Eine Wahl

300 (Warner Brothers)

300 (Warner Brothers)

Ein Leser hat mir folgendes Gedicht zur anonymen Publikation geschickt.

Übrigens: Da dies in letzter Zeit häufiger vorkommt – grundsätzlich sind Gedichte und andere Gastbeiträge hier gerne gesehen, auch kritische, nur formell sollten Gedichte mehr oder weniger „traditionell“ ausfallen. Das heißt, sie sollten ein nachvollziehbares Versmaß haben und bevorzugt Reime, aber vor allem eine ordentliche, einheitliche Form irgendeiner Art. Das Gedicht sollte außerdem keine nihilistische Aussage haben. Moderne Lyrik  (z.B. Worte, die so angeordnet sind, dass sie wie ein Baum aussehen; absichtliche Formzerstörung, expressionistische und naturalistische Gedichte, etc.) wäre hier tendenziell nicht am rechten Ort. Nun zum Gedicht, das sich den historischen Kampf der 300 Spartaner gegen die Perser zum Thema wählt: Weiterlesen

„Externalität“ ist kein valides Konzept

Mutterliebe - ein externer Effekt?

Ein Säugling genießt Vorteile von Gütern und Dienstleistungen, obwohl er nicht an ihrem Kauf oder Verkauf beteiligt war. Ist Mutterliebe ein „externer Effekt“? (Foto: morguefile.com)

Die Doktrin der „externen Effekte“ dient heute als Rechtfertigung für alle möglichen Staatseingriffe in die Wirtschaft. Insbesondere wird die Argumentation mit den externen Effekten gebraucht, um ökologische Anliegen wie etwa Ökosteuern und den Emissionsrechtehandel zu rechtfertigen. Das Konzept einer „Externalität“ ist nicht valide, sein Gebrauch reine Willkür.

Ein Schmetterling - ist er schadensersatzpflichtig, wenn sein Flügelschlag am anderen Ende der Welt Regen auslöst?

Ein Schmetterling – ist er schadensersatzpflichtig, wenn sein Flügelschlag am anderen Ende der Welt Regen auslöst? (Foto: morgefile.com)

Um die Chaostheorie der Öffentlichkeit zu erläutern, wurde sie häufig anhand des Schmetterlingseffekts illustriert. „Ein Schmetterling kann in Peking mit den Flügeln schlagen und in New York gibt es Regen statt Sonnenschein“, erklärte sie Ian Malcolm im Film Jurassic Park. Laut der Doktrin der externen Effekte müsste der Schmetterling Schadensersatz dafür leisten, dass er es am anderen Ende der Welt regnen ließ.

Klarheit

Zunächst eine Definition des Begriffs „Externalität“ beziehungsweise „externer Effekt“, damit klar ist, worum es geht: Eine Externalität ist ein Vorteil (positiver externer Effekt) oder Nachteil (negativer externer Effekt), der Menschen aufgezwungen wird, die nicht am Kauf oder Verkauf eines Gutes oder einer Dienstleistung beteiligt waren. Manchmal wird auch noch der Konsum und die Produktion zu den Handlungen gezählt, die externe Effekte auslösen können. Der Empfänger einer Externalität wird nicht für die Kosten, die ihm auferlegt werden, kompensiert und er bezahlt auch nicht für den Vorteil, den er durch sie erhält. Diese Vor- und Nachteile werden als „Externalitäten“ oder „externe Effekte“ bezeichnet, weil sie sich außerhalb eines ökonomischen Tauschgeschäftes abspielen.

Es war Murray Rothbard, der feststellte, dass wir nur anhand von Handlungen erkennen können, ob Menschen wirklich etwas haben möchten oder anderen Schaden zufügen möchten – und nicht anhand von mathematischen Modellen, in die wir auf utilitaristische Art alles „Gute“ und alles „Schlechte“ reinstecken, was dem Menschen im Leben widerfährt, und dem irgendeinen Preis zuweisen. Das wird nämlich gerne mit „externen Effekten“ gemacht.

