Die Hälfte des Lebens ist umsonst

Was das neue Bezahlartikel-System im Feuerbringer-Magazin angeht, noch ein paar erläuternde Worte: 1. Alle Artikel sind natürlich neu. 2. Der Preis ermisst sich daran, was geboten wird. Privatisiert die Umwelt ist umfangreicher als normalsterbliche Artikel und enthält Fotos, die ich selber aufnahm. Darum kostet der Zugriff 99 Cent. Die Verteidigung der Telekom ist zwar umfangreicher als Gratis-Artikel, aber nicht so umfangreich wie die Umweltprivatisierung, kommt außerdem ohne Fotos aus und kostet insofern 69 Cent. Generell wird sich der Preis in dieser erschwinglichen, Raffgier-freien Sphäre bewegen. Ausgenommen sind Artikel, die eine Vor-Ort-Recherche erforderten – die kosten etwas mehr.

Generell wird es nun abwechselnd aufwändige Bezahlartikel und kürzere Beiträge im Feuerbringer-Magazin geben. Also diese beiden Kategorien:

1. Schnell runtergetippte Beiträge für das breite Volk, für die undankbaren Massen, für den gemeinen Pöbel (und für Studenten – wie mich). Die werde ich gratis den Proletariern vor die Füße werfen. Nach dem Wegfall der Gladiatorenkämpfe im Kolosseum müssen die wankelmütigen Arbeiter und Bauern mit kostenfreien Blogartikeln abgespeist werden, damit sie in ihren Kolchosen etwas zu tun haben, wenn der Schwarze Kanal gerade nicht läuft.

2. Auserlesene Exklusiv-Artikel für Menschen mit hohen Ansprüchen an gewitzte Unterhaltung, gehaltvolle Information, überzeugende Argumentation, augentränend schöne Präsentation. Ich nenne sie „meine Basis“, wie George W. Bush es in Bezug auf reiche Amerikaner ausdrückte. Sie sind die Elite, sie sind diejenigen meiner Leser, die für mich im eigentlichen Sinne existieren.

Dann gibt es noch Artikel, die ich für fremde, für outgroupige, für vaterlandslose Medien schreibe. Bei diesen Artikeln entscheidet jemand, der nicht ich ist, über ihren Preis oder Nicht-Preis.

Als Kapitalist bin ich ein Sklave meiner Kundschaft. Insofern möge man es stets kritisieren, wenn Artikel nicht den Ansprüchen genügen, wenn es Fragen gibt, wenn ein Verlangen nach der Bearbeitung eines bestimmten Themas aufkommt. Die Wünsche der zahlenden Leser sind meine eigenen Wünsche, waren schon meine Wünsche, bevor es ihre Wünsche waren. Es sei denn, sie sind aus guten Gründen nicht realisierbar. Die Bezahlartikel sind in der Kategorie „kostenpflichtig“ gesammelt. Amen.

Europäische Weltraumbehörde vermisst die Welt

…lautet der Titel eines Berichts, den ich auf der diesjährigen Hannover Messe für die Fachzeitschrift „MM MaschinenMarkt“ geschrieben habe. Die Europäische Weltraumorganisation ESA zeigte auf der Messe das Datensammelsystem Copernicus, den GPS-Verbesserer Egnos und die europäische Konkurrenz zu GPS, Galileo. Für den Bericht habe ich mit dem Astrophysiker Eleftherios Mamais gesprochen und ihn zudem auf einem Foto verewigt.

Den Artikel gibt es gratis auf der Website der Industrie- und Logistikspezis MM Maschinenmarkt, die auch jährlich die Messezeitung anfertigen. Die Vor-Ort-Recherche und das Artikeltippen in ihrer „gläsernen Redaktion“ war aufschlussreich und gewiss eine anregende Erfahrung insbesondere für die unzähligen jungen Damen, die mich lüstern von außen durch die tiefe Einblicke gewährenden Scheiben beim Schreiben beobachteten. Die vorgesehenen Sprüche über den gläsernen Bürger und Nacktscanner muss ich wegen Abschweifgefahr leider streichen. Hier der Artikel:

Europäische Weltraumorganisation vermisst die Welt

Privatisiert die Umwelt

Privatisiert das! (Foto: morguefile.com)

„Weltweit hat der rücksichtslose Umgang mit der Umwelt schlimme Folgen“, beschweren sich die Grünen auf der Website ihrer Bundestagsfraktion. Und über die „neoklassische Wirtschaftsweise“ schreibt der Grünen-Politiker Kai Klose, Sprecher für Wirtschafts-, Wohnungs-, Lesben und Schwulenpolitik der hessischen Grünen: „Das dieser Theorie innewohnende Problem ist heute offensichtlich: Die Natur hat keinen Preis. Sie gehört niemandem und damit ist sie kostenlos.“

Ungefähr 90 Prozent des Klose-Artikels sind blanker Unsinn – aber in diesen zwei Sätzen steckt eine gewisse Wahrheit. Verteidiger der freien Marktwirtschaft müssen darauf eine Antwort geben können. Hier ist meine. Die Frage lautet konkret:

Flüsse, Seen, das Meer, Naturschutzgebiete, seltene Tierarten, der Regenwald, das Eis der Arktis – sie alle sind nicht Gegenstand des freien Tausches von Gütern und Dienstleistungen, der Marktwirtschaft. Wie also können wir mit rein marktwirtschaftlichen Methoden den Schutz von Dingen garantieren, die niemandem gehören?

Außerdem werde ich auf die Vorstellung der Grünen eingehen, der Umweltschutz sei ein „Wert an sich“ und wir könnten die Umwelt mit diesem Verständnis besser schützen.

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Der Natur einen Preis geben

Zivilisatorisch gezähmte Natur: Blumen im Würzburger Residenzgarten (Foto: AM)

Wie schützen wir die Umwelt? Indem wir die Umwelt privatisieren. Indem wir externe Effekte internalisieren. Indem wir dafür sorgen, dass die Natur einen Preis hat. Und was nicht sinnvoll privatisiert werden kann (die Luft, die Tiefsee, das Weltall), sollte durch klarer definierte Eigentumsrechte geordnet werden.

Bedeutet das, dass in Naturschutzgebieten nach Rohstoffen gegraben und die schöne Landschaft verschandelt wird? Nicht unbedingt – nicht dann, wenn es den Menschen mehr wert ist, in schönen Landschaften herumzulaufen, in denen nicht nach Rohstoffen gegraben wird. Dann würde sich der Tourismus in Naturschutzgebieten mehr auszahlen als die Förderung von Rohstoffen in Naturschutzgebieten, sofern man nicht beides kombinieren kann. Und falls sich ein privater Investor findet, der der Meinung ist, dass Naturschutzgebiete von der menschlichen Anwesenheit verschont werden sollten, ist auch das in der freien Marktwirtschaft kein Problem. Freie Marktwirtschaft bedeutet, dass die Menschen im Zweifelsfall das bekommen werden, was ihnen am meisten wert ist – wofür sie am meisten einzutauschen bereit sind.

