Die Würde der Frauen

Die Diskussion über das Wesen des Mannes und der Frau geht ja nun seit einigen Jahrhunderten vor sich, aber leider nicht vorrüber. Ich las vor kurzem diesen Artikel in der Süddeutschen:

Drei Ausreißerinnen aus dem Gautinger Mädchenheim tauchten im Münchner Bahnhofsmilieu unter und gerieten an die falschen Männer. Die Mädchen verbrachten teils die Nächte bei ihren neuen Bekannten, sollen von ihnen Drogen bekommen haben und zum Gruppensex verleitet worden sein.

Diese Mädchen konnten offenbar nicht anders, als auszureißen, an die falschen Männer zu geraten, ihr Angebot von Joints mehrmals anzunehmen und mehrere Nächte beim Gruppensex mitzumachen. Wobei sie immer wieder zu den falschen Männern zurückgehen mussten, da Frauen, muss man wissen, und gerade junge Frauen, keinen freien Willen haben. Männer müssen auf sie aufpassen, sie leiten, führen und zur Sittlichkeit erziehen.

Das Komische ist nur, dass die Feministen stets die Klappe halten, wenn Mädels sämtliche Fähigkeit zur Selbstbestimmung abgesprochen wird, solange es Männern dafür an den Kragen geht. Um das klarzustellen: Natürlich sind die Männer, die die Minderjährigen verführt haben, zu verurteilen – und auch gerichtlich zu bestrafen. Vollkommen unbeteiligt waren die Mädels derweil nicht. Denn sie wurden offenbar nicht mit Gewalt dort in der Wohnung dieser Männer festgehalten.

Frauen sind die unfehlbaren Engel und wenn ihnen etwas „zustößt“ (stets passiv!), sind die Männer schuld. Friedrich Schiller brachte einst das sexistische Kitschbild des weiblichen Wesens in seinem Gedicht „Würde der Frauen“ wie folgt auf den Punkt – und die Abwertung der Männer war auch schon dabei:

Friedrich Schiller: Würde der Frauen

Ehret die Frauen! sie flechten und weben
Himmlische Rosen ins irdische Leben,
Flechten der Liebe beglückendes Band,
Und in der Grazie züchtigem Schleier
Nähren sie wachsam das ewige Feuer
Schöner Gefühle mit heiliger Hand.

Ewig aus der Wahrheit Schranken
Schweift des Mannes wilde Kraft;
Unstät treiben die Gedanken
Auf dem Meer der Leidenschaft;
Gierig greift er in die Ferne,
Nimmer wird sein Herz gestillt;
Rastlos durch entlegne Sterne
Jagt er seines Traumes Bild.

Aber mit zauberisch fesselndem Blicke
Winken die Frauen den Flüchtling zurücke,
Warnend zurück in der Gegenwart Spur.
In der Mutter bescheidener Hütte
Sind sie geblieben mit schamhafter Sitte,
Treue Töchter der frommen Natur.

Feindlich ist des Mannes Streben,
Mit zermalmender Gewalt
Geht der wilde durch das Leben,
Ohne Rast und Aufenthalt.
Was er schuf, zerstört er wieder,
Nimmer ruht der Wünsche Streit,
Nimmer, wie das Haupt der Hyder
Ewig fällt und sich erneut.

Aber, zufrieden mit stillerem Ruhme,
Brechen die Frauen des Augenblicks Blume,
Nähren sie sorgsam mit liebendem Fleiß,
Freier in ihrem gebundenen Wirken,
Reicher, als er, in des Wissens Bezirken
Und in der Dichtung unendlichem Kreis.

Streng und stolz, sich selbst genügend,
Kennt des Mannes kalte Brust,
Herzlich an ein Herz sich schmiegend,
Nicht der Liebe Götterlust,
Kennet nicht den Tausch der Seelen,
Nicht in Thränen schmilzt er hin;
Selbst des Lebens Kämpfe stählen
Härter seinen harten Sinn.

Aber, wie leise vom Zephyr erschüttert,
Schnell die äolische Harfe erzittert,
Also die fühlende Seele der Fraun.
Zärtlich geängstet vom Bilde der Qualen,
Wallet der liebende Busen, es strahlen
Perlend die Augen von himmlischem Thau.

In der Männer Herrschgebiete
Gilt der Stärke trotzig Recht;
Mit dem Schwert beweist der Scythe,
Und der Perser wird zum Knecht.
Es befehden sich im Grimme
Die Begierden wild und roh,
Und der Eris rauhe Stimme
Waltet, wo die Charis floh.