Mathematische Modelle darum, weil die Ökonomie an den Hochschulen ein mathematisch begründetes Fach geworden ist – wovon die österreichische Schule wenig hält, weil, kurz gesagt, der Mensch einen freien Willen hat und sein Tun psychologisch motiviert ist, während die Mathematik als Hilfswissenschaft der Beschreibung der determinierten, physischen Natur dient. Der Mensch passt nicht in eine Formel.

Laut dem Ökonomen George Reisman sollte man möglichst klar definieren, wann ein Wirtschaftsakteur für eine Leistung kompensiert werden muss und wann er Schadensersatz leisten muss.

Er schreibt: „Man sollte nur für die Vorteile, die man anderen zukommen lässt, kompensiert werden, die diese laut einem frei ausgehandelten Vertrag zu erhalten wünschten. Man sollte nur für Schäden aufkommen müssen, die den Personen oder dem Eigentum von spezifischen, individuellen anderen Menschen einen nachweisbaren physischen Schaden zufügten.“

Mit anderen Worten ist es relevant, ob man durch seine Handlungen (Vertrag abschließen) gezeigt hat, dass man bestimmte Vorteile erhalten möchte. Hat man dies nicht getan, schuldet man niemandem eine Kompensation für die Vorteile, die man erhält. Diese sind quasi wie ein Geschenk anzusehen oder wie etwas, das gar nichts mit monetärer Ökonomie zu tun hat. Etwa die Freue über den Anblick einer schönen Frau.

Ebenso muss niemand für Schäden aufkommen, wenn er anderen, individuellen Menschen keinen nachweisbaren physischen Schaden zufügte. Wenn etwa sein Haus an einer dicht befahrenen Straße liegt und der Anwohner fühlt sich durch den Lärm gestört, so schulde ich als Autofahrer ihm keinen Schadensersatz.

Sollten wir vom Staat anhand klarer Regeln beurteilt werden - oder beliebig?

Sollten wir vom Staat anhand klarer Regeln beurteilt werden – oder beliebig? (Foto: morguefile.com)

Willkür

Die Doktrin der Externalitäten hebt diese klaren Richtlinien auf und setzt an ihre Stelle reine Willkür. Wenn ich einen Passanten freundlich grüße, erfahre er dadurch bereits einen Vorteil, für den er mich eigentlich bezahlen müsste. Wenn mir jemand unaufgefordert eine Werbemail schickt, in der ich ein interessantes Angebot entdecke, müsste ich dem Werbenden dafür eine Gegenleistung erbringen. In der Tat müssten wir eigentlich den Erfinder des Rades und den Entdecker der Elektrizität finanziell für ihre Leistungen entschädigen.

Nun halte ich es für durchaus richtig, dass wir dem Erfinder des Rades Anerkennung schuldig sind und auch Benjamin Franklin – aber wir sind ihnen keine finanzielle Gegenleistung schuldig. Es gab damals noch kein Urheberrecht und es wäre inzwischen längst abgelaufen. Wiederum müsste laut der Externe-Effekte-Doktrin ein genialer Erfinder unserer Zeit, der dem Gebrauch fossiler Brennstoffe mit einer neuen Technologie ein Ende setzte – Schadensersatz für seine ökologisch wertvolle Erfindung leisten, weil er zahlreiche Menschen damit um ihren Job brächte.

Neben „positiven externen Effekten“ wie meiner Freude über den freundlichen Blick einer schönen Dame gibt es „negative externe Effekte“ wie das, was der CO2-Ausstoß meines Autos, kumuliert mit dem von anderen Autos, indirekt mit der Atmosphäre anstellt. Und obwohl wir Menschen, die von uns verlangen würden, sie für den Genuss finanziell zu entschädigen, den uns der Anblick ihrer schönen Augen beschert, keine finanzielle Gegenleistung zukommen lassen würden – so werden wir durch allerlei Steuern, Gesetze, Verbote de facto dafür bestraft, dass unser Autos CO2 ausstoßen.