Bedeutet das, dass seltene Tierarten ausgerottet werden? Wenn sich Tierschützer finden, denen der Schutz der seltenen Tierarten mehr wert ist als den Jägern deren Tod, so würde es im Kapitalismus zu einem Schutz seltener Tierarten kommen. Wenn die Tierschützer nur rhetorische Floskeln um sich werfen und ihnen die seltenen Tierarten tatsächlich keinen müden Cent wert sind, so werden sie jene in die Hände bekommen, die mehr von ihrem Tod als von ihrem Leben profitieren. Wenn jemand eine seltene Tierart schützen möchte, kann er sie sich, kurz gesagt, einfach kaufen – beziehungsweise ihren natürlichen Lebensraum.

Bedeutet das, dass jemand das Meer kaufen und es verseuchen dürfte? Das Meer wird gerade darum verseucht, weil es niemandem gehört. Was niemandem gehört, versucht sich jeder rücksichtslos unter den Nagel zu reißen, bis nichts mehr davon übrig ist. Bis die Meere überfischt, übermüllt und verseucht sind. Es gehört ja niemandem. Also gibt es einen Wettlauf um die rücksichtslose Ausbeutung des Meeres. Das Meer gibt es umsonst – also ist es offenbar nichts wert, nicht wert, in einem sauberen, gesunden Zustand erhalten zu werden. Wenn die Grünen dies schon explizit anerkennen, müssten sie auch mit meiner Lösung etwas anfangen können.

Niemand investiert viele Millionen Euro in etwas, nur um es zu zerstören. Ein Mann kauft sich kein Auto, um es absichtlich gegen eine Wand zu fahren. Ein Mann kauft sich kein Haus, um es abzureißen. Ein Mann kauft sich kein Gemüse, um es wegzuwerfen. Wir kaufen uns Dinge, weil wir von ihnen profitieren oder dies jedenfalls glauben. Wer sich für viele Millionen Euro einen Teil des Meeres kauft, wird es wirtschaftlich sinnvoll in seinem eigenen Interesse nutzen. Er wird dafür sorgen, dass es den Fischen in seinem Meeresgrundstück gut geht – damit die Kunden seine Fische kaufen. Er wird dafür sorgen, dass das Wasser rein ist – damit Badegäste dafür bezahlen, darin zu schwimmen. Er wird keine Öltanker sein Grundstück passieren lassen, wenn er nicht überzeugt ist, dass sie sicher sind.

Bedeutet das, dass die Luft von einem Industriellen gekauft und verseucht werden darf? Der Ökonom Murray Rothbard schrieb über die Teil-Privatisierung der Luft. Demnach würde niemand die gesamte Luft in einer geografischen Region besitzen. Jedoch wäre die Luft in und über seinem Eigentum, etwa über seinem Haus oder seiner Fabrik, ebenfalls sein Eigentum. Das bedeutet einerseits, dass er die Luft zum Beispiel in seiner Garage mit Benzindämpfen verunreinigen und darin ersticken darf, sofern er niemand anderem damit schadet. Es bedeutet aber auch, dass niemand das Recht hat, die Luft zu verunreinigen, die andere einatmen müssen.

Man darf nicht mit seinem Eigentum das Eigentum oder das Leben anderer Menschen schädigen. Sowohl exzessiver Lärm als auch schädliche Luftverschmutzung kämen rechtlich betrachtet einem Übergriff auf das Eigentum und das Leben anderer Menschen gleich. Wer sich also vor der Teil-Privatisierung der Luft fürchtet, sollte bedenken, dass diese ein wirkungsvolles Mittel gegen Lärmbelästigung durch Flugzeuge und Luftverschmutzung sein könnte.

Bedeutet das, dass jemand die Straßen privatisieren und sie in Rennstrecken für rücksichtslose, reiche Raser umfunktionieren könnte, welche die Atmosphäre mit einem unendlichen CO2-Ausstoß beglücken dürften? Im Gegenteil. Auch die Straßen wären in einer kapitalistischen Gesellschaft Privateigentum. Ist der Eigentümer einer Straße daran interessiert, dass möglichst viele Unfälle auf seiner Straße passieren und die Leute in den Zeitungen lesen können, wie gefährlich seine Straßen sind? Wohl kaum. Also wird er sinnvolle Geschwindigkeitsbegrenzungen erlassen und die Straße so konstruieren, dass sie sicher ist. Sonst fährt ja niemand mehr darauf. Möchten Spaziergänger oder auch Autofahrer gerne auf diesen Straßen möglichst viel Kohlenstoffdioxid einatmen oder eher weniger? Je nach Straßenlage könnte der Eigentümer sogar besonders schmutzige Fahrzeuge auf seiner Straße verbieten.

Verschwendung von Rohstoffen?

„Durch Verschwendung und Verschmutzung werden die Lebensgrundlagen kommender Generationen zerstört“, klagen die Grünen. Nicht-regenerierbare Rohstoffe gehen irgendwann zur Neige, also sollen wir sparsam mit ihnen umgehen.

Die Auffassung, wie materielle Produkte entstehen, teilt die ökologische Bewegung grundsätzlich mit Karl Marx: Fabriken sind demnach einfach da. Die Arbeiter brauchen sie sich nur zu nehmen und darin ihre physische Arbeit zu verrichten. Produkte werden sich daraufhin irgendwie von selber materialisieren mit Hilfe der Maschinen, die bestimmte Arbeiter bedienen. Unternehmer, Manager, Erfinder, Denker – braucht man alles nicht. Das sind nur die „Kapitalisten“, die Geld machen mit der physischen Tätigkeit der Arbeiter. Das sind nur die „Ausbeuter“, die selbst keine „produktive“ (damit meinen die Marxisten ausschließlich physische) Arbeit verrichten.

Die Grünen glauben, dass die Umwandlung von Rohstoffen in materielle Produkte ebenso funktioniert: Durch bloße physische Tätigkeit. Man bohrt ein wenig im Boden herum, stößt auf Erdöl, pumpt es aus dem Boden raus und schon bald hat man unter Zuhilfenahme irgendwelcher Maschinen irgendwie Benzin und Plastik, etc. Und in diesem Boden, schlussfolgern die Grünen, kann ja nicht unendlich viel Erdöl drin sein. Denn, wenn man Beeren aberntet oder Kartoffeln ausgräbt, sind irgendwann auch keine mehr da.

Aus der Gleichung haben sie die Ursache des modernen Wohlstands herausgenommen: Den Unternehmer. Der Unternehmer ist derjenige, der sich der Wissenschaften bedient, um herauszufinden, welche Rohstoffe man auf welche Art und Weise in Werte verwandeln kann, die den Menschen dienen und für die sie Geld bezahlen. Daraufhin plant er die Umwandlung der Natur in menschliche Werte, organisiert sie, führt sie aus.

