Warum eine offizielle Landessprache?

Im Beitrag über die „Alternative für Deutschland“ schrieb ich, dass es für Zuwanderer verpflichtende Deutschkurse geben sollte, die sie selber finanzieren müssen. Es sei denn, natürlich, sie sprechen bereits Deutsch. Diese Forderung wurde als inkonsequent und als nicht liberal interpretiert.

Ein bisschen was hat es wohl damit zu tun, dass ich in einem Stadtteil wohne, wo ich viele Menschen tatsächlich nicht verstehe und sie mich nicht verstehen. Die sprechen nämlich kein Deutsch, sondern nur russisch. Sie kommen damit zurecht, weil es auch russische Läden hier gibt, eine Art russisches Viertel. Da kommt es regelmäßig vor, dass man beim Aldi an der Kasse steht, die Leute etwas sagen und auf einen zeigen, und man versteht kein Wort. Und das im eigenen Land. Tut mir leid, aber da muss ich mich ausnahmsweise dem breiten Volk anschließen, dass das einfach nur bescheuert ist und so nicht sein sollte.

Ich habe in der Tat kein Problem damit, wenn jemand hier russisch spricht. Ist auch egal, ob ich ihn verstehe. Aber: Er sollte auch Deutsch sprechen können, die offizielle Landessprache. Ich würde es eher für einen weiteren Fall von „Objektivismus“ versus „Libertarianismus“ halten, wenn man es nun für die einzig liberale Wahrheit hält, wenn jeder ausschließlich in seiner eigenen Muttersprache sprechen kann – ob er noch mit der Mehrheit des Landes, in dem er lebt, kommunizieren kann oder nicht.

Mein Grund für diese Forderung ist derselbe, den Ayn Rand für eine offizielle Landessprache anführte. Hier ihre Ausführungen zum Thema:

Eine Nation sollte nur eine offizielle Landessprache haben, wenn sich die Menschen gegenseitig verstehen sollen – und es ist gleichgültig, welche Sprache das ist, da Menschen durch die Bedeutung, nicht durch das Geräusch von Wörtern leben. Es ist absolut gerecht, dass die offizielle Sprache eines Landes die Sprache der Mehrheit sein sollte.

Mir ist die Tatsache aufgefallen, dass zweisprachige Länder im Vergleich zu den Ländern, mit denen sie eine Sprache teilen, dazu neigen, kulturell verarmt zu sein. Zweisprachige Länder bringen nicht viele großartige, erstklassige Errungenschaften in irgendeinem intellektuellen Bereich hervor, ob in den Wissenschaften, Philosophie, Literatur oder bildende Kunst. Man vergleiche die kulturellen Leistungen Belgiens (das teilweise französisch-sprechend ist) mit den Leistungen Frankreichs – oder die Leistungen der Schweiz (ein dreisprachiges Land) mit den Leistungen von Frankreich, Deutschland und Italien – oder die Leistungen Kanadas im Vergleich zu jenen der Vereinigten Staaten.

Die Ursache dieser mangelhaften Errungenschaften könnte in der vergleichsweise geringen geografischen Größe dieser Länder liegen – aber dies gilt nicht für Kanada im Vergleich zu den Vereinigten Staaten. Die Ursache könnte in der Tatsache liegen, dass die besten, talentiertesten Bürger der zweisprachigen Länder dazu neigen, in die großen Länder auszuwandern – aber dies lässt die Frage unbeantwortet: Warum tun sie das?

Meine Hypothese lautet wie folgt: Die Politik der zweisprachigen Herrschaft (welche einigen Bürgern die Mühe erspart, eine andere Sprache zu lernen) ist ein Zugeständnis zu einer und eine Fortführung von einem starken ethnisch-tribalistischen Element in einer Gesellschaft. Es ist ein Element des Anti-Intellektualismus, der Konformität und Stagnation. Die besten Geister würden solche Länder verlassen: Sie würden spüren, wenn nicht bewusst wissen, dass ihnen der Tribalismus keine Chance lässt.

Ayn Rand: Global Balkanization. In: The Voice of Reason. S. 122-23

Könnte natürlich sein, dass die verpflichtenden Sprachkurse nicht das richtige Mittel sind, um eine offizielle Landessprache aufrechtzuerhalten. In diesem Fall sollte man zumindest aufhören, jegliche bürokratischen Dokumente in einer anderen Sprache zu veröffentlichen als einzig Deutsch.

