Mehr als eine Prise Egoismus

Sonya Kraus  feiert heute ihren 40. Geburtstag und in einem Gespräch erzählt sie der BILD Zeitung etwas Bemerkenswertes: “Allerdings werde ich mir mit 40 eine größere Prise Egoismus zur besseren Selbsterhaltung schenken.“ Bemerkenswert richtig ist die Erkenntnis, dass Menschen zur Selbsterhaltung Egoismus brauchen, d. h. unser Denken und Handeln muss darauf gerichtet sein, unser Leben in die richtigen Bahnen zu lenken – dort, wo wir Glück und Erfolg finden.

Natürlich können wir uns mit einer Prise Egoismus bescheiden, was aber weder notwendig noch sinnvoll ist, denn beim Egoismus gibt es keine Überdosis wie beim Salzen einer Suppe. Und bitte: Egoismus ist n i c h t gegen andere Menschen gerichtet, sondern schließt die vernünftige Behandlung anderer Menschen ausdrücklich mit ein. Es gibt Menschen, die wir schätzen oder sogar lieben, und entsprechend sollten wir sie auch behandeln. Aber die Beziehung zu anderen Menschen ist nur ein Aspekt der egoistischen Ethik, und keineswegs der zentrale. Auch auf einer einsamen Insel, ohne den Kontakt zu anderen Menschen, bräuchten wir eine Ethik, eine die uns am Leben hält und soviel Glück wie möglich erzeugt. Darum geht es. Mit 40 und an jedem Tag unseres Lebens.

9 Kommentare zu “Mehr als eine Prise Egoismus

  1. sba sagt:

    Schön gesagt!
    Schade, dass das verlinkte Interview nicht halb so viel taugt (jedenfalls den zwei Antworten nach, die ich noch lesen konnte, bevor ein mir unerklärlicher stupor einsetzte).

  2. philosopherofanniversary sagt:

    Ich habe einmal ein Video-Interview von Ayn Rand gesehen, wo sie gesagt hat, dass die Definition der Selbstsucht und Rücksichtslosigkeit, mit der man den Egoismus beschreibt, ihr nicht gefällt. Man sollte mehr von Selbstwertschätzung reden. „self-esteem“ statt „selfishness“. Kann aber sein, dass ich nicht alles richtig verstanden habe oder die Untertitel schlecht übersetzt haben.

  3. Philip Hartmann sagt:

    „Und bitte: Egoismus ist n i c h t gegen andere Menschen gerichtet, sondern schließt die vernünftige Behandlung anderer Menschen ausdrücklich mit ein.“

    Das ist natürlich Unsinn. Wenn es meinem Vorteil dient, andere Menschen zu zu betrügen oder zu verletzen, dann werde ich das als 100%iger Egoist selbstverstädlich tun. Warum ist denn die Menschheitsgeschichte eine einzige Abfolge von Gewalt und Verbrechen? Weil die Menschen nicht selbstsüchtig genug sind?

    Wer die Moral auf den Egoismus reduzieren will, der muss behaupten, dass unmoralisches Verhalten NIEMALS dem eigenen Vorteil dient. Und das ist zutiefst abwegig. Es war für die Europäer vorteilhaft, die Indianer auszurotten, und bis zur Industrialisierung war auch die Sklaverei ausgesprochen vorteilhaft. Ebenso gibt es zahlreiche Menschen, die aus Korruption oder Drogenhandel ihren Vorteil ziehen und nie erwischt werden. Ich wüsste auch nicht, aus welchem egoistischen Grund ich ein Problem mit Kinderarbeit in fernen Ländern haben sollte. Was gehen mich diese Kinder an?

    Moralität beruht darauf, dass wir über unseren eigenen Nutzen hinausdenken. Nur wer dem Wohlerghen anderer Menschen einen intrinsischen Wert beimisst, entwickelt ein Verständnis für moralische Gründe.

    • sba sagt:

      „Wenn es meinem Vorteil dient, andere Menschen zu zu betrügen oder zu verletzen, dann werde ich das als 100%iger Egoist selbstverstädlich tun.“

      Genau darum geht es: Unter normalen Bedingungen dient es dem eigenen Vorteil eben nicht, zu betrügen, zu lügen, zu verletzen, zu stehlen etc. – sofern man anerkennt, dass ein friedlichen Miteinander im eigenen Interesse ist (etwa, weil man nicht ständig auf Paranoia laufen muss, nichts zu verbergen, aber dafür eine ziemlich sichere Versorgungssituation hat.)