Grüne und Marxisten starren auf den Vorgang der Umwandlung von Erdöl in Kunststoff und Treibstoff wie Wilde aus dem Dschungel, die den weißen Mann beobachten. Sie sehen, wie der weiße Mann Löcher in den Boden gräbt, etwas herausholt und sie hören, wie der weiße Mann erklärt, dass seine Autos damit fahren und seine Plastikboxen daraus gemacht sind. Wie der weiße Mann diese wundersamen Dinge zustandebringt, das verstehen die Wilden nicht. Aber es scheint ganz einfach zu sein. Er braucht nur physische Arbeit dazu.

Tatsächlich ist die Umwandlung der Natur in Werte ein kreativer und intellektueller Prozess, der von der Anwendung des menschlichen Verstandes abhängt. Daher das grüne Unverständnis gegenüber allem, was sich seit der industriellen Revolution zugetragen hat. Mit anderen Worten können wir Öl effizienter nutzen, wir können Öl durch andere Rohstoffe ersetzen, wir können bereits transformierte Produkte recyclen – die Möglichkeiten sind grenzenlos. Alex Epstein vom Ayn Rand Institute beantwortete die Frage, ob uns das Öl ausgehen und so unsere Wirtschaft austrocknen wird, mit „Nein“ und hier ist seine Erklärung:

„Weil in einem freien Markt, wenn die Nachfrage steigt oder das Angebot sinkt, die Preise steigen und daher die Unternehmer einen Anreiz haben, bessere Methoden zu finden, wie sie Öl lokalisieren und extrahieren können – oder Ersatzstoffe für Öl finden.“

Einschub: Eine effizientere Methode für die Gasförderung wurde mit dem „Fracking“ erfunden. Die Grünen sind dagegen. Weiter mit Epstein:

„Zum Beispiel wurde Öl zur Elektrizitätserzeugung durch Kohle und Erdgas ersetzt. Sobald die Ölvorkommen tatsächlich erschöpft sind (was noch lange dauern wird), werden steigende Preise Unternehmern jeden Anreiz geben, wirklich Erfolg versprechende Ersatzstoffe zu finden. Vielleicht auf der Grundlage von Erdgas, nuklearer Energie oder einer bislang noch nicht erfundenen Technologie.“

Einschub. Thema: Nukleare Energie. Die Grünen sind dagegen. Weiter mit Epstein:

„Das werden sie jedenfalls tun, sofern die Regierung sie nicht durch Restriktionen auf Erschließung, Minenbau, Bohren oder industrielle Entwicklung – oder durch die Verzerrung des Marktes durch Subventionen – davon abhält.“

Einschub: Die Grünen halten Unternehmer durch Restriktionen davon ab, neue Ölquellen zu erschließen, siehe hier und hier. Weiter mit Epstein:

„Darum ist die Regierungspolitik – nicht die endliche Quantität von irgendeinem Rohstoff – die tatsächliche Bedrohung unserer zukünftigen Energieversorgung.“

Umweltschutz als „Wert an sich“

Elefanten sollten dem Menschen dienen, nicht wir den Elefanten (Elefanten im Zoo Karlsruhe, Foto: AM)

„Umweltschutz ist für uns ein Wert an sich“, schreiben die Grünen ferner. Diese philosophische Aussage bedeutet, dass der Umweltschutz als solcher, unabhängig vom Menschen und von menschlichen Werten, etwas Gutes sei. Laut der objektivistischen Philosophie ist hingegen nur eine Entität ein „Wert an sich“: Der Mensch. Nicht die Umwelt. Und schon gar nicht der Umweltschutz.

In der Praxis bedeutet der Umweltschutz als Wert an sich, dass jemand, der die Umwelt schützt – nicht unbedingt zum Wohle des Menschen, sondern generell – , laut Definition etwas Gutes tut.

Die Grünen versus friedliche Naturvölker

Angenommen, ein See, von dem ein Naturvolk existenziell abhängig ist, trocknet aus. Das Naturvolk begibt sich auf die Suche nach einem neuen See. Sie finden auch einen, doch es gibt ein Problem: Ein Grünenpolitiker steht mit verschränkten Armen vor dem See und verbietet dem Naturvolk, das Wasser zu trinken oder sich im See zu baden.

Die Kinder könnten auf seltene Frösche treten, die im See leben. Sagt er. Die Jäger könnten seltene Fische ausrotten, die im See leben. Das Naturvolk könnte den See leer trinken, wenn es nicht rechtzeitig regnet. Das natürliche Gleichgewicht und seltene Spezies und der See überhaupt sind gefährdet. Würde das Naturvolk andererseits nicht den See für sich nutzen dürfen, würden alle verdursten.

Mit dem Gewaltmonopol des Staates an seiner Seite kann der Grünenpolitiker jedoch seine Vorstellung vom „Umweltschutz als Wert an sich“ durchsetzen. Und die Mitglieder des friedlichen Naturvolks können ins Gras beißen (bzw. können sie nicht, weil auch das Gras als Teil der Umwelt geschützt werden muss).

Der wahre Wert an sichRote Pflanze: Vom Menschen angepflanzt für das menschliche Auge (Würzburger Residenzgarten, Foto: AM)

Der objektivistische Philosoph Michael S. Berliner vom Ayn Rand Institute fand bereits eine passende Replik auf die Idee, die Umwelt oder deren Schutz sei ein „Wert an sich“, beziehungsweise ein „intrinsischer Wert“:

„Die Natur, versichern sie, hat einen ‚intrinsischen Wert‘, solle für sich selbst verehrt werden, unabhängig von irgendeinem Vorteil für den Menschen. Folglich ist dem Menschen verboten, die Natur für seine eigenen Zwecke zu nutzen. Da die Natur angeblich als solche Wert und Güte besitzt, wird jede menschliche Handlung, welche die Umwelt verändert, notwendig als unmoralisch gebrandmarkt. Umweltschützer führen dieses Argument eines intrinsischen Wertes nicht im Falle von Löwen an, die Gazellen auffressen oder von Bibern, die Bäume fällen; sie führen es nur gegen den Menschen an und nur, wenn der Mensch etwas haben möchte. Das Konzept der Umweltschützer vom intrinsischen Wert ist nichts anderes als das Verlangen, menschliche Werte zu zerstören.

„Die intrinsische Theorie“, beklagt Ayn Rand, „trennt das Konzept des ‚Guten‘ von jenen ab, die davon profitieren, und das Konzept des ‚Wertes‘ vom Wertenden und einem Ziel – sie behauptet, das Gute sei gut in sich, durch sich und als es selbst“ (The Virtue of Selfishness, S. 21). Tatsächlich, so stellt Rand fest, ist es anders: „Das Konzept des ‚Wertes‘ ist nicht primär; es setzt eine Antwort auf die Frage voraus: Von Wert für wen und für was?“ (The Virtue of Selfishness, S. 16).

