Warum sollten Reiche nicht reich sein?

Es wird immer wieder behauptet, die Schere zwischen Reich und Arm werde größer und dies sei ein Problem. Warum ist das ein Problem? Der Gesamtwohlstand wächst in allen Industrienationen. Sowohl Arme als auch Reiche werden insgesamt wohlhabender. Nur, dass sich der Einkommensunterschied zwischen Arm und Reich zugleich vergrößert – im Grunde nur die logische Folge einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Je mehr Werte ein Firmenchef erzeugt, desto mehr verdient er. Es werden immer größere Werte in einer kapitalistischen Gesellschaft erzeugt, also verdienen Firmenchefs immer mehr Geld mit der Werterzeugung.

Es muss doch irgendeine Erklärung dafür geben, dass die „Schere“ zwischen Arm und Reich als Problem angesehen wird. Und diese Erklärung kann doch – hoffentlich – nicht einfach lauten, dass „Arme“ (nicht, dass irgendwer in der entwickelten Welt wirklich „arm“ wäre) einfach gerne reich wären und somit aus Neid Ressentiments gegen Reiche erwachsen. Das wäre jedenfalls reichlich ärmlich. Im Folgenden gehe ich auf mehrere Argumente ein, warum diese „Schere“ uns angeblich Sorgen machen sollte:

Ich habe mehrere Leute kennengelernt, die sehr viel mehr Geld haben als ich, auch einige Reiche. Es ist mir vollkommen egal, ob sie mehr Geld haben oder nicht. Es bedeutet mir absolut nichts. Nur intellektuelle Leistungen, die mein Weltbild erweitern, sind mir wichtig und ob ich selbst genug Geld habe für meine Ansprüche. Ob andere Menschen sich irgendwelche Paläste leisten können, was kümmert mich das? Überhaupt nicht. Ob sie ihr Geld mit den Armen teilen, warum sollte das von zentraler Bedeutung sein? Es ist ihr Geld und nicht meines und nicht das der Armen. Jeder entscheidet selbst, was er mit dem Eigentum tut, das er sich erwirtschaftet hat. Niemand hat einen Anspruch auf das Eigentum anderer – es sei denn, ein solcher Anspruch ist vertraglich festgelegt oder im Falle von Ansprüchen der Kinder gegenüber ihren Eltern.

In einer freien Gesellschaft, wo niemandem das, was ihm gehört, mit Gewalt genommen werden darf, sind Wohlwollen und Barmherzigkeit gewiss Tugenden. Jenen zu helfen, die sich nicht selbst helfen können, ist gut und lobenswert, wenn auch nicht moralisch obligatorisch. Prinzipiell wird es dabei immer Menschen geben, die mehr haben und Menschen, die weniger haben. Weil unterschiedliche Berufe Produkte und Dienstleistungen von unterschiedlichem Wert hervorbringen. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft kann nicht jeder denselben Beruf haben. Die Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten und Präferenzen. Einkommensunterschiede liegen also in der Natur der Dinge. Niemand muss sich schämen, wenn er nicht in der Lage ist, so viel zu erwirtschaften wie ein Manager. Ein Manager, der sein Potenzial nutzt, muss sich nicht schämen, weniger zu verdienen als ein Top-Manager. Jeder kann nur sein Potenzial nutzen und wenn er es tut, kann er mit sich zufrieden sein, egal, wie viel er verdient.

Subjektive und objektive Werte

Das Einzige, worüber man sich vielleicht aufregen könnte, ist die Differenz zwischen subjektiven und objektiven Werten. Philosophisch objektive Werte sind alle Werte, die das Leben eines Menschen tatsächlich bereichern. Subjektive Werte sind alle Werte, von denen Menschen glauben, sie würden ihr Leben bereichern, ob das so ist oder nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich zum Beispiel ein Winzer, der einen objektiv qualitativ hochwertigeren Wein anbietet als ein Konkurrent, sich aufregt, wenn die Kunden trotz sonst gleichen Umständen sich für das Produkt des Konkurrenten entscheiden. Wenn so Einkommensunterschiede entstehen, kann man sich berechtigt darüber beklagen, dass der objektive Wert des eigenen Produktes oder der eigenen Dienstleistung von den Kunden nicht geschätzt wird (was durchaus möglich ist und häufig vorkommt – siehe alleine den Wert moderner Kunst auf dem Markt im Gegensatz zum Wert echter Kunst).

Diese der objektivistischen Philosophie innewohnende Unterscheidung ist aber kaum jemandem bekannt und dürfte jedenfalls nicht der bewusste Grund oder der Hauptgrund sein, warum sich die Leute über jene „Schere“ beklagen.

Die Verelendungstheorie von Karl Marx

Obwohl die Verelendungstheorie von Karl Marx längst widerlegt ist, wird sie gelegentlich noch angeführt als Begründung, warum die „Schere“ ein sich verschärfendes Problem darstelle. Hier ist die Theorie, wie Karl Marx selbst sie erklärt:

„Innerhalb des kapitalistischen Systems vollziehen sich alle Methoden zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit auf Kosten des individuellen Arbeiters; [ … ] Es folgt daher, daß im Maße wie Kapital akkumuliert, die Lage des Arbeiters, welches immer seine Zahlung, hoch oder niedrig, sich verschlechtern muß. Das Gesetz endlich, welches die relative Übervölkerung oder industrielle Reservearmee stets mit Umfang und Energie der Akkumulation in Gleichgewicht hält, schmiedet den Arbeiter fester an das Kapital als den Prometheus die Keile des Hephästos an den Felsen. Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol, d. h. auf Seite der Klasse, die ihr eigenes Produkt als Kapital produziert.“

– Karl Marx, Das Kapital, Band 1, MEW 23, S. 674 f.

Mit anderen Worten entsteht Reichtum durch die Ausbeutung der Arbeiter, welche die eigentlichen Werteproduzenten seien. Um Sang Hun Lee zu zitieren (meine Übersetzung aus dem Englischen):

Die Geschichte nach Marx zeigt eindeutig, dass dieses Gesetz falsch ist. Die Ökonomie des fortgeschrittenen Kapitalismus hat große Fortschritte gemacht und das Bruttoinlandsprodukt ist extrem angestiegen. Der Wohlstand und nicht die Armut hat zugenommen.