      „Warum ist denn die Menschheitsgeschichte eine einzige Abfolge von Gewalt und Verbrechen? Weil die Menschen nicht selbstsüchtig genug sind?“
      Exactement: Weil es notwendig zum Krieg kommen muss, wenn man davon ausgeht, dass des einen Gut des andern Schaden sein müsse – was falsch ist, wenn man bedenkt, dass diese Aussage eine fixe Menge an Gütern voraussetzt, die ihrerseits nicht wahr sein kann, wenn man bedenkt, wie die Weltbevölkerung die letzten hundert Jahre so gewachsen ist – dann ist alles knappe Ressource und wenn nichts mehr frei rumliegt, sucht man, es einander abzujagen.
      Vermutlich soll genau dem mit der Meinung gesteuert werden, dass Gutes nur gut in anderer Leute Händen aufgehoben wäre – also mit dem Altruismus. Der aber eben nicht nur „Du sollst nicht stehlen, Du sollst nicht töten, Du sollst nicht lügen“ besagt, sondern, dass jeglicher Wert, egal, ob verdient oder entwendet, in den eigenen Händen falsch sei, solange irgendjemandes Wohlergehen noch nicht verwirklicht, bedroht, oder unter dem eigenen sei. Als konsequenter Altruist dürfte man etwa auch nicht eine Arbeitsstelle besetzen – die selbe Stelle hätte man ja jemand anderem „weg genommen“, dessen Wohlergehen in Form fehlenden Einkommens und einem schlechte Selbstgefühl zerstört wäre.

      „Wer die Moral auf den Egoismus reduzieren will, der muss behaupten, dass unmoralisches Verhalten NIEMALS dem eigenen Vorteil dient.“
      Tut es auch nicht, solange Frieden herrscht.
      Allerdings befürchte ich, wir hatten noch nie Frieden, aus oben genanntem Grunde.

      PS: http://www.feuerbringer-magazin.de/2013/05/23/mythen-uber-ayn-rand/

  4. Philip Hartmann sagt:

    „Genau darum geht es: Unter normalen Bedingungen dient es dem eigenen Vorteil eben nicht, zu betrügen, zu lügen, zu verletzen, zu stehlen etc.“

    Warum sollte es nicht profitabel sein, mit Drogen zu handeln oder korrupt zu sein? Man darf sich nicht erwischen lassen, aber das ist ein kalkulierbares Risiko.

    Außerdem geht es nicht nur um Verbrechen. Viele unmoralische Taten sind nicht einmal strafbar. Warum sollte ein Mann mit promisker Veranlagung darauf verzichten, seine Frau zu betrügen, wenn er nur an sich denkt?

    „Als konsequenter Altruist dürfte man etwa auch nicht eine Arbeitsstelle besetzen – die selbe Stelle hätte man ja jemand anderem “weg genommen”, dessen Wohlergehen in Form fehlenden Einkommens und einem schlechte Selbstgefühl zerstört wäre.“

    Es gibt einen gesunden Mittelweg zwischen einem 100%igen Egoismus und einer völligen Selbstaufopferung. Dieser Weg besteht darin, dass jeder zunächst an sich denkt und sein eigenes Leben in den Griff bekommt, aber gleichzeitig am Wohlergehen anderer Menschen interessiert ist und sein Verhalten danach ausrichtet.

    • sba sagt:

      Guten Tag,
      und ich bitte jetzt schon um Verzeihung für den ziemlich lang gewordenen Text. Wir befinden uns hier an der Spitze eines Baumes mit ziemlich breiten Wurzeln, ohne die er allerding partout nicht auskäme (klarer gesagt: Systematisch wäre ersteinmal zu klären, was „Egoismus“ zu bedeuten habe
      -lt. Rand im Aufsatz „The Virtue of Selfishness“ im gleichnamigen Buch unter Rückgriff auf Oxford bzgl. „selfish“: „Sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmernd“;
      und wieso diser und das verbriefte Recht dazu gut seien
      -> davor, was und inwiefern etwas „gut“ sei
      –> das für ein Lebewesen Gute ist, was sein Leben erhält, befördert und verlängert;
      sodass ein Mensch als Lebewesen darauf angewiesen ist, Maßnahmen zum Erhalt, zur Förderung und Verlängerung seines Lebens zu ergreifen;
      dann wäre evtl. noch ein Missverständnis auszuräumen, das in dem Vorwurf gipfelt, die Randsche Ethik sei primitiv, weil es ihr nur um das blanke Überleben gehe,
      -> dem zu entgegnen ist, dass jeder andere Wert Leben und Überleben voraussetzt, um verwirklicht werden zu können, dass außer dem Überleben noch Glück und Erfüllung ausdrücklich zu den Zielen der Randschen Ethik gehören, dem widerspruchsfreien Weiterleben aber niemals entgegenstehen dürfen, und, dass jede Ethik, die nicht Leben und Überleben des Individuums, das sie praktiziert vorsieht, sich selbst schon rein technisch allen Grund und Boden entzieht)

