Immer diese extremen Extremisten

Wer erinnert sich noch an den Terrorangriff auf ein Einkaufszentrum in Nairobi, Kenia? Das war erst Ende September 2013, ist also nicht lange her. Islamisten überfielen ein Einkaufszentrum. Sie teilten die Kunden in Muslime und Nicht-Muslime auf. Je nachdem, wer eine Frage über den Propheten beantworten konnte. Die Muslime durften gehen. Mit den Nicht-Muslimen stellten die Terroristen folgendes an (siehe Quellensammlung – Vorsicht, nichts für zarte Gemüter!): Weiterlesen

Die patriarchale Wende

Zunächst hoffe ich, dass dieser Beitrag nicht zu psychedelisch ausfallen wird, denn aktuell habe ich mir eine Virusinfektion eingefangen und kann mich nur ein paar Minuten am Stück konzentrieren. Möglicherweise schreibe ich abwechselnd geniale Einsichten und totalen Schwachsinn auf. In meinem hypnotischen Zustand habe ich mir jedenfalls zwei neue Videos reingezogen, die ich hier verlinken und einige Gedanken dazu notieren möchte. Aber zunächst eine allgemeine Beobachtung.

Kurz gesagt sind wir auf dem Weg zurück zu einem patriarchalen, vor-aufgeklärten Frauenbild und Feministen sind schuld. Weiterlesen

Video: Die ungewollten Konsequenzen von Regierungseingriffen

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=3YkhQX7qkTk[/tube]

Ich hoffe, ich werde auch eines Tages ein so guter Redner sein wie der Ökonomieprofessor Nikolai G. Wenzel. Witzig, anschaulich, verständlich, charmant – einfach perfekt. Bevor ich hier einen Heiratsantrag ausarbeite, schreibe ich lieber, worum es geht: In diesem Vortrag spricht Nikolei Wenzel über die ungewollten Konsequenzen von Regierungseingriffen in die Wirtschaft. Man kennt das ja: Man möchte, dass „Menschen von ihrer Arbeit leben können“ (Mindestlohn) und was kommt dabei heraus? Mehr Arbeitslosigkeit und staatliche geförderte Schwarzarbeit. Wenzel erklärt außerdem die Hintergründe der aktuellen Wirtschaftskrise. Staatliche erzeugte falsche Anreize durch falsche Informationen über den Wert von Häusern.

Obs glauben oder nicht, aber man sollte eigentlich aus den Erfahrungen mit sozialistischen Ländern und der Kriegswirtschaft folgern können, dass der Staat Preise und Löhne nicht festlegen sollte. Der erste Schritt von Ludwig Erhardts Wirtschaftspolitik nach dem Krieg bestand immerhin darin, die Preise freizugeben. Praktisch über Nacht verschwand der Schwarzmarkt.

Im Übrigen ist das Rennspiel Asphalt 8 zu schwierig und Asphalt 7 zu einfach. Alles eine Frage des Balancing. Nur, um hier ein Thema anzusprechen, dass auch irgendwen interessiert im Gegensatz zur Zukunft der Weltwirtschaft und dem ganzen Quatsch.

Videos: Das Verhältnis von Romantik und Aufklärung

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=AI0FdLlp7Uo[/tube]

„101“ klingt wie eine Fehlermeldung und es wäre mir lieber, wenn es eine wäre. Tatsächlich ist es die Zahl der Aufrufe dieses genialen Vortrags von Dichter und Verleger Walter Donway für die amerikanische Atlas Society. Donway stellt zunächst die Frage, wie es sein kann, dass die Romantik die Kunst ist, die Ayn Rand der objektivistischen Philosophie zugeordnet hat – obwohl es sich doch um eine radikale Aufklärungsphilosophie handelt. Und die Romantik gilt gemeinhin als Bruch mit der Aufklärung. Donways Erläuterung über das Verhältnis von Aufklärung und Romantik ähnelt meiner eigenen aus meinem literaturwissenschaftlichen Buch Sire! – führen Sie die Aufklärung ein!, aber auf einer viel breiteren Grundlage. Die Romantik hat das Menschenbild der Aufklärer um wichtige Elemente ergänzt wie die Willensfreiheit und die Bedeutung des heroischen Strebens nach Werten im menschlichen Leben. Das Übernatürliche wird selten ernsthaft als real verfochten, sondern steht meist für psychologische Metaphern (ähnlich wie in der Fernsehserie Buffy, die mit weniger Anspruch in derselben Tradition steht).

