Mythen über Ayn Rand

Wenn man sagt, „Ich bin ein Anhänger von Ayn Rand“, dann hören manche Menschen, „Ich esse Babys mit Vanillesauce“. Dabei haben wir einen viel besseren Geschmack. Ich zum Beispiel esse meine Babys mit Kirschsauce und Sahnehäubchen. Und nur die Babys von Arbeitern, Bauern und Seehunden.

Es ist wieder einmal an der Zeit, auf ein paar Mythen rumzukloppen!

1. Objektivisten sind Kultisten

Zweifeln Sie etwa an meinem Propheten?

Manche Objektivisten der ersten Generation hatten einen ungesunden Bezug zu der Person Ayn Rand. Wobei es schwerfällt, die urteilsfreudige, wenig umgängliche Dame als „charismatisch“ zu bezeichnen. Sie war ein intellektuelles Genie. Aber eine charismatische Führerin war sie eigentlich nicht. Insbesondere ihr Schüler auf Lebenszeit, Leonard Peikoff, erwarb sich einen Ruf als übertrieben loyaler Randianer.

Heute kann man das Phänomen des Rand-Sektierertums nur noch bei jungen Männern beobachten, die ihre intellektuelle Laufbahn mit den Schriften Ayn Rands begannen. Dies ist generell nicht zu empfehlen. Für mich stand sie am Ende meines philosophischen Weges, nicht am Anfang. Sie schloss an verschiedene andere Denker an, die ich bewunderte. Darunter etwa Spinoza, Thomas Hobbes und David Hume und unter den zeitgenössischen die Neuen Atheisten, Richard Dawkins, Sam Harris, Daniel Dennett und Richard Carrier.

Fängt man nicht mit Ayn Rand an, so ist die Wahrscheinlichkeit geringer, sich später grundlos von ihr abzuwenden und zu behaupten, dass sie sich bei so vielen Dingen irrte. Heute weiß man alles viel besser, heißt es bei den Ex-Randianern. Ich war jung und brauchte den Kapitalismus. Aber sie war ja so simpel, holzschnittartig, schlecht informiert über die großen Denker vergangener Zeitalter. So urteilen sie, nachdem sie ihr Rand-Halbwissen zu den Akten legten, um sich ein Halbwissen über Kant, Descartes und Co anzulesen.

Es handelt sich bei der Rand-Verehrung zumeist um die Anerkennung einer genialen Denkerin für ihr großartiges Werk, mit dessen Hilfe die Welt gleich so viel verständlicher wird. Es ist keine blinde Zustimmung, sondern sehende Zustimmung. Es ist keine dogmatische Zustimmung, sondern eine rationale Zustimmung. Rands Ideen können theoretisch widerlegt werden. Praktisch hat es noch keiner geschafft.

2. Rand war elitistisch

Sprecht mich nicht an, ihr Crétins!

Auf die Frage, ob sie ihre Einführung in die objektivistische Epistemologie auch für Menschen schreiben könne, die keinen IQ von 150 haben, antwortete Rand, dass es ihr lieber wäre, wenn die Menschen ihre Intelligenz steigerten. „Es ist möglich.“ Rand wollte die Menschen mitnehmen. Sie forderte, dass sie ihr Potenzial nutzen. Sie blickte nicht auf sie hinab.

Insofern sich der Vorwurf auf ihre Publikationen bezieht, kann man ihn ebenso nicht aufrechterhalten. Rands Romane verkauften sich – und tun es noch – millionenfach. Atlas Shrugged gehört in den USA zu den amerikanischen Literaturklassikern und wird regulär im Unterricht besprochen. Ihre philosophischen Bücher verkaufen sich auch gut.

Ayn Rand drückte sich stets sehr klar und verständlich aus. Es stimmt allerdings, dass sie sich mit ihren philosophischen Werken an die „neuen Intellektuellen“ wandte und eben nicht an das breite Volk. Ihre Romane hingegen werden auch vom breiten Volk geschätzt. Es stimmt ebenfalls, dass ihre Einführung in die objektivistische Philosophie so überschwer zu verstehen ist, dass man wahnsinnig wird, bevor man sie versteht – doch am Ende ist man umso vernünftiger. Mit einem Beispiel kann ich da jetzt nicht dienen.

Nun gibt es diesen Unterschied zwischen belesenen Leuten und weniger belesenen Leuten. Rand schrieb für beide Kategorien. Ist das elitistisch?

Oligarchen versus Arbeiter und Bauern

Was den Vorwurf angeht, Rands politische Philosophie sei elitistisch und sehe die Herrschaft einer reichen Oligarchie über die parasitären Arbeiter und Bauern vor: Möchte man so etwas beurteilen, empfiehlt es sich, zunächst Rands Bücher zu lesen und zu versuchen, diese zu verstehen. Es empfiehlt sich nicht, willkürlich herumzufantasieren.