Der britische Journalist Theodore Dalrymple ist derselben Auffassung. Wer sich übrigens für den Zusammenhang von gutem Sprechen und gutem Denken interessiert, dem empfehle ich von Dalrymple: The Gift of Language. Dort geht er auf sprachwissenschaftliche Erkenntnisse über die Sprache der Arbeiterschicht im Vergleich zur gebildeten Mittel- und Oberschicht ein und lässt den politisch korrekten Unsinn weg, den man erfolglos versuchte, mir im Studium einzutrichtern. Die Fakten sprechen für sich. Die Unterschicht befindet sich sprachlich im Hier und Jetzt, gebraucht viele Redewendungen und feste Phrasen, bildet weniger komplexe Sätze. Diese Menschen sprechen häufig von sich selbst als Teil eines Kollektivs („wir“) und weniger von sich als individuelle Personen. Ihre Fähigkeit zur Abstraktion ist begrenzt. Und somit auch ihre Fähigkeit zum abstrakten Denken.

Sprechen lernen heißt Denken lernen. Wer das Problem klein redet oder meint, wir dürften diese „sprachlichen Unterschiede“ nicht werten, der verdammt unzählige Menschen zu ewiger Blödheit, die durch frühe, aber auch spätere Sprachförderung verhindert werden könnte.

Eine offizielle Landessprache motiviert Zuwanderer dazu, eine weitere Sprache bewusst zu lernen anstelle von unbewusst. Also auch die Sprachregeln, Grammatik, Rechtschreibung zu lernen – und somit auch die Muttersprache bewusster zu verstehen.

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24 Kommentare zu “Warum eine offizielle Landessprache?

  1. Andreas D. sagt:

    Der Autor: „Ich fordere ein freies Banken- und Währungssystem. Banken würden vom Staat wie andere Unternehmen behandelt, Währungen könnten frei erfunden, gedruckt, getauscht werden und stünden miteinander im Wettbewerb.“

    Warum ist eine offizielle Landeswährung schlecht, eine offizielle Landessprache hingegen gut? Warum sollten mehrere Währungen, die von diversen Gruppen genutzt werden, miteinander im Wettbewerb stehen können (tribalistische Anarchie), bei der Sprache aber eine offizielle existieren, die alle verpflichtet sind zu lernen? So wie man Währungen miteinander tauschen kann, kann man Sprachen ineinander übersetzen.

    Der Autor: „Mir ist die Tatsache aufgefallen, dass zweisprachige Länder im Vergleich zu den Ländern, mit denen sie eine Sprache teilen, dazu neigen, kulturell verarmt zu sein. Zweisprachige Länder bringen nicht viele großartige, erstklassige Errungenschaften in irgendeinem intellektuellen Bereich hervor, ob in den Wissenschaften, Philosophie, Literatur oder bildende Kunst. Man vergleiche das Erbe Belgiens (das teilweise französisch-sprechend ist) mit dem Erbe Frankreichs – oder das Erbe der Schweiz (ein dreisprachiges Land) mit dem Erbe von Frankreich, Deutschland und Italien – oder das Erbe Kanadas im Vergleich zum Erbe der Vereinigten Staaten.“

    Meinst du das tatsächlich ernst? Mag es vielleicht auch daran liegen, dass Kanada im Vergleich zu den USA bevölkerungsarm ist, bzw. die Schweiz gegenüber Deutschland oder Italien sowie Belgien gegenüber Frankreich?

    Wenn richtig ist, dass individuelle Menschen Kulturgüter schaffen, dann müssen in bevölkerungsstarken Ländern, in denen viele Menschen dies tun, tendenziell viele kulturelle Leistungen vorzufinden sein.

    Indien (hunderte verschiedene Sprachen und Dialekte) ist unermesslich reich an kulturellen Schätzen. Die dortige ethnische und kulturelle Vielfalt findet Ausdruck auch in der sprachlichen Vielfalt. Für China, dem größten Land der Erde, ließe sich ähnliches behaupten.

    Und es stellt sich mir eine zweite Frage: Woran bemisst sich – objektiv – das kulturelle Erbe eines Landes konkret, also quantitativ und qualitativ? Ist das nicht eigentlich eine ziemlich grobe Schätzung?

    Der Autor: „Sprechen lernen heißt Denken lernen. Eine offizielle Landessprache motiviert Menschen zum Sprechen lernen. Wer das Problem kleinredet oder meint, wir dürften diese “sprachlichen Unterschiede” nicht werten, der verdammt unzählige Menschen zu ewiger Blödheit, die durch frühe, aber auch spätere Sprachförderung verhindert werden könnte.“

    Menschen, die in Deutschland Chinesisch, Russisch oder Französisch sprechen, haben ja schließlich auch eine Sprache gelernt. Und damit denken gelernt. Oder lernt man das Denken nur mit der offiziellen Landessprache? Ist der Vietnamese, bei dem ich zu Mittag einkehre, blöd gewesen, bevor er sich entschloss, Deutsch zu lernen?

