Doch eine Alternative für Deutschland?

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Ursprünglich hatte ich keine allzu gute Meinung von der AfD, weil sie von der perfekten liberalen Politik abweicht, anhand derer ich alles bemesse. Nachdem mich Leser darauf hinwiesen, dass dies im Grunde eine schwachsinnige Haltung ist, weil schon der gewöhnliche Liberalismus nur einen geringen Einfluss auf die deutsche Politik ausübt, geschweige denn meine radikalere 19. Jahrhundert Variante, muss ich darüber noch einmal nachdenken. Auch ist mir aufgefallen, dass sich doch recht viele meiner Leser zur AfD entweder hingezogen fühlen, oder sogar Mitglieder dort sind und dafür auch recht gute Gründe angeben können. Außerdem muss ich mich ja bei ihnen einschleimen.

Ich habe nicht vor, eine bestimmte Partei zu empfehlen, weil ich sonst die Politik dieser Partei rechtfertigen müsste, auch wo ich das nicht möchte. So etwas gefährdet die Reinheit der Philosophie, die ich mir auf die Fahnen geschrieben habe. Außerdem: Es wäre ebenso denbkar, dass die AfD-Wähler der FDP/CDU die nötigen Stimmen für eine Mehrheit wegnehmen. Dann wiederum wäre es denkbar, dass sie das auch verdient haben und man es in Kauf nehmen muss, dass in einem solchen Falle SPD/Grüne regieren. Es ist halt alles nicht so einfach.

Sollte man überhaupt wählen?

Immerhin werde ich wieder wählen gehen und das erste Mal weder die SPD noch die Grünen wählen. Zur großen Empörung der Wenigen, die es noch nicht wissen, habe ich immer nur diese beiden Parteien gewählt, als ich Wählen noch für sinnvoll hielt. Wie der Ökonom Ulrich Berger schrieb, ist Wählen im Grunde sowieso irrational. Das Ganze heißt „Wahlparadoxon“ und ist Volkswirten generell bekannt. Es ist auch mir schon länger bekannt und war einer der Gründe, die mich vom Wählen eine Weile lang abhielten:

Der zusätzliche Nutzen B, der für mich aus meinem Wahlakt resultiert, tritt nur dann ein, wenn meine Stimme den Wahlausgang umdreht. Die Wahrscheinlichkeit P, dass das der Fall ist, ist selbst in einem kleinen Land wie Österreich so gut wie null, sobald die Wahlbeteiligung 0,1% übersteigt. Dem gegenüber stehen Kosten C, die dadurch entstehen, dass man zum Wahllokal marschieren und eventuell sogar Schlange stehen muss, was wertvolle sonntägliche Freizeit kostet. Selbst wenn diese Kosten sehr niedrig veranschlagt werden, liegen sie bei plausibler Abschätzung immer noch um Größenordnungen über dem erwarteten Zusatznutzen. Kurz gesagt, für meinen Nettonutzen U, wenn ich wählen gehe, gilt U = P*B – C < 0. Da dieser Nettonutzen negativ ist, werde ich als rationaler wahlberechtigter Bürger den Gang zur Wahlurne also tunlichst unterlassen. Deshalb sitze ich jetzt auch am Laptop, während halb Österreich sich ins Sonntagsgewand zwängt. Ich gehe nämlich nicht wählen.

Stimmt. Aber berechnen wir mal folgende Faktoren mit ein:

Ein Sonntagsgewand trage ich nicht, weshalb die Kosten C sinken. Zudem gehe ich ohnehin gerne spazieren und höre derweil Hörbücher und darum macht mir der Weg zum Wahllokal nichts aus. Die Kosten C sinken weiter. Der Akt des Kreuzchenmachens bei einer anderen Partei als SPD/Grüne/Linke wird mir eine gewisse Freude bereiten, auch wenn ich nur minimal dazu beitrage, etwas gegen diese Parteien zu unternehmen. Es würde mir noch größere Freude bereiten, statt eines Bleistifts das Schwert des mystischen Königs Arthus, Excalibur, in das dafür vorgesehene Feld einer nicht-linken Partei zu rammen. Aber man kann nicht alles haben.

Anstehen muss ich nicht, denn wenn ich mich zum Wählen begebe, sind die Wahlhelfer schon kurz vorm Aufräumen.

Somit wären die Kosten doch recht minimal für mich persönlich. Zum Nutzen würde ich noch etwas hinzuaddieren, nämlich die intellektuelle Freude, die es mir bereitet, mich auf den Wahlabend vorzubereiten. Die Diskussionen, die ich darüber führen kann, wen ich wählen soll. Und die Zufriedenheit nach der Wahl, die Welt ein mathematisch irrelevantes Fünkchen besser gemacht zu haben. Wählen ist nämlich nicht nur der Akt des „Zur Wahl gehens und Kreuzchen machens“, sondern es ist ein länger andauerndes soziales Ritual. Ich konnte mit einer Freundin über die Wahl sprechen und das alleine fand ich schon so interessant, dass es die Sache fast wert ist. Es ist generell für die Menschen ein Thema, über das sie miteinander reden, obwohl es nichts mit Justin Bieber zu tun hat.

