Das wahre Fantasiegeld

Harry Potter Goldschatz (c) Warner Brothers

Harry Potter Goldschatz (c) Warner Brothers

Wie wäre es eigentlich, mit echtem Geld zu bezahlen?

Nicht mit virtuellem Geld oder Papiergeld, das der Staat in die Existenz druckt. Das durch nichts gedeckt ist außer Schulden und dem Versprechen, dass die Schulden theoretisch zurückgezahlt werden könnten – was nicht der Fall ist. Geld, das jede Sekunde an Wert verliert, weshalb sich Sparen und Investieren kaum noch lohnt. Und sie sollen sich kaum noch lohnen, denn Inflation ist gut für Schuldner. Durch Inflation verliert Geld an Wert und somit werden die realen Schulden geringer. Der größte Schuldner ist der Staat. Also sorgt er für Inflation.

Mit dem Fantasiegeld bestechen Politiker ihre Wähler und bekommen Macht.

Stellen Sie sich mal vor, beim Bäcker einen Kaffee zu ordern und ihn mit ein paar Kupfermünzen zu bezahlen. Mit Silbermünzen zahlen Sie beim Mediamarkt, mit Goldmünzen beim Autohändler. Sie wären sich viel stärker bewusst, dass Sie einen echten Wert geben, um einen echten Wert zu erhalten. Harte, glänzende Goldmünzen, schwer erarbeitet. Damit würden Sie viel bewusster konsumieren. Die Dinge wären wieder etwas wert. Die Welt wäre wertvoller, das Leben wäre wertvoller.

Es wäre andererseits unpraktisch, so viele Münzen mit sich herumzuschleppen. Und es wäre problematisch wegen der Diebstahlgefahr. Das waren zwei der Gründe, weshalb man das Gold bei der Bank gelassen hat und stattdessen mit Schuldscheinen handelt, die man gegen Gold eintauschen konnte. Den Banken ist verhängnisvollerweise aufgefallen, dass die meisten Kunden ihre Schuldscheine nie gegen Gold eintauschen, sondern gegen Güter, Dienstleistungen und andere Schuldscheine, weshalb sie irgendwann den Großteil des Goldes, der eigentlich den Kunden gehört, für sich selbst gebrauchten. Bald waren die Schuldscheine nicht mehr gegen Gold eintauschbar. Dann ist dem Staat aufgefallen, dass er einfach Schuldscheine in beliebiger Menge drucken kann, denn niemand muss sie gegen reale Werte wie Gold länger eintauschen können. Die finanzielle Basis des Wohlfahrtsstaates: Fantasiegeld.

Der Wertverlust des Geldes nimmt zu. Je mehr Wirtschaftscrashs der Staat mit immer mehr gedruckten Schuldscheinen auffängt, desto schlimmer fällt die nächste Krise aus. Denn Wirtschaftskrisen sind Korrekturmechanismen des freien Marktes. Sie sind der Beweis, dass die Realität sich nicht betrügen lässt. Wenn Geld nichts wert ist, dann ist es nichts wert. A = A.

Das System muss irgendwann zusammenbrechen, weil der moderne Mensch noch immer an Mythen glaubt.

1. Der Mythos, dass man etwas aus dem Nichts erschaffen kann.

Wertloses Geld habe einen Wert. Ein Staat könne nicht pleite gehen; egal, wie hoch er sich verschuldet, um seine Wahlgeschenke zu finanzieren.

2. Der Mythos, dass manche Ursachen keine Folgen hätten.

Man soll jahrzehntelang über seinen Verhältnissen leben können, ohne irgendwann dafür zahlen zu müssen.

Wie man sieht, sind ökonomische Probleme letzten Endes philosophische Probleme. Eine schlechte Philosophie führt zu schlechten Konsequenzen im realen Leben.

Echtes Geld – also Geld mit einem realen, objektiven Wert – wurde ins Reich der Fantasie verbannt. Man bezahlt nur noch mit Gold in Fantasy-Welten wie jener von Harry Potter oder in Der Herr der Ringe. Wenn das Reale zum Irrealen erklärt wird, dann wird sich die Realität auf kurz oder lang ihr verlorenes Reich zurückholen.