Das liegt daran, dass die Arbeiter eben nicht die großen Werterzeuger sind. Die Erfinder, Manager, Unternehmer, Investoren sind die großen Werterzeuger. Sie müssen entscheiden, wo, wann, wie viel Kapital investiert wird. Sie müssen stets ihre Fabriken modernisieren, um nicht zurückzufallen. Sie müssen stets effizienter produzieren, um ihre Produkte zu wenigstens ähnlichen Preisen anbieten zu können als die Konkurrenz. Sie müssen den Markt genau beobachten, um zu wissen, wo welche Nachfrage nach was besteht. Und die Erfinder entwickeln neue Maschinen, die die selbe Arbeit schneller und besser erledigen können als die vorherigen Maschinen. Sind wir alle verarmt aufgrund neuer Erfindungen? Nein, wir sind alle – auch die „Armen“ – reicher geworden dank neuer Erfindungen. Und dank der klugen Planung der Unternehmer.

Die „Horter“

Angeblich gibt es unzählige Menschen in Deutschland, vor allem reiche Rentner, die ihr Geld einfach unterm Kopfkissen aufbewahren und es nicht investieren. Das ist aus irgendeinem Grund nicht ihr Problem, sondern voll böse von ihnen, weil sie ja auch Arbeitsplätze schaffen könnten mit ihrem Geld (als wären sie irgendwie moralisch dazu verpflichtet!). Wie viele das nun sind, diese Horter, das ist so ein bisschen unklar. Da die Gewerkschaften mit bizarren Zahlen zum Thema aufwarten, können es wohl nicht viele sein.

Das Gesamtvermögen in Deutschland wird laut Grabka im Saldo – also abzüglich der Verschuldung – auf 6,6 Billionen Euro geschätzt. Dazu zählen Häuser und Grundstücke, Geld, Wertpapiere, private Versicherungen, aber auch Gold, Schmuck und wertvolle Sammlungen. (Laut der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung)

So ein Beleg, der mir zur Hortung offeriert wurde. Das soll nun also das Geld sein, das Reiche „horten“. Ihre Häuser und Grundstücke (sind die nicht bewohnt oder vermietet?). Ihre Wertpapiere (sind die nicht angelegt?), ihre privaten Versicherungen (dienen die nicht einem Zweck?) und ihr Gold, Schmuck und wertvolle Sammlungen (ist das nicht Privateigentum von persönlichem Wert?).

Ich werde mich wieder mit diesem Thema befassen, wenn ich nicht mehr den Eindruck habe, dass man mich nur veralbern will mit der ganzen „Horter“-Thematik.

Finanzwirtschaft und Realwirtschaft

Als Grund für die Verwerflichkeit der „Schere“ wird manchmal der Unterschied zwischen „Finanzwirtschaft“ und „Realwirtschaft“ angeführt. In der sogenannten „Realwirtschaft“ werden echte Werte erzeugt, während die „Finanzwirtschaft“ lediglich „das Geld für sich arbeiten lässt“. Die Finanzwirtschaft ist aber nicht die Finanzwirtschaft, sondern die Kapitalwirtschaft. Das Kapital, das für den Erhalt und den Ausbau von Unternehmen notwendig ist, stammt von Investoren. Ohne Kapital keine Marktwirtschaft. Man könnte ohne Investitionskapital so gut wie nichts tun. Auch Landwirte brauchen Kapital, um zu planen, um für Notzeiten eine Vorsorge zu haben und um in neue Maschinen zu investieren.

Heute hat die Kapitalwirtschaft eine Dimension angenommen, dass die Investoren sehr zahlreich geworden sind und häufig in andere Projekte investieren als zuvor, also ihre Investitionen verlagern. Mal kaufen sie jene Aktien, mal andere. Es gibt natürlich auch Langzeitinvestoren. Am Grundprinzip hat sich eigentlich nichts verändert. Jeder, der glaubt, dass ein Aktienunternehmen vielversprechend ist und in Zukunft Gewinne einfahren wird, kann sich Aktien dieses Unternehmens kaufen. Jeder mit einem durchschnittlichen Einkommen kann in Aktienfonds investieren und das Risiko streuen.

Was ist daran verwerflich? Grundsätzlich zunächst einmal gar nichts. Menschen investieren ihr Geld in vielversprechende Unternehmen. Na und? Warum sollten sie das nicht tun?

Der einzig verwerfliche Teil – von Betrug durch individuelle Anleger oder Organisationen abgesehen – ist die Intervention von Staaten. Wenn Staaten etwa private Unternehmen wie Banken „retten“, die eigentlich pleite gehen müssten, dann funktioniert das marktwirtschaftliche System nicht mehr. Dann werden Anreize für Anleger geschaffen, unnötige Investitionsrisiken einzugehen. Aber mit der reinen Marktwirtschaft hat das eigentlich nichts zu tun. Die „Finanzwirtschaft“ als solche, an sich, ist keineswegs unmoralisch. Mal ganz davon abgesehen, dass Reiche nicht „ihr Geld für sich arbeiten lassen“, sondern sie haben ihr Geld so angelegt, dass sie und unzählige andere Menschen von diesem Kapital und den Arbeitsplätzen, die es finanziert, profitieren. Sicher, Reiche müssen selbst, wenn sie ihre Investitionen erst einmal sinnvoll organisiert haben, nicht mehr viel arbeiten. Ihr Geld verdienen sie sich trotzdem, weil sie das Kapital dorthin umleiten, wo es in der Wirtschaft gebraucht wird. Es ist mir völlig wurscht, ob sie den ganzen Tag persönlich nur dasitzen und sich Baywatch auf ihrer Yacht anschauen, wenn sie mit ihrem Geld für das effiziente Funktionieren der Marktwirtschaft sorgen.

Fazit

Ich sehe einfach das moralische Problem nicht. Bislang sehe ich nur Neid – und zwar die Form von Neid, die nicht die eigene Produktivität anregt, sondern die Ressentiments gegen Menschen, die produktiver sind als man selbst, hervorbringt. Vielleicht ist dort ja das moralische Problem zu finden.

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31 Kommentare zu “Warum sollten Reiche nicht reich sein?

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Ich habe mehrere Leute kennengelernt, die sehr viel mehr Geld haben als ich, auch einige Reiche. Es ist mir volkommen egal, ob sie mehr Geld haben oder nicht. Es bedeutet mir absolut nichts.