      Ihrer Geduld angesichts meiner vorigen, nicht ganz unheftig ausgefallenen, Antwort danke ich jetzt schon.

      „Warum sollte es nicht profitabel sein, mit Drogen zu handeln oder korrupt zu sein?“

      Dass es nicht profitabel sein sollte, im Sinne einer Wertung, sind wir uns, denke ich einig. Für diese Wertung gibt es verschiedene Gründe: Die Unverdientheit auf diese Weise erworbener Vorteile etwa (was konkret bei Korruption bedeutet, alle, die einen nicht bestochen haben, zu betrügen und nebenbei einen quasi unsichtbaren Markt aufzubauen, den nur die Teilnehmer kennen, sodass für alle anderen komplett unklar wird, wie welche Entscheidungen zustande kommen, wer sie beeinflusst, und warum; das Ergebnis wird eine Meidung des zutreffend als unvorhersehbar wahrgenommenen Marktes sein. Ein korrupter Polizist etwa, der auf Streife nur Häuser schützt, die ihn regelmäßig zum Kaffee einladen, oder Strafanzeigen nur gegen Bares aufnimmt, handelt objektiv gegen seine Einstellungsbedingungen, die den Schutz und die gleiche Behandlung aller unbescholtenen Menschen vorsehen.) Oder auch die Tatsache, dass auf unmoralisches oder kriminelles Verhalten tatsächlich das zutrifft, was Agent Smith zu Morpheus über die Menschheit allgemein gesagt hat: Wie ein Virus zerstört es die Grundlagen seiner Existenz, sobald es zu erfolgreich ist. Irgendwann ist nichts mehr da, was man stehlen kann, irgendwann glaubt einem niemand mehr seine Lügen, irgendwann trifft man auf Gegengewalt – letzter Punkt betrifft den Hauptunterschied zwischen moralischem und unmoralischem Verhalten: Das erste ruft keinen notwendigen Widerstand hervor, das zweite schon. Und es ist wesentlich einfacher, sich auf Menschen verlassen zu können, weil sie dem eigenen Vorteil folgen (meine Angestellten, die ihren Lohn bekommen wollen), als sie genau deswegen zu bekämpfen (meine Sklaven, die regelmäßig versuchen, mir wegzulaufen). Im Umgang der Menschen untereinander sucht die egoistische Moral deswegen nach Win-Win-Szenarien und betrachtet diese als notwendige Voraussetzung für Kooperation.
      Der Hintergedanke dazu lautet, dass andere Menschen nur dann Grund haben werden, mich in Ruhe und mir meine Rechte zu lassen, wenn sie ihrerseits keinen Grund haben, mich als Bedrohung ihrer Ruhe und Rechte zu betrachten, und, dass jemand, der auf einen eigenen Vorteil hinarbeitet, besseres leistet, als jemand, der bloß der Peitsche entgehen will.

      Wie es dann kommt, dass unmoralisches Verhalten bisweilen tatsächlich profitabel sein kann? – Weil und wenn niemand etwas dagegen unternimmt. Wenn die Opfer sich nicht wehren, die Zeugen nicht einschreiten und niemand ein moralisches Urteil fällt und entsprechend handelt. Das Böse existiert nur so lange, wie das Gute es ihm, meistens auf eigene Unkosten, gestattet. Der Verbrecher, der seinen Lebensunterhalt im Wesentlichen aus Zerstörung bezieht, ob real, angedroht oder durch die Vernichtung von Zeit und Arbeit, die in Eigentum investiert wurde, kann dies nur so lange erfolgreich tun, wie er nicht effizient verfolgt wird u n d wie es noch Menschen gibt, die etwas erschaffen, das er stehlen oder bedrohen kann.

