White House Down versus Olympus Has Fallen

Olympus Has Fallen (Filmdistrict)

Gerald Butler (Leonidas in „300“) kämpft gegen die Nordkoreaner in Olympus Has Fallen (Bild: Millenium Films)

Zwei Filme, die sich so sehr ähneln und doch vollkommen unterschiedlich sind. Bei White House Down von Roland Emmerich (Independence Day) und Olympus Has Fallen von Antoine Fuqua (Tränen der Sonne) geht es darum, dass das Weiße Haus von Terroristen besetzt wird. In beiden Filmen kämpft ein einzelner Actionheld (oder mit dem Präsidenten vielleicht zwei in White House Down) gegen die Terroristen. Beide Filme sind recht stark an das „Stirb Langsam“-Muster angelehnt.

Während Olympus Has Fallen ein klassischer, heroisch-patriotischer Actionfilm auf Hollywoodniveau ist, handelt es sich bei White House Down um eine Actionkomödie auf B-Movie-Niveau, die linke Verschwörungstheorien aneinanderreiht.

Glaubwürdige Bösewichter: Nordkoreaner oder „die Rechten“?

White House Down (Columbia

Der weiße Held und sein „cooler Nigga-Sidekick“ kämpfen gegen „Rechte“ in Emmerichs „White House Down“ (Bild: Columbia Pictures)

Bei Olympus Has Fallen besetzen Terroristen, die für Nordkorea arbeiten, das Weiße Haus. Nordkorea ist auch in der echten Welt eine Bedrohung, eine totalitäre Diktatur, die mit militärischen Angriffen auf Südkorea und auf amerikanische Schiffe droht und diese auch gelegentlich durchführt. Chef-Terrorist Rick Yune glaubt, die USA und Südkorea wären Schuld am Leiden der Nordkoreaner. Offenbar behindern sie die ökonomische Entwicklung des Landes und nicht etwa die Tatsache, dass das kommunistische Regime jegliche Freiheit im Lande unterdrückt. In Olympus Has Fallen wirken die Terroristen glaubwürdig und kaltblütig – ähnlich glaubwürdig wie in Air Force One (der von einer Glanzleistung von Gary Oldman profitiert). Ihr Angriff auf das Weiße Haus ist penibel geplant. Die Terroristen greifen mit einem aufgerüsteten Kampfflugzeug an und mit Mülltransportern, in die Maschinengewehre eingebaut sind. Außerdem setzen sie auf Selbstmordattentäter und eine kleine Armee.

Bei White House Down schleust der Sicherheitschef die „rechten“ Terroristen in das Weiße Haus ein. Sie befinden sich also bereits darin und können dort innerhalb von Minuten ohne erkennbaren Widerstand alle Sicherheitskräfte töten und Zivilisten als Geiseln nehmen. Während die Terroristen bei Olympus Has Fallen auf massiven Widerstand der Sicherheitskräfte, der Polizei und schließlich des Militärs treffen und sich nur mit einer klugen Strategie und einer recht großen Truppe halten können, so steht das Militär in White House Down einfach vor dem Weißen Haus und tut absolut rein gar nichts. Nur der Präsident und ein abgelehnter Bewerber für einen Posten als Sicherheitsbeamter alias Channing Tatum (21 Jump Street) kämpfen sich durch das Gebäude.

Erst spät im Film schickt der Ersatzpräsident Kampfhubschrauber zum Weißen Haus, die kein erkennbares Missionsziel haben und auch gleich abgeschossen werden. Später soll das Weiße Haus mit dem überlebenden Präsidenten und den Geiseln darin mit Düsenjägern gesprengt werden. Ansonsten würde der böse Sicherheitschef (James Woods, Oliver Stones Nixon) den Mittleren Osten mit Atombomben angreifen. In Olympus Has Fallen hingegen besteht die Bedrohung darin, dass in den USA Atombomben gezündet werden sollen. Daran erkennt man, was den Linken (hier repräsentiert durch Roland Emmerich) größeren Schrecken einjagt.

Action versus Absurdistan

Zugegeben: Auch Olympus Has Fallen leidet an Problemen mit der Glaubwürdigkeit. Vor allem das Cerberus-Programm, mit dem man angeblich alle amerikanischen Atomwaffen vom Weißen Haus aus zugleich zünden kann, erscheint ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Insbesondere auch darum, weil es nicht so schwierig sein kann, einfach die Leitungen zum Computer im Präsidentenbunker von außen zu kappen. Bei Olympus Has Fallen muss man aber wenigstens sein Auge nicht stärker zudrücken als bei anderen Hollywood-Actionfilmen, die alle an ähnlichen Glaubwürdigkeitsproblemen leiden.

