Die Hälfte des Lebens ist umsonst

Was das neue Bezahlartikel-System im Feuerbringer-Magazin angeht, noch ein paar erläuternde Worte: 1. Alle Artikel sind natürlich neu. 2. Der Preis ermisst sich daran, was geboten wird. Privatisiert die Umwelt ist umfangreicher als normalsterbliche Artikel und enthält Fotos, die ich selber aufnahm. Darum kostet der Zugriff 99 Cent. Die Verteidigung der Telekom ist zwar umfangreicher als Gratis-Artikel, aber nicht so umfangreich wie die Umweltprivatisierung, kommt außerdem ohne Fotos aus und kostet insofern 69 Cent. Generell wird sich der Preis in dieser erschwinglichen, Raffgier-freien Sphäre bewegen. Ausgenommen sind Artikel, die eine Vor-Ort-Recherche erforderten – die kosten etwas mehr.

Generell wird es nun abwechselnd aufwändige Bezahlartikel und kürzere Beiträge im Feuerbringer-Magazin geben. Also diese beiden Kategorien:

1. Schnell runtergetippte Beiträge für das breite Volk, für die undankbaren Massen, für den gemeinen Pöbel (und für Studenten – wie mich). Die werde ich gratis den Proletariern vor die Füße werfen. Nach dem Wegfall der Gladiatorenkämpfe im Kolosseum müssen die wankelmütigen Arbeiter und Bauern mit kostenfreien Blogartikeln abgespeist werden, damit sie in ihren Kolchosen etwas zu tun haben, wenn der Schwarze Kanal gerade nicht läuft.

2. Auserlesene Exklusiv-Artikel für Menschen mit hohen Ansprüchen an gewitzte Unterhaltung, gehaltvolle Information, überzeugende Argumentation, augentränend schöne Präsentation. Ich nenne sie „meine Basis“, wie George W. Bush es in Bezug auf reiche Amerikaner ausdrückte. Sie sind die Elite, sie sind diejenigen meiner Leser, die für mich im eigentlichen Sinne existieren.

Dann gibt es noch Artikel, die ich für fremde, für outgroupige, für vaterlandslose Medien schreibe. Bei diesen Artikeln entscheidet jemand, der nicht ich ist, über ihren Preis oder Nicht-Preis.

Als Kapitalist bin ich ein Sklave meiner Kundschaft. Insofern möge man es stets kritisieren, wenn Artikel nicht den Ansprüchen genügen, wenn es Fragen gibt, wenn ein Verlangen nach der Bearbeitung eines bestimmten Themas aufkommt. Die Wünsche der zahlenden Leser sind meine eigenen Wünsche, waren schon meine Wünsche, bevor es ihre Wünsche waren. Es sei denn, sie sind aus guten Gründen nicht realisierbar. Die Bezahlartikel sind in der Kategorie „kostenpflichtig“ gesammelt. Amen.

7 Kommentare zu “Die Hälfte des Lebens ist umsonst

  1. Kevin.B sagt:

    Ich bin momentan nicht in der Lage für Artikel zu bezahlen, selbst wenn 10 Stück nur 0,01€ kosten würden.
    Bin aber seit Jahren einer Ihrer Leser, und das wird sich dadurch nicht ändern.
    Haben Sie schon über eine Art Flatrate nachgedacht?

    • Das freut mich. Ein Abonnement wäre technisch kein Problem, ich muss aber vorher eine Schätzung vornehmen können, was ich den Lesern dafür im Schnitt bieten kann. Für die Zukunft eine gute Idee.

  2. sba sagt:

    Schönes Bild. Dass ich das noch erleben darf. Das würde glatt eine E-Mail an Honecker lohnen.

  3. Skeptiker sagt:

    Und hier stellt sich die Frage: Wäre auch eine „anonyme Bezahlung“ möglich? Es gibt dazu ja schon entsprechende Ansätze und nicht jeder hat ein Bankkonto (oder den Wunsch, es gewissermaßen „online“ zu machen).

    • Du kannst einfach PayPal verwenden, das erlaubt Cleeng. Die brauchen nicht deine Kontodaten.

      • Hm, oder du meinst das anders. Meinetwegen kannst du mir das Geld einfach auf mein Konto überweisen und ich schicke dir den Artikel (Angebot gilt für jeden) als PDF zu. Vielleicht, wenn sich ein paar Artikel angesammelt haben, die dich interessieren, könntest du mir die Summe schicken und ich schicke dir alle Artikel. Wäre das etwas? Meine Bankinfos kannst du via Mail erfahren (feuerbringer(at)hotmail.de).

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.