Rand tritt für einen absolut freien Laissez-faire-Kapitalismus ein. Dies ist gerade nicht der „Crony Capitalism“, die Vetternwirtschaft, wie man sie aus den europäischen Mischwirtschaften kennt. In diesem System „herrscht“ im Grunde niemand über andere Menschen – nur das objektive, für alle gültige Recht hat das Sagen. Der Staat dient ausschließlich dazu, die Rechte seiner Bürger auf Leben, Freiheit und Eigentum zu schützen. Alle Bürger haben gleiche Rechte. Die politische Macht ist auf ein Minimum reduziert. Und ökonomische Macht ist keine Macht – nicht im Laissez-faire-Kapitalismus. Der Grund: Unternehmer dürfen keine Gewalt, auch keine staatliche Gewalt, gebrauchen, um ihre Interessen durchzusetzen. Ihnen bleibt nur ihre Überzeugungskraft. Wenn sie zur Gewalt oder Androhung von Gewalt greifen, landen sie im Gefängnis.

Ein freies Land, wo jeder Bürger gleiche Rechte hat, ist keine Oligarchie. Politiker werden weiterhin gewählt, wie heute, nur wären ihre Aufgaben erheblich beschnitten. Wie man das umsetzen soll, ist die Frage. Ich trete für eine minimale Veränderung des Grundgesetzes ein, um das Recht auf Eigentum konsequenter zu schützen und die Staatsaufgaben klarer zu definieren. Rand schien der Meinung zu sein, dass die Veränderung der Ideen der Menschen zentral ist. Sie sprach aber auch eine Verfassung auf objektivistischer Grundlage an, die ein Rechtsexperte ausarbeiten müsse.

Die Moral des arm und reich

Arbeiter und Bauern sind keine Parasiten. Wie Rand schrieb, ist es egal, wie viel Geld man verdient – es kommt nur darauf an, wie man es verdient. Mit ehrlicher Arbeit – mit irgendeiner ehrlichen Arbeit – oder, indem man es anderen Menschen wegnimmt. Der schlimmste Parasit ist laut Rand der reiche Playboy. Er könnte so viel schaffen, doch er tut gar nichts Produktives. Arme Menschen werden in Rands Werken weder per se positiv, noch per se negativ dargestellt. Die Frau von James Taggart aus Atlas Shrugged, Cherryl Brooks, die ursprünglich in einem 99-Cent-Laden arbeitete, ist ein überaus positiver Charakter. Die Gangster, die Hank Reardens Fabrik angreifen, nicht.

Ob man arm oder reich ist, sagt nichts über den eigenen moralischen Charakter aus. In China sagt man: „Sie hat einen armen Verstand, aber ein reiches Herz.“ Hat mir zumindest eine chinesische Studentin erzählt.

Ich selbst habe Respekt vor wenig intelligenten, aber moralischen Menschen. Und wenig Respekt vor sehr intelligenten, aber unmoralischen Menschen.

Siehe: Myth: Ayn Rand was an Elitist

Weitere Mythen werden im nächsten Teil aufgeklärt.

16 Kommentare zu “Mythen über Ayn Rand

  1. Teilanonymer-Leser sagt:

    Ihre Aussage man sollte nicht direkt mit Ayn Rand anfangen, betrifft mich zumindest in abgeschwächter Form, da ich auch wenn ich mich einige Jahre für das Thema interessierte die bekannten Philosophen eigentlich nie gelesen habe.
    Die Atheistische Szene habe ich eine Weile lang verfolgt, auch für die moderne Wissenschaft habe ich mich interessiert, vorallem ihre Methode zu denken.
    Aber von einer intensiven vorherigen Beschäftigung mit den Werken vergangener Philosophen kann nicht die Rede sein.
    Mir ging es vorallem um die Moral und da diese ausserhalb des Menschlichen Kontextes nicht möglich ist hielt ich jeden Versuch sich damit zu befassen für Zeitverschwendung. Ich war damals glaube ich Nihilist. Daher nach kurzer Beschäftigung mit Buddhismus der sich als Unsinn entpuppte, vermutlich meine Suche nach einer Objektiven Philosophie die dies eben doch fertigbringt.

    Ich denke es macht durchaus Sinn sich an gegebener Stelle mit anderen Philosphen zu befassen, auch um den Kontext indem der Objektivismus entstanden ist zu verstehen und so sein Verständnis sozusagen abzurunden.
    Aber was würden Sie mir empfehlen der den Objektivismus teilweise verstanden hat und ihn nachdem was er bereits gehört und verstanden hat für Die Wahrscheinlichste Möglichkeit auf ein vollkommen logisches, nicht auf willkürlichen Annahmen basierendes Philosophisches System hält?
    Wäre es nicht sinnvoller sich erst mit dieser wahrscheinlichsten Möglichkeit zu befassen bevor man sich mit den weniger wahrscheinlichen befasst?
    Ich persönlich werde mich auf jedenfall nicht mit willkürlichen Annahmen und logischen Brüchen abgeben, dann lieber wieder Nihilist und konsequenter Weise Selbstmord oder Hedonismus.

    An dieser Stelle sei Ihnen übrigens gedankt für Ihre vielen Jahre fleissiger Blogarbeit, sie haben mir einen Weg aufgezeigt, der mein Leben bereits jetzt fundamental verändert hat.

