existiert OHL in ihrer ganz eigenen Dimension – weshalb die Band auf allerlei Unverständnis stieß und stößt.

Den größten Teil ihrer Karriere wütete die „Oberste Heeresleitung“ gegen die Sowjetunion und die DDR, was ihr den Ruf einer „CDU-Punkband“ einbrachte. Der Klassiker „DDR“ bringt es wohl am deutlichsten zum Ausdruck: „Es gibt keine Deutsch-Deutsche Einheit! Nieder mit der Deutsch-Deutschen Freundschaft! Stürmt die deutsche-demokratische Botschaft!“ Oder natürlich „Rote Flagge“: „Viel zu lange haben sie existiert, ganze Länder ruiniert! Die rote Flagge, sie weht nicht mehr! Die rote Flagge, sie weht nie mehr!“ Praktisch jede Liedzeile kommt bei OHL mit einem Ausrufezeichen am Ende. In „Bomber über Bagdad“ verteidigte OHL den Zweiten Golfkrieg (das war der von George Bush Senior).

Passend zum Image: Ihr wüster Song gegen die Anti-Atomkraftbewegung, die während der Anfangstage der Band entstand: „Kernkraftritter“. Das Intro vergisst man nicht so schnell, wenn man es einmal gehört hat: „Alternative, langhaarige Sau! Du siehst aus wie deine Frau!“

Die meisten ihrer Cover zeigen militärische Motive aus dem Zweiten Weltkrieg und Soldatenlieder gehören zum Standardreportoire. In Liedern wie „Stalingrad“ singen sie über das kalte Grab deutscher Soldaten an der Ostfront. „Der Unbekannte Soldat“ berichtet vom Tod eines gesichtslosen Kämpfers. Im Song mit dem freundlichen Titel „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ geht es derweil gegen Nazis: „Dein Viertes Reich wird untergehen, dein Viertes Reich wird nie entstehen!“

Gegen Kommunismus, gegen Nationalsozialismus, gegen Hippies, für den Irakkrieg – wie passt das zusammen? Versteht die Punk-Szene jedenfalls nicht und sonst auch kaum jemand. Liberale werden es sofort begreifen. Zu diesen Thema gesellt sich außerdem noch ein Phänomen, das man einen dezenten Skeptizismus gegen religiöse Argumentationsschemata nennen könnte. In „Seelenfänger“ heißt es: „Mit uralten Ritualen verwirren sie deinen Geist, predigen Verdammnis, wenn du keine Ehrfurcht zeigst – Seelenfänger!“ In „Die Macht des Feuers“ bekommt der Sänger wieder mal einen Tobsuchtsanfall: „Aber wenn die Kirchen brennen, träumt das Volk von Gerechtigkeit und von Gleichheit und von Freiheit!“ – über Ziel hinausschießen gehört bei OHL zum guten Stil.

Der Sänger „Deutscher W“ kann im Grunde nicht singen (das kann Campino von den Toten Hosen allerdings auch nicht), sondern er schreit und krächzt die Lyrics ins Mikro. Dies dürfte so manch uneingeweihten Genießer abschrecken. Allerdings passt der Stil sehr gut zu den hyper-aggressiven Lyrics und insofern ist man doch froh, dass Deutscher W (= Deutscher Widerstand, also der Widerstand gegen die Nazis) so weit von einem Gesangsunterricht entfernt ist wie von einer Aggressionsbewältigungstherapie; obwohl er schon beides irgendwo gebrauchen könnte.

Freier Wille

Seit ihrem Album „Feindkontakt“ hat die Band einen neuen Gegner der freien Welt ausgemacht: Islamisten. Gegen die wird ebenso konsequent angeschrien wie einst gegen den Ostblock.

An mangelndem Selbstbewusstsein fehlt es OHL ohnehin nicht, so nennen sie sich bereits seit „Krieg der Kulturen“ in Anlehnung an Jesus Christus selbst „Die Wahrheit“. Im neusten Album geht es weiter mit der Verkündigung, „Wir halten dir die Wahrheit wie ein Messer an die Kehle!“ und „Wir sind der Fluch, der deinen Glauben bricht!“, singen sie in „Das Licht der Wahrheit“.

Das zentrale Thema sind diesmal Salafisten und andere radikale Muslime und deren Invasion in Deutschland. In „Deutsches Leichentuch“ erfahren wir, dass wir diese Gesellen härter rannehmen sollten, damit es uns nicht schlecht ergeht: „Falsche Gnade, falsche Toleranz, falsches Mitleid spielen auf zum Totentanz!“

„Feinde der Demokratie“ führt das Thema weiter aus: „Sie predigen den Hass, doch ihr stellt euch taub! Der Staat ist viel zu schwach, Demokratie verfällt zu Staub!“

„Tradition und Rituale“ ist schließlich noch ein Stück entschlossener – für den Fall, dass es jemand nicht kapiert hat. „Tradition und Rituale aus einer kranken Zeit! Falsche Ideale machen sich in Deutschland breit! Tradition und Rituale, die Pest kehrt zurück!“ und „Sie leben mitten unter uns, fernab der Demokratie!“, „Hassprediger und Ehrenmord, in Deutschland stirbt das freie Wort!“, „Das System bricht, wenn Parasiten profitieren! Demokratie scheitert, wenn die Falschen uns führen!“

„Das Feuer der Freiheit“ greift Motive der Aufklärung auf, ganz ähnlich wie ich selbst in diesem Magazin: „Wir entfachen das Feuer, setzen die Welt in Brand! Das Feuer der Freiheit halten wir in unserer Hand!“ Dazu passt „Feuerbringer“ fast schon besser als Titel.

Das Schlusslicht bildet „Irgendwann“: „Es kommt die Zeit, da ist genug gesprochen! Dann wird mit der Lüge gebrochen! Irgendwann verstummen die Schreie, dann sind wir an der Reihe!“ und „Irgendwann sind die Tränen getrocknet, dann wird die Welt neu geordnet!“ Vermutlich bedeutet der Song, dass irgendwann die alten, kollektivistischen Denkmuster, die das 20. Jahrhundert heimsuchten, Geschichte sein werden, und die freie Gesellschaft wird anbrechen.

Wer es sich kaufen oder reinhören möchte, kann hier einmal vorbeischauen:

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Ein Kommentar zu “Tipp: OHL – Freier Wille

  1. SingSangSong sagt:

    Das Sänger von Punkbands (noch mehr in Sachen Oi) eh nur rotzig reinschreien und nicht singen können ist ja nix neues (es gibt ein paar Ausnahmen).
    Allerdings gefällt mir dieser Brüllgesang bei OHL viel besser als bei den meisten Szene-Mainstream-Bands, denn bei OHL versteht man wenigstens was da „gebrüllt“ wird (und das ohne Worte wie „Bullen“, „Anarchie“ oder „Bonzenschweine“.

    Ich finde es gut, dass es eine Band wie OHL gibt, die da den Mund aufmacht, wo andere kuschen oder zu feige sind.

    Auf „Freier Wille“ gibt es wieder gewohnt die Ladung „Böses“ wie man sie erwartet und auch die Songs gehen wieder gut ab. Z.B. „Partisanen“ kann ich empfehlen sowie „Feinde der Demokratie“.

    Was die Textinhalte angeht kann ich auch bei diesem Album nicht widersprechen, allerdings ist mir die Thematik „Islam u. Salafisten“ diesmal etwas zu einseitig.

    Da kann ich das aktuelle „Der Fluch“-Album eher empfehlen als diese Platte.

    Fazit: Musikalisch gut, inhaltlich zwar auch gut, aber thematisch zu einseitig von den Texten her.

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