Warum nur die FDP?

Einige Leser haben sich zynisch über meine Darstellung der FPD als Partei, die für Mittelstand, Freiheit, Bürgerrechte steht, geäußert (wobei diese Darstellung in einer Satire auftauchte, bei der ohnehin die Inhalte aller Parteien karikaturistisch übersteigert wurden). Stattdessen stehe die FDP für Lobbyismus, für Hoteliers, die Atomlobby und sonstige „Reiche“. Da bekommt man fast den Eindruck, als würden die kritischen Leser ein „…im Gegensatz zur Partei xy, die konsequent seit ihrer Gründung zu ihren Prinzipien steht und die ich darum wähle!“ hinzufügen wollen – aber irgendwie tun sie das nicht. Die FDP sei eine unglaubwürdige Heuchlerpartei – und der Rest ist Schweigen.

Klar kann man es kritisieren, wenn die FDP falsche Kompromisse eingeht und ihren Prinzipien nicht treu bleibt. Nur kann man daraus nicht schlussfolgern, „…und darum wähle ich lieber eine andere Partei“, denn es gibt keine Partei, die keine Kompromisse eingehen und ihren Prinzipien treu bleiben würden. Sicher ist das schlecht, aber warum fokussieren sich die Leute bei dieser Kritik speziell auf die FDP? Warum sind sie offenbar nur von der FDP enttäuscht und nicht etwa von der CSU, die viel stärker hier in Bayern durch Vetternwirtschaft aufgefallen ist? Die wurde trotzdem zum neuen Alleinherrscher gewählt.

Wolfgang Weege schrieb zum Beispiel im Kommentarbereich: „Die FDP steht für “Bürger- und Menschenrechte sowie die Mittelschicht”? Und ich Dummerle dachte immer, die lecken die Stiefel des Großkapitals und machen immer das, wofür sie von Hotelbesitzern und Tabakkönigen bezahlt und beauftragt werden!“

Als ob die anderen Parteien etwas anderes tun würden. Die Linken lecken die Stiefel von Beamten und Gewerkschaftlern. Die Grünen lecken die Stiefel der Solar- und Ökolobby. So ist das in unserem „Zirkus der Interessensgruppierungen“.

Ich verstehe es, dass man enttäuscht ist, wenn jemand nicht zu seinen Prinzipien steht. Ich verstehe es nicht, wenn man der einen Partei mangelnde Prinzipientreue ankreidet und dasselbe bei anderen Parteien ignoriert. Wenn man glaubt, dass alle Parteien böse sind, dann wählt man keine Partei. Wenn man hingegen glaubt, dass eine Partei trotz ihrer Fehler noch in die grundsätzlich richtige Richtung geht, so wählt man eben die. Und man erspart sich diese Doppelmoral.

Davon abgesehen gab es bei der bayerischen Landtagswahl keine Alternative für Liberale, die AfD war schließlich nicht auf den Wahlzetteln zu finden. Und gar nicht wählen gibt Leuten die Macht, mit denen man noch weniger einverstanden ist.

6 Kommentare zu “Warum nur die FDP?

  1. Jana sagt:

    Erklärungsversuch einer FDP-Erstwählerin 2002 (und-seitdem-nie-wieder): Während die FDP behauptet, für Freiheit und liberale Rechte des Menschen zu stehen, dient sie eben der Freiheit nur ganz bestimmter Menschen – und begründet das mit Adam Smith oder so.
    Die Ökos halten nicht hinterm Berg: Sie lecken Ökostiefel, weil sie Ökö endlos toll finden. Heißen ja auch Ökos. Steht auch im Programm.
    Und die Linken lecken Gewerkschaftsstiefel (naja, bedingt. Und das mit den Beamten müsstest du mal mit intellektuellen Linken zu Ende diskutieren..), damit halten sie nicht hinterm Berg mit ihrem Weg.
    Von der FDP bleibt nach den Freiheitsversprechen eben das Geschmäckle, dass sie nur für Freiheit für die Leistenden einstehen bzw. derer, die mehr Macht(Geld) haben und sich für die Leistenden halten. So der Eindruck nach den Geschichten, wie hier beschrieben. http://www.sueddeutsche.de/politik/die-fdp-und-die-lobbyisten-zu-laut-gefluestert-1.1082632

  2. Lukas sagt:

    Natürlich sind die anderen Parteien genauso inkonsequent. Ich habe in meinem Kommentar nur die FDP kritisiert, weil es erstens in dem Beitrag um die FDP ging und zweitens, weil die FDP als liberale Partei mit meinen Ansichten am meisten übereinstimmt. Deswegen ist ihre Inkonsequenz für mich besonders bitter.

    Mich würde auch interessieren wie du zur Fünf-Prozent-Hürde stehst. In Bayern hat man gerade, meines Erachtens, einen Nachteil der Fünf-Prozent-Hürde gesehen. Obwohl nur 48% der Wähler die CSU gewählt haben, hat sie nun die absolute Mehrheit im Landtag.

  3. Leopold Stotch sagt:

    Bitte nicht wieder das Märchen mit der Hotelmehrwertsteuer. Die ist in fast jedem europäischen Land ermäßigt, was das Ergebnis einer EU-Richtlinie und nicht eines finsteren Lobbytreibens in Deutschland ist. Der von Jana verlinkte Artikel besagt ja auch eben, dass es KEINE Anzeichen dafür gibt, dass die FDP in höherem Maße als andere Parteien korrupt sei.

    Warum wird immer die Bundestagspartei mit dem kleinsten Vermögen für besonders korrupt gehalten? Warum nicht mal die weitaus reicheren und regulierungswütigen Grünen? Warum nicht mal die reichste, außerdem noch über Eck an einigen angeblich überparteilichen Zeitungen finanziell beteiligte deutsche Partei, also die SPD?

    Nur auf die liberale Partei wird immer mit Dreck geworfen und gehofft, dass was hängenbleibt. Und es funktioniert leider auch.

  4. Dr. Webbaer sagt:

    Man könnte auf die Idee kommen die FDP durch Nicht-Wahl abschießen zu wollen, auch wenn sie erkennbar das kleinere Übel ist. Oder gerade, weil sie das kleinere Übel ist.

    Zumal auch mit der Landes-FDP Sabine Leutheusser-Schnarrenberger assoziiert wird, die besser in eine „sozial-liberale“ Koalition passen würde.

    Die Idee einer solchen Absäge ist die Vorstellung, dass in einem späteren Versuch eine wieder angemessen liberale Partei hochkommt.

    MFG
    Dr. W

  5. Jana sagt:

    Wie gesagt, es ist ein Erklärungsversuch darüber, warum die FDP so wahrgenommen wird.

    Möglicherweise braucht sie auch einfach bessere PR-Berater.

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