    • Danke! Um Ihre Frage zu beantworten: In diesem Fall wäre es besser, sich zunächst näher mit dem Objektivismus zu befassen, bis man die Argumente hinter den Schlussfolgerungen verstanden hat. Das ist dann auch schon eine sehr brauchbare Orientierung und danach kann man sehen, ob man in der Lage ist, auch auf Kritik zu antworten, oder ob die eigene Haltung bei jedem Widerstand gleich zusammenbricht und man in Skeptizismus verfällt. David Kelley hat ein Drei-Stufen-Verständnismodell aufgestellt: Intuitiv, systematisch und akademisch.

      Das akademische Niveau, bei dem man sich mit Detailfragen befasst, muss man nicht erreichen. Das systematische Niveau empfiehlt sich allerdings für jeden. Das dürfte das Problem der Ex-Objektivisten sein, die ich erwähnte. Sie haben die Argumente hinter den Schlussfolgerungen nie verstanden und darum ist ihr Weltbild beim leistesten Anflug von Kritik gleich zusammengebrochen.

  2. Alexia sagt:

    Seit ich angefangen habe diesen Blog zu lesen, frage ich mich selbst, wie eine Argumentation für etwas grundlegend Ablehnenswertes wie unregulierte Marktwirtschaft gleichzeitig so logisch klingen kann.

    Langsam denke ich aber, der Autor bezieht sich auf eine Art Idealkapitalismus.

    „Der Staat dient ausschließlich dazu, die Rechte seiner Bürger auf Leben, Freiheit und Eigentum zu schützen. Alle Bürger haben gleiche Rechte. Die politische Macht ist auf ein Minimum reduziert. Und ökonomische Macht ist keine Macht – nicht im Laissez-faire-Kapitalismus. Der Grund: Unternehmer dürfen keine Gewalt, auch keine staatliche Gewalt, gebrauchen, um ihre Interessen durchzusetzen. Ihnen bleibt nur ihre Überzeugungskraft. Wenn sie zur Gewalt oder Androhung von Gewalt greifen, landen sie im Gefängnis.“
    Gegen ein solches System ist überhaupt nichts einzuwenden. Nur existiert es leider nicht.

    Eine ähnlich gute Idee war die Planwirtschaft der DDR. Wer hätte denn ahnen können, dass Leute plötzlich mehr kaufen wollen, als sie brauchen, sobald sie sehen dass die Laden-Regale am Mittwoch schon halb leer sind? Oder sich merken dass sie schnell gelehrt werden und massenhaft schon in Schlangen anstehen bevor die Läden nach einer neuen Lieferung geöffnet werden? Hätten die Leute ein besseres Benehmen gezeigt, hätte hier eine Wirtschaft blühen können, die ohne Ressourcen-verschwendenden Konkurrenzkampf auskommt.
    War halt ein Wunschtraum.

    Wie wäre es mit idealisiertem Kommunismus?
    Hat leider auch nicht geklappt.

    Die Realität des kaum regulierten Kapitalismus, wie ich sie wahrnehme sieht etwa so aus:
    – Praktisch nicht existente Gesetze zum Schutz der Arbeitnehmer vor der Willkühr der Arbeitgeber
    – Lobbyarbeit
    – Ausbeutung/Zerstörung von Ressourcen, die kein Privateigentum sind
    – Profit > Gesundheit
    – Profit > Privatleben
    – Zeitarbeitsfirmen die den Arbeitsmarkt überziehen wie Schimmel ein altes feuchtes Brot
    – Dienstleistungsunternehmen deren Niedrigstlohn-Angestellten mit eigenem Auto ohne Erstattung der Reise- oder Unterkunftskosten hunderte Kilometer von zu Hause entfernt eingesetzt werden
    – Angestellte, die sich zwischen Verlust des Jobs oder eines Beins entscheiden müssen. Oder zwischen Job und Führerschein. Oder zwischen Job und der allgemeinen Sicherheit

    Das sind alles Dinge, die ich oder Freunde von mir in Deutschland und den USA als alltäglich erleben. Du kannst dir bestimmt vorstellen, dass viele in diesen Situationen nicht gerade begeistert sind, wenn Leute wie du, Andreas, nach „weniger Regulierung“ rufen.

    Ich behaupte nicht, dass der Kapitalismus grundsätzlich schlimm ist. Vielleicht ist er sogar das einzige System, welches in der Realität am besten von allen funktioniert. Aber das bedeutet auf keinen Fall, dass es generell gut funktioniert.

    Ich habe nie etwas von Ayn Rand gelesen. Aber wenn sie einen Kapitalismus, wie du ihn beschreibst, propagiert, dann ist sie genau so eine Wunschträumerin wie Marx oder Engels.

    • Stimmt, Laissez-faire-Kapitalismus existiert nicht. Und es stimmt auch, dass ich mich auf eine Idealvorstellung beziehe. Der Unterschied zu anderen Idealvorstellungen besteht nur darin, dass der Kapitalismus durchaus funktionieren und existieren könnte. In Australien und einigen US-Staaten gibt es sehr weitgehend freie Marktwirtschaft, sogar die Schweiz ist relativ frei. Im 19. Jahrhundert in England und in den USA war die Wirtschaft auch weitgehend frei. Und das hat sehr gut funktioniert (man muss natürlich einbeziehen, dass die Industrialisierung noch nicht so weit fortgeschritten war).