    • Sprache und Währung sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Die Sprache dient der Kommunikation zwischen Händlern, sie ist eine Voraussetzung für die Wirtschaft.

      Das Zitat stammt nicht von mir, sondern von Ayn Rand. Und sie beantwortete auch diesen Einwand:

      „Die Ursache dieser mangelhaften Errungenschaften könnte in der vergleichsweise geringen geografischen Größe dieser Länder liegen – aber dies gilt nicht für Kanada im Vergleich zu den Vereinigten Staaten. Die Ursache könnte in der Tatsache liegen, dass die besten, talentiertesten Bürger der zweisprachigen Länder dazu neigen, in die großen Länder auszuwandern – aber dies lässt die Frage unbeantwortet: Warum tun sie das?“

      „Wenn richtig ist, dass individuelle Menschen Kulturgüter schaffen, dann müssen in bevölkerungsstarken Ländern, in denen viele Menschen dies tun, tendenziell viele kulturelle Leistungen vorzufinden sein.“

      Wieso? Wenn es keinen Markt für ihre Kulturgüter gibt, dann gilt das gerade nicht. Und es gibt keinen Markt, wenn die Kunden die Sprache der Produkte nicht verstehen.

      „Ist das nicht eigentlich eine ziemlich grobe Schätzung?“

      Finde ich nicht. Mir fällt zur Schweizer Literatur spontan nur Wilhelm Tell ein und der stammt von Friedrich Schiller. Deutschland, die USA und Frankreich haben kulturell weitaus bedeutsamere Leistungen und Denker hervorgebracht als Holland, Kanada, Schweiz. Zum britischen Literaturkanon fällt einem sofort Shakespeare ein, Milton, Charles Dickens, etc. Die kanadische Literatur dürfte kaum jemandem etwas sagen.

      „Menschen, die in Deutschland Chinesisch, Russisch oder Französisch sprechen, haben ja schließlich auch eine Sprache gelernt. Und damit denken gelernt. Oder lernt man das Denken nur mit der offiziellen Landessprache?“

      Bei der Muttersprache muss man nicht unbedingt bewusst die Grammatik und Rechtsschreibung, die Sprachregeln lernen. Wenn man eine neue Sprache lernt, dann schon. Eine Türkin, mit der ich über das Thema gesprochen habe, meinte, sie hätte keine Ahnung von den Regeln der türkischen Sprache gehabt und sie erst während des Deutschlernens parallel nachgeholt.

      • Andreas D. sagt:

        Andreas: „Die Sprache dient der Kommunikation zwischen Händlern, sie ist eine Voraussetzung für die Wirtschaft.“

        Die Währung dient der Kommunikation zwischen Händlern, sie ist eine Voraussetzung für die Wirtschaft.

        „Das Zitat stammt nicht von mir, sondern von Ayn Rand.“

        Sorry.

        Zur Bedeutung für das kulturelle Erbe:

        Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass der Umfang des kulturellen Erbes eines Landes von verschiedenen Faktoren abhängig ist, (auf die wir gar nicht alle eingegangen sind). Schließlich muss man bei der Einschätzung dieses Umfangs, der Vergleiche erst ermöglicht, auch bedenken, dass trotz vorhandenen Kulturguts dir und mir dieses gar nicht hinreichend bekannt ist. Zum Beispiel weil Wilhelm Tell oder Shakespeare aufgrund einer administrativen Entscheidung im schulischen Lehrplan auftauchen, Rabindranath Tagore und Fernando Pessoa aber nicht, oder weil Rubens und van Gogh Thema sind, nicht aber die japanische oder chinesische Tuschemalerei. Unsere Einschätzung ist nicht objektiv, weil uns der vollständige Überblick fehlt.

        Aber wie auch immer die Zusammenhänge zwischen Bevölkerungszahl, Landesgröße, Ein- oder Mehrsprachigkeit und Kulturerbe sich darstellen – warum soll es Staatsaufgabe sein, via Vorgabe einer offiziellen Landessprache den Umfang des kulturellen Erbes zu beeinflussen?

