Vergesst die FDP!

Der nächste Bundestag ohne die FDP, ohne die Stimme der Freiheit? In der Tat könnte dies im September so passieren, zumal die neue Alternative für Deutschland sicherlich nichts unversucht lassen wird, auch  im liberalen Teich nach Wählerstimmen zu angeln. Dieses Szenario sollte allerdings für die Anhänger einer individualistischen Gesellschaft kein Unbehagen auslösen, denn eine Stimme für die Freiheit ist die FDP schon lange nicht mehr –wenn sie es denn je war-, jedenfalls nicht mehr als es CDU, SPD oder Grüne auch sind.

In der Politik wiegen Taten schwerer als Worte und die FDP hat als Regierungspartei die Politik der “Rettungsschirme” und der “Energiewende” mit zu verantworten. Jetzt im Wahlkampf die Steuererhöhungspläne von Grünen und SPD mit einer schrillen Rhetorik zu beantworten, kann im Angesicht der letzten vier Jahr schwarz-gelber Regierungspolitik nur noch ein müdes Lächeln hervorrufen. “Ein Großteil der potenziellen Wähler wird von der FDP nicht nur nicht angesprochen, sondern abgestoßen”, schreibt Ulf Poschardt heute in der WELT. Es gibt gute Gründe für eine solche Reaktion, wenn man einen nüchternen Blick auf die FDP wirft, so wie sie wirklich ist und nicht so, wie man sie sich wünschen würde.

“Mindestlohn spaltet Liberale”, berichtet DIE WELT ebenfalls in ihrer heutigen Ausgabe. Ein wirklich liberale Partei könnte sich in der Frage von Mindestlöhnen niemals in einen Disput verlieren, denn Löhne werden in einer freien Gesellschaft von den Vertragsparteien ausgehandelt und nicht vom Staat festgelegt. Und eine wirklich liberale Partei würde auch niemals auf den abstrusen Gedanken kommen, eine “Akademie für islamische Studien” zu fordern. Nein zu dieser FDP!

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Politik.

6 Kommentare zu “Vergesst die FDP!

  1. Andreas D. sagt:

    Und nun? Nach dem ich mich im zweiten Anlauf letzten Herbst durchgerungen hatte, Mitglied zu werden, sitze ich da und schüttele den Kopf!

  2. Andreas D. sagt:

    Ein Aufruf zu einer Graswurzelbewegung in der FDP:

    Auf in den Kulturkampf

    04.05.2013 · Was nun, FDP? 75 Prozent der Deutschen haben antiliberale Ideen verinnerlicht, ihnen hinterher zu laufen bringt nichts, schreiben die FDP-Abgeordneten Frank Schäffler und Holger Krahmer: Mit einem liberalen Aufbruch sind 25 Prozent der Stimmen zu holen. (…)

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/fdp-auf-in-den-kulturkampf-12172315.html

  3. Bjoern sagt:

    Ein passender Artikel der FAZ: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/fdp-auf-in-den-kulturkampf-12172315.html

    Zusammenfassend: Die FDP ist nicht liberal, aber sie kampflos aufzugeben ist keine Lösung.

    Rand schrieb, dass ein Kompromiss mit dem „Bösen“ ein Sieg für dieses Böse ist. Aber ein Feld kampflos zu Räumen ist ganz sicher ein noch größerer Sieg. Ich kann auch nicht sehen, dass Rands Weg des politischen Rückzugs in den USA zu erfolgt führte.

  4. Lexi sagt:

    Das Scheingeld der Rettungsschirme interessiert mich nicht und die Energiewende war längst überfällig.
    Was die FDP für mich schon immer unwählbar machte ist ihre Ununterscheidbarkeit von CDU/CSU.
    Auf der Verpackung mögen mehr Bürgerrechte wie „Ehe für gleichgeschlechtliche Paare“ oder „kein Überwachungsstaat“ stehen. Aber deren Abstimmverhalten sah anders aus. In Sachen Korruption sehen sich Gelb und Schwarz auch zu ähnlich.
    Seit ich wähle waren sie schon immer eine Partei, die Stimmen mit Bürgerrechtsversprechen sammelte und dann mit der CDU Salamischeibenpolitik machte.
    Die Rechnung dafür kam spät. Aber besser spät als nie.

  5. Leopold Stotch sagt:

    In einem Land mit so wenig liberaler Tradition wie Deutschland gibt es eben nicht viel Spielraum für liberale Politik. Eine liberale Regierung (statt einer mitregierenden 5-10%-Partei) werden wir vermutlich nicht mehr erleben. Wenn die FDP weg ist, wird es für unabsehbare Zeit nur die Wahl zwischen größerem Unsinn (AfD) oder chancenlosen Kleinstparteien (pdv) geben. Ich stimme Bjoern zu und werde die FDP bestimmt nicht vergessen, sondern sie trotz aller Ärgernisse wählen.

    • Ich habe nichts dagegen. Wenn man glaubt, man kann durch die Wahl einer Partei Gutes bewirken, dann sollte man sie wählen. Würde ich noch wählen, wäre es auch die FDP, die ich wählen würde. Kleine Parteien zu wählen erscheint mir sinnlos. Nur wenn man alle realistischen Alternativen für bösartig hält, sollte man gar nicht wählen, statt das kleinere Übel zu wählen.

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