      Das mit der Wunschträumerei ist eine bloße Behauptung. Sie beachten nicht, dass niemand in Deutschland und in den USA überhaupt versucht, den Kapitalismus in die Praxis umzusetzen. Die Umsetzung des Kommunismus wurde durchaus in vielen Ländern mit aller Gewalt versucht.

      Antworten auf Ihre Einwände:

      – Praktisch nicht existente Gesetze zum Schutz der Arbeitnehmer vor der Willkür der Arbeitgeber

      Abgesehen vom Schutz der allgemeinen individuellen Rechte sollte es überhaupt keien Gesetze zum Schutz der Arbeitnehmer – oder der Arbeitgeber – geben. Wozu denn, wenn Vertragsfreiheit herrscht und die Anwendung von Gewalt untersagt ist?

      – Lobbyarbeit

      Darum sage ich ja: Weg mit der Politik, wie wir sie verstehen. Lobbygruppen, die Steuergelder auf sich umverteilen oder eine Sonderbehandlung wünschen, sind typisch für die Vetternwirtschaft, die Mischwirtschaft in Deutschland. Mit Kapitalismus hat das nichts zu tun. Im Kapitalismus würde in der Verfassung stehen, dass der Staat ganz bestimmte, klar definierte, eng begrenzte Zuständigkeiten hat: Den Schutz der Rechte der Bürger. Und nur dafür darf er Steuern erheben. Und nur unter bestimmten Bedingungen.

      – Ausbeutung/Zerstörung von Ressourcen, die kein Privateigentum sind

      Darum sollten alle Resourcen Privateigentum sein.

      – Profit > Gesundheit

      Verstehe ich nicht.

      – Profit > Privatleben

      Verstehe ich auch nicht. Ich vermute, Sie meinen die Unterordnung spiritueller Werte unter materielle Werte im Kontext des materiellen Überflusses – also, wenn es nicht nötig ist, etwa Liebe und Freundschaft geringer zu bewerten als ein neues iPhone. Diese Art von Konsumwahn ist typisch für die Gesellschaft, in der es kein echtes Geld mehr gibt, sondern Papiergeld, das auf Schulden beruht. Dies führt zu Inflation und somit dazu, dass Menschen schnell viel auf Kredit kaufen und nichts sparen, damit ihr Geld nicht an Wert verliert. Dies führt wiederum zu einer Überschätzung materieller Werte.

      – Zeitarbeitsfirmen die den Arbeitsmarkt überziehen wie Schimmel ein altes feuchtes Brot

      Die kann es nur in Branchen geben, wo eine geringe Qualifikation der Arbeitskräfte erforderlich ist. Wer nichts in seine Mitarbeiter investiert, bekommt auch nichts. So einfach ist das.

      – Dienstleistungsunternehmen deren Niedrigstlohn-Angestellten mit eigenem Auto ohne Erstattung der Reise- oder Unterkunftskosten hunderte Kilometer von zu Hause entfernt eingesetzt werden

      Wurde mir interessanterweise auch kürzlich vorgeschlagen. Und ich habe abgelehnt, weil sich das praktisch nicht lohnt. Und stattdessen eine andere Abmachung mit dem Arbeitgeber getroffen und mich außerdem nach einem anderen Job umgeschaut. Warum können andere Menschen das nicht?

      – Angestellte, die sich zwischen Verlust des Jobs oder eines Beins entscheiden müssen. Oder zwischen Job und Führerschein. Oder zwischen Job und der allgemeinen Sicherheit

      Wo ist denn das Problem in einem Land mit freier Berufswahl? Dann sollen die Leute aufhören, so stockkonservativ zu sein, sich keinen Millimeter bewegen zu wollen.

      • Alexia sagt:

        – Profit > Gesundheit

        Verstehe ich nicht.

        Nehmen wir mal als Beispiel eine Mitarbeiterin bei Walgreens. Sie hat eine Thrombose im Bein. Ihr Filialleiter verlangt, dass alle, auch sie, ihren Job stehend ausführen. Nicht weil es nötig ist, sondern um vor den Kunden mehr Geschäftigkeit zu simulieren oder so.
        Für sie ist das nun extrem schmerzhaft und nicht gerade der Heilung zuträglich.
        Mit Medikamenten und einer Tätigkeit, bei der sie das Bein entlasten könnte, wäre das Problem möglicherweise bald behoben. Die Alternative wäre ein operativer Eingriff.
        Ersteres wird vom Chef blockiert, zweiteres auch irgendwie. Sollte sie „krank machen“ um sich behandeln zu lassen, wartet schon eine Kündigung auf sie.
        Dass sie sich entschieden hat, es darauf ankommen zu lassen und sich mit Blutverdünnungsmitteln durch den Arbeitstag schleppte und so ihre langfristige Gesundheit riskierte (wie Millionen von anderen US-Amerikanern auch) zeigt, wie es mit „freier Berufswahl“ in der Realität aussieht.

        – Zeitarbeitsfirmen die den Arbeitsmarkt überziehen wie Schimmel ein altes feuchtes Brot – Zeitarbeitsfirmen die den Arbeitsmarkt überziehen wie Schimmel ein altes feuchtes Brot

        Die kann es nur in Branchen geben, wo eine geringe Qualifikation der Arbeitskräfte erforderlich ist.