11 Kommentare zu “Das wahre Fantasiegeld

  1. Und man vergesse nicht den mithin kreativsten Aspekt dieses Fantasiegeldes, nämlich den Zins. So kann man auch noch eine wunderbare Umverteilungsfunktion in dieses perfide System einbauen. Geld ist ja nur der Motor, doch aufbringen muss der Einzelne Arbeitskraft und unsere Erde Rohstoffe etc.
    Da wir einmal mehr einen Punkt erreicht haben, wo die Verschuldung zwangsläufig ungedeckt ist, übersteigt das „fantastische“ Wachtum das real mögliche. Und es gibt tatsächlich noch Leute die wundern sich dann über Krisen… Das ist simple Mathematik. Doch die Inkompetenz der Handlungsträger wird wohl auch zukünftig auf Basis dieser Finanzverwerfungsmaschinerie ganze Wirtschaften zerstören.

    –> http://nahedemabgrund.de/geld-zerstort-die-welt/

    • Enrico sagt:

      Hi,

      Deinem Standpunkt kann ich leider nicht folgen. Ein universelles Tauschmittel wie z.B. Geld sehe ich als großen Vorteil. Das erlaubt es, nahezu alle Güter und Dienstleistungen indirekt zu tauschen. Und auch der Zins stellt für mich kein Problem dar, solange sich die Vertragspartner frei darüber einigen. Außerdem fördert er Investitionen und man sollte nicht vergessen, daß es genauso wie bei Kreditausfällen passiert, daß ein versprochener Zins nicht gezahlt werden kann. Zinsen sind also nicht per Definition eine Spirale nach oben.

      Interessant fand ich auch den Link zur Wissensmanufaktur in Deinem Artikel. Ich hatte nicht die Zeit, mir alles anzusehen. Aber die Videos des Andreas Popp sind sehr lehrreich, wenn man erfahren will, mit welchen rethorischen Kniffen man seinen Aussagen Gewicht verleihen und sich wichtig machen kann.

      • Enrico sagt:

        Es ist zwar etwas off-topic aber ich bin die Belege für meine Behauptung zu den Videos aus Zeitmangel schuldig geblieben. Das will ich jetzt nachholen:

        00:27 „Viele intellektuell verhaltensauffällige Wirtschaftsexperten, die in permanenten Statements zur Lage der Ökonomie nur noch sinnfreie Sätze herauswürgen, stehen aus meiner Sicht am Abgrund ihrer dogmatischen Fähigkeiten.“

        Er steckt die Grenzen ab. Auf der einen Seite verhaltensauffällige Leute, die Sätze herauswürgen und auf der anderen Seite er mit noch einigen wenigen anderen. Die etwas humoristische Art öffnet dem Zuschauer die Tür, falls er sich für Popps Seite entscheidet. Aber wer will schon intellektuell verhaltensauffällig sein.

        00:51 „Mit dieser Einleitung gehe ich zwar auf Konfrontation, aber die dramatische Zuspitzung der verblendeten oder auch verblödeten Welt läßt mich diesen Wege gehen.“

        Ich als Zuschauer seines Vortrages bin auch Teil dieser Welt. Bin ich also auch verblendet oder gar…? Jetzt steht er übrigens schon allein gegen die ganze zugespitzte Welt. Das sichert Sympathie.

        01:07 „Mir ist sehr wohl klar, daß es auch ausgeleuchtete Köpfe in der sogenannten Elite gibt, die Fragen jenseits der primitiven Lehrbuchdogmen zulassen.“

        Wenn ich also die primitiven Dogmen hinter mir lasse, dann kann ich mich auch zu den ausgeleuchteten (oder gar erleuchteten) Köpfen zählen? In einer Wissenschaft, zu der Ökonomie hoffentlich zählt, sollte nur die Suche nach Erkenntnis wichtig sein und nicht, wer sich als heller Kopf betrachtet.

        Soweit drei Beispiele zu meiner These. Ich betone, daß ich nur über die Form des Vortrages und nicht über den Inhalt geschrieben habe. Das würde den Rahmen hier definitiv sprengen 🙂

        • BlowYourMind89 sagt:

          Schön, dass du dir die Mühe gemacht hast 🙂
          Ich weiß selbst, dass Popp ein zweifelhafter Zeitgenosse ist. Ich könnte jetzt ebenso 3 Beispiele wirklich sinnvoller Aussagen aufführen und nichts wäre endgültig bewiesen. Ich bin auch kein großer Freund von aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen, die einseitig zerpflückt werden. Ich persönlich mag Herausforderungen rhetorischer Art 😉
          Ich möchte mit meinem Link ja auch keine Anhängerschaft unterstreichen oder soetwas.
          Davon ab besteht die Wissensmanufaktur aus mehr als ihm. Aber du hast recht, der Link ist ungenau, es kann ja niemand wissen, was ich meine, was dort sehens- oder lesenswert ist. Danke dafür.

