Wie Zucker die Welt vernichtet

Der weiße Tod, https://i2.wp.com/upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4d/Cuboid_sugar.jpgDie Themenfindung wird zu einer immer größeren Herausforderung für Journalisten, vor allem in Deutschland. Hier passiert einfach nichts und immer weniger, je älter die Bevölkerung wird und je weniger Bevölkerung da ist. Die Deutschen sind wenige, alt und langweilig. Verzweifelt werden dann Trendthemen herbeifantasiert, beispielsweise jene SPIEGEL-Story über die "Droge Zucker" oder "Zucker: Das dicke Geschäft".

Vielleicht wäre ein Leitartikel aufschlussreicher, der sich mit der Tatsache des Nichts-Passierens befasst und die nervliche Belastung, die das der schreibenden Zunft beschert. "Nach Sommerloch nun Ganzjahresloch: Journalisten im Streik, "Keine echten Skandale: Ist Deutschland zu anständig?", "Kriminalität auf neuem Tiefstand. Sind Kriminalgeschichten nur noch Fantasy?".

Da werden die wirklich wichtigen Themen übersehen. Wie dieses:

Auto-Fetzen: Tödlicher Trendsport bei Jugendlichen

Die wenigen Jugendlichen, die es in Deutschland noch gibt, riskieren ihr Leben bei einem neuen Trendsport. Offenbar von einem Videospiel inspiriert, werfen sich Mädchen und Jungen im Teenageralter auf die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos und lassen sich von der Wucht davonschleudern.

"Sieger ist, wer sich so geschickt auf das Auto wirft, dass er am weitesten davongeschleudert wird", erklärt Thomas, 16 Jahre, einer der überlebenden Pioniere des Sports. "Man fliegt dabei richtig weit durch die Lüfte, manchmal zehn bis zwanzig Meter. Das Fliegen ist ein großartiges Gefühl!" Obwohl Thomas sich zwanzig Knochen bei der letzten Landesmeisterschaft brach, will er den Sport nicht aufgeben.

Experten sind sich uneins darüber, ob man die selbstmörderische Tätigkeit überhaupt als "Sport" bezeichnen sollte. "Wenn Schach spielen ein Sport ist und wenn E-Sport ein Sport ist, dann ist es auch ein Sport, sich auf ein rasendes Auto zu werfen!", meint der Sportpädagoge Horst Mauer. "Selbstmord ist kein Sport", lautet dagegen das Ergebnis einer Studie zum Thema vom Deutschen Sportverband.

Da vor wenigen Jahren bereits das ähnlich gelagerte "Zugsurfen" die Nation heimsuchte, bei der sich Jugendliche weit aus dem Fenster eines fahrenden Zuges lehnten, forschen Wissenschaftler, ob neurologische Veränderungen bei den jüngeren Generationen stattgefunden haben. "Die sind zwar deppert, aber ihr Gehirn ist in Ordnung", erklärt der Neurologe Professor Friedrich vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

Szene aus dem Spiel Saints Row 3:

Zurück zur Zucker-Epidemie.

Wie Zucker die Welt vernichtet

Zucker. Er gehört zur Zivilisation wie die Seife und die Badeente. Doch im Gegensatz zur Badeente ist Zucker ein Massenmörder. Dies haben Forscher nun mit neuen Studien herausgefunden, die sie im Auftrag dieser Zeitung anfertigten. Ist Zucker so gefährlich wie Nordkorea?

Diana Laarz ist der Sache in ihrem SPIEGEL-Artikel "Zucker. Das dicke Geschäft" auf den Grund gegangen:

Wegen Zucker laufen Lobbyisten Sturm, bricht auf Karibikinseln die Wirtschaft zusammen, werden in Kambodscha Dörfer plattgewalzt. Jetzt bekommt er Konkurrenz von einem Kraut – sind die Tage des Konfliktstoffs gezählt?

Nach der Roten Khmer walzt nun der Zucker die kambodschanischen Dörfer nieder. Doch die Tage des Zuckers sind gezählt. Ein "Kraut" soll ihn ersetzen.

"Würden die Jugendlichen lieber eine Cannabis-Torte essen statt Auto-Fetzen zu spielen, wären sie viel gesünder", bestätigte der Ernährungsforscher Hannibal Kummer. Professor Friedrich gibt ihm recht: "Na ja, das schon, aber sie könnten natürlich auch (…)".

Gemeinhin wird die Zucker-Epidemie auf die Konsumenten geschoben. Doch es spricht einiges dafür, dass es sich um ein abgekartetes Spiel von Großkonzernen handelt. "Großkonzerne machen rücksichtslos Geld mit dem, was wir ihnen abkaufen. Es gibt keinen Anstand mehr auf der Welt", kritisiert beispielsweise der Genderökologe Rupidert Drimball. "Obwohl Zucker gefährlich ist, wenn man zu viel davon isst, gibt es ihn noch immer im freien Handel – und jeder darf sich unbegrenzt viel davon kaufen. Es ist wie mit Wasser. Trinkt man zu viel davon, stirbt man ebenfalls, doch Großkonzerne machen rücksichtslos Geld mit unserem Bedürfnis nach Wasser."