Geht man von der globalen Erwärmung aus und von den von Klimaforschern vorhergesagten Auswirkungen, stellt der CO2-Ausstoß natürlich ein Problem dar. Die Frage ist, wie man ihn ethisch einordnen und angemessen darauf reagieren soll.

Kurz gesagt ist nicht alles ein Gegenstand der Wirtschaft und erst recht ist nicht alles eine Sache der Politik.

Autos verursachen einen CO2-Ausstoß - und sie tragen massiv zu unserem Wohlstand bei.

Autos verursachen einen CO2-Ausstoß – und sie tragen massiv zu unserem Wohlstand bei. (Foto: morguefile.com)

Die Rolle von CO2

Der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid durch Autos und in der Produktion gehört zum Leben in einer industrialisierten Gesellschaft. Wir profitieren alle enorm von Aktivitäten, deren Nebenprodukt der CO2-Ausstoß ist. Für die meisten Vorteile müssen wir nicht zahlen. Die Technologie bietet aktuell keine annähernd rentable Möglichkeit, am CO2-Ausstoß etwas zu ändern. Vielleicht wird das eines Tages anders sein, aber dazu müsste man der technologischen Entwicklung freien Lauf lassen. Etwas, das Ökologen mit ihrer Opposition zu praktisch jeder Technologie, von Gentechnik bis zur Stammzellenforschung (einst auch PCs und elektrische Zahnbürsten) sicher nicht wollen.

Durch ihren Protest gegen die Förderung von Erdöl im Westen – in den USA haben Ökologen schon mehrmals die Ölförderung in Naturschutzgebieten oder einfach im Ödland verhindert – hat die Umweltbewegung lediglich erreicht, dass wir von arabischen Scheichs abhängig gemacht wurden, die wiederum unser Geld in den Terrorismus investieren, der unsere Zivilisation zerstören will.

Weder die arabischen Länder noch Entwicklungsländer wie China und Indien haben das geringste Interesse an einer CO2-Reduktion. Das einzige, was wir mit einer gesetzlich aufgezwungenen Reduktion erreichen, ist eine Schwächung der freien Welt zugunsten der unfreien Welt.

Die Implikation der ökologischen Sicht auf die globale Erwärmung durch menschliche Produktivität lautet: Je ökonomisch erfolgreicher ein Land, je einfallsreicher, fleißiger, fortschrittlicher seine Bevölkerung – desto schlimmer. Denn die erfolgreichen Länder sind demnach die Aggressoren, die mit ihrem rücksichtslosen Handeln im Eigeninteresse unseren ganzen Planeten zerstören.

Der CO2-Ausstoß gehört zum Leben in einer Industriegesellschaft. Er gehörte weniger (obgleich durch offene Feuerstellen und unsere Neigung zum Atmen ebenfalls) zum Leben in primitiven Stammeskulturen oder in Agrargesellschaften. Man kann nicht gesetzlich gegen die Industriegesellschaft vorgehen, wenn man ein Interesse am menschlichen Wohlergehen hat.

Man kann Liebe nicht auf Chemie reduzieren - aber auch nicht auf Ökonomie.

Man kann Liebe nicht auf Chemie reduzieren – aber auch nicht auf Ökonomie. (Foto: morguefile.com)

Nicht alles ist Ökonomie

Das Händlerprinzip des Objektivismus bietet eine Verständnishilfe, was Tauschgerechtigkeit ist. Wir tauschen materielle Werte, aber wir tauschen auch spirituelle Werte – nicht alles bezahlen wir mit Geld, nicht alles ist Teil des Marktes. Wir tauschen auch mal spirituelle gegen materielle Werte und umgekehrt.

Freundschaft und Liebe sind beispielsweise ein ewiges Geben und Nehmen. Mal kocht der Partner, mal kochen wir, oder er kocht immer und dafür kümmern wir uns um die Müllentsorgung – wie auch immer man es konkret regelt, Freundschaft und Liebe sind keine rein ökonomischen Beziehungen im engen Sinne.

