Lektionen für respektvolle Männer

Reed Richards: „Wir haben deine albernen weiblichen Ausbrüche genossen, aber jetzt ist keine Zeit für solche Spielchen.“

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht. Aber überall, wo ich einer Frau ansichtig werde, prüfe ich zunächst kritisch, ob sie mich vergewaltigen möchte. Denn wenn sie das macht, habe ich praktisch keine Chance vor Gericht, dass sie dafür verurteilt wird. Die Gerichte sind nämlich von Agenten des feministischen Matriarchats besetzt. Es wäre daher wahrscheinlicher, dass ich verurteilt werde als sie. Ich hätte sie mit meinem guten Aussehen quasi zur Tat genötigt, wird man sagen.

Das soll nun nicht bedeuten, dass alle Frauen alle Männer die ganze Zeit über vergewaltigen möchten. Gewiss nicht. Ich denke, es ist eher die Hälfte.

Jedenfalls wird auf feministischen Websites Männern eine beständige Vergewaltigungsabsicht unterstellt. Dort ist seit Jahren eine Art Paranoiatherapie (Therapie, um paranoider zu werden) für Frauen verbreitet, die sich „Schrödingers Vergewaltiger“ nennt (vgl. Alles Evolution und hier ist das Original). Frauen sollen demnach – und viele scheinen das auch wirklich zu tun – jeden Mann als einen potenziellen Vergewaltiger anzusehen. Wie die Katze in Schrödingers Illustration, die ebenso tot wie lebendig sein könnte, sollen Männer ebenso Vergewaltiger und keine Vergewaltiger sein können. Aus dieser Behauptung werden dann allerlei Verhaltenstipps für Männer, die auf fremde Frauen nicht wie Vergewaltiger wirken möchten, abgeleitet. Da ich gerne lernen möchte, entgegen meiner Angewohnheit nicht wie ein potenzieller Vergewaltiger zu wirken, werde ich diese Verhaltenstipps befolgen:

1. „Ich muss akzeptieren, dass Frauen ihre eigene Risikoeinschätzung aufstellen.“

Wenn eine fremde Frau in wilde Panik ausbricht, weil ich in zwanzig Meter Entfernung stehe und begierig einen Eisstand neben ihr anstarre, während ich versuche, mich an meine Diät zu erinnern und nicht an den Geschmack von Raffaelo-Eiscreme, so muss ich das als eine Grenzüberschreitung meinerseits akzeptieren, mich schämen und mir zwanzig Peitschenhiebe zufügen (denn in ihrem Geiste starrte ich die fremde Frau begierig an und nicht die Eiscreme). Leider kenne ich als Mann in der Regel nicht die Risikoeinschätzung von fremden Frauen, da letztere sich beständig weigern, mir mitzuteilen, wie groß mein Vergewaltigerpotenzial für sie ist. Also muss ich lernen, die Gedanken von Frauen zu lesen.

2. „Ich muss mir die Signale bewusst machen, die ich Frauen durch mein Auftreten und die Umwelt sende.“

Dies wird eine schwierige Lektion werden, da ich zunächst einmal an Frauen denken muss, um sie zu lernen. Normalerweise nehme ich die Frauen (und Männer), an denen ich vorbeigehe, überhaupt nicht wahr oder höchstens als Dinge, denen ich ausweichen muss, um meinen Weg fortzusetzen. Vor kurzem war ich beispielsweise auf dem Weg zur Bibliothek und dachte über Raymond Tallis‘ Interpretation von Zenons Paradoxon von Achilles und der Schildkröte nach, laut der die mathematische Lösung des Paradoxons den größeren Fehler Zenons übersieht. Bei solchen Tagträumen schaue ich gewöhnlich ins Leere vor mich hin.

Das sah ein Mädchen jedoch anders, auf das ich nur aufmerksam wurde, weil es sagte, „Was denkst du denn von mir?“, um sich dann mit angewidertem Gesichtsausdruck von mir abzuwenden. Ich habe keine Ahnung, woher sie kam, was sie wollte, wer sie ist und worin mein Fehler bestand. Tatsache ist aus meiner Perspektive, dass ich gar nichts von ihr dachte. Und genau das war mein Fehler. Ich muss mir nämlich alle Signale bewusst machen, die ich den fremden Frauen, denen ich begegne, durch mein Auftreten und die Umwelt sende. Dies erfordert, dass ich sie überhaupt erst einmal wahrnehme und an sie denke. Ich sollte also mehr über das Verhältnis fremder Frauen zu mir nachdenken. Anstatt ihnen keine Beachtung zu schenken.