Werte existieren in einer Hierarchie und einige werden nur als Mittel zu anderen, höheren Zwecken angestrebt. Dies impliziert die Existenz eines ultimativen Zweckes, der das Fundament der Hierarchie darstellt. „Ohne einen ultimativen Zweck oder ein ultimatives Ziel kann es keine niederen Zwecke oder Ziele geben… Nur ein ultimativer Zweck, ein Ziel, das sein eigenes Ziel ist, ermöglicht die Existenz von Werten.“ (The Virtue of Selfishness, S. 17). Dinge gelten als gut oder böse, wertvoll oder schädlich, nur insofern sie dem ultimativen Zweck dienen oder ihm schaden. „Der Mensch muss seine Handlungen, Werte und Ziele anhand des Maßstabs dessen wählen, was dem Menschen angemessen ist – um diesen ultimativen Wert, den Selbstzweck zu erreichen, zu erhalten, auszufüllen und zu genießen, der sein eigenes Leben ist.“ (The Virtue of Selfishness, S. 26)

Nichts anderes als das individuelle menschliche Leben, das eigene Leben, kann also ein „Wert an sich sein“. Nicht die Umwelt, nicht der Umweltschutz. Nur der Mensch ist ein Wert an sich. Wer dies leugnet und etwas anderes als Maßstab der Ethik ansieht, der nimmt es in Kauf, dem menschlichen Leben zu schaden.

Fazit

In Tübingen kontrolliert der Mensch die Natur (Foto: AM)

1. Wir sollten die natürliche Umwelt privatisieren, um ihr einen Preis zu geben. Dadurch erhalten Menschen die nötige Motivation, im eigenen Interesse die Umwelt zu schützen.

2. Das menschliche Leben ist ein Wert an sich. Nicht die Umwelt. Nicht der Umweltschutz. Die Umwelt ist für den Menschen ein Wert.

3. Wer die Umwelt oder deren Schutz als „Wert an sich“ ansieht, der nimmt die Zerstörung des menschlichen Lebens im Dienste des Umweltschutzes in Kauf.[/cleeng_content]

Eigentumsrecht versus Recht auf freie Meinungsbildung

Die Sache mit den Bezahlbeiträgen funktioniert doch erstaunlich gut. Zu denken, dass ich das bereits die ganze Zeit hätte tun können… Tja. Aber ihr könnt aufatmen, dieser hier ist gratis und es wird auch generell eine Abwechslung zwischen aufwändigeren Bezahlartikeln für die Elite geben und feinen Gratis-Bonbons für das Volk.

Der Leser Fabian Burkard möchte wissen, warum ich schrieb, dass ich eine „Sozialverpflichtung des Eigentums“ nicht vollständig ablehne. Weil man bedenken sollte, wie dieser Paragraf in der Rechtssprechung ausgelegt wird. Warum, erkläre ich hier: Weiterlesen

Verteidigung der Telekom

Deutsche Telekom Logo (Quelle: Deutsche Telekom)Nachdem ich die Geschäftsmethoden von Microsoft und Amazon verteidigte, ist nun die Telekom ins Kreuzfeuer der Kritik geraten – und die werde ich ebenfalls verteidigen. Wie bei den anderen Fällen ist die Rechtfertigung für die Empörung wenig bis gar nicht identifizierbar und die Ignoranz für ökonomische Zusammenhänge in der Bevölkerung nimmt sogar im Vergleich zu den Fällen Amazon und Microsoft neue Dimensionen an.

[cleeng_content id=“692732636″ description=“Die Telekom möchte ihr DSL für Vielsurfer drosseln. Politiker haben kein Recht, es zu verhindern.“ price=“0.69″ t=“article“]

Zunächst einmal hat jeder Bürger das Recht, seinen Anbieter, ob von Betriebssystemen, Online-Warenhäusern oder von Telekommunikation, frei zu wählen. Wenn jemandem Windows nicht gefällt, kann er auch MacOS, Android oder Linux verwenden. Mag jemand Amazon nicht, kann er bei Ebay oder bei Tante Emma einkaufen. Wenn jemand die Telekom nicht mag, hat er die Wahl zwischen unendlich vielen anderen Mobilfunk- und Internetanbietern.

Falls ein Kunde also zu den drei Prozent der Telekom-Internetnutzer gehört, die von der geplanten Drosselung von DSL bei Hardcore-Surfern betroffen ist, kann er seinen Vertrag kündigen und anderswo hingehen. Niemand ist gezwungen, da mitzumachen. Wenn er kein Problem damit hat oder nicht betroffen ist, kann er auch bei der Telekom bleiben. Hurra, freier Markt. Zudem ist die Telekom weder der erste noch der einzige Internet-Provider, der mit DSL-Volumenbegrenzungen arbeitet, siehe SPIEGEL.

Darf sich ein Kunde, der von der Neuregelung betroffen ist, darüber aufregen? Klar, man darf sich über alles aufregen.

Politiker wollen Telekom kontrollieren

Das bloße Aufregen von betroffenen Kunden ist es jedoch nicht, jedenfalls nicht nur, was gerade stattfindet. Vielmehr möchten deutsche Politiker verschiedener Parteien in den Markt eingreifen (= in die Rechte der Menschen eingreifen) und der Telekom verbieten, mehr von Extrem-Downloadern zu verlangen.

Das ist reiner, prinzipienloser Populismus. Dass neben CDU und SPD auch die FDP da mitmacht, mag einen weiteren Hinweis darauf geben, warum ich nicht länger wählen gehe. Ich möchte nicht von Gegnern der freien Welt regiert werden, die die Rechte der Bürger bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Füßen treten, um an Wählerstimmen zu kommen.

Wenigstens die EU hält sich heraus. Die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte der Bild, es sei normal, wenn ein Unternehmen höhere Preise für höhere Datenmengen durchsetzen wolle. „Die EU wird deswegen nicht eingreifen.“ Sehr vorbildlich. Dass sie überhaupt eingreifen könnte, ist schlimm genug.

Die deutsche Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sieht das laut Bild anders: „Sollte sich herausstellen, dass die Telekom ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzt, muss das Kartellamt einschreiten.“

Und warum, wenn ich fragen darf? Warum sollte man es nicht einfach den Kunden der Telekom überlassen, sich gegebenenfalls einen anderen Anbieter auszusuchen, wenn sie mit der Preiserhöhung für Vielsurfer nicht einverstanden sind? Nichts hält sie davon ab. Ja, warum gibt es überhaupt ein Kartellamt?

Auch Lars Klingbeil, der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sieht „gesetzgeberischen Handlungsbedarf zur Sicherung der Netzneutralität“ angesichts der Preiserhöhung der Telekom fürs Vielsurfen. Das Cnetz, ein Verein für Netzpolitik der Union, sieht es ebenso.

