Die irrationale Furcht vor den Grünen?

Wenn du mit Fleisch fährst, fährst du mit Hitler! (von Richard Carriers Blog)

Wenn du mit Fleisch fährst, fährst du mit Hitler! (von Richard Carriers Blog)

Liberale neigen vor allem gegenüber den Grünen zu einer recht scharfen Wortwahl und da bin ich keine Ausnahme. Den Fakten widersprechen sollte die eigene Polemik aber nicht. Von daher habe ich eine Weile über den Fakten-Check zum „Veggie Day“ reflektiert, den der Spiegel veröffentlichte.

Veggie Day als freiwilliger Zwangstag

Der Veggie Day soll ein Tag ohne Fleischkonsum werden, der Donnerstag in öffentlichen Kantinen stattfinden soll. Einerseits sagen die Grünen, sie wollen den Tag „politisch fördern“, andererseits soll er für die Kantinen freiwillig sein. Ich sehe da jetzt zwei Möglichkeiten: 1. Die Grünen wissen nicht, was Politik ist oder 2. Die Grünen wollen uns für dumm verkaufen. Beides durchaus plausibel.

Die Aufgabe von Politikern ist es, Gesetze zu verabschieden, zu erneuern, zu revidieren. Das ist es, was Politiker tun. Die Judikative (Gerichte) richtet über Menschen, die gegen diese Gesetze verstoßen. Die Exekutive (u.a. Polizei) sorgt für ihre Einhaltung und geht gewaltsam gegen Menschen vor, die sich nicht an die Gesetze halten, indem sie diese Menschen verhaftet oder notfalls tötet.

Wenn eine politische Partei einen Veggie Day fordert, dann wird man als vernünftiger Mensch davon ausgehen, dass sie diesen Tag gesetzlich festschreiben will. Weil es das ist, was die herrschende politische Partei naturgemäß tut. Das ist schließlich ihre Aufgabe. Private Organisationen wie Stiftungen hingegen fordern häufiger freiwilliges Engagement. Weil sie nicht die Macht haben, uns die Waffe an den Kopf zu halten und uns aufzufordern, nur noch Gemüse zu essen. Es wäre denkbar, dass ein gesetzlich verordneter Veggie Day für alle Bürger gegen das Grundgesetz verstoßen würde. Bei öffentlichen Kantinen sieht die Sache anders aus.

Wer seine Meinung mit Gewalt durchsetzen will, hat automatisch Unrecht. Seine Argumente sind belanglos. Sofern die Grünen auf lange Sicht einen gesetzlich verordneten Vegetariertag für alle Bürger im Sinn haben – natürlich nur, damit wir umdenken – haben sie automatisch Unrecht und nach meinem Dafürhalten müsste sich niemand an ein solches Gesetz halten.

Angenommen, die Grünen wollen uns nicht für dumm verkaufen und erst einmal behaupten, dies wäre ja alles freiwillig, bis sie an die Macht kommen, und sie möchten uns tatsächlich nur zum freiwilligen Fleischverzicht auffordern. Dann wäre das noch immer eine Verschwendung von Steuergeldern, denn offensichtlich möchten die Grünen dafür Steuergelder ausgeben und wenn nicht, geben sie bereits das, was ihre Partei vom Staat erhält, weil es eine Partei ist, für diesen Schwachsinn aus.

Ich gehe vom Best Case Szenario aus und weise darauf hin, dass alle inhaltlichen Argumente gegen den Fleischkonsum der Grünen auf einer Verdrehung der Fakten beruhen. Der Philosoph Richard Carrier hat die Argumente der Fleischgegner fein säuberlich widerlegt und deutsche Kritiker der Ökos haben es oft genug ebenso getan.

Die Prämissen der Ökologen sind falsch

Das grundlegende Problem, das ich mit der gesamten Öko-Bewegung habe, besteht darin, dass sie der natürlichen Umwelt einen inhärenten Wert zuschreibt. Seltene Arten, Tiere überhaupt und Regenwälder und so weiter seien nicht zu unserem Nutzen schützenswert, sondern sie besitzen angeblich einen von menschlicher Wertung unabhängigen Wert. Das ist ein Widerspruch, da es keine Werte ohne einen Wertenden geben kann, nur Subjekte sind wertend und nur Menschen sind Subjekte. Wenn etwas keinen Wert für uns hat, dann hat es keinen Wert.

Die Idee, man müsse seltene Arten und den Regenwald schützen, nur weil sie existieren, ist nicht nur absurd, sondern in seiner Implikation bösartig. Der Mensch überlebt durch die Umformung natürlicher Materie in menschliche Werte. Wir nutzen die Natur für unser Überleben. Wenn die Natur aufgrund ihres inhärenten Wertes nicht genutzt werden darf, so wird unser Recht auf Leben negiert. Vielleicht verstehen das nur Menschen, die in grundsätzlichen Zusammenhängen denken. Es stimmt aber trotzdem. Und es ist verdammt nochmal wichtig. Wie Ayn Rand bemerkte, können Ökologen nur rein zufällig richtig liegen. Grundsätzlich sind sie Ideologen, welche die Fakten zu ihren Gunsten verdrehen.