Das gilt auch für „externe Effekte“ wie Socken. Da Menschen Socken tragen, müssen wir den Gestank ihrer Füße nicht einatmen. Wer muss wen dafür bezahlen, dass er Socken trägt? Tatsächlich ist es einfach ein gegenseitiges, stilles Einverständnis, dass wir Socken tragen und auch ansonsten alle auf unsere Hygiene achten. Abgesehen von dem Obdachlosen, der unlängst in unserer örtlichen Straßenbahn unterwegs ist und der zu den Gründen gehört, warum ich inzwischen öffentliche Straßenbahnen meide. Im Übrigen: Achten Sie mal darauf, welche gesellschaftlichen Gruppen sich von kostenfreien Stadtparks am stärksten angezogen fühlen. Manchmal würde ein bisschen mehr Marktwirtschaft auch nicht schaden.

Wie jeder Wissenschaftler glauben auch Ökonomen, sie hätten eine Erklärung für alles im Angebot. Tatsächlich beschreibt die Ökonomie eben nicht jeden Aspekt des menschlichen Lebens – obgleich grundlegende ökonomische Zusammenhänge viel stärker in der Schule gelehrt werden sollten. Das wäre wichtiger, als Grundschülern die Evolution beizubringen (Seitenhieb…).

Letzten Endes sind wir wieder bei der Frage angelangt, ob das Ziel die Mittel rechtfertigt? Dürfen wir die Rechte und Freiheiten von Menschen verletzten, obwohl sie selbst nicht in die Rechte anderer eingreifen, wenn sie lediglich Auto fahren oder Produkte kaufen, die durch CO2-Ausstoß von Fabriken „erkauft“ wurden? Darf der Staat gewaltsam gegen jene vorgehen, die sich nichts zu Schulden kommen ließen – nur, weil ihr Dasein in unserer Gesellschaft eine Auswirkung auf das Wetter haben mag?

Wie der Titel schon sagt

Das Schlusswort übergebe ich an den Wirtschaftsprofessor Brian P. Simpson von der National University in La Jolla, Kanada:

Das „Konzept“ einer Externalität sollte verworfen werden. Es sollte nicht länger im intellektuellen Diskurs oder in Debatten gebraucht werden. Es bietet keine Marktkritik, weil es nicht valide ist und daher ein schädliches Konzept darstellt.

Ein solches Konzept hilft nicht dabei, ein besseres Verständnis eines Aspektes der Realität zu entwickeln; es führt nur zu größerer Verwirrung aufgrund der absurden Implikationen des Konzepts, seiner kollektivistischen Natur und weil es Menschen dazu bringt, grundsätzliche politische Unterscheidungen zu ignorieren (oder zumindest nicht ihre Wichtigkeit zu erkennen), wie die Unterscheidung zwischen einer Regierung, die handelt, um individuelle Rechte zu verletzen oder die handelt, um sie zu schützen.

Literatur

Halbrook, Stephen P.: The „Externalities“ Argument

Reisman, George: Capitalism. A Treatise on Economics, PDF

Simpson, Brian P.: Why externalities are not a case of market failure

 

Die Ethik der Notfälle

Alfred Hitchcocks "Lifeboat" (20th Century Fox)

In der Dichtung sind Notfälle ein beliebtes Thema: Alfred Hitchcocks „Lifeboat“ (20th Century Fox)

Der Objektivismus hält nicht viel von der Besessenheit der modernen Ethik mit absurden Dilemmata und Notfallsituationen, die von manchen Denkern als Anlass genommen werden, die Harmonie der Interessen (zwischen Menschen, die im aufgeklärten Eigentinteresse handeln) in Zweifel zu ziehen oder die sogar als metaphysische Grundlage von Ethiken genommen werden (wie Peter Singers Präferenzutilitarismus). „Der Mensch lebt nicht in einem Rettungsboot“, ist Ayn Rand bekannteste Aussage zu diesem Thema.