  2. BlowYourMind89 sagt:

    Es handelt sich um eine polemische Bestandsaufnahme, die nicht den Anspruch erhebt Geld abzuschaffen. Ich bin aber mit derzeitigen Zirkulationsbewegungen eben nicht einverstanden. Und natürlich ist Zins nicht per definitionem ein Umverteilungsmechanismus, doch er bedingt eben derartige Aufwärtsbewegungen. Und nur weil er einige positive Aspekte birgt, sind langzeitige negative Folgen nicht geheiligt.

    Dein Kommentar zur Wissensmanufaktur ist mir zu wider. Ich setze darauf, dass Leute zwischen Rhetorik und Informationsgehalt selbst unterscheiden. Einen Anreiz sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen, halte ich für sinnvoll.

    • sba sagt:

      Moinsen,
      Zins ist aber eigentlich erstmal kein Aspekt nur des Geldes, sondern generell eines auf Dauer angelegten Tauschverhältnisses (Mietzins, Pachten etc.) Beim Geldleihen wirkt es nur etwas verwirrend, weil Gegebenes und Bekommenes von gleicher Art sind (anders als bei der Miete, bei der man Obdach gegen Geld tauscht – wird da irgendetwas umverteilt?) und so der — falsche! — Eindruck entstehen kann, Geld könne mit Geld gemacht werden, als fände da irgendeine Zellteilung o.ä. statt. Ist aber nicht der Fall (oder sollte es nicht sein) und derartige Probleme ergeben sich eigentlich nur, wenn nicht sauber zwischen Schuld (der zur Verfügung gestellten Menge Geldes) und Zins (der Gebühr dafür) unterschieden wird, m.a.W. der Zins in die Schuld einfließt. Das Ergebnis heißt Zinseszins und würde dafür sorgen, dass Geld in der Tat mit zunehmender Geschwindigkeit dahin fließt, wo schon mehr davon ist. Dabei handelt es sich aber durchaus nicht um ein notwendiges oder gar das einzig mögliche Modell. Unterscheidet man zwischen Schuld und Zins, kann man deren Zahlungen auch voneinander trennen (wobei natürlich der Fall ist, dass nicht gezahlter Zins geschuldet wird), wie das, wenn ich richtig informiert bin, in den USA bei Krediten auch möglich ist: I.d.R. zahlt man monatlich die Zinsen und wenn man kann, einen Teil der Tilgung, sodass die Beträge der Zinsen mindestens konstant bleiben oder gar schrumpfen bis die Schuld bei Null liegt.
      Aber das ist bloß ein Nebenschauplatz, dessen Erwähnung nur aufzeigen soll, dass Schulden nicht prinzipiell exponentiell anwachsen müssen.
      Den Haupteinwand hat Enrico bereits mit dem Stichwort „Investition“ gegeben – immerhin kann niemand gezwungen werden, Geld zu leihen, muss man also selbst entscheiden, ob man welches leiht – und zu welcher Verwendung. Rationaler Weise eigentlich nur für Investitionen, d.h., für Aufwendungen, als deren Ergebnis man die eigene Produktivität steigern kann. Klug eingesetzt, kann man also aus so eingesetztem Geld mehr herausbekommen — in Form von Zeit, Produktion, Verkauf, als man hineingesteckt hat. Worin besteht die Umverteilung, wenn von so erzieltem Mehrwert ein Teil als Bezahlung an denjenigen geht, der dessen Erschaffung erst durch Kredit ermöglicht hat?

  3. Torsten Werner sagt:

    Schöner Artikel, der das wesentliche übers Geld knapp zusammenfasst. Das dieses unsägliche Zinsargument gleich im ersten Kommentar erscheint, war leider zu erwarten. Ich erspare mir aber weitere Widerworte.