    Und hier soll auch einmal das Fachwort genannt werden: ‚Neid‘ (kam im Artikel nicht vor).

    Unter der Hand wird denn auch von „progressiven“ Vermögenden wie strengen Umverteilern die Idee promoviert, dass Reiche doch bitte sehr eine Art Eintrittskarte in das Gesellschaftssystem zu kaufen hätten, damit sie unbelästigt bleiben.

    Vermögende der champagner-sozialistischen Art sehen das also teilweise auch so, nichtsdestrotrotz bleibt dies faschistisches Gedankengut.

    MFG
    Dr. W

    • Ich habe aus irgendeinem Grund „Eifersucht“ statt „Neid“ geschrieben, ist korrigiert.

      • Dr. Webbaer sagt:

        Da haben wir was gemeinsam: das Nicht-Neidisch sein.
        Egal wie doof auch der Extra-Vermögende zu sein scheint, er hat, wenn er nicht nur geerbt hat, in aller Regel jahrelang bis jahrzehntelang irgendein Geschäft zäh durchgezogen…
        Bei nackten Erben könnte man neidisch werden, aber lassen wird das mal, scnr.

  2. spkr sagt:

    Es gibt aber in der Tat eine sehr interessante Korrelation:

    Mit steigendem GDP (in den „1. Welt“-Ländern) verbessert sich die durchschnittliche Lebenserwartung, Zufriedenheit, Bildung, Anzahl der Verbrechen, usw.. nicht mehr signifikant. Hier tritt also (erwartungsgemäß) eine Art Sättigung auf.
    Allerdings fällt im Vergleich zur Einkommens-Verteilung ein deutlich negativer Zusammenhang mit den oben genannten statistischen Daten auf.
    Wenn ich das richtig verstanden habe, hat also ab einem gewissen Sättigungseffekt Einkommensungleichheit für das „durchschnittliche Wohlbefinden“ sehr wohl einen (negativen) Effekt, auch wenn der Wohlstand aller insgesamt steigt.

    siehe:
    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/03/08/die-ungleichheit-zwischen-arm-und-reich-macht-uns-krank/

    Somit könnte es im Interesse aller (auch der Reichen) sein, allzu krasse Unterschiede in der Gesellschaft zu vermeiden. Aber ob das (ohne Zwang und unter Beachtung indiviueller Rechte) umsetzbar wäre.. wie du oben schreibst liegt das ja gewissermaßen in der Natur der arbeitsteiligen Gesellschaft.

  3. Alexia sagt:

    Nur mal ein Gedankengang….

    Die Preise der Produkte, welche zum alltäglichen Leben notwendig sind, also Nahrung, Wasser, Energie, Wohnraum, Kleidung etc., entstehen aus dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage.
    Der größte Teil der Nachfrage kommt von Menschen, deren Vermögen nahe dem Median des gesamtgesellschaftlichen Vermögens liegt.
    Wenn nun aber die Vermögensschere weiter auseinander klafft, bedeutet dass, dass Reiche sehr viel reicher werden.
    Die nahe dem Median werden ein wenig vermögender. Da die Preise der Grundversorgungsprodukte sich an ihrem Einkommen orientiert, ändert sich nicht viel für sie. Sie fahren vielleicht auf besser ausgebauten Straßen zur Arbeit und mehr von ihnen tun das in einem Auto das über eine Klimaanlage verfügt. Nichts essentielles also.
    Das Vermögen der als arm geltenden steigt am langsamsten. Also langsamer als das der Median-Leute also auch langsamer als der Preisanstieg der Grundversorgungsprodukte.
    Also selbst wenn ihr Einkommen zahlenmäßig nicht rückläufig ist, werden diese trotzdem effektiv ärmer.
    Ein Effekt dieser Entwicklung wurde bereits in Deutschland beobachtet.
    Die Lebenserwartung der Armen nimmt ab.
    http://www.sueddeutsche.de/leben/lebenserwartung-von-geringverdienern-sinkt-dramatische-zuspitzung-der-einkommenskluft-1.1232605
    Mit einem effektivem Sinken des Vermögens werden „Arme“ wirklich arm. Ihre Perspektiven verschwinden genau wie ihre Gesundheit und ihre Fähigkeit eine Grundversorgung zu erwerben.
    Steigende Kriminalität ist die Folge.
    Und die Folge davon wiederum ist, dass sich Reiche nachts nicht mehr auf die Straße trauen können, weil sie Gefahr laufen ausgeraubt zu werden.

    Eine zumindest leicht geschlossene Vermögensschere liegt also durchaus im Interesse der Reichen.

    • Warum hat ein Mensch ein geringes Einkommen? Weil das „Wechselspiel von Angebot und Nachfrage“ nicht auf seiner Seite ist oder aufgrund persönlicher Entscheidungen? Dass die Gesundheit von jemandem zurückgeht, der für sich keine Perspektive sieht, obwohl er eine hat, ist wohl klar. Wenn steigende Kriminalität „die Folge“ einer notwendigen Entwicklung ist, dann sind Kriminelle für ihr Tun und Lassen nicht verantwortlich. Diese deterministisch-kollktivistische Betrachtung verklärt und klärt nicht.

      • Alexia sagt:

        Es gibt wohl eher wenige, die sich persönlich für Armut entscheiden.
        Meistens ist es eher so, dass persönliche Entscheidungen wie die für eine bestimmte Berufsausbildung sich später als Fehler herausstellen, wenn zum Beispiel dieser Beruf obsolet wird oder vollkommen andere Formen annimmt, die eine erneute Ausbildung erfordern.

        Mein Kumpel, den ich in einem anderen Kommentar schon einmal erwähnt hatte, ist mal wieder das beste Beispiel für so ein von „Fehl“entscheidungen geprägtem Leben:

        Ausbildung zum Förster in der DDR, aber kein Kettensägenführerschein, dazu fehlt noch das nötige Vitamin B um überhaupt den Beruf angehen zu können. Findet später Chance auf gutbezahlten Job ohne nennenswerte Qualifikation in Bayern, gibt dem Wunsch der Ehefrau nach, welche in Brandenburg bleiben wollte. Diese lässt sich später scheiden, der Job ist weg, sie bekommt sein Kind und Alimentenanspruch, zieht nach Bayern und erhöht den Alimentenanspruch auf westliche Verhältnisse, während er immernoch in Ostdeutschland mit seinem 6…7-Euro Gleisbaueraufpasserjob festhängt und am unteren Schenkel der Vermögensschere weiter nach unten rutscht.

