Entgrenzte Grauzonen

Entgrenzte Grauzonen…lautet der Titel des neuesten Werks von Philosophiestudent Michael Wollmann, Nachfolger von "Zersplitterte Gewissheiten" und "Segregierende Egregationen". Es wäre konsequent, wenn er sein nächstes Buch "Merkwürdiger Titel" nennen würde. Auf der anderen Seite brauche ich gar nichts zu sagen mit meinem "toten Wald" (und wenn ichs mir so recht überlege – "Merkwürdiger Titel" hat etwas für sich…).

Es handelt sich erneut um eine Aphorismensammlung, diesmal ergänzt durch einige philosophische Essays.

Michael Wollmann spielt mit Sprache, insbesondere das Spiel mit verschiedenen Wortbedeutungen (Haupt- und Nebenbedeutungen) hat es ihm angetan. Allerdings ergibt sich aus den Spielereien meist eine tiefergehende Aussage. Es ist ein Buch, das den Leser damit belästigt, dass er unweigerlich nachdenken muss, wenn er es liest.

Zugegeben bin ich vorbeeinflusst durch die Tatsache, dass ich mein nächstes Buch mit Herrn Wollmann zusammen schreibe.

Aber halb so wild, denn mir fällt ohnehin nichts besseres ein, als einige meiner Favoriten unter den Wollmann'schen Aphorismen aus der neuen Kollektion wiederzugeben:

Der pragmatische Nihilist ist ein Nichtsnutzer.

Ein Bücherwurm ist jemand, der seinen Augen alles zum Fraß vorwirft.

Man kann nur bejahen, verneinen, relativieren und ignorieren. Sonst bleibt einem nicht viel übrig.

Was einem eingebläut wird, hinterlässt oft einen bleibenden negativen Eindruck. Wie erfreulich ist hingegen der Ausdruck, wenn etwas aus jemandem herausgekitzelt wird!

Der Mensch bleibt, was er ist und sein kann.

Das Chillen zur Macht.

Im Band befindet sich auch ein Blogkommentar von Wollmann zum Sinn des Lebens aus dem Feuerbringer-Magazin. Der neue Link: http://www.feuerbringer-magazin.de/2012/10/28/der-sinn-des-lebens/

In den kurzen Essays aus den engrenzten Grauzonen geht es unter anderem um die Todesstrafe, den Tod – das Buch hat eine gewisse "dunkle Neigung" -, aber auch um Themen wie das Gewissen und das subjektive Zeitempfinden. Sie fordern alle zum Nach-, eventuell gar Umdenken heraus.

Einerseits lässt sich der 69-Seiten-Band relativ schnell durchlesen, andererseits bleibt man immer wieder an einem Aphorismus hängen und fragt sich eine Weile lang, wie er gemeint ist. Ehrlich gesagt war ich manchmal zu blöde, um darauf zu kommen – aber immer, wenn es einem gelingt, freut man sich über die eigene Genialität!

Das Buch kostet 7,30 Euro, was durchaus günstig ist für ein Buch mit Seiten aus echten gefällten Bäumen – mögen sie in der Baumschule des Himmels einen Platz finden!

Kaufen ist geil (und vergesst ggf. auch Besprechungen nicht, die sind leider genauso wichtig wie schwer zu bekommen für junge Autoren!):

Das Buch beim Verlag