        Und: „Bei der Muttersprache muss man nicht unbedingt bewusst die Grammatik und Rechtsschreibung, die Sprachregeln lernen.“

        Auch wenn man die Sprachregeln unbewusst lernt, entwickeln sich parallel dazu das Abstrahierungsvermögen, die Fähigkeit Begriffe zu kategorisieren und all die Grundlagen des Denkens. Und die Schrift der Muttersprache lernen die Kinder systematisch und bewusst. Es mag sicher richtig sein, dass der Erwerb von Fremdsprachenkenntnissen hier zusätzliche Vorteile bringt. Trotzdem bleiben Menschen mit nur einer Sprache nicht dumm.

        • Die Währung dient der Kommunikation zwischen Händlern, sie ist eine Voraussetzung für die Wirtschaft.

          Nein, die Währung ist die konkrete Form des Geldes, ein Tauschmittel, kein Kommunikationsmittel. Man kann Währungen einfach in andere umrechnen und dann mit der neuen tauschen, wenn sich die alte nicht mehr rechnet. Sprachen muss man über einen längeren Zeitraum hinweg lernen.

          Bezüglich der Einschätzung von Kunst muss ich mal etwas über die objektivistische Ästhetik schreiben.

          warum soll es Staatsaufgabe sein, via Vorgabe einer offiziellen Landessprache den Umfang des kulturellen Erbes zu beeinflussen?

          Das ist ein Begleiteffekt. Die offizielle Landessprache ist wirksam gegen die Balkanisierung einer Gesellschaft in Parallelgesellschaften, die einer anti-konzeptuellen Mentalität folgen und die freie Gesellschaft ablehnen. Da fehlt wohl der Kontext, denn der Rand-Essay handelt eigentlich von der Rückentwicklung der Moderne von zivilisierten Nationalstaaten zu einer Ansammlung von primitiven Stämmen wie man es bei Nordirland und den Basken beobachten kann.

          • Andreas D. sagt:

            Was ist denn daran primitiv? Hängt der Grad der Zivilisiertheit etwa von der Landesgröße ab? Sind die Schweizer ein barbarischer Stamm, weil sie sich nicht einer größeren politischen Einheit, die da EU heißt, unterordnen wollen? Oder die Liechtensteiner, die in einem Zwergstaat leben?

            „Wenn die Bewohner eines Gebietes, sei es eines einzelnen Dorfes, eines Landstriches oder einer Reihe von zusammenhängenden Landstrichen, durch unbeeinflusst vorgenommene Abstimmungen zu erkennen gegeben haben, dass sie nicht in dem Verband jenes Staates zu bleiben wünschen, dem sie augenblicklich angehören, sondern einen selbständigen Staat bilden wollen oder einem anderen Staate zugehören wollen, so ist diesem Wunsche Rechnung zu tragen. Nur dies allein kann Bürgerkriege, Revolutionen und Kriege zwischen den Staaten wirksam verhindern (…) Wenn es irgend möglich wäre, jedem einzelnen Menschen dieses Selbstbestimmungsrecht einzuräumen, so müßte es geschehen.” (Ludwig von Mises: Liberalismus)

          • Das habe ich jetzt aber nicht gesagt! Im Gegenteil argumentiert Ayn Rand dagegen, nicht dafür, dass die Landesgröße entscheidend ist.

            Aus objektivistischer Sicht ist eine Bedingung an die freiwillige Sezession geknüpft: Dass der Teil der Bevölkerung, der ein eigenes Land gründen möchte, dies auf Grundlage der Menschenrechte tut. Wenn nicht, gibt es kein Recht auf Sezession und diese kann, ganz im Gegenteil, gewaltsam verhindert werden, ganz egal, ob 51% oder 100% in einer geografischen Region die Sezession befürworten. So die philosophische Rechtfertigung des amerikanischen Bürgerkrieges. Die Südstaaten achteten die Rechte der Sklaven nicht. Auf dieser Grundlage darf kein Staat die Union verlassen. Nur, wenn der neue Staat die Rechte seiner Bürger ebenso oder besser schützt, darf er einen Staatenbund verlassen.

            Siehe Tibor Machan: http://www.cato.org/publications/commentary/lincoln-secession-slavery

          • Das ist auch der Grund, warum eine muslimische Parallelgesellschaft sich nicht in Deutschland zusammenfinden, die Region für sie beanspruchen und darauf eine neue Nation gründen darf. Ich nehme an, du wirst das nicht anders sehen.

            Was die Übersetzer angeht: Gibt es keine offizielle Landessprache, müssen amtliche Schriften alle in alle möglichen Sprachen übersetzt werden. Wer bezahlt für die Übersetzung, auf welcher Grundlage?