Das habe ich übrigens mit meiner Kritik am „kurzfristig denkenden“ Homo Oeconomicus gemeint. Vielleicht kann man nicht nur die isolierte Wahlsituation betrachten – vielleicht ist das Wahlritual doch etwas mehr, als es den Anschein hat (obgleich ich nicht bezweifle, dass meine Stimme kaum zählt. Mathematisch ist daran sicher nicht zu rütteln).

Was mir an der AfD gefällt

Von inhaltlichen Erwägungen abgesehen, gefällt mir, dass genau die richtigen Leute die AfD ablehnen:

1. Übliche Vorwürfe von „Populismus“, „Verbindungen zu Rechts“, „Islamkritik“

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=XvfftW9F174[/tube]

Seit wann ist eigentlich „Islamkritik“ ein Vorwurf, der mit „Rechtsradikal“ auf einer Ebene steht? Warum ist „Islamkritik“ überhaupt ein Vorwurf?

Eigentlich ist es ja sehr problematisch, dass solche Vorwürfe über „populistisch“ und „rechtsradikal“ derart bedenkenlos jeder neuen Partei gegenüber geäußert werden. Das lenkt von Parteien wie NPD und den Republikanern ab, die sie tatsächlich verdienen. Wenn alle „populistisch“ und „rechts“ sind, dann ist am Ende niemand mehr rechts und populistisch (was ich auch für schlechte Eigenschaften halte, wo sie denn tatsächlich auftreten). Das haben sie schon bei der „Freiheit“ so gemacht.

2. Und noch eine Doku vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen gegen die AfD

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=Bmv0qAg0uKI[/tube]

3. Michel Friedman ist gegen die AfD

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=dfhD6ph0BnQ[/tube]

Unerträgliche Person. Da ist man ja fast schon automatisch für alles, was Friedman ablehnt. Außerdem gehts in Hart aber Fair auch um die Ressentiments, die Stoiber und Schröder gegen Professoren in der Politik schürten. Das Antiintellektuelle ist das Böse.

4. AfD trägt „Spaltpilz nach Europa“

sagte Ursula von der Leyen.

Sehr gut, Spaltpilze sind meine Spezialität. Am Ende wird alles auf das Individuum hinuntergespalten.

5. Tagesschau.de über AfD und Rechtsradikale

Tagesschau.de ist eine linke Website, was sie vom Anspruch her nicht sein sollte. Diesmal geht es in einem Artikel gegen die AfD und sie wird in die rechte Ecke gerückt.

6. Linksradikale greifen Bernd Lucke an

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=rmu33yDm7IQ[/tube]

Sind sie dagegen, bin ich dafür. Ein einfaches Rezept für eine einfache Welt.

Was mir an der AfD nicht gefällt

Die waren bei einer Demo gegen das Gentech-Unternehmen Monsanto:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=uSF3veHt5-I[/tube]

Sowas von bescheuert. Müssen die mit auf Öko machen? Na ja, war nur eine Regionalgruppe von denen. Trotzdem, was das Thema angeht bin ich besonders empfindlich. Wer gegen Gentechnik demonstriert, hat keine Ahnung oder ist ein fortschrittsfeindlicher Crétin. Gut, spielte keine sonderliche Rolle in ihrer Politik.

5 Kommentare zu “Doch eine Alternative für Deutschland?

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Simpel betrachtet ist die AfD eine bessere Union.

    BTW, der Rational Choice-Ansatz, das u.a. im sogenannten Wahlparadoxon kulminiert, ist lausig. Bei Bedarf könnten langwierige Erklärungen angefügt werden.
    Soviel auch zum Professor aus Wien.

    Äh, wo war ich stehen geblieben, …, …, …, ach ja, es geht um die Wählbarkeit von Parteien für doitsche Wahlberechtigte (ich gehöre hier nicht hinzu), und da scheint es rein faktisch so zu sein, dass es in D einfach zu wenige Liberale gibt, als dass eine rein liberale Partei existieren könnte.

    Insofern wäre ich bei Kommentatorenfreund ‚Hesselius‘, der Obdach anzubieten gedenkt im Bioptop der AfD.

    Plump formuliert, aber hoffentlich realitätsnah – und für den Ordoliberalen sprechend, wie es beim „klassischen“ oder aggressiven Liberalen aussieht, ist mir nicht klar.

    MFG
    Dr. W

    • Die Ordoliberalen waren jüngst Thema einer Arbeit von mir, die ich in ein weiteres Buch pflanzen werde.

      Weitere Ausführungen über den verfehlten Rational-Choice-Ansatz sind willkommen.

    • Entscheidend ist hier ja vor allem auch das liberale Potential der AfD der Zukunft. Und da sehe ich uns mit unserem JA Bundesvorsitzenden Torsten Heinrich auf einem wirklich sehr guten Weg.

  2. Mir sind gerade die Ergebnisse der Sonntagsfrage unter Studenten einer Hochschule aufgeschlüsselt nach Fakultäten unter die Augen gekommen.
    Die AfD hat bei Juristen und Wiwis die besten Werte. Die Piraten bei Naturwissenschaftlern. Wahrscheinlich haben die das Programm nicht ganz gelesen. Sonst sind alle Faktultäten in dem Rahmen, den man erwarten kann. Außer die ev. Theologen: Da verteilt sich alles auf 4 Parteien: Je ~30% CDU, SPD und Grüne und der Rest von 10% auf die Linke. Oh Gott!

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