Eine Wahl

300 (Warner Brothers)

300 (Warner Brothers)

Ein Leser hat mir folgendes Gedicht zur anonymen Publikation geschickt.

Übrigens: Da dies in letzter Zeit häufiger vorkommt – grundsätzlich sind Gedichte und andere Gastbeiträge hier gerne gesehen, auch kritische, nur formell sollten Gedichte mehr oder weniger „traditionell“ ausfallen. Das heißt, sie sollten ein nachvollziehbares Versmaß haben und bevorzugt Reime, aber vor allem eine ordentliche, einheitliche Form irgendeiner Art. Das Gedicht sollte außerdem keine nihilistische Aussage haben. Moderne Lyrik  (z.B. Worte, die so angeordnet sind, dass sie wie ein Baum aussehen; absichtliche Formzerstörung, expressionistische und naturalistische Gedichte, etc.) wäre hier tendenziell nicht am rechten Ort. Nun zum Gedicht, das sich den historischen Kampf der 300 Spartaner gegen die Perser zum Thema wählt:

Eine Wahl

(Thermophylen, 480 v.u.Z.)

Ein Sturm hebt an, es schallen Trommelklänge.

Vom Marsch Zehntausender die Erde bebt.

Am Horizont erscheint die finst’re Menge und überspannt die ganze Talesenge wie Rauch, der sich von kalten Feuern hebt.

Es steh’n 300 spartan’sche Krieger

im schmalen Durchgang und erwarten sie.

Die Perser wähnen sich bereits als Sieger, doch es durchfährt vom Kopf bis in die Glieder sie eine Furcht, die spürten sie noch nie.

Leonidas erhebt sein Schwert zum Zeichen:

„Wer er auch sei, der unser Land versehrt, „was er auch will, er wird es nicht erreichen, „was auch geschieht, niemand von uns wird weichen, „kein Fußbreit wird dem Feind gewährt.

„Denn er, entstiegen düsteren Gefilden,

„kommt nur bis dort, wo uns’re Phalanx steht.

„Sein Angriff wird gestoppt, wo Schild mit Schilden „in einer Reihe eine Mauer bilden, „die eine Wahl nur lässt: sterbt oder geht.

„Ein Bote kam (und ging mit Antwort wieder) „mit Xerxes’ Wort: ‚Verbünde dich mit mir, „‚entsag dem Klang einfält’ger Heldenlieder, „‚sei mein Vasall, leg deine Waffen nieder.‘ „Ich sprach: ‚Du willst sie? Komm, und hol sie dir.‘

„Die Tyrannei wird hier und heute enden.

„Die Söldner zählen nichts, wir Freie viel.

„Und das als Botschaft wollen wir ihm senden.“ Der erste Speer aus eines Hoplits Händen steigt auf und fliegt und sinkt und trifft sein Ziel.

Ein Kommentar zu “Eine Wahl

  1. Kurt Maier sagt:

    Boah ey, ich brauchte vier Stunden, um die Gleichung zu lösen, die beweist, dass ich ein Mensch bin. Geht’s nicht ein bisschen einfacher?

    Jetzt weiß ich nicht mehr, was ich über dieses chef d’oeuvre schreiben wollte.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.