Zwei Schritte weiter

Ich muss hier mal zwei Positionen korrigieren, die ich eine Weile lang vertreten habe:

1. Verbot der verbalen Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten

Die finanzielle und organisatorische Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten sollte in der Tat verboten sein. Was die verbale Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten angeht, gehört die in der Regel noch zur freien Rede. Da ist wohl mein Temperament etwas mit mir durchgegangen. Wer also die USA weiterhin als „großen Satan“ und Israel als „kleinen Satan“ ansehen und seine Meinung äußern möchte, dass freie Nationen wie unsere vernichtet werden sollten und dass die USA die Terroranschläge verdient hätten, der sollte dies weiterhin tun dürfen. Wobei die Grenzen zur Volksverhetzung hier fließend sind.

Jedenfalls auf politischer Ebene. Auf ethischer Ebene bin ich nach wie vor der Meinung, dass solche Äußerungen stärker (oder überhaupt einmal) verurteilt werden sollten. Anstatt, dass man so etwas offen und mit Schadenfreude in den großen Talkshows ausdiskutiert. Vielleicht fand ich nur die Vorstellung von Richard David Precht („Philosophie ist ein Abfallprodukt der Langeweile“) hinter Gittern so verlockend. Precht über die Erschießung Osama bin Ladens:

Moralphilosophisch und völkerrechtlich sei das Vorgehen der Amerikaner “falsch” gewesen. Mit dem gleichen Recht könnten nach Ansicht Prechts die Taliban in die USA gehen und “George W. Bush auf seiner Ranch erschießen”.

Wer hört sich sowas freiwillig an? Laut Peter Sloterdijk „vor allem Damen über fünfzig in spätidealistischer Stimmung“.

Osama bin Laden war ein Terrorist und Massenmörder. George W. Bush war Präsident der Vereinigten Staaten (liberaler Rechtsstaat), der Terroristen und Diktatoren bekämpfte. Moralphilosophisch kein Unterschied? Was für eine Moralphilosophie soll das bitte sein? Wohl eine Variante des nihilistischen Relativismus.

Mal abgesehen davon, dass Bin Laden der Anführer von al-Qaida war und nicht der Anführer der Taliban.

Schauen wir mal auf §130 StGB:

Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder

2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,
wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Hier steht lediglich „Gruppe“, „Teile der Bevölkerung“ und „Einzelnen“. Mit anderen Worten ist es kein Problem, wenn man gegen die gesamte Bevölkerung (etwa die ungläubigen Deutschen – oder sind die nur ein Teil der Bevölkerung oder eine „nationale Gruppe“?), oder gegen die ganze freie Welt zu Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert, etc.?

2. Verpflichtende Sprachkurse für Einwanderer

Na schön, verpflichtende Sprachkurse für Einwanderer, die kein Deutsch sprechen, waren eine blöde Idee. Ich bleibe allerdings dabei, dass die offizielle Landessprache Deutsch sein sollte und somit Texte von Regierungen, Behörden, Ämtern nur in Deutsch verfasst sein sollten. Im liberalen Traumland könnte also jeder, der kein Verbrecher ist, frei einwandern, sollte aber im Eigeninteresse die Sprache der Mehrheit lernen.

Philosophische Landstreicherei

Zhuangzi träumt von einem Schmetterling

Ich fragte jüngst den Ethiklehrer Andreas Dietz, der bei einigen Gelegenheiten Materialien von mir für seinen Unterricht verwendet, ob er als Co-Autor im Feuerbringer-Magazin mitschreiben möchte. Da er mit der objektivistischen Philosophie noch nicht so vertraut ist und sich nicht darauf festlegen möchte, hat er dies abgelehnt, aber gelegentliche Gastbeiträge angeboten.

Die Form seiner Ablehnung ist dabei ganz interessant – eine märchenhafte, philosophische Geschichte – und er bot an, daraus gleich einen Gastbeitrag zu machen. Andreas Dietz beschreibt darin seinen philosophischen Lebensweg und auch meinen Einfluss auf diesen (ich schlüpfe in die Rolle von meinem Maskottchen Prometheus). Wie aus der Geschichte hervorgeht, kennen wir uns schon seit den Zeiten, als wir noch für die Giordano Bruno Stiftung aktiv waren. Zhuangzi (365 v. Chr.; † 290 v. Chr.), eine Figur in der Geschichte, war ein chinesischer Philosoph und gehört zu den beiden Urhebern des Daoismus. Weiterlesen

Gibt es ein Recht auf Waffen?

