Ein schöner Tag im Herbst

Eine Parkbank im Herbst (morguefile.com)

Kann ein Herbstgedicht politisch inkorrekt sein? Wartets mal ab…

Die Vögel fliegen vom Zaun

Und die Blätter sind schon braun.

Sie fliegen in den Süden

Um die Kälte zu betrügen.

Ich sitze auf einer Parkbank

Mit Jacke und Strumpf, geborgen

In einem Meer von Herbstklischees.

Mit einer heißen Milch, die ich trank.

Weiß Gott, was trinke ich morgen?

Vielleicht ein paar Tees,

Die werde ich gleich besorgen.

Während ich da sitze und grüble,

Denk ich nicht an das Böse und Üble.

Ich denke nur, lieber Gott,

Lass mich dichten ohne Spott.

Lass mich schreiben wie ein netter Dichter

Einmal nicht wie ein Weltenrichter.

Lass mich loben deinen Segen,

Eine Blume auf dein Grab dir legen.

Durch den Park schlendert ein Paar,

Schon das dritte, das ich sah,

Bei dem die Dame eine Burka trug

Und der Typ einen Salafistenhut.

Ich dachte mir nichts Schlechtes dabei,

Na gut, das tat ich.

Aber ich hatte eine Beruhigungstablette dabei

Und die aß ich.

„Bald ist er ein Muslim oder tot“,

Sagt der Typ zu seiner Frau, da seh ich rot.

Ich spucke die Tablette aus,

Und fordere ihn mit einem Blick heraus.

„Es ist ein schöner Tag heute“, sag ich.

„Warum seid ihr nicht netter, Leute?“

„Der Ungläubige hat zu schweigen“, sagt er.

„Ich werd dir gleich mein Messer zeigen.“

„Die Blätter fallen bunt vom Baume“, erkläre ich.

„Und fick den Islam, du Pflaume!

Ein kühler Wind haucht mich an.

Gleich verbrenn ich den Koran!“

Er zückt sein Messer

Und hält es vor mein Gesicht.

„Mit dem Zweiten siehst du besser!“

Einen besseren Spruch hatte er nicht.

„Hör mal zu“, erklär ich ihm.

„Dein Prophet war ein Betrüger,

Dein Glaube heißt Verneinung,

Hör nicht auf die Lügner,

Jetzt sag ich dir meine Meinung!“

Da löste er sich auf.

Und ward nicht mehr gesehen.

Ich saß wieder auf der Bank drauf.

Muss Gott um bessere Reime anflehen.

Es war ein schöner Herbsttag,

Efeu schlängelte sich hoch an der Wand.

Das einzige Leben, das ich mag,

Es wird Zeit, dass ich das seh

Ist das Leben im Widerstand.

Und scheiß auf den Tee.