Gibt es ein Recht auf Waffen?

Sollten Handfeuerwaffen legal sein?

Der amerikanische Philosoph Sam Harris hat sich mal wieder bei seinen Co-Humanisten „beliebt“ gemacht. Er schrieb auf seinem Blog, dass er ein eingeschränktes Recht auf Waffenbesitz befürwortet. Außerdem schrieb er, dass er selbst mehrere Handfeuerwaffen im Haus verteilt besitze und regelmäßig am Schießstand Feuerübungen mache. Wenn man bedenkt, dass der Religionskritiker regelmäßig Morddrohungen erhält, erscheint dies vielleicht verständlicher. Höchstwahrscheinlich dürfte Harris auch in Deutschland aufgrund seiner Gefährdungslage einen Waffenschein machen und verdeckt eine Waffe mitführen.

Harris ist der Auffassung, dass man auch auf Waffenshows überprüft werden sollte, wenn man sich eine Waffe besorgen möchte, wofür sich US-Präsident Obama gerade einsetzt. Harris befürwortet zudem das Verbot von größeren Waffen wie Maschinengewehren für Normalbürger, wobei er allerdings ergänzt, dass dies das Problem nicht löst, da viel mehr Morde mit Handfeuerwaffen begangen werden (47% im Vergleich zu 3% mit Gewehren aller Art). So ist es kein großes Problem, eine Handfeuerwaffe mit in die Schule zu nehmen, ein Maschinengewehr hingegen fällt gleich auf.

Insgesamt gesehen sollte man laut Harris zur Selbstverteidigung allerdings Handfeuerwaffen im Haus besitzen dürfen. Er rät davon ab, sie mitzuführen – oder auch nur Messer mitzuführen -, da man sonst in Situationen geraten kann, wo man die Waffe voreilig einsetzt. Zum Beispiel könne man sich genötigt fühlen, auf Männer zu schießen, die einen auf dem Boden liegenden Menschen treten – wobei sich herausstellen könnte, dass der auf dem Boden liegende Mensch ursprünglich der Angreifer war und er nicht anders unschädlich gemacht werden konnte.

Harris schreibt ferner, dass Kampfsport gegen mehrere starke Angreifer und vor allem gegen Messerstecher praktisch nutzlos ist und man nur mit einer Handfeuerwaffe eine Chance habe, sich gegen Berufsverbrecher zu verteidigen, insofern man nicht weglaufen kann.

Exemplarisch verlinkt er aufschlussreiche Videos:

1. Wie ein richtiger Messerangriff aussieht

Hier sieht man, warum Martial Art gegen einen Messerstecher in der Regel zwecklos ist.

2. Motel-Rezeptionist schaltet Räuber aus

Wie Waffen Leben retten können.

Harris erwähnt auch einen interessanten statistischen Zusammenhang: 30% der innerstädtischen Haushalte in den USA verfügen über mindestens eine Waffe. Dies gilt für 42% in den Vorstädten und 60% auf dem Land. Die Waffengewalt findet hingegen vor allem in den Städten statt, seltener in den Vororten und noch seltener auf dem Land.

Ebenso aufschlussreich; aus dem FAQ zum Thema von Harris: Während die Mordrate bei mehr Waffen in einem Land steigt, so sinkt die Zahl von Übergriffen und Vergewaltigungen:

Fälle im Jahr 2010 je Bevölkerung von 100 000:

Totschlag/Mord

USA 4,8

Großbritannien (inklusive Nordirland) 1,2

Australien 1,0

Schweden 1,0

Vergewaltigung

USA 27,3

Großbritannien 28,8

Australien 88,4

Schweden 63,5

Tätlicher Übergriff

USA 250,9

Großbritannien 664,4

Australien 766

Schweden 936,6

Schottland 1449,7

Quelle: United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC)

Es sieht also ganz danach aus, als müssten wir uns entscheiden, ob wir lieber weniger Morde und dafür mehr Vergewaltigungen und tätliche Übergriffe möchten oder lieber etwas mehr Morde akzeptieren und dafür weniger Vergewaltigungen und tätliche Übergriffe erleiden.