Wir haben den größten Zuckerfabrikanten des Landes, Justus Süß von der Sweety AG, mit den Vorwürfen konfrontiert. "Wissen Sie, ich wollte das Wasser-Beispiel als Gegenargument anführen, aber da Sie sich nun tatsächlich für die Einschränkung des freien Wasserhandels aussprechen, fällt mir nun wirklich nichts mehr dazu ein." Die Zucker-Mafia muss die Vorwürfe also implizit eingestehen. Sie scheffeln Geld mit unserem süßen Zahn, süßen unsere Zähne bis zum Ausfallen. Ohne Gnade. Bis das letzte kambodschanische Dorf plattgewalzt ist. Heil Zucker?

Siehe auch SPIEGEL Online: "Übermäßiger Salzkonsum tötet Millionen Menschen" (Danke an Daniel Stolba für den Hinweis)

5 Kommentare zu “Wie Zucker die Welt vernichtet

  1. sba sagt:

    Du hast den Klassiker vergessen: "Zucker macht hyperaktiv. Hitler machte Zucker."
    Die C6H12O2-Meldung habe ich vor zwei Wochen zuerst im NDRInfo als Meldung unter "ferner liefen" bei den neueren Forschungsergebnissen gehört. Dass das jetzt Wellen schlägt…Fehlt nurnoch, dass irgendeine Zeitung sich das Anliegen der Antinatalisten zu eigen macht.

    ABer schön, dass Du wieder on air bist 🙂
     

  2. Andreas D. sagt:

    Das "Kraut" wird wohl Stevia sein. In Lateinamerika wird Stevia seit Jahrhunderten zum Süßen verwendet. In Europa gibt es aber keinen freien Markt. Lange Zeit wurde dem Pflänzchen eine krebserregende Nebenwirkung unterstellt. Und wie das bei derartigen Behauptungen so ist, blieb man einen schlüssigen Beleg schuldig. Erst Ende 2011 wurde der Süßstoff der Stevia von der EU als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Eine Konkurrenz für den Rübenzucker ist die Stevia dennoch nicht: "Die EU-Kommission schreibt nämlich Höchstmengen bei der Dosierung für einen unschädlichen Verzehr vor. Stevia-Süßstoffe dürfen nicht mehr als 30 Prozent des Zuckers ersetzen. Für viele Produktbereiche wie Kekse oder Gebäck ist Stevia als Süßungsmittel von der EU-Kommission nicht zugelassen." (Wikipedia) Also der Zucker vernichtet sicher nicht Welt, aber wo regulierende Behörden existieren, wissen seine Produzenten die eigenen Interessen schon geltend zu machen. Ich finde, man sollte den Konsumenten überlassen, womit sie ihre Kekse und ihren Kakao süßen.

  3. DeeTee sagt:

    Hierbei sind leider einige wichtige Paralellen übersehen worden, die unbedingt in Beziehung zu setzen sind: Nach Cannabiskonsum steigt in der Regel auch überproportional der Zuckerkonsum. Außerdem ist nach Cannabiskonsum das Verlangen, sich in Gefahr zu begeben, eher niedrig, aber: lässt man sich dann doch von einem Auto anfahren, ist die Flugdauer eindeutig (subjektiv) länger. Hat man diese Zusammenhänge erst mal durchschaut, riecht es sehr nach Weltverschwörung. Oder nach ´ner Tüte.

  4. CR sagt:

    Naja, dass das Kraut Stevia bald Konkurrenz für Zucker darstellt glaube ich nicht. Stevia ist zwar tausendmal süsser als Zucker und man nimmt deshalb sehr viel wenier zum backen z.B. aber der Geschmack… Viele Leute sagen es hätte einen unangenehmen "chemischen" Nachgeschmack.Meine Mutter hat auch schon einige Kuchen damit gebacken und, ohne es den Essern zu verraten, genau diese Antworten bekommen (chemisch, unangenehm etc).
    Offenbar kann man es aber in anderen Speisen,wenn ein anderer Geschmack es überdeckt, besser verwenden.
    Im übrigen gab es wohl auch schon Tests der Industrie, die das (chemischer Nachgeschmack) gezeigt haben, man ist wohl nun dabei den Nachgeschmack durch andere Zusaetze zu neutralisieren.

    Immerhin wäre es ein ideales Süssungsmittel für Diabetiker.

     

     

  5. Andreas D. sagt:

    „Weil ein Vierjähriger gegen die Gebräuche einer Kita zuckerhaltige Butterkekse in der Brotdose hatte, müssen seine Eltern nun einen neuen Kita-Platz für das Kind suchen. Für Monika Bittl wirft dieser absurd anmutende Vorfall ein Schlaglicht auf die Gesundheitsobsessionen unserer Zeit. (…)“

    http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001325

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