        Eine Tragikomödie im Freitagabendfernsehen ist nichts gegen dieses reale Leben.

        Jede Entscheidungen kann zu Wohlstand oder Misere führen. Sicherheit gibt es nicht. Und da Wohlstandsscheren dazu tendieren sich von allein zu spreizen und dabei die am unteren Ende zurückzulassen, braucht es Regulierung. Zum Beispiel durch Steuern, gesetzlichen Mindestlohn und, für die ärgsten Fälle, eine Form von Sozialhilfe.

        • Martin sagt:

          Sorry, aber grade am genannten Beispiel sehe ich jetzt nicht, wie dadurch begründet werden kann, anderen Menschen Geld wegzunehmen.
          Er hat teils falsche Entscheidungen getroffen, teils Pech gehabt. Wie rechtfertigt das, anderen Menschen etwas von ihrem Erarbeiteten wegzunehmen, bzw.für praktisch wertlose Arbeit erhöhte Löhne zu fordern?

          • Alexia sagt:

            Wir leben nun einmal in einer Gesellschaft. Und diese Gesellschaft bringt Menschen hervor welche mal besser mal nicht so gut klarkommen. Und die Ansicht, dass jedes Individuum die volle Verantwortung für seine Situation tragen kann verklärt ebenso wie die dass niemand etwas für irgendwas verantwortlich ist. Muss es immer schwarz und weiß sein?

            Ein Lohn selbst für die simpelste Arbeit, von dem der Arbeiter leben kann, kann nicht als „überhöht“ bezeichnet werden. Eine Arbeit, selbst wenn sie keine Qualifikation benötigt, ist nicht „wertlos“, solange sie gemacht werden muss. Und von Reichen ebenso wie Normalverdienern eine normale gesellschaftliche Verantwortung abzuverlangen (zahlt einfach eure Steuern) ist kein „Diebstahl“.

            Mein Punkt ist einfach der, dass krasse Unterschiede eine Gesellschaft destabilisieren. Von Stabilität würden auch Reiche profitieren. Sie könnten reich sein in einer Umgebung in welcher sie sich ohne Angst frei bewegen können. Und kaum einer hätte so wenig zu verlieren, dass alles zu riskieren und nichts zu riskieren keinen Unterschied macht, so dass die Motivation ahnungslose Spaziergänger in einer dunklen Straßenecke zu überfallen gar nicht erst aufkommt.

            Wenn ein Reicher das nicht will, kann er gern seine Nationalität auf ein Steuerparadies übertragen, wo er von jeder Verantwortung befreit wird und sich mit einer Horde hochbezahlter Leibwächter umgeben muss, um in sein gepanzertes Auto zu steigen.

        • Archophob sagt:

          > Diese lässt sich später scheiden, der Job ist
          > weg, sie bekommt sein Kind und
          > Alimentenanspruch, zieht nach Bayern und erhöht
          > den Alimentenanspruch auf westliche Verhältnisse,

          … nachdem sie mit ihm zusammen nicht nach Bayern gewollt hatte, ja ne, ist klar. Man stelle sich mal vor: nur das Kind hätte einen Unterhaltsanspruch, aber die Frau wäre für ihr Auskommen (einsachließlich ihrer Entscheidung, nun doch nach BY zu ziehen) selbst verantwortlich – stände der Mann vielleicht besser da? Ohne staatliche Vorgaben zum Ehe- und Scheidungsrecht?

  4. Jana sagt:

    Ich stimme dir dahingehend zu, dass es uns egal sein sollte, was andere verdienen. Neidisch bin ich aber nicht in jedem der Fälle. Die „Gefühle“ (oder nenn es „Motivation“) unterscheiden sich.

    Erstmal zum Neid: Gute Diskussionsgrundlagen von Herrn Fehr:

    http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&ved=0CDEQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.econ.uzh.ch%2Ffaculty%2Ffehr%2Fpublications%2Fneid.pdf&ei=ZOxUUqjgDsmL0AX7noDoAg&usg=AFQjCNGSwtt-p4PcA6CnPov2l0Us_al4kQ&sig2=GWAX3VBAf56mCE7C9Io5cA&bvm=bv.53760139,d.d2k

  5. Jana sagt:

    _Relative Deprivation_
    Du hast in einem Punkt Recht: Es scheint alle Gesellschaften zu durchziehen. Gib einem Kind ein Bonbon, und es freut sich. Gib dem nächsten Kind 2 Bonbons – und das erste bewertet sein Bonbon plötzlich ganz anders, es will ein zweites und wird wütend, wenn es das nicht bekommt. Es empfindet Mangel im Vergleich zum anderen Kind: relative Deprivation. Wir sollten diesen Kniff durchschauen und unser Bonbon, mit dem wir sehr zufrieden sind, nicht mit anderen vergleichen. Das ist eine Ethik, die sich mit Aufklärung etablieren ließe.

    _Abhängigkeit der Einkommen voneinander_
    Die Stellen, an denen ich diskutiere: Was ist, wenn mein Einkommen direkt oder indirekt vom Einkommen der anderen abhängt?
    Brecht (musst du nich mögen)
    „Reicher Mann und armer Mann
    standen da und sah’n sich an
    Und er Arme sagte gleich:
    Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

    Der Wohlstand ist in Summe gewachsen, und jeder einzelne profitiert davon. 99,9% der Bevölkerung in Dt. hat einen höheren Lebensstandard als ein Fürst um 760 nChr.
    Relativ zum Zeitstrahl sollten wir alle zufrieden sein. Punktuell, also in unserer Lebenszeit, könnte es sich aber um einen objektiven Wert handeln: Die in diesem Zeitraum zur Verfügung stehenden Ressourcen sind begrenzt: Es gibt einen Kuchen. Und wenn einer 3/4 davon bekommt, bleibt nur 1/4 für den anderen.