Aber mit sanft überredender Bitte
Führen die Frauen den Scepter der Sitte,
Löschen die Zwietracht, die tobend entglüht,
Lehren die Kräfte, die feindlich sich hassen,
Sich in der lieblichen Form zu umfassen,
Und vereinen, was ewig sich flieht.

August Wilhelm von Schlegel fand das damals schon lächerlich und er antwortete mit folgender Parodie:

August Wilhelm von Schlegel: Schillers Lob der Frauen

Ehret die Frauen! Sie stricken die Strümpfe,
Wollig und warm, zu durchwaten die Sümpfe,
Flicken zerrissene Pantalons aus;

Kochen dem Manne die kräftigen Suppen,
Putzen den Kindern die niedlichen Puppen,
Halten mit mäßigem Wochengeld Haus.

Doch der Mann, der tölpelhafte
Find’t am Zarten nicht Geschmack.
Zum gegornen Gerstensafte
Raucht er immerfort Tabak;
Brummt, wie Bären an der Kette,
Knufft die Kinder spat und fruh;
Und dem Weibchen, nachts im Bette,
Kehrt er gleich den Rücken zu. usw.

4 Kommentare zu “Die Würde der Frauen

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Klingt hart, der Schreiber dieser Zeilen hat aber selbst vor Jahrzehnten und zu Studentenzeiten Ähnliches in D beobachten können.
    „Kinder-Ausreißer-Gruppen“ mit Sozialarbeitern versorgt, die teils homosexuell, teils sittlich niedrigst anderweitig unterwegs waren.
    Klar, hier wird es anekdotisch und Anekdoten zeigen nur auf, was möglich ist, nie den Stand der Empirie.

    Am schockierendsten war, als einer jener Kollegen auf einmal bei Menschen 19xy bei Frank Elstner als Humanist auftauchte.

    MFG
    Dr. W (der das selbstverständlch zur Anzeige hätte bringen sollen, aber es schienen alle zufrieden zu sein, qua Zeitgeist, und als Ausländer soll man ja auch nicht meckern)

  2. Jana sagt:

    Ich bin enttäuscht, das ist ja gar nicht provokant. Du lieferst den Feministinnen ein wirklich treffendes Argument.

    Und dann Schiller? Wenn du wirklich provokant sein willst, bediene dich doch eines anderen Zeitgenossen:

    http://aboq.org/schopenhauer/parerga2/weiber.htm

    „Schon der Anblick der weiblichen Gestalt lehrt, daß das Weib weder zu großen geistigen, noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist. Es trägt die Schuld des Lebens nicht durch Thun, sondern durch Leiden ab, durch die Wehen der Geburt, die Sorgfalt für das Kind, die Unterwürfigkeit unter den Mann, dem es eine geduldige und aufheiternde Gefährtin seyn soll. Die heftigsten Leiden, Freuden und Kraftäußerungen sind ihm nicht beschieden; sondern sein Leben soll stiller, unbedeutsamer und gelinder dahinfließen, als das des Mannes, ohne wesentlich glücklicher, oder unglücklicher zu seyn.“

    „Dem entsprechend halten die jungen Mädchen ihre häuslichen, oder gewerblichen Geschäfte, in ihrem Herzen, für Nebensache, wohl gar für bloßen Spaaß: als ihren allein ernstlichen Beruf betrachten sie die Liebe, die Eroberungen und was damit in Verbindung steht, wie Toilette, Tanz u.s.w.“

    „(..) ist es abzuleiten, daß die Weiber mehr Mitleid und daher mehr Menschenliebe und Theilnahme an Unglücklichen zeigen, als die Männer; hingegen im Punkte der Gerechtigkeit, Redlichkeit und Gewissenhaftigkeit, diesen nachstehn. Denn in Folge ihrer schwachen Vernunft übt das Gegenwärtige, Anschauliche, unmittelbar Reale eine Gewalt über sie aus, gegen welche die abstrakten Gedanken, die stehenden Maximen, die festgefaßten Entschlüsse, überhaupt die Rücksicht auf Vergangenheit und Zukunft, auf Abwesendes und Entferntes, selten viel vermögen.“

    „Die Verstellung ist ihm daher angeboren, deshalb auch fast so sehr dem dummen, wie dem klugen Weibe eigen. Von derselben bei jeder Gelegenheit Gebrauch zu machen ist ihm daher so natürlich, wie jenen Thieren, beim Angriff, sogleich ihre Waffen anzuwenden. Darum ist ein ganz wahrhaftes, unverstelltes Weib vielleicht unmöglich.“