      „Warum sollte ein Mann mit promisker Veranlagung darauf verzichten, seine Frau zu betrügen, wenn er nur an sich denkt?“
      Z.B., weil er damit sein häusliches Leben unnötig kompliziert bis unmöglich macht – in dem Moment, in dem er zulässt, dass ein Teil seines Lebens nicht bekannt werden darf, hat er sich selbst in Feindesland ins Bein geschossen – er muss ständig sich und seine Umgebung kontrollieren, ständig Gründe für seine Abwesenheit erfinden und sich auch noch auf die Gutgläubigkeit seiner Frau verlassen, von der er genau weiß, dass sie ihm jederzeit entzogen werden kann und extrem aufpassen, sich nicht irgendwann in Widersprüche zu verstricken – „Ich geh jetzt golfen“ – „Hallo, Schatz, das Bilard war toll!“ Und schon brennt die Luft. Und Lügen haben nuneinmal die Eigenschaft, schlechter im Gedächtnis zu bleiben, weil sie sich nicht mit den tatsächlichen Erlebnissen decken, und müssen überdies noch von Anfang bis Ende durchdacht sein, um zumindest plausibel zu erscheinen, während man für die Wahrheit, die man ohnehin durchgemacht hat, weniger Aufwand betreiben muss, weil sie sich lebhafter im Gedächtnis widerspiegelt.

      „Es gibt einen gesunden Mittelweg zwischen einem 100%igen Egoismus und einer völligen Selbstaufopferung. Dieser Weg besteht darin, dass jeder zunächst an sich denkt und sein eigenes Leben in den Griff bekommt, aber gleichzeitig am Wohlergehen anderer Menschen interessiert ist und sein Verhalten danach ausrichtet.“

      Ehrlich gesagt war meine spontane Erstreaktion auf diesen Absatz blinder Sarkasmus (Ayn Rand hat in genau dem Zusammenhang einmal etwas von einem Kompromiss zwischen Essen und Gift geschrieben, den nur das Gift gewinnen könne).
      Nun habe ich eine Nacht darüber geschlafen und denke: Nunja, ja! In bestimmtem Sinne, der daran hängt, was genau „sich interessieren“ hier bedeutet – und ob es als moralische Pflicht oder als surplus und Luxus angesehen wird.
      Persönlich würde ich sagen, dass mein Interesse am Wohlergehen anderer Leute darin besteht, es nicht zu (zer)stören, auf dass sie keinen Grund haben, mir das meinige zu (zer)stören; und, dass ich Freunden in Krisen und Havarien beistehe (sonst wären wir kaum Freunde). Und ich würde noch die faire Chance Fremden gegenüber dazu zählen, sich von ihrer guten Seite zu zeigen, dasjenige Vorschussvertrauen also, das mich darauf hoffen lässt, die Menschheit bestehe nicht nur aus Feinden (Womit ich Rand in der Äußerung Hank Reardens widerspreche, der meinte, kein Vorschussvertrauen zu verteilen und nur auf die konkreten Handlungen von Leute zu schauen – konsequent würde dies m.M.n. darauf hinauslaufen, Fremde sofort bei Sichtkontakt als mögliche Bedrohungen zu neutralisieren.)
      Was ich unter diesem Interesse nun nicht verstehen würde, wären Anstalten, anderer Leute existenzielles Wohlergehen erst selbst zu erschaffen, um es unter sie zu verteilen (Ausnahmen wären hier einerseits Kinder unter der eigenen Obhut, weil sie sich noch nicht selbst versorgen können und man mit der Zeugung bzw. Geburt bzw. Adoption die Verantwortung für sie übernommen hat (und ja, Kinder kann und sollte man nur aus eigennützigen Gründen haben – sage mir keiner, dass er nicht gerne stolz auf die seinen sei und dass Stolz keine eigennützige Empfindung sei); andererseits Unrecht, das andere trifft – weil das eigene Recht nur so sicher ist, wie dasjenige aller anderen und weil Rechtsbrecher auf keinen Fall Erfolg haben dürfen, sonst ermutig sie das nur, sodass man als ehrlicher Mensch mit Unrechtsopfern automatisch im selben Boot sitzt.)
      Wenn ich aus dem Absatz nun korrekterweise lese, dass man sich caritatives Verhalten allererst leisten können muss, um sich damit nicht kaputt zu machen, dann gebe ich Ihnen Recht. Genau deswegen wäre eine Pflicht zur caritas aber auch absurd, technisch unmöglich und eine contradictio in adiectione – trifft solch eine Pflicht alle, wird kaum jemand je sie sich leisten können, trifft sie „nur“ die, die sie sich leisten können, läuft dies auf eine Bestrafung dieser für ihren Erfolg hinaus (von der Willkür bei der Grenzpunktsetzung ganz abgesehen); außerdem verliert Solidarität jeden Wert, wenn man aufgrund Gesetz oder sozialem Druck gar nicht anders kann, als sie zu üben, wenn man nicht eingesperrt, zwangsgepfändet oder isoliert werden will.