Ethik beruht auf einem bestimmten Kontext, auf bestimmten metaphysischen Gegebenheiten. Die objektivistische Ethik beruht auf dem Leben in einer modernen Zivilisation. Würden wir in der Wildnis leben, wäre nicht jedes Element der Ethik weiterhin gültig, nur die grundlegenden Prinzipien, in besonders schlimmen Situationen vielleicht nur noch eines: Tue alles, um zu überleben.

Hin und wieder gibt es aber auch in der Realität Notfälle – und der Objektivismus bietet auch hierfür eine Richtlinie. Ayn Rand über die objektivistische Notfallethik: Weiterlesen

Kollektivschuld 2.0

Alexia schrieb einen Kommentar, der mich erschaudern ließ. Ihre Argumentation ist weit verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert. Sie ist trotzdem höchst problematisch. Unser Austausch:

Ich schrieb: “Wenn ich einen an sich harmlosen Beitrag zur CO2-Verschmutzung leiste und erst das kummulierte CO2 von tausenden Bürgern schädlich ist, dann ist das nicht meine Schuld.”

Alexias Antwort: „Doch. Und meine und die meiner Familie und deiner Familie, unserer Nachbarn und überhaupt allen, die mehr CO2 produzieren als nur durch normale Körperfunktionen.. […] Wenn alle kollektiv an der Zerstörung von etwas Schuld sind, dann sollten auch alle gemeinsam die Konsequenzen tragen. Wenn sich die genauen Anteile der Schuld nicht nachweisen lassen – Pech gehabt. Dann wird der Anteil eben Pi mal Daumen geschätzt.“

Es ist nicht gerade überraschend, dass es die Ökobewegung sein sollte, die Kollektivschuld wieder hoffähig gemacht hat.

Ergänzung: Antwort auf einen Einwand von Volkswirt Ulrich Berger hinzugefügt Weiterlesen

Sind Sie schuld an der globalen Erwärmung?

Ein Kommentator namens Spkr hat zu meinem Beitrag Die globale Erwärmung wird die neue Eiszeit schmelzen eine interessante Frage gestellt:

Einmal angenommen, die Wirkung von CO2 auf andere Menschen (z.B. Luftverschmutzung oder in letzter Konsequenz auch die gebrochenen Dämme, Naturkatastrophen usw.) seien zweifelsfrei nachgewiesen.
Wie würde man im Laissez-faire-Stil damit umgehen? Man kann ja schwierig nachweisen, wer zu welchem Anteil zu welchen Folgen beigetragen hat.
Wäre es in diesem Fall nicht zweckmässig (und auch das einzig Durchführbare) pauschal den CO2-Ausstoss an der Quelle zu messen und entsprechend zu besteuern, und das Geld allen (Betroffenen) auszuzahlen?

Oder wie könnte das ohne solche “politischen Zwangsmassnahmen” aussehen?

Meine Antwort: Weiterlesen

Die globale Erwärmung wird die neue Eiszeit schmelzen

Globale Erwärmung (Cox & Forkum)

Der Himmel wird uns auf den Kopf fallen – und du bist schuld! (Cox & Forkum)

Donald Prothero, ein amerikanischer Geologe und Paläontologe, durfte im eSkeptic (Online-Ausgabe des US-Skeptikermagazins) einen Leitartikel über den Klimawandel veröffentlichen und über dessen Leugner. Diesmal hat der Skeptiker davon abgesehen, Forscher zu Wort kommen zu lassen, die eine andere Auffassung haben. Das ist bei den Kommentatoren nicht gut angekommen, die fast alle den sehr polemischen Artikel von Prothero kritisierten. In der Tat ist einiges merkwürdig an den Klima-Apokalyptikern.

Man findet den üblichen Kitsch im Artikel über eine Verschwörung von Ölkonzernen, Großunternehmen und Freimarktsadvokaten, die angeblich Forscher dafür bezahlen (schön wäre es, wenn ich Forscher für irgendwas bezahlen könnte), kritische Artikel über den Klimawandel zu publizieren. Rupert Murdoch, das Competitive Enterprise Institute, Zigarettenfirmen, die Waffenlobby, Fox News, Glenn Beck, Rush Limbaugh und „Konservative“ – Prothero nennt die wirklich alle explizit! – haben sich angeblich zusammengetan, um von der großen Gefahr der Klimaerwärmung abzulenken.