    „Mit mehr Fug, als das schöne, könnte man das weibliche Geschlecht das unästhetische nennen. Weder für Musik, noch Poesie, noch bildende Künste haben sie wirklich und wahrhaftig Sinn und Empfänglichkeit; sondern bloße Aefferei, zum Behuf ihrer Gefallsucht, ist es, wenn sie solche affektiren und vorgeben.“

    „Wenigstens sollten Weiber niemals über ererbtes, eigentliches Vermögen, also Kapitalien, Häuser und Landgüter, freie Disposition haben.“

    Zum Glück sind diese Zeiten vorbei …

  3. Martin sagt:

    Naja. Vielleicht kann man die „Würde der Frauen“ ja auch einfach so beschreiben:

    Sie „würden“ doch gerne genausoviel zu Lebensgemeinschaft, Gesellschaft, Kultur, Fortschritt oder Entwicklung beitragen wie die Männer. Wenn die Fieslinge oder die böse Realität sie doch nur liessen.

    Ist hier ganz schön beschrieben, die recht anmassenden,selbstgerechten und selbstwidersprüchlichen Erwartungshaltungen (bezugnehmend auf 2 aktuelle Studien Allensbach/Bild der Frau und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung/Brigitte)

    http://www.cuncti.net/streitbar/584-was-frauen-wollen-und-maenner-wollen-sollen

    Ein paar Ausschnitte:

    „Chefredakteurin und Verlagsleiterin machen gleich zu Beginn (S. 4) ihrem Ärger darüber Luft, dass Männer noch immer weniger im Haushalt täten als Frauen – natürlich ohne dabei zu erwähnen, dass Männer zugleich auch den Löwenanteil der Erwerbsarbeit erledigen. I

    „Dass Männer „viele Aufgaben im Haushalt und in der Familie übernehmen“, erwarten 66 % der Frauen, dass Männer „für den Unterhalt der Familie sorgen“, 60%. (S. 23). ……
    72% aller befragten Frauen erwarten von ihrem Partner, dass er „viel Geld verdient“

    „Die Aussagen von Frauen sind für die Interpretinnen, ganz im Unterschied zu denen der Männer, jeweils schlicht wichtige Hinweise darauf, was in der Geschlechterpolitik noch erledigt werden muss, wo Frauen noch weitere Hinweise aus dem Weg geräumt werden müssen. Allmendinger verlangt beispielsweise, dass Betriebe von einer „Kultur der Anwesenheit“ gerade bei der beruflichen Karriere Abstand nehmen müssten (S. 52) – diese Kultur verbaue schließlich Karrierewege für Frauen.

    Auch hier ist es für die Interpretin schlicht nicht von Belang, dass es für eine solche „Kultur“ plausible pragmatische Gründe geben könnte – es scheint, als sei es allein eine Frage guten Willens, die Bedingungen des Arbeitsmarktes den geäußerten Bedürfnissen der Frauen anzupassen. Was hier weiblichen Führungskräften selbstverständlich ermöglicht werden soll, würde allerdings so selbst Schülern nicht zugestanden: Was würde wohl einem Schüler geantwortet werden, der beständig die Schule schwänzt, das Problem aber nicht in seinem eigenen Verhalten, sondern in einer irrationalen schulischen „Kultur der Anwesenheit“ entdecken würde?

    Fast absurd spitzt Allmendinger ihre Orientierung an den Bedürfnissen der befragten Frauen zu, wenn sie „im Sinne einer Humanisierung der Arbeit“ (S. 50) eine 32-Stunden-Woche fordert, ohne zu erwähnen, wie sie denn ausgerechnet auf 32 Stunden gekommen ist: 32 Stunden sind die durchschnittliche Wunsch-Arbeitszeit in den Selbstauskünften von Frauen (S. 38).“

    usw. Ganz interessant und ein bischen gruselig die Studien…

  4. Skeptiker sagt:

    Abgesehen von der Frage nach dem „Freien Willen“, hinter dem man nicht mehr nach Ursachen fanden soll:

    Bei Minderjährigen geht man eben davon aus, dass sie noch nicht so vollständig für ihre Handlungen verantwortlich sind wie Erwachsene. Deshalb stehen sie unter besonderen Schutz. Das ganz unabhängig vom Geschlecht.

    Und die Gedichte, die sind in einer Zeit enstanden, in der von Gleichberechtigung der Geschlechter noch keine Rede sein konnte. Das muss man berücksichtigen.

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