      Zusammenfassend zu dieser ganzen Diskussion: Vielleicht – vielleicht! – wäre es tatsächlich gut, das Kind statt „Egoismus“ lieber „aufgeklärtes (oder, hübscher Übersetzungsfehler bei Andromeda: „erleuchtetes“) Eigeninteresse“ zu nennen. Ist jedenfalls präziser und damit potenziell weniger anfällig für ehrliche Missverständnisse.

      Mit freundlichen Grüßen
      S

  5. Skeptiker sagt:

    Dieser Artikel plädiert für einen „aufgeklärten Egoismus“, der menschliche Empfindungen wie Mitgefühl, Liebe oder Loyalität miteinschließt.
    Selbstverständlich ist so ein Egoismus nicht mit reiner Selbstsucht gleichzusetzen. Aus Selbstsucht betrügt, stiehlt und haßt man, aus diesen Egoismus soll man lieben, spenden und sich offenbaren, auf das man als wahre Person dann geliebt werden kann.

    Das Problem liegt aber darin, ob sich dann Egoismus und Altruismus überhaupt noch sinnvoll unterscheiden lassen.
    Altruist hilft einen Bettler: Er tat es aus Selbstlosigkeit.
    Egoist hilft einen Bettler: Er tat es, um seine Leidenschaft für das Wohl anderer Menschen zu befriedigen.

    Es passiert also faktisch das selbe, nur die Erläuterungen unterscheiden sich. Der eine betont, wie sehr sein Handeln ihn geholfen hat, der andere, wie sehr es den anderen geholfen hat und legt vielleicht sogar nahe, dass er dazu bereit war selbst auf etwas zu verzichten.
    Für den Altruisten war die selbstlose Tat im Grunde ein Opfer, das er zu erbringen bereit war; für den Egoisten dagegen ein Vergnügen.
    Es gibt natürlich andere Vergnügungen, die größer sein mögen, denkt sich der Altruist…?

    • sba sagt:

      „aus diesen Egoismus soll man lieben, spenden und sich offenbaren, auf das man als wahre Person dann geliebt werden kann.“

      Sieht irgendwie nach Zarathustra aus – „Ich bin wie die Biene, die des Honigs zu viel gesammelt hat. Ich bedarf der Hände, die sich ausstrecken“…schön, wenn man es so weit bringt, sich schadlos verschenken zu kkönnen, aber so weit muss man ersteinmal kommen, und muss die Welt auch kommen, solch Geschenk zu würdigen und weise zu verwenden. Aber in einem hatte Onkel Fritz schon Recht: Eigene (konstruktive) Stärke ist ein extrem guter Grund zu Freude und Feier.

      „Das Problem liegt aber darin, ob sich dann Egoismus und Altruismus überhaupt noch sinnvoll unterscheiden lassen.“

      Tun sie. Der Egoist wird sich z.B. kein schlechtes Gewissen machen, wenn er einem Bettler nichts gibt. Und seine Leidenschaft für das Wohl anderer Menschen (so er eine hat) wird sich auch eher darin Bahn brechen, Grundlagen zu schaffen und Gelegenheiten zu geben für eine würdige, produktive und befriedigende Selbsterhaltung der Menschen um ihn herum – statt diese Grundlagen und Gelegenheiten systematisch zu vernichten. Und es gibt keine selbstlose Tat, solange es ein Selbst gibt, dass sie ausführt. Aber es gibt Selbst (zer)störerische Taten.

  6. Schlimmere Dinge über die Wirklichkeit | Unqualifizierte Einwürfe sagt:

    […] Ist das hier nicht bloß die wieder aufgewärmte Brühe von “Mehr als eine Prise Egoismus“?A: Ähm…nein. Zugegeben sieht es ein wenig danach aus, aber auch komische Zufälle […]

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