Gibt es eine individuelle Verantwortung für die Klimaschädigung?

Heimatlose Eisbären sind mir egal. Aber gute Argumente sind stets willkommen. (Foto: morguefile.com)

Heimatlose Eisbären sind mir egal. Aber gute Argumente sind es nicht. (Foto: morguefile.com)

Kann man einen individuellen Menschen für seinen Anteil an der Klimaschädigung durch CO2 verantwortlich machen? Und wenn ja, welche Folgen sollte dies für ihn haben? Über diese Frage führten der Volkswirt Ulrich Berger und ich eine Debatte im hiesigen Feuerbringer-Magazin. Mit diesem Beitrag räume ich ein, diese Debatte insgesamt verloren zu haben. Herr Berger hatte die besseren Argumente.

Ulrich Berger wies mich auf einige Probleme mit meiner Argumentation hin, dass man die Klimaschädigung durch CO2 als natürliches Phänomen bewerten solle. Ich argumentierte, dass ein einzelner Mensch mit seinem CO2-Ausstoß nicht die Rechte seiner Mitmenschen verletze. Somit dürfe man ihn weder vor Gericht bestrafen, da er kein Gesetz gebrochen hat, noch dürfe ihn der Staat mit Abgaben bestrafen.

Herr Berger hingegen verglich die Situation mit einer Mikro-Steinigung: Wenn ein Mensch auf dem Boden festgekettet ist und er wird von Millionen Menschen langsam mit je einem Kieselstein gesteinigt, so wird ihm sehr wohl ein Unrecht zugefügt. Während ein Mensch mit seinem CO2-Ausstoß keinen Schaden anrichtet, so tun dies Millionen Menschen mit ihrem CO2-Ausstoß schon.

Dagegen habe ich nach einigem Hin und Her nichts weiter anzuführen. Die Kritiker von staatlichen Maßnahmen gegen CO2 verlassen sich größtenteils auf ihre Argumentation, dass es keine hinreichenden Belege für den menschengemachten Klimawandel gebe. Entweder das, oder sie sagen, wir müssten den CO2-Ausstoß einfach als Preis für unseren Wohlstand in einer industrialisierten Gesellschaft hinnehmen und den Klimawandel eben wie eine Naturkatastrophe behandeln.

Da der CO2-Ausstoß allerdings ein Ergebnis von menschlichen Willensakten ist, kann ich das so nicht akzeptieren. Ich würde darum keineswegs sagen, dass meine Argumente und jene von anderen liberalen Philosophen und Ökonomen nun völlig haltlos wären. In der Tat ist ein gewisses Maß an Umweltverschmutzung der Preis für unseren Wohlstand. Aber unsere Argumente sind nicht hinreichend, um die These zu stützen.

Da also durch den individuellen CO2-Ausstoß ein minimaler Schaden angerichtet wird, sofern die Klimaforscher Recht haben, wovon ich ausgehe, so hat der Staat – auch ein hypothetischer Minimalstaat – sehr wohl das Recht, korrigierend einzugreifen, um diesen Eingriff in unsere Rechte durch den menschengemachten Klimawandel zu mildern. Stellt sich nur die Frage, wie weit dieses Eingriffsrecht geht und worin es bestehen sollte oder dürfte.

Um diese Frage zu beantworten, habe ich mich mit amerikanischen Objektivisten (Vertreter von Ayn Rands Aufklärungsphilosophie) kurzgeschlossen. Das Ergebnis: Die individuelle Verantwortung für den Klimawandel ist minimal, unser ökonomischer Wohlstand ist ein bedeutender Wert. Also dürfen staatliche Maßnahmen nicht über das Ziel hinausschießen. Die Regierung darf aber positive Anreize für die CO2-Reduktion schaffen. Dies können Fördermittel für die „grünsten“ Unternehmen sein (aber nur in Hinblick auf wissenschaftlich in ihrer Wirkung belegte Umweltschutzmaßnahmen – nicht so etwas wie Bio-Obst!). Es kann sich auch um besondere Produktkennzeichnungen handeln für umweltfreundliche Produkte.

Ich bedanke mich bei Herrn Berger für seine Argumente. Sein Blog: http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht

24 Kommentare zu “Gibt es eine individuelle Verantwortung für die Klimaschädigung?

  1. T. Franke sagt:

    Erstens: Der Einfluss des CO2 auf die Entwicklung des Klimas ist geringfügig verglichen mit den natürlichen Effekten, wie z.B. der Schwankung der Sonnenaktivität. Zweitens: Wenn die Menschheit tatsächlich so radikal CO2 sparen wollte, wie es die Wissenschaftler verlangen, gäbe es Aufstände und Verteilungskriege, sprich: Es ist nicht durchsetzbar. Drittens: Deutschland darf ruhig in vielen Fragen einen Schritt vorangehen. Aber nur einen. Nicht mehr. Selbst wenn alle Katastrophenszenarien wahr wären, würde es nichts nützen 100 Schritte voranzugehen, wenn keiner folgt. Viertens: CO2-Zertifikate führen nichts anderes ein als eine Planwirtschaft. Egal wie gut gemeint sie sind. Eine Erhöhung der Mineralölsteuer wäre viel effektiver. Aber dann würden die Leute ja wirklich sparen, und das will doch eigentlich keiner …