Der amerikanische Philosoph Sam Harris hat sich mal wieder bei seinen Co-Humanisten „beliebt“ gemacht. Er schrieb auf seinem Blog, dass er ein eingeschränktes Recht auf Waffenbesitz befürwortet. Außerdem schrieb er, dass er selbst mehrere Handfeuerwaffen im Haus verteilt besitze und regelmäßig am Schießstand Feuerübungen mache. Wenn man bedenkt, dass der Religionskritiker regelmäßig Morddrohungen erhält, erscheint dies vielleicht verständlicher. Höchstwahrscheinlich dürfte Harris auch in Deutschland aufgrund seiner Gefährdungslage einen Waffenschein machen und verdeckt eine Waffe mitführen.

Harris ist der Auffassung, dass man auch auf Waffenshows überprüft werden sollte, wenn man sich eine Waffe besorgen möchte, wofür sich US-Präsident Obama gerade einsetzt. Harris befürwortet zudem das Verbot von größeren Waffen wie Maschinengewehren für Normalbürger, wobei er allerdings ergänzt, dass dies das Problem nicht löst, da viel mehr Morde mit Handfeuerwaffen begangen werden (47% im Vergleich zu 3% mit Gewehren aller Art). So ist es kein großes Problem, eine Handfeuerwaffe mit in die Schule zu nehmen, ein Maschinengewehr hingegen fällt gleich auf. Weiterlesen

Liberale und Progressive

„Die Wahrheit ist inkorrekt“, sagt Pat Condell in seinem neuen Video:

„Die Progressiven haben die gleiche Agenda wie die revolutionären Marxisten, nur dass sie es graduell machen wollen, progressiv, wie eine Krankheit.“

„Ein Liberaler ist jemand, der deine Redefreiheit verteidigt, selbst, wenn er anderer Meinung ist. Ein Progressiver ist jemand, der das Recht von jemand anderem unterstützt, dir das Maul zu stopfen, weil er dich als beleidigend empfindet.“

„Ein Liberaler sieht den Wert im freien Tausch von Ideen und Meinungen. Ein Progressiver sieht diese Dinge als Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt an.“

„Liberale tun das, was sie für richtig halten. Progressive tun das, was sie für korrekt halten.“

„Ein Liberaler neigt dazu, zu leben und leben zu lassen. Ein Progressiver neigt dazu, zu regulieren und zu zensieren und sich einzumischen, weil er immer weiß, was für andere am besten ist.“

„Für einen Liberalen ist die Sprache ein Werkzeug. Für einen Progressiven ist sie eine Waffe. Die eigentliche Bedeutung von Wörtern ist irrelevant, solange man sie als schwere, stumpfe Gegenstände gebrauchen kann, mit denen man Menschen das Maul stopft.“

„An einem muslimischen Ghetto ist nichts multikulturell.“

Und nun zu etwas völlig anderem: Der Amazing Atheist übers Anstehen in irgendeiner Schlange. Und danach: Richard Dawkins über den Feminismus Weiterlesen

Zweiter Verdächtiger verhaftet

Dzhokhar Tsarnaev, der zweite Terrorist, der für die Anschläge von Boston neben seinem Bruder verantwortlich ist, wurde nun im Bostoner Stadtteil Watertown verhaftet. Neben vier Toten (inklusive des erschossenen Sicherheitsbeamten) und 176 Verletzten hat der islamistische Anschlag die Amerikaner 333 Millionen Dollar für den Polizeieinsatz und die Sicherung Bostons gekostet. Im Video sieht man, wie Bürger der Stadt Boston feiern, nachdem Dzhokhar verhaftet wurde.

Die Zelebrierung des Ausblendens

Und die Kommentarspalten sind wieder voll mit Leuten, die eine islamistische Motivation der Täter von Boston bezweifeln, dem amerikanischen Waffenrecht die Schuld geben (eine „Kultur der Gewalt“), Rechten die Schuld geben (weil die von den Rechten unterdrückten, vereinsamten Studenten sich wehren mussten), die bezweifeln, dass die Terroristen wussten, dass Bomben in ihren Rucksäcken sind (so auf Facebook vernommen – kein Witz!) und so weiter. Ich nutze diesen Beitrag für einen kurzen Appell an den gesunden Menschenverstand.