  4. BlowYourMind89 sagt:

    Nun gut, ich wollte auch nicht derart vom Artikel abschweifen, er beschreibt den Kern der Sache vorzüglich und zeichnet damit den Ursprung sämtlicher Ungleichmäßigkeiten unseres Finanzwesens auf, aber da ich keine Unsäglichkeit darin sehe, wollte ich eben im Sinne eines Kommentars den Zins wenigstens anmerken, weil das Argument des Fantastischen eben darin fortgesetzt wird. Etwas wird über die Summe des Bestehenden hinzuerfunden.
    Eine Anmerkung noch vorweg: Makroökonomische Feststellungen verlieren ihren Wahrheitsgehalt auch nicht durch völlig berechtigte mikroökonomische Einwände 😉
    Ich versuche mich kurz zu fassen, auch wenn’s schwer fällt. Mit der Einführung von virtuellem Geld, dem Bankenwesen usw. ist die Gelderschaffung immer durch Schuld(en) verwirklicht. Diese zwei Seiten der Medaille bestehen fort. Eine Spareinlage ist damit kein zwangsläufig gedeckter Anspruch auf Geld, deren Schuld an einem anderen Ende erhoben werden muss. Diese Verkettung entsteht schlichtweg und ist natürlich auch nicht gänzlich zu verteufeln, doch der Zins und seine exponentielle Schwester Zinseszins sorgen auf Dauer für Vermögensungleichheiten, auch wenn diese partiell im System nicht verwirklicht sind.
    Somit kommt automatisch ein Geldwert ins Spiel, den es eigentlich noch gar nicht gibt. An dieser Stelle muss irgendwo im System ein Kredit aufgenommen werden usw. Ein Unternehmer der mithilfe von Krediten investiert, schlägt den abzuzahlenden Zins auf das Produkt auf. Der Abnehmer bezahlt letztlich also den Kredit ab. Eine Umverteilung geschieht damit hin zur Bank, die dadurch weiteren Kredit vergeben kann. Etwas komplexer wird es durch die staatliche Zwischenschaltung von Steuern, die ebenfalls als völlig sinnvoll unangerührt bleiben könnte, würden die Staatsschulden den Zinsapparat nicht durchlaufen. Da dies aber geschieht, kommt auch hier eine Umverteilung in Gang. Man will die Schulden ja tilgen, muss also die Staatseinnahmen erhöhen usf. In aller Konsequenz profitieren also Profiteure, während Belastete weiter belastet werden.
    Ist man einmal an diesem Punkt der Ungleichverteilung und z.B. ein Unternehmen hat Kapital angesammelt um zu investieren, bricht dennoch der einstmals bestehende Absatzmarkt langsam zusammen. Das führt auf Basis des Finanzwesens zu Wirtschaftsproblemen. Das Unternehmen baut Stellen ab etc. Die Realwirtschaft leidet…
    Investieren im Allgemeinen kann potentiell erfolgreich sein. Die Zinslast eines jeden Kredits muss dennoch irgendwie erbracht werden. Darin besteht letztlich schon die Umverteilung. Nimmt ein Maurer einen kleinen Kredit für ein neues Auto auf, so bietet er seine Arbeitskraft um Kredit samt Zins zu bezahlen. Er baut meinetwegen den Rohbau eines Hauses für einen vermögenden Unternehmer, der sich finanziell nicht mehr sorgen muss und zu den Zinsempfängern gehört. Der Mehrwert ist an anderer Stelle immer an ein Aufbringen dieses Mehrwerts gekoppelt.
    Nimmt rein hypothetisch niemand mehr einen Kredit für etwas auf, das er sich eigentlich nicht leisten kann, wäre eine auf Wachstum gepolte Wirtschaft dem Erliegen überlassen. Denn die wenigen Multimillionäre haben gar keine Zeit so viel zu investieren, dass die gesamte Wirtschaft weiterhin harmonisch floriert…

    • Enrico sagt:

      Hallo,

      ich glaube, daß wir im Punkt des virtuellen Geldes einen ähnlichen Standpunkt haben aber Deine Schlußfolgerungen sind mir nicht ganz klar

      Zitat: „Ein Unternehmer der mithilfe von Krediten investiert, schlägt den abzuzahlenden Zins auf das Produkt auf. Der Abnehmer bezahlt letztlich also den Kredit ab.“

      Oder der Unternehmer kann die Produktion effektiver gestalten und das Produkt letztendlich sogar billiger als vorher anbieten oder durch Innovation das bisherige Produkt durch ein besseres ersetzen.

      Zitat: „Nimmt ein Maurer einen kleinen Kredit für ein neues Auto auf, so bietet er seine Arbeitskraft um Kredit samt Zins zu bezahlen. Er baut meinetwegen den Rohbau eines Hauses für einen vermögenden Unternehmer, der sich finanziell nicht mehr sorgen muss und zu den Zinsempfängern gehört.“

      Mal abgesehen vom Klischee… Das bedeutet also, daß der Maurer indirekt von den Zinseinahmen seines Auftraggebers profitiert und sich das Auto nicht kaufen könnte, wenn es nicht den Auftraggeber für den Hausbau geben würde? Und auch die Zinseinnahmen Deines vermögenden Unternehmers sind mit einem Ausfallrisiko verbunden.

