Die Lehre des Irak-Kriegs?

Der irische Neocon-Blogger Mark Humphrys brütet in seinem neuesten Kommentar über die Frage, welche Lehre wir aus dem Irak-Krieg ziehen sollen? Angesichts des Bürgerkriegs, der ständigen Anschläge und der Bildung einer teils islamischen, teils säkular-tribalistischen Regierung nach der Befreiung – war es da nicht eine schlechte Idee, Saddam Hussein überhaupt zu bekämpfen? Müssten wir als Kriegsunterstützer nicht zugeben, dass die Friedensaktivisten Recht hatten?

Mark Humprhys denkt, man könnte sich eine Person vorstellen, die Respekt verdient hätte für ihre Einschätzung der Lage im Jahre 2003 –  ihm ist aber nicht bekannt, dass es so jemanden gab. Diese hypothetische Person hätte sagen müssen:

„Saddam loszuwerden ist ein nobles Ziel und gut für den Westen. Aber zu bleiben, um den Irak aufzubauen, wird nicht gut ausgehen, weil arabische Muslime essenziell gar nicht frei sein wollen. Sie wollen andere Dinge.“

Solche Leute gab es allerdings. Es waren sicher nicht die Libertären, die wie die meisten Linken (außer der Pro-War-Left, u.a. Christopher Hitchens), gegen den Krieg argumentierten. Objektivisten allerdings waren für den Krieg und dagegen, dass wir im Irak eine Theokratie oder säkulare Diktatur als Resultat „freier Wahlen“ tolerieren und einige waren auch gegen den Wiederaufbau. Ein Beispiel wäre Elan Journo vom Ayn Rand Institute (2003):

„Die amerikanische Sicherheit erfordert keineswegs, dass die Terrorismus-finanzierenden Nationen des Mittleren Ostens frei sind, sondern nur, dass sie keine Bedrohung darstellen – ein Ziel, dass man erreichen kann, indem man es den Führern dieser Nationen klar macht, dass jegliche weiterführende Unterstützung des Terrorismus ihre sofortige Zerstörung zur Folge hat.“

2005 schrieb der objektivistische Philosoph Onkar Ghate:

„Wir hatten auch keinen Grund zu glauben, dass unsere Selbstverteidigung auf Kosten des Lebens unserer Soldaten die „Aufnötigung der Freiheit“ im Irak oder im Mittleren Osten erfordern würde. Es ist wahr, dass freie Nationen keine Gefahr für uns darstellen. Aber das gilt auch für halb-barbarische Nationen, wenn sie und ihre Bürger demoralisiert sind – wenn sie wissen, dass der bewaffnete Kampf gegen uns ihre Vernichtung garantiert.“

Die linken Kriegsgegner sind anderer Meinung. Sie schreiben, dass die Gewalt im Irak zeige, dass sie Recht hatten. Das heißt jedoch nichts anderes als: Wenn das Böse siegt, dann hatte das Böse Recht und jene, die es bekämpften, waren im Unrecht.

Die linken Kriegsgegner hatten nicht Recht. Die Neocons, die sich für einen jahrelangen, am Ende sinnlosen Wiederaufbau einsetzten, hatten nicht Recht. Die Libertären, die den Krieg ablehnten, weil er Geld kostet, hatten nicht Recht, da Saddam Hussein ein Sicherheitsrisiko für den Westen darstellte. Meiner Ansicht nach – und zu der Zeit war ich auf Seite der Neocons – hat sich gezeigt, dass die Objektivisten Recht hatten: Wenn wir existenziell von einer Diktatur bedroht werden, dann sollten wir sie mit militärischen Methoden unschädlich machen – und einfach wieder nach Hause gehen. Es ist nicht unsere Aufgabe, noch unsere Verantwortung, den Bürgern eines Landes zu helfen, das uns vernichten wollte.

Jedenfalls nicht als Nation. Individuell kann sich jeder engagieren und humanitäre Projekte in solchen Ländern unterstützen.

Ein Kommentar zu “Die Lehre des Irak-Kriegs?

  1. Sam sagt:

    Ich glaube dass viele Neokonservative davon ausgegangen sind dass sich die Situation ähnlich wie in Deutschland oder Japan nach dem 2. Weltkrieg entwickelt. Sprich der Besiegt lässt die Waffen fallen und es entwickelt sich eine parlamentarische Demokratie. Allerdings sind wohl auch die Unterschiede zu sehen zwischen den beiden Ländern und dem Irak. Der Irak ist ein Vielvölkerstaat der von den Engländern relativ willkürlich auf dem Reißbrett erschaffen wurde. Vielvölkerstaaten sind immer instabil und neigen zum Bürgerkrieg. Gleichzeitig hatte der Irak kaum eine rechtsstaatliche Tradition im Gegensatz zu den vorherigen Ländern.

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