1. Die Realität ist real

Je weniger terroristische Anschläge es gibt, desto besser. Wenn es welche gibt, sollte man diese Tatsache anerkennen. Wenn Anschläge besonders häufig von einer ideologischen Gruppierung ausgehen (Islamisten) und nur selten von einer anderen (Rechtsradikalen), so sollte man auch dies als Tatsache anerkennen. Tatsachen anzuerkennen bedeutet nicht, dass man sich über diese Tatsachen freut. Es bedeutet einfach nur, dass man die Wahrheit anerkennt.

2. Der Kontext ist entscheidend

Ich habe mich konkret darüber gefreut, dass ich mit meiner Einschätzung über das wahrscheinlichste Täterprofil Recht hatte. Andere Kommentatoren, die Vertreter der Tea Party verdächtigten, hätten sich darüber gefreut, wenn sich gezeigt hätte, dass in der Tat Vertreter der Tea Party für den Bostoner Anschlag verantwortlich waren. Weder sie noch ich freuen sich darum über den Anschlag – sondern eben nur über die Bestätigung der Effizienz des eigenen Verstandes.

Ebenso bedeutet dies nicht, dass einem die Opfer egal wären. Die Trauer oder in meinem Fall die Wut über den Anschlag mag das gute Gefühl, dass man Recht hatte, durchaus überwiegen. Es ist ganz natürlich, dass sich ein Mensch über eigene Leistungen freut. Wer sich nicht über eigene Leistungen freut, hat psychische Probleme. Einem Menschen vorzuwerfen, dass er sich über eigene Leistungen freut, ist ein Angriff auf sein Selbstwertgefühl, das er zum Überleben benötigt.

Im vollen Kontext betrachtet gibt es nicht nur die Freude, dass man richtig lag, sondern auch die Wut und die Trauer über den Anschlag. Darum kann man nicht legitimerweise behaupten, ich würde mich über den Anschlag freuen. Ich freue mich über das Funktionieren meiner analytischen Fähigkeiten, den Anschlag finde ich schrecklich. Aussagen ohne Kontext sind sinnlos.

3. Ziel ist das menschliche Überleben

Warum sollten wir die Realität anerkennen? Um zu überleben. Wenn wir die Tatsache leugnen, dass es islamistische Gruppen gibt, die den Westen als ihren Feind ansehen, so können wir auch nichts gegen den Angriff auf uns unternehmen. Wenn wir uns selbst dafür verantwortlich machen, dass uns religiöse Spinner umbringen wollen, dann haben wir es nicht verdient, zu überleben.

4. Persönliche Angriffe sind keine Argumente

Ob ich einsam oder gesellig, fröhlich oder traurig, vernünftig oder verrückt bin, ist für die Beurteilung meiner deskriptiven Aussagen bedeutunglos. Entweder meine Aussagen sind wahr oder sie sind es nicht. Ich könnte ein sprechendes Kamel sein, ein fliegender Frosch, ein tanzendes Einhorn: Entweder ich liege richtig oder ich liege falsch. Ad Hominems mögen die einzige Argumentationsmethode von Realitätsleugnern sein, valide sind sie nicht.

 5. Persönliche Motivationen sind nicht durch Fantasieren ergründbar

Angeblich profitieren „Leute wie ich“ – wer auch immer das sein mag – von islamistischen Anschlägen. Das ändert zunächst nichts an der realen Existenz islamistischer Anschläge. Behauptet man so etwas, sollte man ferner begründen, inwiefern ich von Anschlägen profitieren sollte. Ich bin kein Mitglied irgendeiner Partei, ich habe keine politischen Forderungen gestellt. Ich habe weder gesagt, dass wir schärfere Gesetze bräuchten, noch, dass wir weniger scharfe Gesetze bräuchten. Ich sagte nichts über die Einwanderungspolitik. Ich sagte nichts über Muslime allgemein. Ich sagte nur eines: Wir müssen die Realität als solches akzeptieren. Danach können wir uns überlegen, wie wir vernünftig damit umgehen können. Ende der Durchsage.