        Die gibt es in allen Branchen. Angefangen bei Reinigung über Sicherung, über Facharbeit bis in die akademischen Berufe hinein. Ein Arbeitgeber, der nichts in seine Mitarbeiter investiert, erhält fünf Jahre später neue, deren Ausbildung auf einem aktuellerem Stand ist.

        – Profit > Privatleben

        Verstehe ich auch nicht. […]

        Ich bezog mich eigentlich auf die erwähnten Montageeinsätze auf Kosten des Arbeitnehmers. Oder überhaupt Jobs, die nur aus Einsätzen hunderte Kilometer von zu Hause entfernt bestehen. Ich selbst habe so etwas ein Zeit lang mitgemacht, weil das Arbeitsamt dieses „Angebot“ als „zumutbar“ definierte und ich mich bei der Bewerbung nicht blöd genug angestellt habe. Wer einen solchen Job dauerhaft macht, hat kein Privatleben mehr. Die Liebesbeziehung wird bröckeln oder gar nicht erst entstehen. Freundschaften verkümmern, weil Treffen plötzlich geplant werden müssen.

        Das Problem mit idealisierten Systemen für Wirtschaft, Politik oder wasauchimmer ist, dass alle gezwungen sind, entsprechend mitzumachen, damit es funktioniert.
        Die Welt ist leider kein Spielfeld, das man einfach verlassen kann, wenn einem die Regeln nicht gefallen, um woanders ein anderes Spiel zu starten oder einem beizutreten.
        Andererseits gibt es genügend „Mitspieler“ die grundsätzliche Regeln wie die Trennung zwischen Wirtschaft und Politik brechen und andere die Konsequenzen tragen lassen.

        Das scheint die einzige Konstante zu sein. Egal ob Demokratie, Diktatur, Monarchie oder Anarchie, egal ob Kommunismus, Kapitalismus oder Tauschhandel – es gibt immer Menschen, die das System destabilisieren, weil sie kurzfristig einen persönlichen Vorteil davon haben.
        Das scheint eine Art übergeordnetes System zu sein, in dem alle anderen Systeme existieren. Bis ich ein besseres Wort finde, nenne ich es Fuckupismus. Eas ist das, was Menschen tun, um sich gegenseitig das Leben schwer zu machen.

        • Das ist Nihilismus. Damit kann ich nichts anfangen.

          • Rüdiger sagt:

            >Das ist Nihilismus.
            >Damit kann ich nichts anfangen.

            Das Thrombosebeispiel auch? Und das „Profit->Privatleben“-Beispiel? Das war doch beides gut nachvollziehbar.

            Ich verstehe Alexias Einwand so: Wie kann man sich dagegen absichern, dass in einem kapitalistischen System derlei Dinge geschehen?

            Ist schon die Bemerkung, dass die Welt nicht ideal ist und man wahrscheinlich sogar für alle Zeiten mit menschlichen Unvollkommenheiten und Schwächen wie z.B. seiner Machtgier rechnen muss, in Deinen Augen nihilistisch?

            Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer Bedingungen auferlegen, die für ihn ungesund sind oder ihn einfach schikanieren, denn er hat ja die Macht, die Bedingungen der Arbeit zu definieren.

            Wie kann sich der Arbeitnehmer dagegen wehren? Im Laissez-Faire-Kapitalismus ist seine einzige Möglichkeit sich zu wehren: zu kündigen.

            Wenn er niedrig qualifiziert ist und nichts anderes kann als z.B. verkaufen oder Einzelteile an einem Fertigungsband zusammensetzen, könnte das im Laissez Faire Kapitalismus sein Ende bedeuten. Wenn sich diejenigen, die Arbeit anbieten, absprechen, werden sie wissen, dass er – vielleicht gar noch mit frechen Widerworten – nach wenigen Wochen gekündigt hat und werden ihn nicht einstellen. Er wird es sich also dreimal überlegen und lieber weiter zur Arbeit humpeln.

            Lautet die ganze Antwort des Objektivismus auf diese Fragen: „Nihilismus! Soll er sich halt aufraffen und qualifizieren!“

            Oder könntest Du das noch etwas explizieren?

          • Ist schon die Bemerkung, dass die Welt nicht ideal ist und man wahrscheinlich sogar für alle Zeiten mit menschlichen Unvollkommenheiten und Schwächen wie z.B. seiner Machtgier rechnen muss, in Deinen Augen nihilistisch?

            Ja, ist es. Es gibt keine angeborenen menschlichen Schwächen. Alle menschlichen Fehler resultieren aus einer freien Willensentscheidung, basierend auf falschen Ideen. Es ist sinnlos zu sagen, der Mensch sei „unvollkommen“ geboren. Man kann die menschliche Natur nicht werten. „Unvollkommen“ im Verhältnis zu was? Zum Gottmenschen? Was auch immer es ist, es hat jedenfalls nichts mit der Realität zu tun. Der Mensch ist wie der ist, das ist metaphysische gegeben. Es ist falsch, das metaphysisch Gegebene zu bewerten, ob als gut oder schlecht. Es ist sinnlos zu sagen, „Der Mond ist so beschaffen, dass er böse ist“ und ebenso sinnlos zu sagen, „Der Mensch ist so beschaffen, dass er böse ist.“ Unsinn. Nur unsere Handlungen, beruhend auf unseren freien Entscheidungen, sind Gegenstand der Ethik. Nicht unsere Natur oder die Natur von irgendetwas anderem.

            Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer Bedingungen auferlegen, die für ihn ungesund sind oder ihn einfach schikanieren, denn er hat ja die Macht, die Bedingungen der Arbeit zu definieren.
            Wie kann sich der Arbeitnehmer dagegen wehren? Im Laissez-Faire-Kapitalismus ist seine einzige Möglichkeit sich zu wehren: zu kündigen.

            Warum sollte der Arbeitgeber diese Macht haben? Ich leugne das entschieden. Der Markt hat die Macht über Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen. Sie können mitspielen und Geld verdienen oder die Nachfrage und die Konkurrenz ignorieren und kein Geld verdienen. Ein Arbeitgeber muss immer die Folgen seiner Entscheidungen im Blick haben. Wenn Arbeitnehmer sich ungerecht behandelt fühlen, arbeiten sie schlechter. Wenn sie schlecht bezahlt werden, arbeiten sie schlechter. Irgendwann gehen sie anderswo hin.

            Wer als Arbeitgeber ernsthaft glaubt, er hätte Macht, der hat überhaupt nichts verstanden, der hat nie bewusst über das reflektiert, was er da tut. Ein Arbeitgeber ist der Diener des Marktes. Er kann die Marktgesetze lernen, er kann lernen, was die Menschen haben wollen, und er kann lernen, wie man es produziert und vermarktet. Er kann die Marktgesetze nicht verändern, wie er die Natur der Dinge nicht verändern kann. Ein Arbeitgeber hat nur äußerst geringe Gestaltungsmöglichkeiten. Geht er darüber hinaus, gefährdet er seinen Gewinn. Beispielsweise kann ein Autoproduzent nicht ignorieren, was die Menschen haben möchten, und einfach das Auto auf den Markt bringen, das ihm persönlich gefällt. Das kann zwar funktionieren, ist aber höchst unwahrscheinlich.

            Wenn sich diejenigen, die Arbeit anbieten, absprechen, werden sie wissen, dass er – vielleicht gar noch mit frechen Widerworten – nach wenigen Wochen gekündigt hat und werden ihn nicht einstellen.

            Sorry, ich halte das für Unsinn. Ich habe selbst schon eine ganze Reihe von niedrig bezahlten Tätigkeiten gemacht. Es gibt keine Verschwörung von Arbeitgebern aus unterschiedlichen Branchen, die sich absprechen, um jemanden nicht mehr einzustellen. Wenn man bei einer Tätigkeit nicht so gut ist, dann macht man eben eine andere. Oder man macht dieselbe Tätigkeit woanders. Das ist immerhin der Vorteil des Niedriglohnsektors. Man ist ersetzbar (mehr oder weniger), aber dafür auch maximal flexibel.

            Im freien Markt wäre es allerdings einfacher – viel einfacher – für Menschen, die es heute schwer haben, an Jobs zu kommen (etwa Rentner), eine Arbeit zu finden, weil sich die Arbeitgeber keine Gedanken über die involvierte Bürokratie und Staatsabgaben machen müssten. Sie könnten einen Rentner einfach einstellen und sehen, wie er sich schlägt. Wenn er nicht gut ist, können sie ihn gleich wieder entlassen.

      • Skeptiker sagt:

        Diese Art von Konsumwahn ist typisch für die Gesellschaft, in der es kein echtes Geld mehr gibt, sondern Papiergeld, das auf Schulden beruht.

        Ich kann diese Erklärung nicht ausschließen. Wie könnte ich auch?
        Aber irgendwie will sie mir nicht unbedingt plausibel erscheinen.
        Selbst habe ich keine bessere Erklärung anzubieten, aber mir fallen spontan 2 Überlegungen ein:
        1. Als Mensch, der sehr viel vom Ideal der reinen romantischen Liebe hält in einer Umgebung in der die meisten Menschen mehr auf Geld und „Materielles“ aus sind, wird man zwangsläufig enttäuscht und irgendwann zynisch.
        Für manche geht es denn selbst Richtung Profitstreben, andere wählen vielleicht andere Arten, damit fertig zu werden.
        Es gibt alos gewissermaßen eine „kritische Masse“, ab der auch die Romantiker „umkippen“.
        2. Soweit ich weiß haben viele Bürger der DDR oder auch die Menschen des Biedermeier sich aus dem politischen Leben zurückgezogen und wurden mehr „häuslich“.
        Vielleicht gilt das ja auch für das Profitstreben? Wer nicht die Möglichkeit hat, Karriere zu machen, der steht gar nicht vor der Alternative sich zwischen Familienleben und Karriere (oder allgemein Berufsleben) entscheiden zu müssen.
        Das bedeutet aber nicht, dass es mehr überzeugte Romantiker gibt, nur mehr Leute, die zusammen die Träume eines überzeugten Romantikers mehr oder weniger leben wollen.