  2. Tom sagt:

    Letztlich ist eine gemeinsame Sprache ja nichts anderes als eine Rechtssetzung (die ja Staatsaufgabe ist) mit der das Verhalten der Bürger koordiniert wird. Ähnlich wie im Straßenverkehr durch das Rechtsfahrgebot wird der alltägliche Austausch erleichtert.
    Man stelle sich vor jeder spräche eine andere Sprache, das wäre als würde jeder auf der für ihn am besten geeignetsten Straßenseite fahren.

    • Andreas D. sagt:

      Die Menschen WOLLEN ja miteinander kommunizieren. Und es wäre jedem Zuwanderer selbst überlassen, das unter Muttersprachlern zu tun oder sich der Dienste eines Übersetzers zu versichern oder Deutsch zu lernen – je nach dem, was er als sinnvoll erachtet. Dass sich in einem Land dabei die tradierte Sprache der Mehrheit von allein in dem meisten Regionen durchsetzt, kann man getrost erwarten. Und wenn sich eine Sprache weiterentwickelt, dann ist das so.

      Und genauso WOLLEN die Menschen ja sicher am Straßenverkehr teilnehmen. Außerdem sind in einer hypothetischen freien Marktwirtschaft die Straßen Privateigentum. Die Eigentümer können hier Verkehrsregeln aufstellen, Geschwindigkeitsbegrenzungen festlegen usw.. Auch hier wird sich von selbst im Kern das durchsetzen, was sich in der Praxis bewährt hat. So wird es bei uns wohl beim flächendeckenden Rechtsverkehr bleiben, jedenfalls auf lange Zeit.

      Außerdem soll der Staat nicht mein Verhalten koordinieren. Mit dem Euphemismus „Koordinieren“ lässt sich auch eine Planwirtschaft verkaufen.

      Ich möchte noch eine Forderung von Andreas aufgreifen: „Ich fordere eine freiheitliche Weltregierung mit minimalen Machtbefugnissen (Polizei, Militär, Gerichtswesen, Gesetzgebung) und somit den globalen Freihandel.“

      Meine Frage dazu: Welche Sprache soll in diesem weltumfassenden Staat denn als verbindlich vorgeschrieben werden? Die mit der größten räumlichen Verbreitung (Englisch) oder die mit den meisten Muttersprachlern (Chinesisch)? Oder soll es räumlich differenziert verschiedene Vorgaben geben?

      Oder soll man die Sprache dann doch sich selbst überlassen? Und wenn ja, warum soll das im globalen Umfang möglich sein, nicht aber im nationalen (z.B. Schweiz) oder lokalen (z.B. Chinatown)?

      • Also in meinem Viertel wollen viele meiner russisch-stämmigen Mitbürger eindeutig nicht mit ihren deutschsprachigen Mitbürgern kommunizieren. Sie leben mitten in Deutschland in ihrem winzigen Russenviertel und pflegen nur mit anderen Russen Umgang.

        Die Eigentümer können hier Verkehrsregeln aufstellen, Geschwindigkeitsbegrenzungen festlegen usw.

        Eben. Und die offizielle Landessprache ist das Äquivalent zu Verkehrsregeln. Innerhalb dieser Regeln können die Menschen tun, was sie wollen. Sie können russisch sprechen, wenn sie auch Deutsch sprechen können. Sie können die deutsche Sprache weiterentwickeln, sofern sie diese zunächst einmal beherrschen.

        Welche Sprache soll in diesem weltumfassenden Staat denn als verbindlich vorgeschrieben werden?

        Englisch ist bereits als Sprache der internationalen Diplomatie etabliert. Bei einer Weltregierung geht es um den Austausch zwischen verschiedenen Nationen. Es wäre sinnlos, dort nur die Muttersprache einer der Nationen für alle verbindlich vorzuschreiben, egal, wie viele Bürger diese Nation hat.

        • Andreas D. sagt:

          Andreas, es kann dir doch egal sein, dass deine Russisch sprechenden Mitbürger nicht mit dir kommunizieren wollen. Solange sie dir keinen Schaden zufügen oder dir ungefragt auf der Tasche liegen, sind ihre fehlenden Deutschkenntnisse doch völlig legitim.

          Was interessiert es mich denn, worüber sich hinter mir an der Kasse zwei Russinnen auf Russisch unterhalten? Es ist privat. Würde sich eine von beiden bei mir aber als Haushaltshilfe bewerben, hätte sie ein Eigeninteresse vorher zumindest einige wenige Sätze Deutsch zu lernen.