„Trägst du ein T-Shirt mit einem Vergewaltigungs-Witz. KEINE GUTE IDEE“ – so heißt es auf der Feministen-Website über Schrödingers Vergewaltiger. Ich habe noch niemals jemanden mit einem solchen T-Shirt gesehen, noch wäre mir bekannt, dass es irgendwo auf der Welt solche T-Shirts gibt. Es gibt sicher T-Shirts mit Macho-Sprüchen darauf, aber mit Witzen über Vergewaltigung? Eher nicht. Trotzdem bin ich froh, dass mir endlich einmal gesagt wurde, dass ich darauf achten muss, nicht versehentlich mit einem solchen T-Shirt herumzulaufen, denn darauf wäre ich anderweitig gar nicht gekommen.

3. „Frauen kommunizieren die ganze Zeit über. Lerne, die Kommunikation von Frauen dir gegenüber zu verstehen und sie zu respektieren.“

Mein primitives Steinzeitgehirn nötigt mich zur folgenden sexistischen Bemerkung: Wenn Frauen die ganze Zeit über kommunizieren, wann denken sie dann?

Das Problem mit weiblicher Kommunikation besteht darin, dass sie bis zur Unkenntlichkeit subtil ist. Beispielsweise sagen Frauen nie „Ich habe Hunger und möchte mit dir etwas essen gehen“, sondern sie sagen immer, „Hast du Hunger? Möchtest du etwas essen gehen?“ Nein, habe ich nicht, weil ich erst etwas gegessen habe. Aber wenn ich das sage, sind sie die nächste Million Jahre beleidigt. Denn sie haben die Frage gar nicht so gemeint, wie sie formuliert war. Was mich wieder zu Punkt 1 zurückführt: Ich muss lernen, die Gedanken von Frauen zu lesen. Keineswegs müssen Frauen auf unsere männliche Kommunikation Rücksicht nehmen, die sich dadurch auszeichnet, viel klarer, direkter und sachbezogener zu sein.

4. „Wenn du nicht respektierst, was Frauen sagen, dann markierst du dich selbst als Problem.“

Schade, dass viele Dinge, die Frauen (und Männer) sagen, wirklich sehr blöde sind und ich sie darum nicht respektiere. Leider habe ich mich damit inzwischen als riesiges Godzilla-Problem markiert, so selten, wie ich es respektabel finde, welche Gedanken Menschen äußern.

„Du bist ein Arsch, verpiss dich!“, wäre zudem etwas, das eine Frau sagen könnte. Soll ich es respektieren? Offenbar schon. Sicher würde ich ihrem Wunsch Folge leisten, nur die Sache mit dem Respekt muss ich mir noch angewöhnen.

5. „Vergewaltige nicht.“

Dass sollte kein Problem darstellen. Es sei denn, ich soll nun ununterbrochen daran denken, bloß keine Frau zu vergewaltigen. Ich habe leider nur ein Gehirn und es ist gewöhnlich mit anderen Dingen beschäftigt. Es ist nun keineswegs so, als würde ich an das Gegenteil denken. Ich denke einfach gar nicht an die gesamte Vergewaltigungs-Thematik. Doch wann immer ich eine fremde Frau sehe, muss von nun an das Warnsignal „Nicht vergewaltigen!“ in meinen Gedanken aufflimmern.

Reed Richards: „Du bist kein Dummkopf, Sue… nur eine Frau! Du hättest gar nicht anders reagieren können.“

Zusammengefasst

Als rücksichtsvoller, nicht-sexistischer, Frauen respektierender Mann soll ich:

1. versuchen, die Gedanken jeder fremden Frau zu lesen, der ich begegne.

2. jedes Mal, wenn ich eine fremde Frau sehe, meinen bisherigen Gedankengang unterbrechen, um mir bewusst zu machen, welche Signale ich aussende.

3. die subtile Gestik und Mimik jeder fremden Frau studieren, sie verstehen und respektieren.

4. jede blöde und beleidigende Bemerkung fremder Frauen respektieren.

5. unentwegt daran denken, keine fremde Frau zu vergewaltigen.