Der Vollständigkeit halber hier zwei Screenshots, wie die – öffentliche – Facebook-Diskussion zu meinem Beitrag „Es waren radikale Muslime!“ ausgegangen ist. Mit Beleidigung und Nazikeule:

Beleidigung Iron Mike 2

Beleidigung Iron Mike

Und die Leute „liken“ derartige Schwachsinnskommentare schon die ganze Zeit über.

Um die Frage von Lukas zu beantworten: Mal angenommen, ich hätte jahrelang – ähnlich wie in dem Buch/Film Der Stellvertreter – versucht, die Weltöffentlichkeit auf den Holocaust aufmerksam zu machen. Ich hätte allen möglichen Journalisten geschrieben, Politiker besucht, Reden gehalten, doch niemand wollte mir glauben, dass Juden von den Nazis systematisch vernichtet werden. Erst 1945 wird die Beweislast durch die Veröffentlichungen der Alliierten so erdrückend, dass sich kein Realitätsleugner mehr ungeschoren abwenden kann. Meine „wilden Behauptungen“, mein „paranoides Geschwätz“ würden endlich offiziell bestätigt. Wäre ich dann darüber froh, dass auch andere anerkennen mussten, was ich schon lange wusste?

Natürlich!

Es waren radikale Muslime!

Nun ist die Identität der Terroristen bekannt, die zwei Bomben auf dem Bostoner Marathon zündesten: Es waren zwei Islamisten, die den Anschlag als Teil ihres heiligen Krieges gegen die freie Welt begriffen.

Die nächsten paar Seiten möchte ich nur zu gerne mit Ausführungen darüber füllen, dass ich Recht hatte und meine Kritiker nur Unsinn redeten, aber stattdessen gibts mehr Details über die Terroristen.

Es handelt sich um Tamerlan Tsarnaev, der in einem Feuergefecht mit der Polizei von Massachusetts getötet wurde, und seinen Bruder Dzhokhar. Die beiden Brüder sind Muslime aus Südrussland. Was ihre Motivation angeht, kann sich jeder selbst überzeugen.

Hier ist Tamerlans YouTube-Seite, die mit islamistischer Propaganda gefüllt ist. Dort sind unter anderem zwei Videos von Scheich Feiz Mohammed untergebracht, der laut der Zeitung The Australian „Muslime dazu auffordert, die Feinde des Islams zu töten und der Märtyrer mit einer gewalttätigen Interpretation des Dschihads lobt“. Tamerlan bezeichnete sich als „sehr religiös“ und gab an, dass seine italienische Freundin zum Islam konvertiert sei.

Und hier hätten wir Dzhokhars Social-Network-Seite, die ebenso mit islamistischer Progaganda gefüllt ist. Dzhokhar war demnach auf der „Cambridge Ringe & Latin School“ und Boston und wollte Karriere und Geld machen, was er sich offenbar kurzzeitig anders überlegte.

Die zwei Terroristen waren tatsächlich weiße Männer, aber keine gebürtigen Amerikaner. Das stellt Linke vor praktisch unlösbare Schwierigkeiten, da sie seit dem Anschlag behaupten, rechte, weiße Amerikaner, die Muslime hassen, hätten die Anschläge verübt. Jetzt waren es allerdings weiße Muslime, die Amerikaner hassen. Im Grunde unmöglich. Gut, dass ich nicht vollkommen bescheuert bin, sonst würden sich jetzt echte Probleme für mein Weltbild ergeben.

Für liberale Islamkritiker gibt es dagegen keine Überraschungen. Religiöser Wahn hat nichts mit Hautfarben zu tun.

Wie Robert Spencer schreibt, wird sich niemand für die Spekulationen über terroristische Tea-Party-Anhänger entschuldigen. Stattdessen werden wir jetzt wieder Linke in den Medien sehen, die vor rechten, weißen Amerikanern und ihren eventuellen Racheaktionen gegen Muslime warnen. Bald werden sie „Terroristen“ erneut in Anführungszeichen setzen, wenn Terroristen einen weiteren Anschlag verüben. Sie werden jene, die von einem Dschihad gegen die freie Welt ausgehen, zu paranoiden Rassisten erklären. Wenn der 11. September, London, Madrid, Fort Hood nichts ändern konnten, wird Boston auch nichts ändern.

Was sich sehr bald ändern wird ist, dass ihnen niemand mehr zuhört und sie niemand mehr wählt.

P.S.