          Und es macht schon einen Unterschied, ob der Eigentümer einer Infrastruktureinrichtung für die Nutzung seines Eigentums selbst Regeln aufstellt oder ob der Staat diese Regeln vorgibt.

          Zur Weltregierung: „Es wäre sinnlos, dort nur die Muttersprache einer der Nationen für alle verbindlich vorzuschreiben, egal, wie viele Bürger diese Nation hat.“

          Und warum soll das nicht auch für jede andere räumliche Einheit gelten? Wenn ich von dir in den letzten Monaten eines gelernt habe, dann ist es die Gültigkeit von Prinzipien.

          („Es wäre sinnlos, nur die Muttersprache einer der Regionen für alle verbindlich vorzuschreiben, egal, wie viele Bürger diese Region hat.“

          „Es wäre sinnlos, nur die Muttersprache eines der Stadtteile für alle verbindlich vorzuschreiben, egal, wie viele Bürger dieser Stadtteil hat.“)

          • Was interessiert es mich denn, worüber sich hinter mir an der Kasse zwei Russinnen auf Russisch unterhalten?

            Dann, wenn sie dabei auf mich zeigen und kichern. Und ich nicht in der Lage bin, in meinem Viertel in Deutschland überhaupt einzukaufen (wobei das geht und sie genug Deutsch sprechen, aber theoretisch).

            Es wäre sinnlos, nur die Muttersprache eines der Stadtteile für alle verbindlich vorzuschreiben, egal, wie viele Bürger dieser Stadtteil hat.

            Das stimmt ja auch. Und?

          • Außerdem, wie schon gesagt: Sie können ja russisch reden, sie müssen nur auch Deutsch können.

  3. sba sagt:

    Hm..irgendwie bin ich gerade überrascht, Dir nicht spontan im Allgemeinen zuzustimmen. Also: Ich habe kein Problem mit dem Gedanken, dass Behörden sich darauf verlassen können müssen (und so, wie ich das verstehe, ist die primäre Aufgabe einer offiziellen Landessprache die, Medium für offizielle Kommunikation zu sein), verstanden zu werden, auch ohne 5000 übersetzte Versionen auf Lager zu halten. Und man stelle sich das Chaos vor, wenn im Militär die Hälfte der Soldaten gegebene Befehle nicht schnell und auf anhieb verstünde. Es gibt aber ein paar Abers:

    Meine erste Anfrage wäre: Welches Deutsch?
    Zwar sind Größe und Ausdehnung der Sprechergemeinschaft im Vergleich noch sehr harmlos, reichen aber trotzdem hin, dass ich mich nicht ohne Probleme mit einem schwäbelnden Schwaben im Hochdeutschen treffen kann: Neben Dia- und Regiolekt kommt immernoch der Akzent und der kann es einem verdammt schwer machen. Und wie ist das Hochdeutsche eigentlich definiert? Ist es überhaupt ratsam, eine natürliche Sprache als verbindlich festzulegen (die durch ihr „Wachstum“ immer Tücken aufweisen wird, über die selbst noch 70 Jährige Muttersprachler stolpern können; kommt noch hinzu, dass offizielle Anpassungen an die emirische Entwicklung meistens zu spät kommen und dann noch selten auf konsentische Zustimmung treffen (letzte Rechtschreibreform))? Wäre eine halbe (Bsp.: Ivrith) oder ganze Plansprache (Bsp. Esteranto), die auf Einfachheit und Regelmäßigkeit setzt, nicht geeigneter (und auch einfacher an Neusprecher zu vermitteln?)

    Zweite Anfrage: Warum anhand der Mehrheit festlegen? Gut, es ist praktisch und vrmtl. am einfachsten durchzusetzen, aber was ist daran „absolut gerecht“? Und (siehe erste Anfrage): Wie wird diese Mehrheit angesichts unzähliger Varianten bestimmt? Wäre es im Begründungszusammenhang nicht einfacher, zu sagen, dass dieLandessprache die Sprache ist, in der Behörden sich grundsätzlich mitteilen und der man sich zu bedienen hat, wenn man sich im Namen einer Behörde oder an eine Behörde mitteilt? (und dann gehört ein bestimmtes Niveau der Sprachbeherrschung einfach zur Stellenausschreibung für einen Posten in der Behörde, kann ggf. mittels Sprachtest abgeprüft werden und ferner ergäbe sich daraus, dass Behörden sich i.A. der Sprache der Mehrheit jener bedienen werden, an die sie sich i.d.R. wenden – wenn ich die Entwicklung des Hochdeutschen richtig verstanden habe, ist es einigermaßen genau so ja auch aus der sächsischen Kanzleisprache entstanden).