    Bildhaft die Kinder: Wenn 4 Bonbons da sind, und ein Kind bekommt davon 3 und das andere 1; dann könnte das Kind zu Recht sauer werden, wenn die Zuteilung aus nicht objektiven Motiven erfolgt. Diejenigen, die gegen den Neid argumentieren, zweifeln objektive Zuteilungskriterien an.

    Es ist nicht einfach „Neid“, sondern die Überzeugung über eine objektive Ungleichverteilung von begrenzten Ressourcen bzw. einer begrenzten Geldmenge. Was ist nämlich, wenn die Kriterien für die Verteilung von Ressourcen nicht in deiner Leistung, sondern in anderen und nicht objektiven Tatsachen, wie Macht, Chancenungleichheit, Elitenfortpflanzung, Erbschaft, Charisma (?), … Wär das nicht ein Grund, sauer zu werden? Ist dieses Gefühl dann wirklich nur Neid?

    _Wirtschafts- und Geldtheorie?_
    Man müsste natürlich erstmal klären, ob es sich wirklich um einen begrenzten Kuchen handelt, oder ob nicht vielleicht jeder seinen eigenen Kuchen backen kann. Hier liegen den Diskussionsbeiträgen sicherlich unterschiedliche Geld- und Wirtschaftstheorien zugrunde. Das ist der ewige Leistungsstreit in Deutschland. Ich denke, das Wort „Verdienst“ ist irreführend, unspezifisch – und verlangt eine eigene Reihe von Betrachtungen.

    • Martin sagt:

      Da ist aber einiges komplett falsch dran.
      Das Kind wird nicht wütend, weil es „relative Deprivation“ verspürt.
      Das Kind wird wütend, weil es die WILLKÜRLICHE Andersverteilung als ungerecht empfindet. Kriegt das andere Kind 2 Bonbons, z.B. weil das vorher festgelegt wurde und es z.B. einen Wettkampf gewonnen hat, dann gibt es diese „Wut“ nicht. Solche Situationen kann ich als Vater einer 7-jährigen öfter mal beobachten (bzw. auch erklären).
      Ein Kind, das eine schlechtere Note für eine Arbeit bekommt, wird auch nicht wütend, weil es sich „relativ depriviert“ fühlen würde.

      Das eigentliche Problem wurde also schon mal nicht erkannt.

      Brecht: Gott, was ein barmender Mumpitz.

      Kuchen:
      „Punktuell, also in unserer Lebenszeit, könnte es sich aber um einen objektiven Wert handeln: Die in diesem Zeitraum zur Verfügung stehenden Ressourcen sind begrenzt: Es gibt einen Kuchen. Und wenn einer 3/4 davon bekommt, bleibt nur 1/4 für den anderen.“

      Stimmt aber auch nicht. Auch in unserer Lebenszeit und während unserer Lebenszeit sind die zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht konstant geblieben – sie wurden insgesamt mehr.

      „Diejenigen, die gegen den Neid argumentieren, zweifeln objektive Zuteilungskriterien an.“

      Nein, sie glauben das nur.
      Wobei ich schon den Begriff der „Zuteilung“ verräterisch finde. Wo etwas zugeteilt wird, gibt es immer auch Zuteiler, eine ominöse Macht, die zuteilt. Verteilung wäre deutlich neutraler und objektiver.

      „Es ist nicht einfach “Neid”, sondern die Überzeugung über eine objektive Ungleichverteilung von begrenzten Ressourcen bzw. einer begrenzten Geldmenge.“

      Das braucht keine Überzeugung. Ressourcen SIND ungleich verteilt. Eine komplette Gleichverteilung wäre ja auch als Beweis für Ungerechtigkeit zu werten.

      „Was ist nämlich, wenn die Kriterien für die Verteilung von Ressourcen nicht in deiner Leistung, sondern in anderen und nicht objektiven Tatsachen, wie Macht, Chancenungleichheit, Elitenfortpflanzung, Erbschaft, Charisma (?), … Wär das nicht ein Grund, sauer zu werden? Ist dieses Gefühl dann wirklich nur Neid?“

      Entschuldige, aber wie sollen das „nicht objektive Tatsachen“ sein? Zum Einen können sie kaum „Tatsachen“ sein, wenn sie nicht „objektiv“ sind, dann sind es allenfalls subjektive Wahrnehmungen.
      Macht, Erbschaft etc. ist normalerweise auch nichts einfach mal so aus dem Nichts gefallenes, sondern normalerweise durch Leistung entstanden. Im Fall einer Erbschaft oder Schenkung z.B. müsste man dann schon mal fragen, wieso denn der beliebige Transfer von Ressourcen ausgerechnet zwischen Eltern und Kindern eingeschränkt sein sollte?
      Charisma ? Und ? Wieso sollte das,sofern es sich dabei um eine angeborene Eigenschaft handelt, ein angeborenes „Können“ handelt,anders gewertet werden, als Körperkraft oder Intelligenz?

      Und nein, das sind allesamt keine guten Gründe sauer zu werden. Das sind undurchdachte Vorwände um das Neidgefühl zu rationalisieren.

      • sba sagt:

        Mal ganz ruhig von vorne…
        „Teilen macht Spaß“ slogante die Linke im letzten Wahlkampf. „Sind nach dem Kindergarten eigentlich alle so lernresistent gewesen“, murmelte das S in sich hinein.
        Ich kann mir die ganze Angelegenheit tatsächlich nicht anders erklären, als im Kindergarten geboren und dann zum Selbstläufer unter nicht wirklich erwachsen gewordenen Erwachsenen geworden. Denn im KiGa ist es ja so: Man hat eine begrenzte Menge Zeug, alle sollen was abbekommen, solange das Zeug oder ein Teil davon nicht als Trophäe für irgendetwas ausgesetzt ist, teilt man das Zeug gleich auf, alle finden das fair, keiner kommt auf den Gedanken (was man den Kindern nicht wird verübeln können) oder erklärt (was ich dem Pädagogischen Ziehpersonal schon verübele), was der Kontext dieser Gleichteilung ist, nämlich die Bedingungslosigkeit des Bekommens für die Empfänger. Es passiert einfach und später wundern sich einige, dass sie nicht weiterhin bedingunslos gefüttert werden (für ALG II muss man immerhin noch Zettel ausfüllen). Ferner auch, dass diese Bedingungslosigkeit nur darum möglich ist, weil der KiGa gar kein eigentsändiges wirtschaftliches System ist, sondern von außen bedient wird mittelst des Geldes, das die Eltern (und oft auch der Rest des Steuervolkes) für Personal, Ausstattung und Versorgung, für die Inanspruchnahme der Dienstleistung, zu der das Zeug gehört, bezahlt haben (will sagen: die Empfänger sind nicht produktiv tätig, sondern aus ihrer Sicht in einem raumzeitlich begrenzten Schlaraffenland gelandet). Könnte dann von jenen, die sich darüber wundern, nicht mehr automatisch versorgt zu werden, jemand auf die Idee kommen, diesen Wegfall als gemein, unfair, böswilligen Mangel der Gesellschaft zu bewerten und sich dafür einsetzen, wieder wie im Kindergarten leben zu dürfen. Das heißt dann „bedingungsloses Grundeinkommen“.