White House Down hingegen ist bizarr und lächerlich von der ersten bis zur letzten Sekunde. Das Weiße Haus wird von verschiedenen „Rechten“ besetzt, von kitschigen Südstaaten-Rassisten bis hin zu einem kriegswütigen Konservativen in Form des Sicherheitschefs des Weißen Hauses, der die anderen, weniger schlauen „Rechten“ anführt (weil Nazis und Konservative sind ja irgendwie alle im selben Boot). Die Medien spekulieren, dass vielleicht Islamisten das Weiße Haus angegriffen haben könnten und die Rechten machen sich darüber lustig – als ob ausgerechnet die Rechten das für unplausibel halten würden. Vor allem, weil der Sicherheitschef den Mittleren Osten mit Atombomben plattmachen möchte, um radikale Muslime zu besiegen.

Derweil ist der US-Präsident Sawyer ein Obama-Verschnitt, gespielt von Jamie Foxx (Django Unchained), der immer wieder auf schwarze Gangster-Sprache zurückgreift. Im Grunde ist Sawyer ein rassistisches Abziehbild von Barack Obama. Sawyer glaubt anfangs, der „militärisch-industrielle Komplex“ habe das Weiße Haus besetzt. Waffenhändler würden ihn ausschalten wollen, weil der Präsident ein Friedensabkommen mit allen möglichen Nationen abschließen möchte (OMG!). Das würde die Gewinne der Waffenhändler gefährden. So etwas ist niemals wirklich geschehen. Waffenunternehmen haben noch niemals irgendwen umgebracht oder umbringen lassen, weil er sich für den Frieden auf der Welt einsetzt. Aber wen interessiert’s?

In Olympus Has Fallen kämpft Mike Banning alias Gerald Butler (Leonidas in „300“) gegen die nordkoreanischen Terroristen. Er mimt den coolen Actionhelden, der John McClane aus Stirb Langsam ähnelt. Er wirkt dabei vergleichsweise glaubwürdig und sein Charakter passt zum ernsthaften Ton des Films. Während in White House Down der Verräter ein Konservativer ist, so übernimmt in Olympus Has Fallen ein linker Verschwörungstheoretiker die Rolle des Verräters. Forbes alias Dylan McDermott (Die Qual der Wahl) gehört zum Sicherheitsdienst des Weißen Hauses. Er begründet seine Kooperation mit den Nordkoreanern mit links-paranoiden Phrasen, als er den Präsidenten für „käuflich“ erklärt und irgendetwas von „Globalisierung“ und „Wall Street“ faselt. Im Grunde redet er einen ähnlichen Quatsch daher wie Roland Emmerich es mittels seiner Charaktere in White House Down tut.

Roland Emmerich hat mit Independence Day allem Anschein nach aus Versehen einen patriotischen Film gedreht. Das hat er mit Filmen wie 10 000 B.C. und diversen Verschwörungsstreifen wie Anonymus (Shakespeare war nicht wirklich der Autor seiner Stücke…) und 2012 (2012 geht die Welt unter – schon bemerkt?) wieder „gutgemacht“. In Afrika kämpft in „10 000 B.C.“ eine weiße Herrenrasse von Bauern gegen die böse, schwarze Priesterkaste von Ägypten. Schwarze tauchen in Emmerichs Filmen scheinbar nur als „Coole Nigga“ auf (Will Smith in Independence Day, Jamie Foxx in White House Down) oder als die Bösen. Linke und der Rassismus, ein Paradebeispiel für Projektion.

Fazit

Olympus Has Fallen ist ein sehenswerter Actionthriller. Gerald Butler mimt einen John McClane-Verschnitt, kämpft gegen Nordkoreaner, rettet den Sohn des Präsidenten, den Präsidenten selbst und verhindert einen nuklearen Holocaust. Der Streifen ist zwar nicht ganz glaubwürdig, aber spannend und glänzt mit sehr gut gemachter Action und einer ordentlichen schauspielerischen Leistung aller Beteiligten. Antoine Fuqua macht seinen eigenen linken Verschwörungsfilm Shooter wieder gut. Man erinnert sich an Fuquas Verdienst, mit Replacement Killers das John-Woo-Actionkino nach Hollywood gebracht zu haben.

White House Down hingegen ist ein lächerliches B-Movie, das linke Verschwörungstheorien aneinanderreiht. Der coole Gangsta-Präsident, der einen Friedensvertrag mit der ganzen Welt abschließen will, wird von bösen „Rechten“ bekämpft. Zum Glück darf er jedoch mit einem Raketenwerfer auf die Rechten schießen und auch ein kleines Mädchen trägt mit ihrem Videoblog und Sony-Xperia-Handy zur Rettung des Mittleren Ostens bei. White House Down ist so vollkommen hirntot wie kein anderer Emmerich-Film und er hat sich in letzter Zeit immer wieder selbst unterboten.