Ob Waffen weitgehend verboten sein sollten, wie aktuell in Deutschland, oder ob der Besitz von Handfeuerwaffen nach einer Überprüfung und Waffenschein für zu Hause erlaubt sein sollte, auch wenn man kein Jäger ist und nicht unmittelbar gefährdet, das ist wohl die für Deutschland relevante Frage. Es wird nicht ganz klar, ob Harris nur für die Lage in den USA spricht, wo Kriminelle noch einfacher an Waffen kommen als hier, oder ob er auch Europa einbezieht.

Mit einer Aussage haben die Waffenrechtler jedenfalls Recht: Wenn ein bewaffneter Räuber versucht, in das eigene Haus einzudringen, so braucht die Polizei zu lange, bis sie eintrifft. Bis dahin ist der Räuber schon im Haus, vielleicht auch schon wieder mit seiner Beute geflohen – und es könnte sein, dass er dabei eine tote Familie zurücklässt. Das Recht auf Selbstverteidigung gehört zum Recht auf Leben. Zugleich ist der Schutz der Bürger vor Gewalt durch Mitbürger (oder durch den Staat) eine legitime Staatsaufgabe.

Wie man das im Detail auch sehen möchte, jedenfalls machen es sich die Deutschen viel zu einfach mit ihrer Ablehnung aller Waffen und sämtlichen Waffenhandels – selbst wenn die Waffen nur mit unbescholtenen Bürgern freier Nationen gehandelt werden.

Gibt es ein Recht auf Waffen? Nicht unbedingt. Aber es gibt ein Recht auf die Bewahrung des eigenen Lebens und somit auf angemessene Selbstverteidigung – und darauf, alles erwerben zu dürfen, was dafür in einem spezifischen Land und in einer spezifischen Situation nötig ist.

7 Kommentare zu “Gibt es ein Recht auf Waffen?

  1. Gutartiges Geschwulst sagt:

    Aus den Völkermorden des 20. Jahrhunderts, ist die Lehre zu ziehen, dass jedes Staatswesen in die Kriminalität abgleiten kann, und dass der Normal-Bürger die Möglichkeit haben muss sich gegen die daraus entstehenden Auswüchse zu schützen.
    Sollten eines Tages wieder rote oder braune Politkommissare an die Türen hämmern, um den Bewohnern nach Leben oder Eigentum zu trachten, so muss es deren Recht sein, diesem Abschaum ein Loch in den Frack zu schießen.

    • Gegen die Regierung kann man als Einzelner nicht gewinnen. So etwas wird man eher im Vorfeld verhindern müssen, denke ich.

      • vulki sagt:

        Das ist in jedem Fall die bessere Idee. Trotzdem, die Fähigkeit zur Verteidigung – selbst wenn sie gegen einen entschlossenen Zugriff der Staatsgewalt unzureichend ist – bietet Abschreckung und eine Stärkung der Verhandlungsposition. Siehe etwa hier in der der taz(!) http://www.taz.de/!109748/

      • Gutartiges Geschwulst sagt:

        Gerade weil der Einzelne nicht gewinnen kann, halte ich eine umfangreiche Bürgerbewaffnung für sinnvoll.

  2. niv sagt:

    Eine besonders „qualifizierte“ Kritik hat sich Harris von einem der populären Philosophie-Magazine eingehandelt, die ich gerne mal im Bahnhofsbuchhandel querlese. Ich glaube, es war „Hohe Luft“.

    Ich paraphrasiere aus dem Gedächtnis:

    Harris sei als Philosoph dazu verpflichtet, ein moralisches Vorbild zu sein, und darin versage er als „Waffennarr“ kläglich.

    Sein Argument, dass bei ihm die Polizei nicht schnell genug anrücken könne und er deshalb Waffen zur Selbsverteidigung im Haus habe, sei „nicht originell“.

    Gegenargumente wurden in dem Mini-Artikel allerdings keine gebracht. Eigentlich überhaupt keine Argumente.

    • Andreas D. sagt:

      „Hohe Luft” – Der Name ist nicht ganz treffend.

      Besser wäre: „Heiße Luft“

    • Diese populären Philososophiemagazine scheinen durch die Bank Schwachsinn zu sein. Überall Buddhismus, Egalitarismus, Marxismus und bestenfalls auf Richard David Precht Niveau.

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