Die Grünen und die Rekolonisierung Afrikas

Die Chimurenga Chronic ist eine südafrikanische Print- und Onlinezeitung. Sie wird unter anderem von der Heinrich Böll Stiftung unterstützt, die den Grünen nahesteht (das war die Stiftung, die jene berüchtigte Gender-Broschüre veröffentlichte). In der aktuellen Print-Ausgabe findet man laut der Welt ein Interview mit dem Filmemacher Jean-Pierre Bekolo als Auftaktartikel, der unter anderem sagt:

„Wenn es gelingen sollte, negative Erscheinungen wie Ausbeutung und Unterdrückung abzustellen, wird die Idee der Re-Kolonisierung bei den Afrikanern gut ankommen. Sie wissen einfach nicht mehr weiter. Selbst wenn es darum geht, unsere Kulturen zu bewahren, sind es Weiße, die sich wirklich um sie kümmern.“

Auf jeden Fall eine unterstützenswerte Idee aus grüner Sicht. Der Fairness halber sei angemerkt, dass die Grünen natürlich nicht für den Inhalt dieser Zeitung verantwortlich sind und sie vielmehr darum unterstützen, weil ihnen die armen Menschen der Dritten Welt so viel bedeuten, dass sie sich unbedingt um sie kümmern möchten – wie ein Pfleger um einen alten, kranken Mann, der nicht für sich selbst sorgen kann oder wie sich die Mutter um ihr Kind kümmert.

Wir sollten mehr an die Unterdrückten der Dritten Welt denken. In kolonialen Zeiten hatten wir den armen Afrikanern viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Auch aus ökologischer Sicht kann man in Afrika viel mehr bewirken, wenn man dort wieder das Sagen hat. Das Gender-Problem ist ja auch gerade in Afrika weit verbreitet, wo sich die Anzahl von Menschen, die sich nicht für ein Geschlecht entscheiden können, auf einem beunruhigend niedrigen Level befindet (P.S. und Homosexuelle werden dort gejagt und ermordet). Man könnte auch erwähnen, dass traditionelle Geschlechterrollen dort erheblich weiter verbreitet sind als in Deutschland, aber das wäre kulturell unsensibel.

Der linke Käse wird von der Welt angerührt. Als letzte Zeilen schreibt Wolf Lepenies:

„Jean-Pierre Bekolo verlangt eine Re-Kolonisierung ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Davon sind wir in der Epoche der multinationalen Korporationen noch weit entfernt – nicht nur in Afrika.“

Auf Springer ist einfach keinen Verlass mehr. Sollten die nicht den Kapitalismus verteidigen? Alles muss man selber machen. Ich delegiere die Aufgabe trotzdem weiter. Hier ein Video der amerikanischen Libertären Penn & Teller, die ein gutes Wort für Sweatshops einlegen:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=hjsshqyAFh8[/tube]

Kurz gesagt: Sweatshops sind schrecklich, aber immer noch besser als die anderen Jobs in der Dritten Welt – wie 12 Stunden auf dem Feld in der brennenden Sonne für weniger Geld zu arbeiten, als man in Sweatshops verdient. Das ist auch der Grund, warum Menschen freiwillig in Sweatshops arbeiten. Immer den Kontext beachten. Und außerdem muss ja jemand eure „Fuck Capitalism“-T-Shirts zusammennähen.

Was die Rekolonialisierung Afrikas angeht, halte ich davon gar nichts. Warum sollten wir irgendetwas „mit Afrika machen“? Unsere Entwicklungshilfe schadet dem Land nur, weil sie die Unselbstständigkeit fördert. Wer sich privat dort engagieren und dort investieren möchte, kann es natürlich tun. Der Staat aber sollte Afrika in Ruhe lassen – und auch nicht die eigene Wirtschaft vor afrikanischer Konkurrenz schützen. Das wäre Fair Trade im eigentlichen Sinne. Und es sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Auch wir profitieren vom Freihandel. Wir sollten Afrikaner behandeln wie alle unsere Mitmenschen, als freie Handelspartner.

Auf der ernsthafteren Seite besteht die Forderung der Grünen tatsächlich darin, die Entwicklungshilfe zu erhöhen, was laut ihrer Website wie folgt finanziert werden soll:

Wir brauchen neue Finanzierungsinstrumente. Wir schlagen beispielsweise eine Finanzumsatzsteuer und eine Flugticketabgabe vor, um Teile der Einnahmen zur Lösung globaler Fragen einzusetzen.

Diese bösen Banker sollens zahlen. Und die Vielflieger (also die bösen Banker und Unternehmer). Gehirnamputierter und populistischer gehts nicht mehr.

Trotzdem möchte ich den Grünen gratulieren, sich selbst überwunden und einen politisch vollkommen inkorrekten Vorschlag in einer von ihrer Stiftung unterstützten Publikation toleriert zu haben. An dieser Stelle möchte ihn den Grünen eine neue Parteihymne vorschlagen:

Die Bürde des Weißen Mannes

von Rudyard Kipling

Ergreift die Bürde des Weißen Mannes –
schickt die Besten aus, die ihr erzieht –
Bannt eure Söhne ins Exil
den Bedürfnissen euerer Gefangenen zu dienen;
in schwerem Geschirre aufzuwarten
verschreckten wilden Leuten –
euren neugefangenen verdrossenen Völkern,
halb Teufel und halb Kind.

Ergreift die Bürde des Weißen Mannes –
geduldig auszuharren
um Schreckensdrohung zu verhüllen
und anmaßenden Stolz zu zügeln;
durch offenes und schlichtes Reden,
hundertmal klar dargelegt,
eines anderen Vorteil zu suchen
und eines anderen Gewinn zu bewirken.

Ergreift die Bürde des Weißen Mannes –
die wüsten Kriege des Friedens –
füllt den Mund des Hungers
und gebietet der Krankheit Einhalt;
und wenn euer Ziel ganz nah ist,
das Ziel, das ihr für andere erstrebt habt,
seht zu, wie Trägheit und heidnischer Wahn
all eure Hoffnung zunichte machen.

Ergreift die Bürde des Weißen Mannes –
kein Flitterkönigs-Herrschen,
sondern die Plackerei von Knecht und Putzer –
die Summe der gewöhnlichen Dinge.
Die Häfen, in die ihr nicht einlaufen dürft,
die Straßen, die ihr nicht betreten werdet,
geht, macht sie mit euren Lebenden
und markiert sie mit euren Toten!

Ergreift die Bürde des Weißen Mannes –
und erntet seinen alten Lohn:
den Tadel derer, die ihr bessert,
den Haß derer, die ihr hütet –
den Schrei der vielen, die ihr lockt
(ah, so langsam!) hin zum Licht:
»warum habt ihr uns aus der Knechtschaft befreit,
unserer geliebten ägyptischen Finsternis?

Ergreift die Bürde des Weißen Mannes –
wagt nicht, euch nach Geringerem zu bücken –
und beruft euch nicht zu lauf auf Freiheit,
um euere Müdigkeit zu bemänteln;
an allem, was ihr ruft oder flüstert,
an allem, was ihr laßt oder tut
werden die schweigsamen verdrossenen Völker
euere Götter und euch messen.

Ergreift die Bürde des Weißen Mannes –
macht Schluß mit den Tagen der Kindheit –
dem leicht dargebotenen Lorbeer,
dem mühelosen unangefochtenen Lob.
Nun kommt – eure Mannhaftigkeit zu suchen
durch all die Jahre ohne Dank -,
kalt-geschliffen von teuer erkaufter Weisheit
das Urteil von Ebenbürtigen!

(Quelle: Hermann Mückler)