  3. Rüdiger sagt:

    „Unvollkommen in bezug auf was? Den Gottmenschen?“

    Nein, in Bezug auf das, was Menschen (den realen Menschen, wie sie sind) gut und recht ist – in bezug auf ihre Moral, ihre Werte. Sie sind sich dieser Werte – als gut und recht – bewusst, scheitern aber oft daran. Wenn Du schon dieses Eingeständnis, dass Menschen unvollkommen sind, als Nihilismus betrachtest, hast Du den Begriff „Nihilismus“ gekapert. (Um alles, was nicht Objektivismus ist, etikettieren zu können?) Vom Begriff her ist Nihilismus der Kult um das Nichts – eine Verneinung aller Werte. Die Ansicht, dass ein Mensch unvollkommen ist, impliziert aber sogar schon auf rein logischer Ebene die Anerkennung von Werten. Mit Nihilismus hat das nichts zu tun.

    Deine übrigen Antworten fand ich überzeugender, meine Fragen und Einwände dazu wurden damit teilweise entkräftet. Es klingt für mich plausibel, dass mehr Marktwirtschaft diese Probleme eher reduzieren, nicht verschärfen würde.

    Dazu kommt noch folgends: Selbst wenn es solche Fälle wie das Thrombosebeispiel gibt, so bleibt es fragwürdig, warum der Staat der richtige Adressat für solche Probleme ist. „Unsinn, Verschwendung, Verbrechen sind die drei Merkmale staatlichen Handelns“, sagte ein schlauer Mensch mir einmal. Wenn man mitleiderregende Fälle an den Staat delegiert, kommt man darum herum, sich selbst zu engagieren („geh doch zum Staat, der hilft dir! Ist nicht mein Problem“). Aber der Preis für diese Delegation ist ein hoher. Direkte gegenseitige Hilfe wäre ein besserer Weg. Die Menschen wären mit weniger Staat besser dran.

    • sba sagt:

      Hallo Rüdiger,
      ich glaube, die Sache mit der Unvollkommenheit ist eigentlich bereits gelöst (ohne, dass es jemand bemerkt hat, weshalb ich es jetzt mal bemerke), als Andreas M. schrieb, dass menschliche Fehler auf freien Willensentscheidungen entstehen, wenn diese auf falschen Ideen basieren. Wobei, möchte ich ergänzen, die falschen Ideen entweder im akzeptierten System oder in fehlerhafter Interpretation eines Systems begründet liegen. Liegt ersteres vor, besagt der Objektivismus in der Regel, dass das akzeptierte System der menschlichen Natur, und nebenbei der Logik und Vernunft, eben nicht gerecht wird, wenn es von denen, die es akzeptieren, nicht umgesetzt werden kann, mit anderen Worten: In sich widersprüchlich ist. Und da, Logik 101, aus Widerspruch beliebiges folgt, kann man aus selbstwidersprüchlichen Systemen alles und das Gegenteil herleiten, was sie noch weniger empfehlenswert macht.
      Liegt der Fehler aber beim Anwender, ist also ein ehrlicher Fehler, so wird man ihn wohl in der Regel zugestehen, ebenso, wie man einem Menschen zugesteht, dass er in der Lage ist, zu lernen, also nicht dazu verdammt ist, immer die selben Fehler bis in alle Ewigkeit zu perpetuieren. Worin besteht das Problem? Dass manche Menschen nicht willens oder in der Lage erscheinen, zu lernen? — Dies ist aber kein eigenes, sondern genuin ein Problem anderer Leute, mit denen sich länger abzugeben, als es zu ertragen ist, einen niemand zwingen kann (oder können dürfen sollte). — Oder ist es das genuin eigene Problem, dass man manchmal Momente der Schwäche erlebt, lässt, was man sollte oder tut, was man nicht dürfte? — Da stellt sich die Frage: Ist diese Schwäche eine dauerhafte, oder geschieht sie nur gelegentlich bis selten, bildet also eigentlich kein Grundmuster des eigenen Charakters, werden ihre Folgen noch gar bekämpft? Nun, wirklich problematisch ist nur die Schwäche, der man Dauerhaftigkeit gewährt, wirklich schlimm ist nur die Katastrophe, die nicht bekämpft wird, wirklich schadet nur das Übel, das von Dauer ist. — Oder liegt darin das Problem, dass manche Menschen manchen Übeln Dauer gewähren? — Aber es ist deren Entscheidung und unser Lebensrecht, die Folgen dieser Übel von uns fern zu halten.

      Insofern auf das Scheitern: Entweder hat man einen Fehler gemacht, den man prinzipiell korrigieren kann, oder man ist falschen Prämissen gefolgt, die man schnellstmöglich korrigieren sollte.