Ich hatte mal eine Auseinandersetzung mit dem Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume und ich hielt ihm vor, nur über die evolutionären Vorteile des religiösen Glaubens zu schreiben, weil er von evangelischen Organisationen dafür bezahlt wird. Er hielt dagegen, dass ich von atheistischen Organisationen bezahlt wurde und er somit eine vergleichbare Motivation behaupten könnte. Im Grunde wird jeder von irgendwem bezahlt und man sucht sich, sofern man im weltanschaulichen Bereich tätig ist, natürlich den Arbeitgeber heraus, der ähnliche Ansichten vertritt.

In den Kommentaren zum Prothero-Artikel war zu lesen, dass Klimaforscher häufig von der Soros (George Soros ist ein linker Multimillionär) Foundation und anderen linken Stiftungen finanziert werden und sie dadurch auch nicht glaubwürdiger sind als ihre Gegner. Dieses ganze Finanzierungs-Ding sollte zumindest nicht von der Validität der Argumente ablenken.

Repent! (Cox & Forkum)

„Also gut! Ich glaube, dass die Menschheit die globale Erwärmung verursacht!“ – „Nun gut, gebt dem Häretiker seine Forschungsgelder zurück.“ (Cox & Forkum)

Ich habe dabei keine klare Meinung zum menschengemachten Klimawandel. Aber folgendes gebe ich zu bedenken:

1. Wenn das Wetter schlechter wird, können wir am besten damit umgehen, wenn wir die Freiheit haben, damit umzugehen. Es gibt nicht den geringsten Grund, davon auszugehen, dass wir den Klimawandel besser durch staatliche Planung bewältigen können als durch private Initiative. Angenommen, die Dämme bei der Nordsee brechen. Können die Menschen schneller fliehen und sich weiter südlich ansiedeln, wenn sie erst einen Pass dafür beantragen oder einen Beamten bestechen müssen, oder indem sie einfach fliehen? Die Idee, der Klimawandel würde staatliche Planung implizieren, ist nichts als eine gewollte Assoziation der Ökologen. Staatliche Wirtschaftslenkung wird nicht auf einmal effektiv, nur weil das Wetter schlechter wird. Kommunismus funktioniert weder bei gutem, noch bei schlechtem Wetter. Die Idee, es wäre anders, ist vollkommen verrückt.

2. Die Klimawandel-Fraktion behauptet in der Regel nicht nur, dass es menschengemachten Klimawandel gibt. Klimaforscher fordern meistens politische Zwangsmaßnahmen, um das CO2 zu reduzieren. Die übrige Gesellschaft und andere Wissenschaften bestehen nicht zu fast 100 Prozent aus Sozialisten und Staatsgläubigen. Warum ist das bei Klimaforschern anders?

3. Die Behauptung, eine drohende Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes erfordere, dass wir alle unser Verhalten grundlegend zu unserem Nachteil und gegen unseren Willen verändern, ist dieselbe Behauptung, die Weltuntergangssekten seit Jahrtausenden immer wieder in die Welt setzen. Die ökologische Variante ist besonders giftig, da sie weniger unser Verhalten als unsere bloße Existenz als Bedrohung für den übrigen Planeten ansieht. Wir überleben, indem wir natürliche Rohstoffe in menschliche Werte umwandeln, indem wir produktiv tätig sind. Bei absolut jeder Energieumwandlung ist der Wirkungsgrad nicht 100%. Es entstehen also immer „Abfallstoffe“ wie CO2. Um das zu vermeiden, müssten wir das Atmen einstellen.

4. Die Klimawandel-Warner sind häufig ökologische Aktivisten auch in anderen Bereichen, sie warnen etwa auch vor einer drohenden „Überbevölkerung“.