101 Aufrufe seit dem 27. August 2013. Obwohl das Video in englischer Sprache gehalten ist und somit eine sehr breite Zielgruppe erreichen könnte. Selbst meine Videos werden viel häufiger angeschaut und ich habe keine Stiftung, die mich unterstützt. Die Atlas Society sollte wirklich mal einen PR-Experten einstellen. Entweder das, oder die Amerikaner haben noch weniger Interesse an philosophischer Aufklärung als die Deutschen. So es denn möglich ist.

Wer seine Niedergeschlagenheit nun im Gegensatz zu mir im Zaum halten kann, könnte sich zudem folgenden Vortrag des realistischen Künstlers Michael Newberry ansehen, der nur 60 Mal auf YouTube erblickt wurde.

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=BLDKaq8NQJQ[/tube]

Newberry erzählt nicht unbedingt viel Gehaltvolles. Trotzdem finde ich es erstens aufheiternd, dass es heute wieder viele realistische Künstler gibt und zweitens finde ich es spannend, über die Aussage der Gemälde zu reflektieren. Im Gegensatz zu modernistischen Werken haben realistische Gemälde einen metaphysischen Gehalt, auch wenn er manchmal nur durch genaues Betrachten und Nachdenken zu entschlüsseln ist. Sie bedeuten etwas für unser Leben.

Fortunas Rückkehr

Vor meinen Ohren tönt das alte Lied—
Vergessen hatt‘ ich’s und vergaß es gern—
Das Lied der Parzen, das sie grausend sangen

(Parzen = Schicksalsgöttinen. Aus Goethes Iphigenie auf Tauris)

Unser Leben werde von unsichtbaren Wesen bestimmt. Diese Idee trieb bereits die alten Griechen um, die mit dem Willen der Götter und dem Fatum, dem Schicksal, rangen. Christen sahen sich jeher dem Willen Gottes unterworfen. Die Calvinisten nahmen den Menschen auch noch die Möglichkeit zur Erlösung im Jenseits durch eigene, gute Entscheidungen im Diesseits. Humanistische Denker verteidigten schließlich während der Renaissance die menschliche Fähigkeit, das eigene Leben zu bestimmen. Die Aufklärer forderten im Anschluss, jeden Menschen seines eigenen Glückes Schmied sein zu lassen.

Heute sehen uns führende Aufklärer von Genen und Umwelt determiniert. Humanismus bestehe nunmehr darin, den Menschen von jeglicher Schuld und schließlich gar von seinem eigenen Ich zu „befreien“. Und weil das noch nicht genug ist: Die Marxisten vom britischen Magazin Spiked verteidigen nunmehr die Selbstbestimmung und den freien Willen. Und das, obwohl Marxisten einst behaupteten, die ökonomische Basis bestimme den ideellen Überbau. Sie waren ebenfalls Deterministen, die das menschliche Leben von äußeren Kräften gelenkt sahen.

So sehe ich mich als klassischer Humanist und Aufklärer nunmehr motiviert, sechs Artikel von britischen Marxisten meinen Lesern ans Herz zu legen.

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Das Tor, das keines war

Stefan Kießling ist ein erfahrener und erfolgreicher Stürmer und am Freitagabend in Sinsheim wusste er, dass er in dieser 70. Minute den Ball am Tor vorbeigeköpft hatte. Der Stürmer ärgert sich, aber nun passierte etwas, was der Torjäger von Bayer Leverkusen nicht erwartet hatte: seine Mitspieler feiern ihn plötzlich als Torschützen und tatsächlich liegt der Ball auch im Netz. Und nun schwenkt Kießling um, weil aus dem unangenehmen Ereignis plötzlich ein angenehmes geworden: er lässt sich, wenn auch verhalten, als Torschütze feiern.

Jürgen Klopp beschreibt diese Situation: “Für Kießling spricht aus meiner Sicht ganz klar, dass man sieht, er denkt der Ball ist jetzt nicht drin, aber wenn dann fünf Leute zu Dir kommen und sagen, der war drin, dann würde ich es auch glauben!” Dies soll für Kießling sprechen? Kießling gibt in dieser Sekunde sein individuelles, unabhängiges Urteil zugunsten der Anpassung an die Masse seiner Mitspieler auf. Er glaubte seinen Mitspielern, wo sein Wissen gerade noch ein anderes gewesen war. Zugegeben: es war verlockend, dies zu tun, weil er sich plötzlich in einen Wohlfühlmodus begeben konnte, wo er sich gerade noch ärgern musste. Aber trotzdem war es falsch und es spricht nicht für ihn, dass er bereit war, sein Denken zu suspendieren und sich in die Masse der Jubelnden einzureihen.