      • Rüdiger sagt:

        Danke für diese gedanklich sehr klar ausgeführte Antwort! Ich werde ein wenig darüber brüten…

  4. Xazas sagt:

    Rüdiger:
    „Wenn er niedrig qualifiziert ist und nichts anderes kann als z.B. verkaufen oder Einzelteile an einem Fertigungsband zusammensetzen, könnte das im Laissez Faire Kapitalismus sein Ende bedeuten.“

    So etwas in der Art höre ich öfter und es stimmt prinzipiell Auch. Nur ist das eben nicht die Schuld der Arbeitgeber. Warum sollte ein Arbeitgeber dafür verantwortlich, daran Schuld sein, dass ein Mensch nicht höher qualifiziert ist oder sich nicht weiterbildet? Immer wenn ich (aus meinem recht jungen Blickwinkel heraus) ältere Menschen sehen, welche eher gering qualifizierte Berufe ausüben frage ich mich was diese Menschen ihr ganzes Leben lang gemacht haben, warum haben sie sich nicht weiterenwickelt? Klar gibt es Einzelschicksale, aber das können unmöglich so viele sein.

    Welches Recht sollte man nun haben einen Arbeitgeber in die Pflicht zu nehmen irgendjemanden einzustellen oder zu behalten, nur weil er nichts anderes kann, aus purem Mitleid quasi. Wenn man einem Arbeitgeber eine solche Pflicht zuspricht, spricht man ihm einen Teil seiner Individuellen Rechte ab.

    • Skeptiker sagt:

      Warum sollte ein Arbeitgeber dafür verantwortlich, daran Schuld sein, dass ein Mensch nicht höher qualifiziert ist oder sich nicht weiterbildet?

      Vielleicht, weil er ihn einfach viel zu wenig Lohn bezahlt und er sich deshalb eine teure Weiterbildung gar nicht erlauben kann.

      […]warum haben sie sich nicht weiterenwickelt?

      Ich habe zwar keine Ahnung, was Sie unter „gering qualifizierte Berufe“ verstehen, aber ich möchte doch folgendes einwenden:
      Die Anzahl der Chef-Posten ist notwendigerweise begrenzt. Nicht jeder ältere Mitbürger kann einen erreichen.

      Was „gring qualifiziert“ ist und was nicht ist übrigens auch sehr relativ: Die meisten Akademiker dürften so z. B. keine vertieften Fachkenntnisse über die Tätigkeit von Handwerkern haben, geschweige denn praktische Erfahrung auf diesem Feld. Ganz unabhängig davon, ob es sich dabei um einen Bäcker oder um einen Uhrmacher handelt.
      Und wenn bald 50% der Bevölkerung eine Hochschulreife erwerben, werden nicht alle plötzliche zu den „höher qualifizierten“ Arbeitnehmern zählen, sondern die durchschnittliche Qualifikation wird sich einfach weiter verschieben.
      Nicht umsonst gibt es Phänomen, dass sogar Akademiker manchmal keinen Beruf im Gebiet, das sie studiert haben, finden, weil es da einfach so viele andere Bewerber gibt. 😉

      Wenn man einem Arbeitgeber eine solche Pflicht zuspricht, spricht man ihm einen Teil seiner Individuellen Rechte ab.

      Vor allem würde es seine Personalkosten erhöhen, damit den Preis und damit würde unter Umständen sein Unternehmen scheitern.

      Es steht aber die Theorie im Raum, dass es hier eine Art von positiver Rückkopplung geben könnte:
      Die Arbeitgeber zahlen niedrigere Löhne, um Produkte billiger herstellen und anbieten zu können -> Arbeitnehmer haben weniger Geld zum Konsum zu verfügung, können also nicht mehr teuere Produkte kaufen -> Arbeitgeber müssen noch billiger herstellen, um möglichst viel absetzen zu können (nur Absatz bringt Umsatz) -> Arbeitnehmer bekommen noch weniger Lohn usw.usf.
      Allerdings habe ich meine Zweifel, dass wir uns in so einer Spirale befinden. Preisvergleiche ergeben, dass z. B. Discounter manchmal nicht sehr viel billiger sind als Fachgeschäfte. Auch berücksichtigt das Modell ja gar nicht das Ausland oder den Staat.

  5. Positron sagt:

    „ihre Intelligenz steigerten“ überaus gerne, nur wie?

    MfG Positron

    • sba sagt:

      z.B., indem auf jedes „verstehe ich nicht“ keine Kapitulation erfolgt, sondern, sagen wir mal, aktive Neugierde.
      Gut, effektiv wird das die Intelligenz als cognitives Potential eines Menschen (ich nenne es mal scherzhaft „Grundintelligenz“) nur besdingt steigern können, sehr wohl aber den Anteil des genutzten cognitiven Potentials (was ich dann scherzhaft konsequent als „effektive Intelligenz“ bezeichnen muss — der Pointe zu Liebe, Rands Aussage auf eine Steigerung der effektiven Intelligenz zu beziehen.
      Weniger scherzhaft: Tatsächlich spricht viel dafür, dass die verfügbare Intelligenz eines Menschen ab einem gewissen Alter recht konstant bleibt, wie sehr man sich auch bemüht, was aber definitig nicht für all dasjenige gilt, was man mit der Intelligenz, die man hat, anstellen kann. Nach meiner Beobachtung spielen die meisten Menschen unter ihrem eigentlichen Niveau und jetzt könnte man Kant loslassen^^)

      PS: Ehrlich gesagt, glaube ich, Rand hat sich einen komplexen Scherz erlaubt.

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