        Also: „Relative Deprivation“: Ja, wird’s wohl geben, unter oben benannten Voraussetzungen. Frage ich mich aber, ob nicht Erwachsene hinsichtlich ihrer Bewertung einer Güterverteilung nicht andere Maßstäbe haben sollten, als Kinder? Und ob ein Gefühl relativer Deprivation bei einem Erwachsenen und ohne Brücksichtigung der Bedingungen von Produktion und Verteilung nicht Zeugnis einer unterentwickelten Auffassung der Welt um ihn herum sei (und das meine ich jetzt ohne böswillige Wertung; wenn man von der Wiege an mit bestimmten Ideen bombardiert und Widerspruch nicht geduldet wurde, ist es manchmal verdammt trickreich, alte Denkgewohnheiten wieder loszuwerden, da wäre es schon nett, wenn einem jemand manches einfach mal ganz ruhig erklärt)?
        (Zur Illustration: Im Bildungsstreik kursierte u.a. der Slogan „Reiche Eltern für alle [Studenten]!“, gemeint war eine Ausweitung des BAFöG)

        Ansonsten vermute ich ein syntaktisches Missverständnis bzgl. der Negation im Teil über ungerechtfertigte Ungleichverteilung (ist missverständlich gesetzt, aber deswegen muss man doch nicht gleich das Schlimmste herauslesen) – „wenn die Kriterien für die Verteilung von Ressourcen nicht in deiner Leistung, sondern in anderen und nicht objektiven Tatsachen,“ etc. lese ich „…in anderen Kriterien als in objektiven Tatsachen…“ (ja, ich bin ein sehr gutwilliger Leser). Wird schwer zu bestreiten sein, dass es das gibt, dass manche wirklich nicht das bekommen, was sie eigentlich verdienen (also nicht nach objektiven Tatsachen/Kirterien verteilt wird). Wird auch schwer zu bestreiten sein, dass dies ein Problem ist. Und halte ich Jana sehr zu Gute, dass sie im letzten Absatz die in Anschlag zu bringenden Voraussetzungen für diese ganze Denkübung benannt hat. Hier wird natürlich die Standardantwort lauten, dass Güter via Produktion potentiell unendlich sind. Und, dass ein Anspruch auf sie durch eigene Produktivität (und nicht durch deren bloßes Vorhandensein) erworben wird, entweder direkt oder durch Tausch. Mag für jene Studiosi, die sich schon länger mit den obejktivist. Grundlagen befassen, selbstverständlich bis banal sein, sollte man dennoch bedenken, dass es unterschiedliche Kenntnisstände und Reflexionsverläufe gibt, zumal hier niemand in Semesterzahlen eingetragen ist. Da kann man sich auch mal herablassen, einen Brecht ernsthaft zu besprechen (gut mich nervt es auch, immer wieder zu hören zu bekommen, dass niemand reich geworden sei, ohne ein paar Leichen eingekellert zu haben, aber einfach nur zu sagen, dass die Blödsinn sei, mag ein wahres Urteil sein, überzeugt in der Form aber niemanden).
        Würde ich z.B. zu sagen, dass der Text, teilweise und im Rahmen seiner Entstehungszeit betrachtet, seine Berechtigung hat, und wenn ich diese Zeit „raubtierhaft“ nenne, ist dies nicht auf Kapitalismus per se, sondern auf Kapitalismus mit staatlichen Versatzstücken gemünzt. Auf eine Zeit, in der man mit der Politik kuscheln (mindestens) musste, um ein Unternehmen aus- oder auch nur aufbauen zu können, und dass man für solche Kuschelkurse nicht von Null aus anfangen kann, sondern mit einigen vielen Boni schon ins Rennen starten muss, um Einfluss zu eigenen Gunsten ausüben zu können. Dass durch solche Klüngeleien Mittel für’s Geschäft bei stillen Nutznießern verschwinden, die man dann im Geschäft nicht mehr verwenden kann. Und dass man, wenn man sich damit nicht selber ins Bein schießen will, den Schaden großzügig nach anderswohin verteilen muss. (Klingt vielleicht in der Form etwas abgedreht, aber man denke an Salzschürfrechte, Braulizenzen und Eisenbahnkonzessionen im noch-feudalen deutschen Reich). Ta-Da: „Wär ich nicht arm,“ (wären mir nicht Mittel antzogen worden, die mir tatsächlich zugestanden hätten) „wärst Du nicht reich“ (hättest Du diese Mittel nicht in der Korruption verwenden können, die nötig war, um aufzubauen). Wie gesagt: Raubtierzeiten, bei Brecht halt nicht feudal, sondern national- und sozial(istisch).

        Jetzt höre ich den Roman aber auf.

      • Jana sagt:

        „Das Kind wird nicht wütend, weil es “relative Deprivation” verspürt.
        Das Kind wird wütend, weil es die WILLKÜRLICHE Andersverteilung als ungerecht empfindet.“
        Genau davon spreche ich. Die empfundene (!) willkürliche Andersverteilung. Wut des Menschen darüber, dass ihm von Umständen, die er nicht beeinflussen kann, seine Ressourcen zugeteilt werden. Also eben kein Sportwettkampf und keine Schulleistungen, wie du schreibst. Du hast mich eben nicht verstanden.
        „Brecht: Gott, was ein barmender Mumpitz.“
        Gehen dir hier schon die Argumente aus, dass du in die Schublade greifen musst? Das war ein simpler Kinderreim. Da hätt ich den Namen auch weglassen können, dann würden es trotzdem eine Menge Leute unterschreiben.
        „Auch in unserer Lebenszeit und während unserer Lebenszeit sind die zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht konstant geblieben – sie wurden insgesamt mehr.“
        Nimm doch mal bitte das „punktuell“ an und denk drüber nach. Nimm von mir aus eine Legislaturperiode. Oder ein Monatsgehalt. Der Neid oder die Deprivation oder was immer Andreas Müller zu erklären sucht wird punktuell empfunden. Daran knüpfe ich an.
        J: “Diejenigen, die gegen den Neid argumentieren, zweifeln objektive Zuteilungskriterien an.”
        M: „Nein, sie glauben das nur.“
        Darum geht es. Was Menschen glauben. Wie sie zu der Empfindung kommen.