    • Solche Maßnahmen erwähne ich ja nicht, sondern nur Ermutigungsmaßnahmen, damit man selbst einen besseren oder zusätzlichen Grund hat, den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

      • Xazas sagt:

        Man sollte jedoch bedenken das auch scheinbar „positive“ Maßnahmen wie Ermutigungen und Fördermittel, sprich Subventionen ihre negative Wirkung in den Steuern haben mit denen sie bezahlt werden. Ein positiver anreiz für den einen ist also immer eine Strafe in form von Steuern für den anderen.

        • Ja. Vielleicht wäre doch wieder eine CO2-Steuer gerechter.

          • Martin sagt:

            Allerdings müsste man für alle diese Fälle auch den Nutzen gegenrechnen. Und das Ganze dann durch die Anzahl der Leutchen teilen.
            m.E: bei derlei „Microschuld“ absolut nicht machbar.

          • sba sagt:

            Wie utopisch darf es denn sein?
            Als ich neulich mit meinem Mitbewohner die Möglichkeit einer Staatsfinanzierung durch reine Mehrwert-/Umsatzsteuer-Erhebung (zu einem für alles Produktgruppen und gewerblichen Umsätze einheitlichen Satz, mit der Begründung, der Staat bewacht den Markt, auf dem wir uns tummeln, da können wir ihn für die Benutzung dieses Marktes entlohnen), wovon er zu meinem Erstaunen ziemlich schnell überzeugt war, weil es dann auch keine/ weniger Steuerschlupflöcher gäbe, meinte er noch, dann könnte man auch einfacher best. Produkte fördern, indem man die MWSt. darauf niedriger ansetzt. War ich erst weniger begeistert von, könnte man hier aber anwenden, indem Produkte und Technologien mit geringerem CO2-Ausstoß geringer besteuert und damit billiger werden; ein Mehrausstoß, die „Mikro-Schuld“ würde nicht bestraft, eine Verringerung aber belohnt.

  2. Jörg W. sagt:

    Einmal möchte ich ja den Ulrich bei eine Irrtum erwischen 🙂 Ist mir bis jetzt keiner bekannt.

  3. Enrico sagt:

    Hallo,

    „Da also durch den individuellen CO2-Ausstoß ein minimaler Schaden angerichtet wird, sofern die Klimaforscher Recht haben, wovon ich ausgehe…“

    Diese Einstellung teile ich so nicht. Ich sehe in mehr CO2 auch mehr Pflanzenwachstum und damit z.B. bessere Ernten. Klimatische Änderungen können auch gute Seiten haben und es ist m.E. nach nicht nachgewiesen, was zur Zeit überwiegt. Es kann gut sein, daß nie negativen Folgen dominieren aber es ist auch möglich, daß wir uns in einem ähnlichen Hype wie in den 1970er Jahren befinden, als sich so ziemlich alle sicher waren, daß eine neue Eiszeit vor der Tür steht.

    Die Schuld ist also in meinen Augen nicht erwiesen und somit ist keine „Strafe“, wie auch immer sie aussehen soll, gerechtfertigt.

    Wenn man die Schuldfrage für sich aber zu Ungunsten der Menschen beantwortet, kann ich die Argumentation im Artikel voll und ganz nachvollziehen.

  4. Dr. Webbaer sagt:

    Ischt so ein wenig wie mit den Chancen mit der individuellen Stimme eine Wahl zu entscheiden, aber sie sind gering.

    BTW, bei absehbar sehr knappen Wahlausgängen kann die einzelne Stimme vglw. wertvoll werden:


    – bei 100 Wählern, wir sind der 101.: ca. 7,9%
    – bei 1.000 Wählern, wir sind der 1.001.: ca. 2,5%
    – bei 10.000 Wählern, wir sind der 10.001.: ca. 0,9%
    – bei 100.000 Wählern, wir sind der 100.001.: ca. 0,1%

    (C) 2010, Dr. Webbaer – binäre Wahlen vorausgesetzt, wie (merkwürdigerweise) auch eine ungerade Anzahl der Wählerschaft und ein denkbar knapper Wahlausgang (d.h. die anderen werfen jeweils eine Münze)

    Bei der Inanspruchnahme des passiven Wahlrechts [1] sieht’s natürlich ein wenig anders aus…

    MFG
    Dr. W

    [1] der Herrn Müller (vs. Herr Berger) sozusagen jederzeit als Direktkandidaten wählen würde

  5. Dr. Webbaer sagt:

    Herr Berger hingegen verglich die Situation mit einer Mikro-Steinigung: Wenn ein Mensch auf dem Boden festgekettet ist und er wird von Millionen Menschen langsam mit je einem Kieselstein gesteinigt, so wird ihm sehr wohl ein Unrecht zugefügt. Während ein Mensch mit seinem CO2-Ausstoß keinen Schaden anrichtet, so tun dies Millionen Menschen mit ihrem CO2-Ausstoß schon.Ein extrem vereinfachendes sogenanntes Totschlagargument.