      Zitat: „Eine Anmerkung noch vorweg: Makroökonomische Feststellungen verlieren ihren Wahrheitsgehalt auch nicht durch völlig berechtigte mikroökonomische Einwände ;)“

      Das erschließt sich mir nicht ganz. Wenn die Teile einer Theorie nicht stimmen, dann stimmt die Gesamttheorie trotzdem?

  5. BlowYourMind89 sagt:

    Mit dem ersten Punkt hast du völlig recht und das wäre auch wünschenswert. Mir ging es dabei lediglich um den Aspekt, dass ein Kredit samt Zins ins Spiel kommt, der so oder so wieder eingefahren werden muss. Wenn das Unternehmen damit eine neue Maschine gekauft hat und der Hersteller ebenfalls Kredite hält usw., wird die Kreditlast, aber viel wichtiger, auch deren Zins, in das Produkt eingerechnet und somit bezahlt der Endkunde letztlich die Zinsen. Nicht schmerzlich, wenn mich der neue Joghurt dank innovativer Verpackung nun 30 Cent weniger kostet. Wahrscheinlich wird er aber nicht billiger und der Mehrgewinn wandert in die Chefetage. Das Unternehmen läuft und der Chef hat ein Privatkonto mit dem er leistungslos Zins-Geld verdient. Diese zwei Seiten bedingen eine Umverteilung und nach mehreren Jahrzehnten innerhalb eines solchen Systems, ist das Vermögen aufs Ungerechteste verteilt und die Gesamtschulden und damit auch das Gesamtvermögen sind so massiv angestiegen, dass kein Nutzen mehr für die Realwirtschaft daraus entsteht. Der Staatshaushalt ist ein Thema für sich, muss aber wenigstens erwähnt werden, da er auch eine gewaltige Rolle spielt.
    Missversteh mich nicht falsch 🙂 Beim Maurer-Unternehmer-Klischee-Beispiel passiert etwas Ähnliches. Wenn die beiden bei der selben Bank sind, könnte man zynischerweise sagen, dass der Maurer sich das Geld gleich hätte vom Unternehmer leihen können, doch darum geht’s nicht. Der Maurer erbringt Leistung im Umfang seines Kredits und dem Zins. Der Unternehmer (Achtung Klischeesteigerung!), der das Unternehmen samt Vermögenswerten nur geerbt hat, hat noch nie wirkliche Leistungen erbracht und lässt dennoch sein zwanzigstes Ferienhaus bauen. Der Maurer profitiert ja nicht wirklich von der Liquiditätssteigerung der Bank, sondern eigentlich der Unternehmer der gedruckte Zahlen auf Kontoauszügen in reale Werte umsetzt. Der Maurer hat nun ein schickes neues Auto, aber eben auch einen Kredit am Hals. Die Vermögensanhäufung wird ihm in seinem Leben durchaus schwer fallen. Ich wollte nur eine gewisse systembedingte Ungerechtigkeit herausstellen, die mit der Zeit zunimmt.
    Weg vom Klischee werden nun auch viele, die unter den Hochwassern leiden, gezwungen sein Kredite aufzunehmen.

    Netter Versuch. Eine Theorie ist nur konsistent, selbst wenn sie dynamisch ist, solange sie auch im Partiellen nicht widerlegt wird. Das Gegenteil würde ich nicht unterschreiben. Aber derartiges habe ich aber auch nicht formuliert. Meine Aussage war schon etwas spitzfindiger gemeint 😉

    Einen schönen Abend noch!

    • Torsten Werner sagt:

      Ich glaube, hier wird einiges durcheinander gebracht. Dass das heutige staatliche Geldsystem nicht sinnvoll ist, steht bereits im Artikel und das will ich nicht noch einmal wiederholen. In einem freien Geldsystem besteht Zins aus 2 Anteilen: 1) ein Versicherungsbetrag für Kreditausfall, der umso höher ist je riskanter der Kreditnehmer eingeschätzt wird, und 2) einer Bezahlung an den Kreditgeber dafür, dass er auf sein Geld eine Zeitlang verzichtet. Er könnte stattdessen auch z.B. selbst ein Auto kaufen und mit Taxifahrten statt Zins Geld verdienen. Dann würde der Kreditnehmer dumm da stehen, weil er keinen Kredit mehr bekommt, und vielleicht will der Kreditgeber das gar nicht. Ergo: Zins an sich ist überhaupt nichts negatives.

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