    Dritte Anfrage: Es schaut erstmal oberflächlich so aus, als würden an eine hypothetische Weltregierung andere Anforderungen gestellt (Mehrsprachigkeit), als an die vorhandenen Nationalregierungen (Einheitssprache). Ich gehe mal von dem Phänomen „selbes Prinzip, Anwendung in anderem Kontext“ aus. Als Prinzip vermute ich die Bestrebung, dass die Menschen sich untereinander verstehen sollen. Primär muss man sich natürlich mit jenen Menschen verständigen können, mit denen man mit einiger Regelmäßigkeit verkehrt. Nun: Was geht es irgendeine Regierung an, mit wem ich regelmäßig verkehre? (unberührt hiervon bleibt natürlich, dass ein notfalls einklagbarer Vertrag dem dann angerufenen Gericht verständlich sein muss).

    Ich will mit diesem Beitrag auf nichts hinaus, es sind Anfragen, die ihrer Antwort harren (explizit: Wie sei eine offizielle Landessprache festzulegen? Inwiefern ist die Festlegung qua Muttersprachlermehrheit gerecht? Und das dritte…Stimmt mein Zusammengereime so?)

    Schönes Wochenende wünscht
    S

  4. Andreas D. sagt:

    Ich möchte noch diesen Gedanken präzisieren:

    In einer Gesellschaft, in der die Menschen verschiedene Sprachen sprechen, besteht eine Nachfrage nach Übersetzern, die ein entsprechendes Angebot nach sich zieht. Warum sollte der Staat einen solchen Markt verhindern? Hier fänden sowohl Sprachlehrer (Deutschkurse) als auch Übersetzer ihr Auskommen. Und die Menschen entschieden selbst, ob sie in einem Deutschkurs Geld und Zeit investieren wollen oder in gelegentliche Übersetzerdienste.

  5. Stefan sagt:

    Was mich einigermaßen verwirrt, ist deine hypothetische Währungspolitik. War nicht eine deiner Forderungen die (inter)nationale Währung an den Goldstandard zu koppeln? Gäbe es keine vereinheitlichte Währung würden diverse zwielichtige Gestalten aberhunderte Pseudowährungen aus dem Boden stampfen und so nicht nur den Markt nachhaltig schädigen sondern letztlich auf evolutionärem Wege einen geldpolitischen Rückschritt machen. Wenn ich in die Nachbarstadt gehe möchte ich nach Möglichkeit in der Lage sein im örtlichen Supermarkt mit der Währung zu bezahlen, in der ich meinen Lohn erhalte. Das wäre gewissermaßen das libertäre Pendand zur DDR, dort hat man irgendwann auch nur noch analog gehandelt…

    • Man geht eigentlich eher davon aus, dass sich der Goldstandard unter den Bedingungen des Free Banking durchsetzen würde. Freiwillig möchten die Leute doch eher auf eine Währung setzen, die auch etwas wert ist und die an den relativ soliden Goldstandard gekoppelt ist. Wobei es auch einige Missverständnisse gibt, was Gold angeht. So gibt es ja viele Leute, die sich heute Gold kaufen, um irgendeine „sichere“ Anlage zu haben – aber so ist das eigentlich nicht gedacht. Wenn das System zusammenbricht, bringt einem Gold natürlich gar nichts, da kauft man besser Immobilien. Niemand will Gold kaufen, wenn die Leute ums Überleben kämpfen. Die Idee der Österreicher lautet vielmehr, die Währung mit Gold zu decken und nicht, sich einfach Gold zu kaufen, unabhängig von irgendeiner Währung.

      • Stefan sagt:

        Das Problem das ich dabei sehe Währungen „erschaffen“ zu können, ist die Grenze zur Legalität. Geld zu fälschen bzw. Scheinwährungen zu erschaffen wäre dann schlicht eine wesentlich lohnenswertere Angelegenheit.
        Mag sein, dass ich dich schlicht missverstanden habe.
        Sollte deiner Meinung nach der Staat das Monopol in Sachen Währungspolitik besitzen (Staatswährung samt Monopol einzuführen)?