Willkür am Stiel: „Netzneutralität“

Netzneutralität“ ist ein Kampfbegriff, der in dieser Debatte beständig gebraucht wird. Demnach sollen alle Datenpakete unabhängig von ihrem Inhalt gleich schnell von den Providern verschickt werden. Die angeblichen Vorteile sind bei Wikipedia nachzulesen:

So werden Unternehmen an wettbewerbsverzerrenden Maßnahmen gehindert, die eine Monopolbildung fördern würden. Außerdem wird durch derartige Netzneutralität die Verschlüsselung von privaten Daten möglich, da ihre Übertragung nicht benachteiligt wird. Ohne derartige Netzneutralität könnten Anbieter verschlüsselte Daten als weniger beförderungsdringlich ansehen.

Warum sollte ein Provider verschlüsselte Daten langsamer verschicken wollen, sie als „weniger beförderungsdringlich ansehen“? Verschlüsselte Daten sind in der Regel kurze Passwörter und Dokumente, die so gut wie keinen Speicherplatz einnehmen. Nun könnte ein Provider seinen eigenen Videostreamservice bevorzugt behandeln und die Konkurrenz langsamer laufen lassen. Soll er doch! Wenn sich die Kunden das gefallen lassen, gibts kein Problem. Wenn nicht, gehen sie woanders hin. Warum sollte der Staat so etwas unterbinden dürfen? Werden hier irgendwelche Rechte verletzt oder Verträge gebrochen? Nein!

Davon abgesehen, dass das bloße Konzept der Netzneutralität eine Absurdität ist, verstößt die Telekom nicht einmal dagegen. Wie der Vorstandsvorsitzende der Telekom, René Obermann, in seiner Replik auf Philipp Rösler von der FDP schreibt:

Die in Ihrem Schreiben implizit erhobenen Vorwürfe, es könnte zu Verstößen gegen die Netzneutralität und Wettbewerbsvorschriften kommen, sind nicht zutreffend. Die Internetdienste der Telekom, wie Videoload.de, Telekom-Cloud und andere, werden ebenso in das individuell verfügbare Volumen eingerechnet wie die Dienste von Wettbewerbern, wie beispielsweise Google oder Amazon.

Klassenkampf – jetzt online

Auf stern.de spricht sich Christoph Fröhlich in einem Kommentar gegen das „Zwei-Klassen-Netz“ aus:

Die Politik hat das Thema lang genug im Schneckentempo vor sich hergeschoben. Nun ist es Zeit, Gas zu geben: Damit das Internet für alle High-Speed bleibt.

Warum sollte das Internet für alle „High-Speed“ bleiben? Normalerweise muss man dafür bezahlen, wenn man etwas haben möchte. Wenn jemand lieber Ferrari als VW fährt, muss er eben den entsprechenden Aufpreis zahlen. Warum nicht, wenn es um das Internet geht? Beim Internet schalten die Leute sowieso ihr Gehirn ab. Da muss es alles umsonst geben. Nicht mehr die Kunden, sondern nur noch die Anbieter sollen zahlen. Der Kunde degradiert sich selbst zum Parasiten.

„Zwei-Klassen-Netz“ ist nicht zufällig marxistische Terminologie. Dahinter steckt die Idee, jeder habe gleichermaßen ein Recht auf alle Angebote – egal, ob er bereit ist, dafür zu zahlen. Weil alle Menschen „gleich“ sind. Es gibt aber keine Klassen. Es gibt Menschen, die für das bezahlen, was sie nutzen, und es gibt Diebe.

Selbstredend gibt es eine Petition gegen die DSL-Drosselung der Telekom vom 18-jährigen Malte Götz („Klassengesellschaft“, „Netzneutralität“, etc.). Das Alter entschuldigt ihn. Wie jedoch lautet die Entschuldigung der über 94000 Unterzeichner?

Der Zirkus der Interessensgruppierungen

Der deutsche Routerhersteller Viprinet widerspricht der Argumentation der Telekom, die wie folgt lautet: „Immer höhere Bandbreiten lassen sich aber nicht mit immer niedrigeren Preisen finanzieren.“ Viprinet-Geschäftsführer Simon Kissel stellt vielmehr fest: „In Deutschland gibt es gigantische Backbone-Überkapazitäten.“ Dass es Viprinet vielleicht, möglicherweise um etwas anderes gehen könnte, wird im übrigen Artikel von golem.de deutlich. Nämlich um den „Routerzwang“. Bestimmte Internetprovider zwingen ihre Kunden, nur den Router der eigenen Firma (und nicht den von Viprinet) zu verwenden, wenn sie mit diesem Provider ins Internet wollen.

„Das ist ein Horrorszenario für die Verbraucher, wie auch für die gesamte Branche der Modem- und Routerhersteller in Deutschland“, sagte Kissel und ergänzt, dass die Telekom stark auf Geräte aus China setzen würde (anstelle auf die Geräte von Viprinet). Und dieser China-Schrott taugt ja nichts. Also bitte: Wer darauf hineinfällt, ist nicht mehr zu retten.

Schließlich finde ich die Argumentation der Telekom vollkommen gerechtfertigt, laut der die 3% der Nutzer, die 30% des Traffics zu verantworten haben, auch mehr dafür bezahlen sollten. Aktuell subventionieren nämlich 97% der Nutzer die 3% der Hardcore-Downloader. Telekom-Sprecher Philipp Blank im Deutschlandradio:

Auch ein Restaurantbesitzer wird sein ‚All you can eat‘-Angebot überdenken müssen, wenn einige Kunden daraus ‚You can eat it all‘ machen. Fakt bei uns ist: Drei Prozent der Kunden verursachen mehr als 30 Prozent des Datenvolumens. Das bedeutet für die Kunden: Lieschen Müller subventioniert bisher den Heavy User.“

Verrückte Welt.

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Humanistische gegen Moderne Kunst

Die Ablehnung der Modernen Kunst durch die objektivistische Philosphie führt oftmals zu Kopfschütteln und zu den obligatorischen „Sag doch gleich Entartete Kunst“-Zwischenrufen, wie ich sie mir ja ebenso anhören durfte bei meinem Vortrag in Mannheim. Die Kunsttheorie scheint da nicht viel weiterzuhelfen, da sie in ein anspruchsvolles philosophisches System eingebunden ist.

Allerdings kann man auch mit traditionelleren Worten ausdrücken, worin das Problem mit Moderner Kunst liegt – und wie die Alternative lautet. Dies kann zum Beispiel der zeitgenössische Künstler Jason Patrick Jenkins. Weiterlesen

Spinner-TV: Ägyptischer Kleriker über jüdische Verschwörung

Da ein gewisses Missverhältnis zu bestehen scheint zwischen der öffentlichen Wahrnehmung der islamischen Welt im Westen und der islamischen Welt  – erscheint es angemessen, regelmäßig einen Blick in den Orient zu werfen, damit wir etwas über fremde Kulturen lernen. In dieser Reihe gibts darum Videos aus dem Fernsehen islamischer Länder zu sehen. Glauben Sie den Islamkritikern kein Wort – schauen Sie sichs einfach selbst an!

