Rezension: Atlas Shrugged Teil 2 (Film)

Atlas ShruggedDer zweite Teil der Verfilmung von Ayn Rands Atlas Shrugged ist vor kurzem auf DVD und Blu-ray erschienen. Die laut Beschriftung aus D’Anconia-Kupfer gefertigte Steelbox mit Blu-ray des Hauptfilms und Bonus-DVD liegt mir nun vor. Bei dem aus Rearden-Stahl gegossenen Steelbook mit dem ersten Teil (musste ich natürlich auch haben) gab es nur eine Blu-ray, auf der auch die Bonusmaterialien in HD zu sehen waren. In dieser Hinsicht ist der zweite Teil ein Rückschritt. Und ansonsten?

Ansonsten auch, kurz gesagt. Anschauen kann man ihn sich trotzdem, vor allem als Rand-Fan.

Die aktuelle Atlas-Shrugged-Verfilmung wird in erster Linie von einem amerikanischen Großunternehmer namens John Aglialoro produziert. Es handelt sich also nicht um reguläre Kinofilme, sondern sie werden nur in ausgewählten Kinos in den USA gezeigt.

Teil 1

Im ersten Teil konnte man der Großunternehmerin Dagny Taggart und dem Stahlmagnaten Hank Rearden dabei zusehen, wie sie trotz Regierungsinterventionen mit einem neuen, besonders guten Stahl, den Rearden erfand, eine Zuglinie bauten – die John Galt Line. Obwohl das staatliche Wissenschaftsministerium unter Dr. Robert Stadler befand, der Stahl sei unzuverlässig, erfüllte er alle Erwartungen. Während Taggart und Rearden dem staatlichen Widerstand trotzen, verschwinden auf unerklärliche Weise andere Unternehmer. Eine Art „Brain Drain“, scheinbar ins Nichts, findet in den USA statt, während Regierungsfunktionäre wie Wesley Mouch immer stärker in den Markt intervenieren.

Was vielleicht kühl und fantasielos klingt, wird von den Machern mit einem ganz eigenen, futuristischen Stil gestaltet, der den zweiten Teil noch stärker auszeichnet als den ersten. Die Architektur des Taggart-Unternehmens ist dabei besonders beeindruckend. Den Machern ist es ansatzweise gelungen, Atlas Shrugged einen neuen Stil zu verleihen im Vergleich zum Art déco des Videospiels „Bioshock“, das ebenfalls an Ayn Rands Klassiker angelehnt war.

Teil 2

Im zweiten Teil bricht die Wirtschaft weiter zusammen und Hank Rearden entschließt sich zu einer Scheidung von seiner Frau, um mit Dagny zusammen zu sein. Es kommt im Verlauf der Wirtschaftsdemontage zu einem großen Zugunglück. Im Buch erklärt Rand genau, inwiefern Unfälle wie dieser tatsächlich menschengemacht sind (hört ihr das, Deutsche Bahn?) und wie bestimmte politische und persönliche Entscheidungen zur Katastrophe führen mussten. Im Film wird das alles naturgemäß stark gekürzt und man kann die Zusammenhänge nur erahnen. Essenziell geht es darum, dass niemand mehr motiviert ist, anständig zu arbeiten, wenn es nicht mehr auf die eigene Leistung ankommt, sondern auf das blinde Befolgen von widersprüchlichen und letztlich unmöglichen Regierungsvorgaben.

Leider werden gleich am Anfang des Films zwei Umstände deutlich: Die Computer-Spezialeffekte sind grauenhaft, etwa auf dem Niveau von Fernsehfilmen der 1990er, sogar darunter. Am ersten Teil war in dieser Hinsicht nichts auszusetzen.

Darsteller

Zweitens wurden die Schauspieler des ersten Teils durch neue, ältere Darsteller ersetzt. Da nur wenig Zeit zwischen der Handlung der beiden Teile liegt, ergibt dies eigentlich keinen Sinn. Zu allem Überfluss ist die Darstellerin von Dagny Taggart, Samantha Mathis, etwas zu mollig, zu alt und nicht mehr so attraktiv wie Taylor Schilling. Sonderlich gut schauspielern kann sie auch nicht. Jason Beghe, im realen Leben vor allem für seine Kritik an Scientology bekannt, bietet hingegen als Hank Rearden eine akkurate Leistung. Esai Morales als der übergeniale Großunternehmer Franciso D’Anconia bietet auch eine akzeptable Leistung, wenn auch nicht ganz so überzeugend wie Beghe. Kim Rhodes als Lilian Rearden ist ebenso weniger überzeugend als ihre Vorgängerin Rebecca Wisocky, aber wie Morales akzeptabel.