        „Wo etwas zugeteilt wird, gibt es immer auch Zuteiler, eine ominöse Macht, die zuteilt.“
        Da stimme ich dir zu. Die Menschen sind, denke ich, ganz unterschiedlicher Auffassung darüber, wie diese Verteilung entsteht.
        „Ressourcen SIND ungleich verteilt. Eine komplette Gleichverteilung wäre ja auch als Beweis für Ungerechtigkeit zu werten.“
        Genau das ist die Diskussion. Komplette Gleichverteilung strebt sicher keiner an. Aber es besteht offenbar Uneinigkeit darüber inwieweit es ungerecht ist, dass die Schere der Ressourcenverfügbarkeiten immer weiter auseinandergeht.
        „(..) können sie kaum “Tatsachen” sein, wenn sie nicht “objektiv” sind, dann sind es allenfalls subjektive Wahrnehmungen.“
        Hast recht, klingt widersprüchlich. Nennen wir sie „Tatbestände“.
        „Macht, Erbschaft etc. ist normalerweise auch nichts einfach mal so aus dem Nichts gefallenes, sondern normalerweise durch Leistung entstanden.“
        Wenn Max Müller Junior erbt, steht das in keinem Zusammenhang zur Leistung von Max Müller Junior. Nur im Zusammenhang der Leistung von Max Müller Senior. Tatsache.
        Darüber hinaus haben wir ein Problem mit dem Begriff „Leistung“. Was ist Leistung? Bringt Leistung automatisch Macht? Wenn man das beantworten will, überlegt man schnell: Wer leistet denn viel? Und wer wenig? – Und sofort sind wir wieder beim Geld. Wir wollen Leistung mit Geld messen. Wir brauchen aber ein anderes Maß für Leistung, wenn wir herausfinden wollen, ob Leistung und Einkommen (Ressourcenverfügbarkeit..?) im Zusammenhang stehen.
        „Im Fall einer Erbschaft oder Schenkung z.B. müsste man dann schon mal fragen, wieso denn der beliebige Transfer von Ressourcen ausgerechnet zwischen Eltern und Kindern eingeschränkt sein sollte?“
        Hab ich das behauptet? Ich sage nur: Hier löst sich der Zusammenhang zwischen Leistung und Kuchenverteilung auf. Und das sind Erklärungen für unangenehme Gefühle bei den anderen. Der eine kriegt einfach so 3 Bonbons. Der andere nur 1 – Blödes Gefühl. Ich dachte, das wollten wir hier zu erklären versuchen?
        „Charisma ? Und ? Wieso sollte das, sofern es sich dabei um eine angeborene Eigenschaft handelt, ein angeborenes “Können” handelt, anders gewertet werden, als Körperkraft oder Intelligenz?“
        Ich hab nichts über das „Sollen“ geschrieben. Angeborene und erworbene Eigenschaften unterscheiden uns voneinander und führen zu unterschiedlichen Chancen auf dem Markt und zu einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Ich find das gut. Aber man (der Neidische bzw. der mit dem blöden Gefühl) muss nicht akzeptieren oder gut finden, dass diese Eigenschaften jemandem die Legitimation geben, mehr Kuchen abzubekommen als andere.

      • Jana sagt:

        Nachtrag zu Brecht:
        Hier stecken doch ein paar schöne Gedanken drin.
        Erstens:
        Das Wortpaar „arm“ und „reich“. Hier wird noch mal klar: „Reich“ impliziert soziale Referenz. Reich geht nicht ohne arm. Reich ist jemand, der per Definition sehr viel mehr hat als der Durchschnitt. Im Mittelalter war jemand reich, der heute als arm gelten würde. Die beiden Wörter bedingen einander. Man kann Reichtum und Armut nicht diskutieren, ohne soziale Referenzen zu diskutieren. Wer sich nicht um das Einkommen von anderen kümmert, der braucht nicht über reich und arm zu diskutieren.
        Zweitens:
        „Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“
        Man kann doch mal zur Diskussion stellen, ob das unterdurchschnittliche Einkommen der einen vom überdurchschnittlichen Einkommen der anderen abhängt. Es reicht schon, wenn die Leute das glauben, damit sie wütend werden. (Wenn wir auf der Suche nach Erklärungen für die Wut sind.) Wenn die Einkommen NICHT voneinander abhängen, dann bedarf es der Aufklärung. Und wenn die Einkommen doch voneinander abhängen, dann ist es nicht Neid, sondern (berechtigte) Wut.

        (Und der Nachtrag zum Nachtrag: Hups, ich hab mich vertippt. Statt „gleich“ heißt es „bleich“.)

        • Martin sagt:

          Herrje. Also nochmal zum Brecht.

          „Das Wortpaar „arm“ und „reich“. Hier wird noch mal klar: „Reich“ impliziert soziale Referenz. Reich geht nicht ohne arm. Reich ist jemand, der per Definition sehr viel mehr hat als der Durchschnitt.“

          Dir ist schon klar, daß Du Dich in diesem Abschnitt und den Folgenden völlig selbst widerlegst? Einerseits sagst Du, das „reich“ durch sehr viel mehr haben als der Durchschnitt definiert ist,“.

          Und dann redest Du den ganzen Rest davon, das „reich“ und „arm“ sich gegenseitig bedingen würden, das Eine ohne das Andere nicht ginge etc.

          Nachdem Du bereits selbst dargelegt hast, das es als Referenz nichts anderes als den Durchschnitt braucht, sollte Dir eigentlich klar sein, das das völliger Blödsinn ist.