Globale Erkältung (Cox & Forkum)

„Verhindert globale Erwärmung!“ – „Wir müssen an unserem Timing arbeiten.“ (Cox & Forkum)

Prothero ist ein Beispiel dafür. Er schrieb zum Beispiel folgendes:

Vor allem müssen wir [Menschen] eine Balance der menschlichen Bevölkerung erreichen, um die Umwelt und unsere Lebensweise zu bewahren, denn grenzenloses Wachstum zerstört die Stabilität von Ökosystemen. Man erinnere sich an Darwins frühe Beobachtung, dass die meisten natürlichen Populationen in ihrer Größe stabil zu sein neigen, aber wie es ein Comic-Philosoph namens Pogo es in den 1960ern ausdrückte: „Wir sind dem Feind begegnet, und er ist wir.“

So etwas kommt dabei heraus, wenn man glaubt, der Mensch sei ebenso der natürlichen Selektion unterworfen wie andere Tiere. Natürlich ist der Mensch ein Produkt der Evolution, aber seine Überlebensmethode ist eben nicht das blinde Befolgen von Instinkten. Darum geht er im Gegensatz zu anderen Tieren nicht zu Grunde, wenn er Fressfeinden begegnet, wenn die Nahrung zur Neige geht, wenn das Wetter schlechter wird. Darum wächst die menschliche Population, statt dass wir der Natur hilflos ausgeliefert sind und sie Menschen tötet, damit sie eine „stabile Population“ erreichen. Unsere Überlebensmethode ist die Nutzung der Natur für unsere Zwecke durch den Gebrauch unseres Verstandes – nicht unsere Unterordnung unter natürliche Kräfte.

Prothero schreibt, wir selbst seien unser Feind – nur weil mir existieren. Das ist blanker Menschenhass und nichts anderes.

Wachstum ist die notwendige Folge der produktiven Tätigkeit des Menschen. Wir erfinden immer effizientere Methoden, unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Schnellere Computer lösen langsamere Computer ab, besser konstruierte Maschinen schlechtere. Die Landwirtschaft ist unendlich effektiver geworden, als sie das im Mittelalter gewesen ist. Die industrielle Produktion ist um ein Vielfaches effizienter als während der frühen Phase der Industrialisierung. Es gibt nur einen Weg, um das Wachstum zu begrenzen: Dem Menschen das Denken zu verbieten. Das Resultat wäre eine primitive, statische Gesellschaftsordnung, wie wir sie in großen Teilen der islamischen Welt und in Drittweltländern vorfinden. Gesellschaften mit nur geringer oder ohne Arbeitsteilung, in denen jeder dasselbe Wissen hat. In kapitalistischen Ländern hingegen verfügen wir über das akkumulierte Wissen von Milliarden produktiven Menschen, die von ihrem Fachgebiet jeweils mehr verstehen als andere. Und alle profitieren vom Wissen der anderen.

Die ökologische Ideologie wertet bestenfalls die Natur höher als den Menschen. Schlimmstenfalls schreibt sie ausschließlich der Natur einen Wert zu und sieht den Menschen als ihren Zerstörer an. Ökologie ist somit eine eliminatorische Ideologie, deren implizites Ziel mindestens die Zerstörung der modernen Zivilisation und schlimmstenfalls die Zerstörung des Menschen ist.

Dass Klimaforscher so häufig derartige Ideen verbreiten, spricht nicht für wissenschaftliche Unabhängigkeit. Ähnlich wie beim Fach Gender Studies ist es höchst verdächtig, dass so viele politische Ideologen einer bestimmten Ausprägung darin forschen. Eigentlich müsste die Klimaforschung einen ähnlichen Anteil von Linken, Liberalen, Konservativen, Grünen widerspiegeln, wie man ihn in der Gesamtgesellschaft findet. Stattdessen findet man in dem Bereich einen viel größeren Anteil von Ökosozialisten. Die Gender Studies bestehen praktisch nur aus linken Feministen. Eine echte Wissenschaft ist kein Sammelbecken von politischen Ideologen einer bestimmten Kategorie.