Tea Party verantwortlich für Woolwich?

Eine islamische

Im Londoner Stadtteil Woolwich wurde ein Soldat der britischen Armee, Lee Rigby, von zwei Islamisten mit Messern und einem Beil ermordet und dann geköpft. Auf offener Straße, am hellichten Tag. Damit ist er eines von mehreren Opfern einer Köpfung durch Islamisten im Westen in den letzten Jahren. Waren die Täter Agenten der amerikanischen Tea Party?

Eines steht fest: Der Islam hat nichts mit dem Anschlag zu tun. Wie ein Bekannter jüngst anmerkte, wäre es ein schwerer Fall von „Anti-Islamismus“, dergleichen zu behaupten. Messer und Beile gibt es schließlich nicht nur in islamischen Ländern. Zwar sind die Praktiken, einem Ungläubigen die Kehle durchzuschneiden oder ihn zu köpfen, in der islamischen Theologie legitimiert (siehe deutschen Artikel zum Thema), aber es gab schon viele Mörder, die ähnliches taten, und keine Muslime waren.

Man kann es als einen statistischen Zufall ansehen, dass die Mörder radikale Muslime waren. Sie hätten ebenso radikale Jainisten (Religion, die das Töten jedweder Lebensformen dogmatisch ablehnt) sein können. Oder radikale Ballett-Tänzer.

Niemand hätte jemals vorhersehen können, dass Michael Adebolajo zum Mörder werden könnte. Außer höchstens den britischen Behörden. Die britischen Behörden wussten seit zwei Jahren, dass Adebolajo Verbindungen zur al-Qaida hatte. Und sie zogen die entsprechenden Schlüsse: Laut einem Freund von Adebolajo versuchte der MI5 erfolglos, Adebolajo anzuwerben. Da bin ich eher geschüttelt, als gerührt. Andererseits ist der MI5 nicht der MI6 – die sind da weniger wählerisch.

Über die Motivation des Angreifers ist also nichts bekannt. Das Muster passt allerdings zu der Herangehensweise einer fundamentalistischen Gruppierung aus den USA: Der Tea Party. Die Bürgerbewegung fordert niedrigere Steuern. Die Grünen machen inzwischen Werbung damit, höhere Steuern zu fordern. Die Piratenpartei fordert, dass Raubkopieren, also Diebstahl, staatlich zu fördern sei. Niedrigere Steuern zu fordern gilt in unserer Gesellschaft als verrückt, ja gefährlich. Das ist nicht normal. Und in Woolwich haben wir gesehen, wozu diese Tea-Party-Leute mit ihrer Verbindung zur al-Qaida fähig sind, wenn sie keine niedrigeren Steuern bekommen!

Es ergibt vollkommen Sinn. Die Terroristen stammen aus Nigeria und sind vom Christentum zum Islam konvertiert. Da es keine Belege dafür gibt, steht fest – die gab es zwischen den Anschlägen und Boston und der Tea Party ja auch nicht -, dass sie nach dem Islam zur Tea Party konvertiert sind. Doch die Teeblätter sind gefallen, die Tea Party ist entblößt!

Die Konversion von Islam zu Tea Party ist den Terroristen wahrscheinlich leicht gefallen. Schließlich gibt es in der islamischen Welt eine populäre Teekultur. „Tee ist für die Menschen im Orient genuiner Bestandteil ihrer Lebensweise“, heißt es etwa in einer Vortragsankündigung von Professor Dr. Jürgen W. Frembgen. Quod erat demonstrandum.

An allem schuld: Die Tea Party

Aber jetzt mal ernsthaft: Die Dämonisierung der Tea Party muss ein Ende finden.

Eine Abteilung der US-Steuerbehörde IRS hat Tea-Party-Gruppen gezielt behindert. Eine Untersuchung des IRS-Generalinspekteurs zeigt, dass sich die Steuerbehörde bis zu 1000 Tage länger Zeit für die Bearbeitung der Steueranträge von gemeinnützigen Tea-Party-Organisationen ließ als für andere Anträge. Sogar die vermeintlich unabhängige US-Regierung ging also gegen die weithin angefeindete Tea Party vor. Das muss aufhören.

Die Tea Party ist entgegen anderslautender Berichterstattung keine „konservative“ Bewegung. Zwar gibt es auch konservative und reaktionär-religiöse Individuen und Gruppierungen in der Tea Party, aber ebenso gehören Libertäre dazu, radikale Liberale. Typisch für die Tea Party ist lediglich ein zentraler Programmpunkt: Die Forderung drastischer Steuerreduzierungen. Schließlich ist die Bostoner Tea Party ihr historischer Anknüpfungspunkt – die sich gegen die Besteuerung der Kolonien durch den britischen König richtete.

Die Tea Party und das angebliche „Klima des Hasses“, das sie erzeugt haben soll, wurden bereits für den Amoklauf von Tucson mitverantwortlich gemacht. Anfangs spekulierten linksgerichtete Medien, dass Tea-Party-Mitglieder für das Bombenattentat auf den Bostoner Marathon verantwortlich waren. Tatsächlich konnte der Tea Party bislang kein einziger Mord oder gar Anschlag nachgewiesen werden. Die Tea Party ist einfach eine politische Bürgerbewegung für weniger Steuern – und nun wurde bekannt, dass sogar die Regierung selbst gegen sie vorging.

Es gibt keinerlei Fakten, die eine Dämonisierung und Diskriminierung der gesamten Tea Party rechtfertigen. Man sollte bei der Kritik auf Verschwörungstheorien und grundlose Anschuldigungen verzichten – und erst recht auf Diskriminierungen seitens der Behörden.