Diese albernen Menschenrechte, haha…

Wo wir bei grundsätzlichen Zusammenhängen sind: In einem Kommentar in der Süddeutschen behauptet Markus C. Schulte von Drach, dass es kein Recht auf Fleischkonsum gäbe. Sein Kommentar beginnt mit einer Veralberung der Idee individueller Menschenrechte:

Da sind sie wieder, die Verteidiger des Menschenrechts auf freie Auswahl der Ernährungsweise. Zutiefst empört gehen sie auf die Barrikaden gegen den Versuch der Grünen, den riesigen Fleischkonsum in Deutschland ein wenig zu drosseln.

Sie wollen doch nur den Fleischkonsum ein wenig drosseln. Sie wollen doch nur ein wenig in unsere Rechte eingreifen. Ist doch nicht so schlimm. Ironischerweise sind Leute, die so argumentieren, die ersten, die die „Rechte“ von Terroristen, etwa auf eine gute Behandlung im Gefängnis verteidigen. Aber wenn Rechte doch so eine alberne Idee sind, die man kleinreden darf, wieso gilt das nicht auch für die Rechte von Terroristen?

Wie dem auch sei. Es gibt sehr wohl ein abgeleitetes, individuelles Recht auf freie Auswahl der Ernährungsweise unter der Voraussetzung, dass man sich die Nahrung erarbeitet und sie nicht einfach stiehlt. Abgeleitet ist das Recht von den grundlegenderen Rechten auf Leben, Freiheit und Eigentum. Niemand darf uns davon abhalten, etwas zu tun, solange wir die Rechte anderer achten. Unsere Entscheidung für Fleischkonsum ist kein Eingriff in die Rechte anderer Menschen, Tiere haben keine Rechte, also haben wir ein Recht auf Fleischkonsum, wie natürlich auch auf Gemüsekonsum.

Auf der anderen Seite gibt es da jene, die weniger Fleisch essen möchten und in den Kantinen nur eine sehr eingeschränkte, häufig unbefriedigende Auswahl vorfinden. Die müssen sich bereits jetzt vorschreiben lassen, was sie essen sollen.

Wie entscheidet man, was in öffentlichen Kantinen angeboten werden sollte? Selbst in meiner ultrakapitalistischen Welt gäbe es noch Kantinen in Gerichtsgebäuden, Gefängnissen, Armeestützpunkten, vielleicht sogar in Parlamenten. Was soll es dort zu essen geben? Am besten, man privatisiert auch die öffentlichen Kantinen und gibt den Beamten einfach mehr Geld fürs Essen, damit sie sich dort mit allem eindecken können, was sie sich leisten wollen. Um die Kantinen zu privatisieren, muss man nicht gleich die ganzen Insitutionen privatisieren. Wenn es genügend Nachfrage nach vegetarischem Essen gibt, dann dann gibt es auch vegetarisches Essen im Angebot. Wenn nicht, dann nicht. Es gibt ein Recht auf freie Auswahl der Ernährungsweise, sofern man dafür bezahlt. Es gibt kein Recht auf Sonderwünsche auf Kosten anderer Menschen.

Wie das Angebot aussieht, bestimmen die Hersteller, die in erster Linie möglichst günstig produzieren wollen, und denen es offensichtlich gelingt, uns den Eindruck zu vermitteln, unsere Wünsche und Bedürfnisse zu befriedigen.

Unser Eindruck, der Kapitalismus würde unsere Bedürfnisse befriedigen, ist also nur eine Illusion, ähnlich wie ein Drogenrausch. Tatsächlich werden wir von Großunternehmen beherrscht. Nur die staatlichen Planer kennen unsere Bedürfnisse wirklich und wissen, wie man sie befriedigt. Oder wie?

Und im Unterschied zu anderen Tieren – mit Ausnahme der Menschenaffen – sind wir mit einer besonderen Gabe ausgestattet, die das Zusammenleben erleichtert und Konflikte vermeiden hilft: Mitgefühl.

Wer diese Zuckerpille von Evolutionären Psychologen, die ihre Wissenschaft missbrauchen, um für den Altruismus zu werben, einfach schluckt, ist selber schuld. Was uns von den Tieren unterscheidet sind unsere Fähigkeiten, zu denken und freie Entscheidungen zu treffen. Das Besondere am Menschen ist weder sein „Mitgefühl“, noch sein Daumen, noch seine Kochkünste, noch seine Liebeskünste, sondern sein Verstand. Glauben wenigstens die wenigen, die noch einen haben in unserer geistlosen Gesellschaft. Die Grünen glauben es nicht. Und somit ist die Furcht vor den Grünen auch nicht irrational.

2 Kommentare zu “Die irrationale Furcht vor den Grünen?

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Von Drach argumentiert auch spektakulär in anderen Fragen, beispielsweise den Welt-Determinismus bzw. einen freien Willen betreffend – im Rothschen Sinne.

    MFG
    Dr. W

  2. Joachim sagt:

    .. es geht den Leuten noch zu gut. Ich weiss nicht genau wann, aber irgendwann wachsen uns die Staatsschulden der westlichen Welt über den Kopf, spätestens dann können wir nicht mehr jeden Tag Fleisch essen, aber auch nicht mehr im überteuerten Biomarkt verkeimte Gemüse kaufen… die Dosennahrung wird dann wieder hoch im Kurs stehen.

    Es ist einfach nur noch ätzend… ich war vor einigen Wochen in Frankreich im Urlaub, einem LAnd, das nicht wirtschaften kann, aber wenigstens ein entspanntes Verhältnis zun Essen hat – Dafür liebe ich die Franzosen!

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