  6. Stefan sagt:

    Und in welcher Währung werden vom Staat angestellte Arbeitnehmer bezahlt? Es steht jedem frei mit Monopoly-Dollars handeln oder auf digitale Währungen zu setzen, solang diese an eine rechtlich abgesicherte Währung geknüpft sind steht dem sicherlich nichts im Wege. Sprachen und Währungen definieren Staaten und deren Grenzen. Und was für Währungen gilt, sollte meiner Meinung nach auch für Sprachen gelten. Voraussetzung für die Staatsbürgerschaft sollte sein, die Gesetze des Landes zu verstehen (bis zu einem gewissen Grad, Präzendenzfälle zu büffeln ist optional). Nicht mehr und nicht weniger. Sollen Ostdeutsche per Verordnung Nachhilfekurse nehmen? Die versteh ich nämlich manchmal auch nicht. Wird einmal ein vernünftiger Rahmen gesetzt, entwickeln sich die Dinge dann meist in die richtige Richtung. Meiner Meinung nach sollte die Staatsbürgerschaft an die Beherrschung der Landessprache gekoppelt sein, die Aufenthaltsgenehmigung in geringerem Maße.

  7. Andreas D. sagt:

    Andreas: „Aus objektivistischer Sicht ist eine Bedingung an die freiwillige Sezession geknüpft: Dass der Teil der Bevölkerung, der ein eigenes Land gründen möchte, dies auf Grundlage der Menschenrechte tut. (…) Nur, wenn der neue Staat die Rechte seiner Bürger ebenso oder besser schützt, darf er einen Staatenbund verlassen.“

    Und: „Das ist auch der Grund, warum eine muslimische Parallelgesellschaft sich nicht in Deutschland zusammenfinden, die Region für sie beanspruchen und darauf eine neue Nation gründen darf. Ich nehme an, du wirst das nicht anders sehen.“

    Deine Annahme trifft zu. Ich halte diese Bedingung für vernünftig.

    Andreas: „Was die Übersetzer angeht: Gibt es keine offizielle Landessprache, müssen amtliche Schriften alle in alle möglichen Sprachen übersetzt werden. Wer bezahlt für die Übersetzung, auf welcher Grundlage?“

    Gute Frage. Eigentlich ist eine offizielle Sprache doch ganz praktisch.

    Die beiden Argumente (das größere kulturelle Erbe bei Einsprachigkeit sowie die angebliche Blödheit derer, die nur ihre Muttersprache lernen) sind aber nicht überzeugend.

    • Das war eigentlich nicht die Aussage. Nicht diejenigen, die nur eine Sprache sprechen, sind blöd, sondern die relativ ungebildete Unterschicht, die auch an ihrer einfacheren, kollektivistischeren Sprache erkannt werden kann, ist verhältnismäßig blöd und Sprachen lernen würde zu ihrer Bildung beitragen. Das war eigentlich ein separates Thema, das zwar zum Hauptthema „Sprache“ gehört, aber nicht zur offiziellen Landessprache.

  8. Bjoern sagt:

    //Irgendwas ist bei meinem ersten Postingversuch schief gelaufen, vielleicht klappt es jetzt.

    Um am demokratischen Prozess teilzuhaben, ist eine gemeinsame Kommunikationsbasis, also Sprache, notwendig. Wer diese Sprache nicht spricht, kann das nicht oder nur schlecht. Übersetzer können dabei lediglich die Bürger zu Staat Beziehung, nicht aber Staat zu Bürger Beziehung lösen.

    Staat zu Bürger Beziehung: Der Staat muss seinen Bürgern erklären, was er warum tut und an welche Gesetze sich alle zu halten habe. Es gibt dabei keinen Rechtfertigung dafür, dass der Staat jemandem Geld wegnehmen muss (Steuern) um einen Übersetzer zu bezahlen, nur weil sich jemand anders dazu entschieden hat, nicht die gemeinsame Sprache zu erlernen.

    Schlussendlich gibt es dann auch noch die Staat zu Staat Beziehung. Welche Sprache gilt hier? Kann sich jemand einen Bundestag mit mehreren Dutzend verschiedenen Sprachen vorstellen? Es würde die Handlungsfähigkeit des Staats gegenüber einem einsprachigen Staat reduzieren und gleichsam die Kosten (gedeckt durch Steuern) hochtreiben.

  9. Andreas D. sagt:

    Ich habe heute mit meinem Schülern zwei Feuerbringer-Artikel diskutiert. Es ging um Altruismus (Frauen und Kinder zuerst?). Einer meinte sinngemäß, man könne gegen die Position des Autors keine überzeugenden Argumente vorbringen. Der Autor hätte halt Recht.

    Ich habe dem erfahrungsgemäß zugestimmt.

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