P.S. Kauft mein aktuelles Buch Der Westen. Ein Nachruf. Danke.

6 Kommentare zu “White House Down versus Olympus Has Fallen

  1. Skeptiker sagt:

    Ich wusste gar nicht, dass es einen Film über die Verschwörungstheorie, dass Shakespeare in Wahrheit ein Pseudonym für jemand anderen war, gibt.
    Ist er denn ironisch gehalten oder versucht er Argumente für diese Position zu bringen?

    Zu den beiden hier rezensierten Filmen kann man nur sagen: Sie scheinen politisch spiegelbildlich zu sein, wenn man das so ließt: In beiden Filmen sorgt ein Verräter dafür, dass das Weise Haus von einer anderen Gruppe übernommen wird. In einem ist der Verräter ein rechter Sicherheitschef, im anderen ein linker Verschwörungstheoretiker.

    • sba sagt:

      Der Witz an der causa Shakespeare: Es ist ein ernsthaft geführter historisch-philologischer Streit, der schon mindestens ein paar Jahrzehnte dauert.
      Argumente der Shakespeare-Gegner beziehen sich hauptsächlich auf seine Herkunft und die Frage, ob so ein „Bauernlümmel“ tatsächlich zu solcher Sprache und Belesenheit fähig sei (was sie verneinen und alternativ behaupten, dass irgendein Adliger, wechselnde Kandidaten, der Ghostwriter war und den historischen Shakespeare als Strohmann genommen habe.
      Ironisiert wird das ganze bei Kishon unter dem Titel „Shakespeare war nicht Shakespeare“ (sondern jemand anders mit dem selben Namen^^)

      • So wirklich seriös ist die Skeptikerseite nicht. Das sind Könnte-doch-sein-Argumente ohne Belege. Der wissenschaftliche Konsens lautet, dass Shakespeare er selbst war.

  2. Henriette sagt:

    Ernsthaft White House Down ein B-Movie?? Wie sie sagten sind sich die Filme von der Ausführung nicht sehr ähnlich. Wenn sie Tatsächlich wissen würden was die Bedeutung eines B-Movies ist hätten sie das nicht geschrieben. Ein B-Movie ist eine billige Kopie. Tatsache hingegen ist, dass die Filme Gleichzeitig entstanden sind was passieren kann. Die beiden Filme weisen zwar auf die gleichen Probleme hin, jedoch auf verschiedene Art und Weise. Olympus has falen ist eher ernster ein richtiger Actionfilm bei White House Down hingegen werden die zuschauer mit Humor auf die Probleme hingewiesen. Welche Art der Vermittlung nun besser ist kommt auf den Zuschauer drauf an. Und noch eines in beiden Filmen sind sehr talentierte Schauspieler zu sehen. Zu behaupten der eine Film wäre ein lächerliches B-Movie ist also den Schauspielern gegenüber nicht gerecht. Ich kann beide Filme empfehlen sie sind beide sehr gut gemacht. PS: seien sie so gut und schlagen sie die Wörter nach bevor sie die Werke anderer schlecht machen DANKE!!!

    • Welche Probleme? Westlicher Selbsthass?

      Ja, ich schätze, ich Sollte nächstes mal Wirklich die wörter nachSchlagen, bevor ich etwas schLecht mache. BITTE!!!

  3. Marcel Falco Siegel sagt:

    Ich fande White House Down schon um einiges geiler. Fande aber Olympus has fallen auch nicht schlecht. Um genaued zu sagen waren beide recht gut.

    Nur das, wie ich finde, White House Down überhaupt kein B-Movie ist und auch nicht schlecht. Die effekte sind gut bis Bombastisch wo ich sagen muss das in Olympus has fallen die effekte bei manchen szenen doch schlechter aussahen. Und über Logik in Filmen brauch man garnicht erst reden. Das ist halt Hollywood.

    Von der Story her fande ich beide recht interessant.

    Fazit: Wenn man ein Film abend mit White House Down macht und denkt „Scheiße hätte länger gehen könne“. Dann schaut euch dannch Olympus has fallen an. Obwohl ich die Joke von Whit House Down vermisste ;).

    Alles in einem bekommt Olympus has fallen7,5-8/10 Punkten.
    Und White House Down 8,5/10 Punkten.

    Über Filmgeschmack lässt sich nicht Streiten. Jeder hatt seinen eigenen Film geschmack und darf sich zu seiner meinung äussern.

    LG, Marcel

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.