Heute: Ein ägyptischer Kleriker namens Sayyed Azab erzählt, wer für die französische Revolution verantwortlich ist (Tipp: Sie feiern das Laubhüttenfest), wer die kommunistische Revolution in Russland einfädelte (könnten es die Juden gewesen sein?) und wer den Atheismus verbreiten will (jüdische… Atheisten). Die Juden in Ghettos zu sperren sei ferner Selbstverteidigung gewesen, weil „die Menschen so viel von dem Bösen der Juden erleiden mussten“.

Außerdem beschwert sich der Kleriker, dass Juden einen sofort als Antisemiten brandmarken würden, sobald man sie „kritisiert“. Das Problem kennen Israelkritiker zur Genüge.

Diese französischen Juden-Atheisten warten nur darauf, den harmlosen, braven Bürger Sayyed Azab des Antisemitismus zu bezichtigen – ausgerechnet ihn, der nichts weiter sagt, als dass die Juden Böses in die Welt tragen und Revolutionen auslösen würden, um die Menschheit zu unterjochen. Ausgerechnet ihn!

godzilla-facepalm

Offenbar muss man derartige Behauptungen in Ägypten nicht weiter begründen.

Quelle:

MEMRI TV

Egyptian Cleric Sayyed Azab: The Jews Staged the French and Communist Revolutions to Corrupt the World
Al-Omma TV (Egypt) – April 18, 2013

Zwei Schritte weiter

Ich muss hier mal zwei Positionen korrigieren, die ich eine Weile lang vertreten habe:

1. Verbot der verbalen Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten

Die finanzielle und organisatorische Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten sollte in der Tat verboten sein. Was die verbale Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten angeht, gehört die in der Regel noch zur freien Rede. Da ist wohl mein Temperament etwas mit mir durchgegangen. Wer also die USA weiterhin als „großen Satan“ und Israel als „kleinen Satan“ ansehen und seine Meinung äußern möchte, dass freie Nationen wie unsere vernichtet werden sollten und dass die USA die Terroranschläge verdient hätten, der sollte dies weiterhin tun dürfen. Wobei die Grenzen zur Volksverhetzung hier fließend sind.

Jedenfalls auf politischer Ebene. Auf ethischer Ebene bin ich nach wie vor der Meinung, dass solche Äußerungen stärker (oder überhaupt einmal) verurteilt werden sollten. Anstatt, dass man so etwas offen und mit Schadenfreude in den großen Talkshows ausdiskutiert. Vielleicht fand ich nur die Vorstellung von Richard David Precht („Philosophie ist ein Abfallprodukt der Langeweile“) hinter Gittern so verlockend. Precht über die Erschießung Osama bin Ladens:

Moralphilosophisch und völkerrechtlich sei das Vorgehen der Amerikaner “falsch” gewesen. Mit dem gleichen Recht könnten nach Ansicht Prechts die Taliban in die USA gehen und “George W. Bush auf seiner Ranch erschießen”.

Wer hört sich sowas freiwillig an? Laut Peter Sloterdijk „vor allem Damen über fünfzig in spätidealistischer Stimmung“.

Osama bin Laden war ein Terrorist und Massenmörder. George W. Bush war Präsident der Vereinigten Staaten (liberaler Rechtsstaat), der Terroristen und Diktatoren bekämpfte. Moralphilosophisch kein Unterschied? Was für eine Moralphilosophie soll das bitte sein? Wohl eine Variante des nihilistischen Relativismus.

Mal abgesehen davon, dass Bin Laden der Anführer von al-Qaida war und nicht der Anführer der Taliban.

Schauen wir mal auf §130 StGB:

Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder

2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,
wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Hier steht lediglich „Gruppe“, „Teile der Bevölkerung“ und „Einzelnen“. Mit anderen Worten ist es kein Problem, wenn man gegen die gesamte Bevölkerung (etwa die ungläubigen Deutschen – oder sind die nur ein Teil der Bevölkerung oder eine „nationale Gruppe“?), oder gegen die ganze freie Welt zu Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert, etc.?

2. Verpflichtende Sprachkurse für Einwanderer

Na schön, verpflichtende Sprachkurse für Einwanderer, die kein Deutsch sprechen, waren eine blöde Idee. Ich bleibe allerdings dabei, dass die offizielle Landessprache Deutsch sein sollte und somit Texte von Regierungen, Behörden, Ämtern nur in Deutsch verfasst sein sollten. Im liberalen Traumland könnte also jeder, der kein Verbrecher ist, frei einwandern, sollte aber im Eigeninteresse die Sprache der Mehrheit lernen.

Philosophische Landstreicherei

Zhuangzi träumt von einem Schmetterling

Ich fragte jüngst den Ethiklehrer Andreas Dietz, der bei einigen Gelegenheiten Materialien von mir für seinen Unterricht verwendet, ob er als Co-Autor im Feuerbringer-Magazin mitschreiben möchte. Da er mit der objektivistischen Philosophie noch nicht so vertraut ist und sich nicht darauf festlegen möchte, hat er dies abgelehnt, aber gelegentliche Gastbeiträge angeboten.

Die Form seiner Ablehnung ist dabei ganz interessant – eine märchenhafte, philosophische Geschichte – und er bot an, daraus gleich einen Gastbeitrag zu machen. Andreas Dietz beschreibt darin seinen philosophischen Lebensweg und auch meinen Einfluss auf diesen (ich schlüpfe in die Rolle von meinem Maskottchen Prometheus). Wie aus der Geschichte hervorgeht, kennen wir uns schon seit den Zeiten, als wir noch für die Giordano Bruno Stiftung aktiv waren. Zhuangzi (365 v. Chr.; † 290 v. Chr.), eine Figur in der Geschichte, war ein chinesischer Philosoph und gehört zu den beiden Urhebern des Daoismus. Weiterlesen

Gibt es ein Recht auf Waffen?

Der amerikanische Philosoph Sam Harris hat sich mal wieder bei seinen Co-Humanisten „beliebt“ gemacht. Er schrieb auf seinem Blog, dass er ein eingeschränktes Recht auf Waffenbesitz befürwortet. Außerdem schrieb er, dass er selbst mehrere Handfeuerwaffen im Haus verteilt besitze und regelmäßig am Schießstand Feuerübungen mache. Wenn man bedenkt, dass der Religionskritiker regelmäßig Morddrohungen erhält, erscheint dies vielleicht verständlicher. Höchstwahrscheinlich dürfte Harris auch in Deutschland aufgrund seiner Gefährdungslage einen Waffenschein machen und verdeckt eine Waffe mitführen.

