Die „Woroni“-Kontroverse

Woroni ist eine australische Studentenzeitung der Nationalen Universität von Australien in Canberra. Die Zeitung veröffentlichte über die letzten Monate eine religionskritische Reihe von Cartoons mit Texten, in denen jede Religion eine Frage zu beantworten hatte (Mark Humphrys hat sie gesammelt). Die Witze über Katholizismus, Judentum und Scientology waren kein Problem, doch dann war der Islam an der Reihe. (Update: Cartoon jetzt hochauflösend)

Nach dem islamkritischen Cartoon erhielten die Studenten Drohungen. Von der Universitätsleitung. Die außerdem die Ausgabe verbot. Mit den Worten der Woroni-Redaktion:

„Innerhalb einer Woche wurde die Woroni-Redaktion zwei Mal zum Dekanat vorgeladen. Man hat uns individuell mit disziplinären Maßnahmen gedroht, zusammen mit den Autoren des Beitrags. Man hat uns informiert, dass unsere finanzielle Zuteilung aufgehoben werden könnte. Die ganze Woroni-Redaktion musste einem Treffen mit Mitgliedern des Dekanats beiwohnen, weil das Dekanat über die Antwort der Woroni-Redaktion auf eine formelle Beschwerde der Abteilung für Auslandsstudenten beraten wollte. Dem Dekanat zufolge verletzt der Artikel die ‚Universitätsregeln‘ und die Richtlinien des australischen Presserates. Das Dekanat forderte eine Entschuldigung und eine öffentliche Zurücknahme des Artikels. Alle Woroni-Redakteure und die drei Autoren des Beitrags wurden mit disziplinaren Maßnahmen nach Abschnitt 3.1 (b) des ANU-Disziplinarausschusses bedroht, sollte das PDF online bleiben.“

Drei Mal dürfen Sie raten, von wem die Beschwerde an das Dekanat stammte.

Beschwerde an Woroni

Der Präsident der Abteilung für Auslandsstudenten ist Muhammad Taufiq bin Suraidi, ein muslimischer Student aus Singapur, das für seine niedrigen Standards bei der Pressefreiheit berüchtigt ist. Er meint, die Islam-Satire habe viele Studenten „unabhängig von ihrem Glauben“ beleidigt. Weshalb man sie nicht drucken durfte.

Oh, was sehe ich da auf meinem Server? Der verbotene Cartoon! So ein Zufall. Mal sehen, auf wie vielen Servern, Blogs und Websites er am Ende verewigt sein wird:

woroni.11

Thanks to Mark Humphrys for his research and his unyielding defense of the free society!

OHL: Verblendet

aus: Freier Wille

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=WoolHUtHEWg[/tube]

3 Kommentare zu “Die „Woroni“-Kontroverse

  1. sba sagt:

    Stichwort „awareness“ im Leserbrief — ich denke, das kann man recht treffend mit „Bewusstsein“ übersetzen und darunter eine Analogie jenes Bewusstseins verstehen, dass vor dem Mauerfall in ML anerzogen werden sollte (http://de.wikipedia.org/wiki/Marxismus-Leninismus , reguläres Unterrichtsfach in der DDR) und das im Wesentlichen, wie Herr Galt zutreffend bemerkte, aus dem Kratzbuckeln vor den vermuteten Gefühlen anderer Leute besteht*. Bloß, dass vom Klassenbewusstsein wenigstens ein theoretisches Konzept vorliegt, während ich immer wieder ratlos vor awareness-Veranstaltungen stehe und mich frage, welcher Dinge und Umstände ich mir bewusst werden soll und wozu?

    Tja und ansonsten..wenn die Zeitung universitätsöffentlich finanziert wird, entspricht deren inhaltliche Füllung und Herausgabe einer öffentlichen Stelle, oder? Eine öffentliche Stelle, die daraus besteht, etwas (hier den Inhalt) zu produzieren und zu verteilen (statt es zu verkaufen) erscheint mir paradox: Ein freier Produzent könnte sich bei Nichtgefallen seines Prduktes einfach andere Kunden suchen, wenn er keine anderen Produkte anbieten will. Als geistiger Produzent mit Selbstachtung kann man nun nicht gerade Beliebiges produzieren: Er muss es für wahr und richtig halten. Ein öffentlicher geistiger Produzent, dessen Produkt Missfallen erregt, kann damit eigentlich nur zurücktreten (sofern er nicht bereit ist, zu produzieren und zu veröffentlichen, was er für falsch hält) — seinem Verständnis publikationswürdigen Inhaltes wurde offensichtlich das Mandat entzogen. Als letzte Amtshandlung und letzten Dienst an denen, die nicht das Mandat entzogen haben, könnte man die Woroni noch in Prawda umbenennen.

    *)Und das genau das hier auch erwartet wird, wird daran deutlich, dass „Stress und Ärger bei vielen Studenten“ die erste und, wie es ausschaut, Hauptbeschwerde sind — über eine „Satire“, die erstmal wie eine Faktensammlung aussieht, ohne zu sagen, worüber sich geärgert wird (die Fakten oder der Umstand, dass sie publiziert wurden? — beides ist gewiss nicht neu) und ohne jeglichen Versuch auskommt, irgendeinen inhaltlichen Fehler nachzuweisen. Einziges Argument sind verletzte Gefühle und enttäuschte Erwartungen von irgendwem, der nicht benannt wird (außer dem Kollektiv der Auslandsstudenten, die stolz auf ihre Vielfalt seien — aber nunja, bei 189 möglichen Herkunftsländern ist diese Vielfalt der Herkünfte eher eine Sache der Mathematik).

  2. Thanks Andreas!
    I have now got a high-quality copy of the banned Islam graphic:

    Mark

    http://markhumphrys.com/woroni.html

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