Also, nichts für ungut, aber wenn sich die Damen Feministen einfach mal selber vergewaltigen würden, anstatt ihre Umwelt mit ihren paranoiden Fantasien zu belästigen, dann wäre alles sehr viel einfacher für Frauen und Männer gleichermaßen.

Thunderf00t geht in diesem Video auf die Frage ein, ob Frauen, die sich in der Öffentlichkeit besonders aufreizend kleiden, ein höheres Risiko in Kauf nehmen, vergewaltigt zu werden. Eine sehr differenzierte Antwort, die der Komplexität des Problems gerecht wird, also eine sehr un-feministische Antwort:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=1T0GcHM0s4o[/tube]

8 Kommentare zu “Lektionen für respektvolle Männer

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Sehr „nettes“ Konzept dieser Schrödinger-Vergewaltiger.
    Man ist bspw. auch der Meinung, dass der Mann -seine Wirkung im beschriebenen Sinne antizipierend- manchmal die Straßenseite zu wechseln hat, wenn ihm eine Frau entgegenkommt.

    Wird aber unter den Studis und Uni-Kräften ernsthaft diskutiert, dieses Theorem, was erschreckend ist.

  2. Martin sagt:

    Wobei Punkt 2 ja auch gar nicht ausreicht. Selbst wenn die „richtigen“ Signale gesendet werden, gibts noch einen guten Teil kranker Damen, die diese falsch interpretieren. Da wären wir wieder bei Punkt 1. Du hast nicht nur die richtigen Signale zu senden, sondern zu wissen, wie die Signalempfängerin diese interpretiert.
    Wird dann auch erst bei einer Gruppe richtig lustig. 🙂

  3. Ja, die feministischen Forderungen sind in der Realität quasi nicht umsetzbar und man könnte sicher sein, dass nach dem Straßenwechsel immer weitere Verfeinerungen kommen.

    Schade, dass man das dort so gar nicht sieht und so etwas durchaus ernst meint

    • Martin sagt:

      Naja, das ist halt eine alte Strategie, die aber immer wieder funktioniert. Wiederholt völlig überzogene Forderungen und Ansprüche stellen, damit dann die -ebenfalls abwegigen, aber nicht ganz so extremen-Forderungen irgendwie gerechtfertigt scheinen.

      • Leopold Stotch sagt:

        Gerade Forderungen wie die, die Straßenseite zu wechseln, zeigen ja auch, dass die Damen sich ihrer starken gesellschaftlichen Stellung sehr bewusst sind und dass es ihnen in Wahrheit nur ums Gängeln und Einschüchtern der Männer geht. Wenn mir in einer einsamen dunklen Gasse ein zwei Meter großer russischer Türsteher entgegenkommt, wechsele ich zwar eventuell selbst die Straßenseite, aber ich rufe bestimmt nicht: „Genosse Türsteher, wärst du so nett die Straßenseite zu wechseln?“ Feministinnen verlangen aber genau das von uns – so weit kann es mit dem Bedrohungsgefühl wohl nicht her sein.

  4. Was mich an dieser ganzen Geschichte am meisten bestürzt, ist, dass du deine Zeit damit verschwendest, über Raymond Tallis‘ Kommentare zu Zenos Paradoxa nachzudenken. Die sind doch wirklich lachhaft. (Btw., es ist das Pfeil-Paradoxon, das er bespricht, nicht das von Achilles und der Schildkröte.)

    • In seinem aktuellen Buch, In Defense of Wonder, geht es af S. 84-85 um das Paradoxon von Achilles und der Schildkröte. Er erwähnt stattdessen das Beispiel eines „Wettlaufens“ zwischen dem Leser und einem Bus. Ihm geht es um das Verhältnis mathematischer Beschreibungen zu subjektiven Erlebnissen.

      • Ja, es dürfte ähnlich sein wie das, was unter http://philosophynow.org/issues/87/On_Points zu finden ist. Das Paradoxon mit dem Leser und dem Bus ist das Teilungsparadoxon (nicht wie ich oben irrtümlich schrieb das Pfeil-Paradoxon, und auch nicht das Paradoxon von Achilles und der Schildkröte). Was Tallis darüber schreibt, halte ich für Quatsch. Ist aber nicht Thema des Beitrags, deshalb nur eine Randnotiz von mir.

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