    Ähnlich könnten auch andere Vorhaben niedergebügelt oder vergleichbar moralisiert werden.

    Diese Sache wird, falls erkannt schädlich, nicht durch sozialen Zusammenhalt, gar industriellen Rückbau betreffend, in Form von „Klimasozialismus“ bearbeitet werden, sondern vielleicht mit Installationen in der geostationären Bahn, Weltraumlifte oder uni- oder multilaterale Großaktionen betreffend.

    Das Leben wird einen Weg finden, konstruktiv, nicht rückbauend.

    MFG
    Dr. W

    • Dr. Webbaer sagt:

      v2.0, so schaut’s hoffentlich besser aus:

      Herr Berger hingegen verglich die Situation mit einer Mikro-Steinigung: Wenn ein Mensch auf dem Boden festgekettet ist und er wird von Millionen Menschen langsam mit je einem Kieselstein gesteinigt, so wird ihm sehr wohl ein Unrecht zugefügt. Während ein Mensch mit seinem CO2-Ausstoß keinen Schaden anrichtet, so tun dies Millionen Menschen mit ihrem CO2-Ausstoß schon.

      Ein extrem vereinfachendes sogenanntes Totschlagargument.

      Ähnlich könnten auch andere Vorhaben niedergebügelt oder vergleichbar moralisiert werden.

      Diese Sache wird, falls erkannt schädlich, nicht durch sozialen Zusammenhalt, gar industriellen Rückbau betreffend, in Form von “Klimasozialismus” bearbeitet werden, sondern vielleicht mit Installationen in der geostationären Bahn, Weltraumlifte oder uni- oder multilaterale Großaktionen betreffend.

      Das Leben wird einen Weg finden, konstruktiv, nicht rückbauend.

      MFG
      Dr. W

  6. Jemand hat sich durch meine Argumente überzeugen lassen und tut dies auch noch öffentlich kund. Das ist mir noch nie passiert. Ich bin jetzt sprachlos. Vorübergehend.

  7. Gutartiges Geschwulst sagt:

    „Wenn ein Mensch auf dem Boden festgekettet ist und er wird von Millionen Menschen langsam mit je einem Kieselstein gesteinigt, so wird ihm sehr wohl ein Unrecht zugefügt. Während ein Mensch mit seinem CO2-Ausstoß keinen Schaden anrichtet, so tun dies Millionen Menschen mit ihrem CO2-Ausstoß schon.“

    Solange Milliarden von Menschen ihren Wohlstand wichtiger nehmen, als den CO2-Ausstoß, wofür ich ihnen herzlich danke, treffen ihre Kieselsteine nicht den am „Boden festgekettet(en)“, sondern schlimmstenfalls sich selbst.

  8. cohen sagt:

    Klasse! Hut ab! Superanständig.

    So muss man das machen.

    Ich habe die Diskussionen mit Genuss verfolgt.
    Den Blog lese ich schon seit Jahren fleißig mit und bin ziemlicher Fan.

  9. T. Franke sagt:

    Verfahrensfragen: Wie stellt „der Staat“ eigentlich fest, dass der Klimawandel (a) stattfindet und (b) dass er schädlich ist? Theoretisch durch die Wissenschaft, aber wer ist das? Potsdam? Oder die Klimaskeptiker? Oder die Klimaoptimisten? Es gibt nicht „die“ Wissenschaft. Abgesehen davon, dass der Prozess des Zustandekommens des IPCC-Berichtes höchst fragwürdig ist, wie in den letzten Tagen gesehen. Und wo bleibt das Veto-Recht des Bürgers? Wer ist „der Staat“? Könnte man vielleicht einmal eine Volksabstimmung darüber haben, ob wir wirklich all diese Lasten auf uns nehmen wollen, oder ob dem Bürger die Beweislage für eine solche Belastung dann doch zu dürftig ist? Oder rechtfertigt die Mehrheit von 51% der Wissenschaftler die Teilenteignung der Menschen durch die Herrschenden ohne Widerspruchsrecht?

  10. Rüdiger sagt:

    OK – aber nur, wenn die Voraussetzung stimmt, dass es einen CO2-Klimaeffekt gibt, der unsere Umwelt schwer schädigt. Leider habe ich mich selbst nicht hinreichend mit der Materie befasst, um das beurteilen zu können. Der jüngste IPCC-Bericht, sowie die kürzlich erschienene vergleichende Studie von Fyfe, Gillett und Zwiers, dass ca. 99% aller Klimasimulationsrechnungen viel zu hohe Temperaturen vorausgesagt haben, stimmt mich aber zutiefst skeptisch.

    http://www.see.ed.ac.uk/~shs/Climate%20change/Climate%20model%20results/over%20estimate.pdf

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