Hingegen schlägt das Nerd-Herz schneller, wenn es Teller in einem Gastauftritt erblickt. Teller gehört zum Zauberkünstlerduo Penn & Teller, die sich auch durch ihre Serie Bullshit! einen Namen machten. Darin werden aus aufklärerischer Sicht allerlei heiße Eisen angepackt von Hellsehen bis Vatikan. Die beiden sind politisch libertär und insofern passt Teller gut in Atlas Shrugged. Der Knüller ist aber nicht sein bloßer Auftritt, sondern die Tatsache, dass Teller im Film spricht! Bei öffentlichen Auftritten spricht er nämlich nie und gibt den stummen Sidekick von Penn. Eine Verbeugung vor Ayn Rand. Nerdig auch der Auftritt von Robert Picardo, der in der fünften Staffel als Richard Woolsey Atlantis aus Stargate Atlantis leitet, als Dr. Floyd Ferris.

Sieht man über die Spezialeffekte und einige Darstellerleistungen hinweg, bleibt immer noch eine inhaltlich gelungene Verfilmung des Mittelteils von Atlas Shrugged. Am Drehbuch von Duke Sandefur, Brian Patrick O’Toole und Duncan Scott gibt es meiner Auffassung zufolge nichts auszusetzen, die Handlung wurde geschickt gekürzt und ins Filmformat umgesetzt.

Kritik

Generell erhielt der Film äußerst negative Bewertungen, die so gut wie immer sarkastische Bemerkungen über Rand enthalten. Beispielsweise: Objektivisten seien Freimarktsapostel, aber der erste Teil habe sich am Markt nicht durchgesetzt, also sei die Existenz eines zweiten Teils eine ziemliche Ironie (soweit Onions A.V. Club). Tja, wenn man keine Ahnung hat…

Kunst (inklusive Literatur) ist das Barometer einer Kultur. Sie reflektiert die Summe der tiefsten philosophischen Werte einer Gesellschaft: Nicht ihre oberflächlichen Ansichten und Slogans, sondern ihre tatsächliche Auffassung der Realität. (Ayn Rand)

Wenn eine Kultur nichts taugt, dann wird sie gute Kunst im weiten Sinne auch nicht schätzen. In der Tat verlässt der Pianist Hugh Akston im Film aus genau diesem Grund die amerikanische Kultur und begleitet John Galt nach Atlantis, die utopische Gesellschaft in Atlas Shrugged. Das Publikum hatte für Akstons Musik die längste Zeit nichts übrig und plötzlich, als die Kritiker ihre Meinung willkürlich änderten, applaudierten sie Akston. Und er geht, weil er diesen Wahnsinn nicht mehr aushält. Rand war der Meinung – und Ludwig Mises, der andere große Freimarktsverteidiger ebenso – dass sich wahre Künstler und Genies durchaus nicht auf dem freien Markt durchsetzen müssen. Nur gibt es einfach keine sinnvolle Alternative dazu. Wir können ja direkt in unserem Land beobachten, was dabei herauskommt, wenn man Bürokraten die Kunstförderung überlässt.

Wieder einmal wiesen Kritiker darauf hin, dass reale Menschen nicht so sprechen wie die Charaktere im Buch und im Film. Diesen Stil nennen sie „hölzern“ und „deklamatorisch“. Dabei ist es doch gerade Rands große Leistung, die unausgesprochenen Motivationen, welche die Menschen für ihre Handlungen haben, explizit zu benennen. Sie zeigt die philosophischen Hintergründe auf, indem sie die Charaktere ihr gewöhnlich unidentifiziertes Innenleben aussprechen lässt.

Die Kritiken sind erneut größtenteils ideologisch motiviert, von einer bemerkenswerten geistigen Leere gekennzeichnet und von geradezu vollständiger Ahnungslosigkeit, was die Inhalte von Rands Philosophie angeht.

Objektiv betrachtet haben die Kritiker allerdings Recht, dass die Spezialeffekte wirklich richtig grottig sind und dass einige, nicht alle Darstellerleistungen eher unterdurchschnittlich ausfallen. Die Kritik am Drehbuch kann ich weniger nachvollziehen. Der Film ist zwar ein B-Movie, aber zumindest für Rand-Kenner gibt es genug zu entdecken und teils auch zu erfreuen. Für den Rest der Welt sind die Filme offenbar keine geeignete Einführung in Rands Denken. Die Philosophie ist sehr komplex und wer keine Ahnung davon hat und nur die Filme sieht, ist am Ende auch nicht viel schlauer als zuvor. Im Fall der allzu unfairen, ideologisch motivierten Kritiker ist er vielmehr noch um einiges dümmer.

Teil 2 kann man sich auf der offiziellen Website auch nach Deutschland ordern. Alleine die D’Anconia-Blu-ray ist für Fans zu cool, um sie nicht zu haben, auch wenn der Film nicht ganz die Erwartungen erfüllt.

Den (besseren) ersten Teil gibt es bereits als deutsche DVD:

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2 Kommentare zu “Rezension: Atlas Shrugged Teil 2 (Film)

  1. Man sollte nicht vergessen zu erwähnen, dass Teil 1 auch in einer deutsch synchronisierten Fassung erhältlich ist!

    • Schmidt sagt:

      Hallo, kann schon jemand sagen ob und wann der zweite Teil als deutsche Synchronisation erscheint?

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