Sollten wir westliche Werte für überlegen erklären?

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=n3wcjwY4mz8[/tube]

Über diese Frage debattierten Intellektuelle bei der Royal Geographical Society am 9. Oktober 2007. In diesem Video kann man die interessante, aufschlussreiche und spannende Debatte nachvollziehen.

Ibn Warraq (Islamwissenschaftler, Islamkritiker), David Aaronovich (Linker Journalist) und Douglas Murray (Neocon) haben nach meinem Dafürhalten 100 Prozent Recht mit allem, was sie über die Überlegenheit westlicher Werte sagen – und überhaupt mit im wörtlichen Sinne allem, was sie in dieser Debatte sagen.

Tariq Ramadan, William Dalrymple (hat nichts zu tun mit Theodore Dalrymple), Charles Glass argumentieren, dass wir keineswegs die Überlegenheit unserer freiheitlichen, aufgeklärten Werte versichern sollten, weil es arrogant wäre, weil andere Kulturen auch mal toll waren, weil es hier totalitäre Systeme und Hexenjagten, etc. gab. Also, weil es im geografischen Westen Ereignisse gab, die westlichen Werten widersprechen. Darum sollten wir westliche Werte, die hier als Maßstab auch von der Gegenseite gebraucht werden, nicht als überlegen erklären. I rest my case.

Danke an Tom Buchholz für den Link!

3 Kommentare zu “Sollten wir westliche Werte für überlegen erklären?

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Es ist jedenfalls wenig klug diese Frage als offen zu debattieren. Minderwertige Kulturen und Gesellschaftssysteme müssen so nicht vor den Kopf gestoßen werden, es würde an und für sich die Nachricht genügen, dass die Verteidigung wie auch immer genau gearteter „westlicher“ Werte ganz oben auf der Speisekarte steht, auch damit Minderwertiges und Barbarisches nicht hochkommt.

    Man könnte die o.g. Werte also auch defensiv verteidigen und ohne andere herabzusetzen.

    Oder doch nicht, lol.

    MFG
    Dr. W

  2. anti3anti sagt:

    Sind westliche Werte überlegen? – Bitte die Handys abstellen.
    Die Worte zu Anfang ersparen den ganzen Diskurs.

  3. sba sagt:

    „…westliche Werte, die hier als Maßstab auch von der Gegenseite gebraucht werden…“
    Mögliche, aber nicht die einzige mögliche Lesart. Strukturell (solange keine weiteren Messungen vorliegen) könnte es sich auch darum handeln, den gegenwärtigen Status als Maßstab für Vergangenes zu nehmen. Was natürlich ebensolcher Quatsch ist, Leuten die Nichtausrichtung an Einsichten vorzuwerfen, die sie noch gar nicht hatten. So ahistorisch muss man erstmal denken können. Ebensogut könnte man jemandem sagen, seine Rechtschaffenheit als Erwachsener sei geheuchelt, wenn er als Kind auch nur einer Fliege ein Bein ausgerissen habe.

    @anti: Der Anfang des Videos…mich besorgt da etwas ganz anderes, der Satz Höflichkeit…sei ein großartiger Wert. Das Muster lässt sich leider auch anderswo und gar nicht so selten beobachten: Die Verwechslung bzw. bewusste Gleichsetzung von Wert und Tugend ohne weitere Differenzierung. Also, natürlich haben Tugenden einen Wert und sind ihrerseits damit Werte, aber eben nur hinsichtlich der Werte, die mit ihrer Hilfe erreicht werden, nicht an und für sich selbst – sie sind sozusagen Werte zweiter Ordnung. Höflichkeit etwa. Verhilft zu einem unproblematischen Zusammenleben mit den lieben Mitmenschen. Was einem widerum das Leben erleichtern und fördern kann. Aber Tugenden als Selbstzweck zu setzen und zu behandeln, ist wie den Umgang mit einem Hammer zu vervollkommnen, ohne Idee, Ahnung und Plan, was man hämmern möchte und wozu. Und dann kommt noch hinzu, dass die selben Leute gerne die Empfehlung geben, die Ausübung von Tugenden vom durch sie bewirkten Nutzen unabhängig zu betreiben. Mit anderen Worten, dabei herauskommende Werte zu ignorieren, um des Hämmerns willen zu hämmern, ohne Antwort auf die Frage „Wozu?“. Von wo es dann auch nur noch ein kleiner Schritt in Richtung Selbstlosigkeit und Selbstaufgabe ist – als sei es etwan Unrecht, Unrecht aufzuhalten, wenn man dabei dem Übeltäter gegenüber soziale Tugenden in den Wind schießt.

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