Umgedrehter Rassismus

George W. Bush wurde von weiten Teilen der Welt dämonisiert und bedenkenlos als „Faschist“ bezeichnet. Barack Obama führt Bushs Politik in verschärfter Form fort. Mit seinen Drohnenangriffen nimmt er viel weniger Rücksicht auf zivile Verluste und die Überwachungsmechanismen von Bush weitete Obama auf eine totale Überwachung der amerikanischen Bevölkerung – und wie es ausschaut auch anderen Bevölkerungen – aus. Barack Obama wird allerdings von niemandem „Faschist“ genannt und wenn man es doch tut, versteht keiner, warum er ein Faschist sein sollte. Das ist genau die Doppelmoral, um die es in meiner Satire zum Thema ging.

Der einzige Grund für die Schonung von und Sympathisierung mit Obama sehe ich darin, dass er sich mit seiner sozialdemokratischen Innenpolitik einen europäischen Anstrich gibt und darin, dass er schwarz ist. Der invertierte Rassismus der Linken ist inzwischen fest verwurzelt. Er besagt, dass wir schwarzhäutige und braunhäutige Menschen anders, nämlich großzügiger, wohlwollender bis hin zur positiven Diskriminierung behandeln sollen. In den USA gibt es bereits Quoten an Hochschulen, laut denen schwarze Bewerber auf einen Studienplatz bevorzugt werden müssen.

In der Tat sollen uns schwarz- und braunhäutige Menschen dieser politisch korrekten Denkweise zufolge von Natur aus überlegen sein. Warum sonst demonstriert das Land unentwegt gegen Rechtsextreme, die statistisch gesehen eine winzige Minderheit darstellen und die für einen mit Ökoterroristen vergleichbaren Anteil an globalen Terroranschlägen verantwortlich sind (also sehr wenige), während islamkritische Organisationen besonders kritisch bis unfair beurteilt werden (was nicht heißen soll, dass es unter ihnen nicht auch eine Menge Spinner geben würde), obwohl radikale Muslime für die mit riesigem Abstand meisten Terroranschläge weltweit verantwortlich sind?

Unverständnis bis Empörung erregt es nun, wenn jemand da nicht mitmacht. Wer die Menschen tatsächlich anhand ihrer Ideen und Taten bewertet und nicht an ihrem Äußeren oder an ihrer Gruppenzugehörigkeit, macht sich verdächtig. Das bedeutet nämlich, dass man Obama ebenso verurteilten müsste wie Bush für dieselben Taten. Dass man einen braunhäutigen Muslim ebenso dafür verurteilen muss, wenn er einen Deutschen aus Fremdenhass angreift wie einen Deutschen, der einen Muslim aus Fremdenhass angreift. Jedoch ist eine besondere Sensibilität für deutschen Fremdenhass in der Öffentlichkeit vorzufinden. Im Grunde muss man sich selbst und seine eigenen Kultur hassen, um es als schlimmer zu bewerten, wenn Einwanderer von Deutschen angegriffen oder angefeindet werden, als wenn es umgekehrt geschieht. Beides ist natürlich ebenso zu verurteilen.

Laut dem umgedrehten Rassismus ist der weiße Mann ein gewalttätiger, unterdrückerischer Kolonialherr. Der schwarze und braune Mann ist friedlich und greift allenfalls zur Selbstverteidigung zur Gewalt, wie angeblich die Palästinenser. Aber der umgedrehte Rassismus ist einfach nur Rassismus, vermengt mit Selbstverachtung. Und ebenso zu verurteilen wie die „traditionelle“ Variante.

Ergänzung: Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass ich nichts Grundsätzliches an Obamas Drohneneinsätzen zu kritisieren habe. Wir müssen nicht das Leben unserer Soldaten auf Spiel setzen, wenn wir unsere Feinde auch ohne eigene Verluste ausschalten können. Der Aggressor trägt die Hauptverantwortung für zivile Verluste auf beiden Seiten. Nur: Wenn man Bushs Kriegsführung kritisiert, dann muss man es erst recht mit Obamas Kriegsführung tun.

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Ein Kommentar zu “Umgedrehter Rassismus

  1. sba sagt:

    „Dass man einen braunhäutigen Muslim ebenso dafür verurteilen muss, wenn er einen Deutschen aus Fremdenhass angreift wie einen Deutschen, der einen Muslim aus Fremdenhass angreift.“

    Ich halte schon seit längerem für sinnvoll, die Motivation bei der Urteilung von Strafsachen außer Acht zu lassen (wobei ich nicht mehr genau weiß, ob seit dem Entsetzen angesichts der bundesdeutschen Morddefinition oder wegen jener South Park-Folge, in der es um „Hassverbrechen“ ging, wobei sie dann herausgestellt haben, dass es sich bei dem Konzept um Rassismus in der Jurisdiktion handelt) – ein körperlicher Angriff ist ein körperlicher Angriff ist unter zivilisierten Menschen nicht vorgesehen und Motive lassen sich heucheln bis inszenieren. Einzige Ausnahme evtl. für präventive Verteidigungsmaßnahmen (weil und sofern wahrscheinliche Anzeichen eines bevorstehenden Angriffes ermittlungsmäßig auch nachvollziehbar sein werden.)

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