Harris ist der Auffassung, dass man auch auf Waffenshows überprüft werden sollte, wenn man sich eine Waffe besorgen möchte, wofür sich US-Präsident Obama gerade einsetzt. Harris befürwortet zudem das Verbot von größeren Waffen wie Maschinengewehren für Normalbürger, wobei er allerdings ergänzt, dass dies das Problem nicht löst, da viel mehr Morde mit Handfeuerwaffen begangen werden (47% im Vergleich zu 3% mit Gewehren aller Art). So ist es kein großes Problem, eine Handfeuerwaffe mit in die Schule zu nehmen, ein Maschinengewehr hingegen fällt gleich auf. Weiterlesen

Liberale und Progressive

„Die Wahrheit ist inkorrekt“, sagt Pat Condell in seinem neuen Video:

„Die Progressiven haben die gleiche Agenda wie die revolutionären Marxisten, nur dass sie es graduell machen wollen, progressiv, wie eine Krankheit.“

„Ein Liberaler ist jemand, der deine Redefreiheit verteidigt, selbst, wenn er anderer Meinung ist. Ein Progressiver ist jemand, der das Recht von jemand anderem unterstützt, dir das Maul zu stopfen, weil er dich als beleidigend empfindet.“

„Ein Liberaler sieht den Wert im freien Tausch von Ideen und Meinungen. Ein Progressiver sieht diese Dinge als Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt an.“

„Liberale tun das, was sie für richtig halten. Progressive tun das, was sie für korrekt halten.“

„Ein Liberaler neigt dazu, zu leben und leben zu lassen. Ein Progressiver neigt dazu, zu regulieren und zu zensieren und sich einzumischen, weil er immer weiß, was für andere am besten ist.“

„Für einen Liberalen ist die Sprache ein Werkzeug. Für einen Progressiven ist sie eine Waffe. Die eigentliche Bedeutung von Wörtern ist irrelevant, solange man sie als schwere, stumpfe Gegenstände gebrauchen kann, mit denen man Menschen das Maul stopft.“

„An einem muslimischen Ghetto ist nichts multikulturell.“

Und nun zu etwas völlig anderem: Der Amazing Atheist übers Anstehen in irgendeiner Schlange. Und danach: Richard Dawkins über den Feminismus Weiterlesen

Zweiter Verdächtiger verhaftet

Dzhokhar Tsarnaev, der zweite Terrorist, der für die Anschläge von Boston neben seinem Bruder verantwortlich ist, wurde nun im Bostoner Stadtteil Watertown verhaftet. Neben vier Toten (inklusive des erschossenen Sicherheitsbeamten) und 176 Verletzten hat der islamistische Anschlag die Amerikaner 333 Millionen Dollar für den Polizeieinsatz und die Sicherung Bostons gekostet. Im Video sieht man, wie Bürger der Stadt Boston feiern, nachdem Dzhokhar verhaftet wurde.

Die Zelebrierung des Ausblendens

Und die Kommentarspalten sind wieder voll mit Leuten, die eine islamistische Motivation der Täter von Boston bezweifeln, dem amerikanischen Waffenrecht die Schuld geben (eine „Kultur der Gewalt“), Rechten die Schuld geben (weil die von den Rechten unterdrückten, vereinsamten Studenten sich wehren mussten), die bezweifeln, dass die Terroristen wussten, dass Bomben in ihren Rucksäcken sind (so auf Facebook vernommen – kein Witz!) und so weiter. Ich nutze diesen Beitrag für einen kurzen Appell an den gesunden Menschenverstand.

1. Die Realität ist real

Je weniger terroristische Anschläge es gibt, desto besser. Wenn es welche gibt, sollte man diese Tatsache anerkennen. Wenn Anschläge besonders häufig von einer ideologischen Gruppierung ausgehen (Islamisten) und nur selten von einer anderen (Rechtsradikalen), so sollte man auch dies als Tatsache anerkennen. Tatsachen anzuerkennen bedeutet nicht, dass man sich über diese Tatsachen freut. Es bedeutet einfach nur, dass man die Wahrheit anerkennt.

2. Der Kontext ist entscheidend

Ich habe mich konkret darüber gefreut, dass ich mit meiner Einschätzung über das wahrscheinlichste Täterprofil Recht hatte. Andere Kommentatoren, die Vertreter der Tea Party verdächtigten, hätten sich darüber gefreut, wenn sich gezeigt hätte, dass in der Tat Vertreter der Tea Party für den Bostoner Anschlag verantwortlich waren. Weder sie noch ich freuen sich darum über den Anschlag – sondern eben nur über die Bestätigung der Effizienz des eigenen Verstandes.

Ebenso bedeutet dies nicht, dass einem die Opfer egal wären. Die Trauer oder in meinem Fall die Wut über den Anschlag mag das gute Gefühl, dass man Recht hatte, durchaus überwiegen. Es ist ganz natürlich, dass sich ein Mensch über eigene Leistungen freut. Wer sich nicht über eigene Leistungen freut, hat psychische Probleme. Einem Menschen vorzuwerfen, dass er sich über eigene Leistungen freut, ist ein Angriff auf sein Selbstwertgefühl, das er zum Überleben benötigt.

Im vollen Kontext betrachtet gibt es nicht nur die Freude, dass man richtig lag, sondern auch die Wut und die Trauer über den Anschlag. Darum kann man nicht legitimerweise behaupten, ich würde mich über den Anschlag freuen. Ich freue mich über das Funktionieren meiner analytischen Fähigkeiten, den Anschlag finde ich schrecklich. Aussagen ohne Kontext sind sinnlos.

3. Ziel ist das menschliche Überleben

Warum sollten wir die Realität anerkennen? Um zu überleben. Wenn wir die Tatsache leugnen, dass es islamistische Gruppen gibt, die den Westen als ihren Feind ansehen, so können wir auch nichts gegen den Angriff auf uns unternehmen. Wenn wir uns selbst dafür verantwortlich machen, dass uns religiöse Spinner umbringen wollen, dann haben wir es nicht verdient, zu überleben.

4. Persönliche Angriffe sind keine Argumente

Ob ich einsam oder gesellig, fröhlich oder traurig, vernünftig oder verrückt bin, ist für die Beurteilung meiner deskriptiven Aussagen bedeutunglos. Entweder meine Aussagen sind wahr oder sie sind es nicht. Ich könnte ein sprechendes Kamel sein, ein fliegender Frosch, ein tanzendes Einhorn: Entweder ich liege richtig oder ich liege falsch. Ad Hominems mögen die einzige Argumentationsmethode von Realitätsleugnern sein, valide sind sie nicht.