          „Man kann doch mal zur Diskussion stellen, ob das unterdurchschnittliche Einkommen der einen vom überdurchschnittlichen Einkommen der anderen abhängt. “

          Tut es normalerweise eben grade nicht. Eine Dame, die bei Airbus die Toiletten putzt, bekommt nicht deswegen wenig Gehalt, weil der Abteilungsleiter wesentlich mehr kriegt.
          Sie bekommt wenig Gehalt, weil sie nichts kann (oder nichts tun will), das jemand mehr wert ist, als das was sie tut.

    • Dr. Webbaer sagt:

      Was ist nämlich, wenn die Kriterien für die Verteilung von Ressourcen nicht in deiner Leistung, sondern in anderen und nicht objektiven Tatsachen, wie Macht, Chancenungleichheit, Elitenfortpflanzung, Erbschaft, Charisma (?), … Wär das nicht ein Grund, sauer zu werden? Ist dieses Gefühl dann wirklich nur Neid?

      Dann wäre es womöglich kein Neid.

      Gut angemerkt!

      Die allgemeine ‚Chancenungleichheit‘ (vgl. ‚Elitenfortpflanzung, Erbschaft‘) wäre aber zu schlucken, ließe sich ja (erst recht) nicht in kollektivistischen Systemen vermeiden.

      ‚Charisma‘ und so wären dagegen wieder Leistung.

      MFG
      Dr. W

  6. Jana sagt:

    Eine Frage an dich zum Thema subjektive und objektive Werte:

    Sprichst du dich gegen Werbung aus?

    • Nein. Man muss nicht irgendetwas einschränken oder verbieten, nur weil es manchmal Probleme damit gibt. Am Ende ist jeder selbst gefragt, rational abzuwägen, welche Werte seinem Leben dienlich sind.

  7. Dr. Webbaer sagt:

    @ Alexia:
    Sie werden vielleicht verstehen, dass wenn Sie so verlautbaren –

    Mein Punkt ist einfach der, dass krasse Unterschiede eine Gesellschaft destabilisieren. Von Stabilität würden auch Reiche profitieren. Sie könnten reich sein in einer Umgebung in welcher sie sich ohne Angst frei bewegen können.

    …für einige nur ein weiterer Beleg gesehen wird, dass angestrebte Gleichheit der Subjekte ‚destabilisiert‘?!

    Sie & andere wollen ja nur, dass Vermögende eine Art Bussgeldzahlung leisten, um ‚ohne Angst‘ leben zu dürfen oder leben zu dürfen.
    Soviel zur ‚Destabilisierung‘ und deren Ursachen…

    MFG
    Dr. W

  8. Archophob sagt:

    Mit der „Finanzwirtschaft“ hätte ich keinerlei Probleme, wenn diese noch so wirtschaften würde wie die Hamburger Bank zu Zeiten des Deutschen Zollvereins (also vor Bismarck):
    Damals konnte sich jeder Anleger darauf verlassen, daß seinen Einlagen ein entsprechender Gegenwert an Silber in den Tresoren der Bank hinterlegt war; es wurde nur so viel Geld als Kredit ausgegeben, wie physisch vorhanden war.

    Mit dem ungedeckten Zentralbankgeld einerseits (die EZB und die FED können so viel drucken, wie sie wollen) und dem Teilreservesystem andererseits (für jeden € im Tresor darf der Inhaber einer Banklizenz 50€ Giralgeld als Kredit verleihen) erfüllt ein nicht unbeträchtlicher Teil der Finanzwirtschaft jedoch den Tatbestand des staatlich sanktionierten Betruges.

    Zum Glück gibt es mit Bitcoin inzwischen eine Möglichkeit, sich vom Staatsmonopolpapierfalschgeld weitgehend unabhängig zu machen…

    • Was sagst du eigentlich zu dem Argument, dass die Österreicher immer die Inflation betonen, aber nicht das Wirtschaftswachstum einbeziehen?

      • Archophob sagt:

        Du meinst, daß eine mit der Wirtschaft wachsende Geldmenge (wie zu DM-Zeiten) für stabile Preise sorgt, während eine fixe Geldmenge bei steigender Produktivität zu sinkenden Preisen führt? Ich sehe an sinkenden Preisen nichts schlimmes, im Elektroniksektor haben wir die schon seit Jahren.

        Angenommen, Du hast die freie Wahl, zu welchen Preisen und in welcher Währung Du Deine ebooks verkaufst: welches Geld nimmst Du dann am liebstan an? Währungen, deren Geldmenge von so vertrauenswürdigen Gestalten wie Mario Draghi und Ben Bernanke nach Belieben manipuliert werden kann? Währungen, deren Geldmenge nur davon abhängt, ob irgendwo auf der Welt ein bisher unzugängliches Goldvorkommen erschlossen wird? Oder Währungen, deren Geldmenge kryptografisch gedeckelt ist und bei der Du Dein Vermögen auf einen verschlüsselten USB-Stick mitnehmen kannst?

  9. Positron sagt:

    „Der einzig verwerfliche Teil – von Betrug durch individuelle Anleger oder Organisationen abgesehen – ist die Intervention von Staaten. Wenn Staaten etwa private Unternehmen wie Banken “retten”, die eigentlich pleite gehen müssten, dann funktioniert das marktwirtschaftliche System nicht mehr.“

    Dieser Abschnitt, hat mich doch gleich mal wieder an eine Dokumentation erinnert, welche vor einigen Wochen auf Phoenix lief. In ihr wurde die Finanzkrise und die Rettungsmaßnahmen der US-Regierung behandelt. Nun frage ich mich, wäre wirklich die US-Wirtschaft zusammengebrochen und in folge dessen die Weltwirtschaft ins trudeln geraten, wenn man nicht nur Lehman sondern alle Banken die offenbar schlecht gewirtschaftet hatten, hätte pleite gehen lassen.

    Und wenn ich schon beim Thema bin, was wären die Auswirkungen einer Zahlungsunfähigkeit der USA?

    Würde mich über eine Antwort freuen.

    MfG Positron

    • Eine Zahlungsunfähigkeit der USA wäre nicht gerade gut. Die US-Regierung sollte nicht als unzuverlässiger Gläubiger dastehen, gegenüber den eigenen Beamten und sonstigen Zahlungsempfängern und auch gegenüber dem Ausland.

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