 5. Persönliche Motivationen sind nicht durch Fantasieren ergründbar

Angeblich profitieren „Leute wie ich“ – wer auch immer das sein mag – von islamistischen Anschlägen. Das ändert zunächst nichts an der realen Existenz islamistischer Anschläge. Behauptet man so etwas, sollte man ferner begründen, inwiefern ich von Anschlägen profitieren sollte. Ich bin kein Mitglied irgendeiner Partei, ich habe keine politischen Forderungen gestellt. Ich habe weder gesagt, dass wir schärfere Gesetze bräuchten, noch, dass wir weniger scharfe Gesetze bräuchten. Ich sagte nichts über die Einwanderungspolitik. Ich sagte nichts über Muslime allgemein. Ich sagte nur eines: Wir müssen die Realität als solches akzeptieren. Danach können wir uns überlegen, wie wir vernünftig damit umgehen können. Ende der Durchsage.

Der Vollständigkeit halber hier zwei Screenshots, wie die – öffentliche – Facebook-Diskussion zu meinem Beitrag „Es waren radikale Muslime!“ ausgegangen ist. Mit Beleidigung und Nazikeule:

Beleidigung Iron Mike 2

Beleidigung Iron Mike

Und die Leute „liken“ derartige Schwachsinnskommentare schon die ganze Zeit über.

Um die Frage von Lukas zu beantworten: Mal angenommen, ich hätte jahrelang – ähnlich wie in dem Buch/Film Der Stellvertreter – versucht, die Weltöffentlichkeit auf den Holocaust aufmerksam zu machen. Ich hätte allen möglichen Journalisten geschrieben, Politiker besucht, Reden gehalten, doch niemand wollte mir glauben, dass Juden von den Nazis systematisch vernichtet werden. Erst 1945 wird die Beweislast durch die Veröffentlichungen der Alliierten so erdrückend, dass sich kein Realitätsleugner mehr ungeschoren abwenden kann. Meine „wilden Behauptungen“, mein „paranoides Geschwätz“ würden endlich offiziell bestätigt. Wäre ich dann darüber froh, dass auch andere anerkennen mussten, was ich schon lange wusste?

Natürlich!

Es waren radikale Muslime!

Nun ist die Identität der Terroristen bekannt, die zwei Bomben auf dem Bostoner Marathon zündesten: Es waren zwei Islamisten, die den Anschlag als Teil ihres heiligen Krieges gegen die freie Welt begriffen.

Die nächsten paar Seiten möchte ich nur zu gerne mit Ausführungen darüber füllen, dass ich Recht hatte und meine Kritiker nur Unsinn redeten, aber stattdessen gibts mehr Details über die Terroristen.

Es handelt sich um Tamerlan Tsarnaev, der in einem Feuergefecht mit der Polizei von Massachusetts getötet wurde, und seinen Bruder Dzhokhar. Die beiden Brüder sind Muslime aus Südrussland. Was ihre Motivation angeht, kann sich jeder selbst überzeugen.

Hier ist Tamerlans YouTube-Seite, die mit islamistischer Propaganda gefüllt ist. Dort sind unter anderem zwei Videos von Scheich Feiz Mohammed untergebracht, der laut der Zeitung The Australian „Muslime dazu auffordert, die Feinde des Islams zu töten und der Märtyrer mit einer gewalttätigen Interpretation des Dschihads lobt“. Tamerlan bezeichnete sich als „sehr religiös“ und gab an, dass seine italienische Freundin zum Islam konvertiert sei.

Und hier hätten wir Dzhokhars Social-Network-Seite, die ebenso mit islamistischer Progaganda gefüllt ist. Dzhokhar war demnach auf der „Cambridge Ringe & Latin School“ und Boston und wollte Karriere und Geld machen, was er sich offenbar kurzzeitig anders überlegte.

Die zwei Terroristen waren tatsächlich weiße Männer, aber keine gebürtigen Amerikaner. Das stellt Linke vor praktisch unlösbare Schwierigkeiten, da sie seit dem Anschlag behaupten, rechte, weiße Amerikaner, die Muslime hassen, hätten die Anschläge verübt. Jetzt waren es allerdings weiße Muslime, die Amerikaner hassen. Im Grunde unmöglich. Gut, dass ich nicht vollkommen bescheuert bin, sonst würden sich jetzt echte Probleme für mein Weltbild ergeben.

Für liberale Islamkritiker gibt es dagegen keine Überraschungen. Religiöser Wahn hat nichts mit Hautfarben zu tun.

Wie Robert Spencer schreibt, wird sich niemand für die Spekulationen über terroristische Tea-Party-Anhänger entschuldigen. Stattdessen werden wir jetzt wieder Linke in den Medien sehen, die vor rechten, weißen Amerikanern und ihren eventuellen Racheaktionen gegen Muslime warnen. Bald werden sie „Terroristen“ erneut in Anführungszeichen setzen, wenn Terroristen einen weiteren Anschlag verüben. Sie werden jene, die von einem Dschihad gegen die freie Welt ausgehen, zu paranoiden Rassisten erklären. Wenn der 11. September, London, Madrid, Fort Hood nichts ändern konnten, wird Boston auch nichts ändern.

Was sich sehr bald ändern wird ist, dass ihnen niemand mehr zuhört und sie niemand mehr wählt.

P.S.

Soziale Gerechtigkeit ist keine Gerechtigkeit

Eigentlich sollte dieser Beitrag „Der Schleier des Schwachsinns“ heißen, aber der Originaltitel „Der Schleier des Nichtwissens“, den der Philosoph John Rawls seiner Kopfgeburt gab, trifft die Sache im Grunde gut. John Rawls weiß nämlich nichts über den Menschen – sonst würde er das beinahe identitätslose, widersprüchliche Etwas, das er erschuf, nicht „Mensch“ nennen. Leider weiß kaum jemand, was der „Schleier des Nichtwissens“ ist, also benenne ich die politische Konsequenz dieses Gedankenexperiments: Die Idee der „sozialen Gerechtigkeit“ in ihrer modernen Variante.

Es geht um ein Gedankenexperiment vom Ahnherrn des Egalitarismus, dem amerikanischen Denker John Rawls, der einen großen Einfluss auf die politische Philosophie unserer Zeit hatte. Daran wurde ich erinnert, als Rawls Schleier als Gegenargument gegen den Kapitalismus bei meiner Einführung in den Objektivismus angeführt wurde (übrigens: Der Filmer ist noch mit der Videobearbeitung beschäftigt, aber ich werde das Video öffentlich verfügbar machen, sobald ich kann).

Das Gedankenexperiment lautet wie folgt: Sie haben die Aufgabe, eine Gesellschaft zu entwerfen. Sie wissen nicht, wer und in welcher Position Sie in dieser Gesellschaft sein werden. Wie würden Sie vorgehen? Laut Rawls sind wir in diesem „Urzustand“ alle genau gleich und würden darum eine „gerechte“ Gesellschaft entwerfen. Dafür müssten Sie lediglich alle menschlichen Eigenschaften wegdenken, die uns „ungleich“ machen – also alle menschlichen Eigenschaften. Weiterlesen