Nationaldenkmäler privatisieren

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Und wieder etwas gefunden, das man privatisieren könnte: Nationaldenkmäler. Während die amerikanischen, staatlichen Nationaldenkmäler im Verlaufe der Staatshaushaltskrise geschlossen wurden, wies Edward Hudgins von der Atlas Society darauf hin, dass private Nationaldenkmäler wie das Wohnhaus von George Washington weiterhin geöffnet waren. Diese privat organisierten Denkmäler erfuhren einen größeren Besucherandrang, während staatliche Denkmäler und Museen die Tore schlossen. Das Wohnhaus von George Washington wird von der Mount Vernon Ladies‘ Association für Touristen bereitgestellt.

Daran erkennt man auch gut, wie beliebig die Organisation von Nationaldenkmälern gehandhabt wird. Einige sind staatlich verwaltet, andere privat. Das liegt daran, dass es eigentlich keinen Grund gibt, warum sie staatlich verwaltet sein sollten. In manchen Fällen hat sich das historisch so ergeben, in anderen Fällen anders. Der Vorteil der Privatisierung besteht einmal mehr darin, dass private Organisationen einen stärkeren Anreiz haben, auf die Wirtschaftslichkeit zu achten, während sie nicht unter der Misswirtschaft anderer leiden müssen, wie das bei einigen amerikanischen Nationaldenkmälern der Fall war. Diese wurden schließlich nicht geschlossen, weil sie selbst schlecht gewirtschaftet hatten, sondern weil die Zentralregierung in Washington schlecht gewirtschaftet hatte.

Siehe: Privatize National Monuments (Huffington Post)

Übrigens ist die Post alias U.S. Postal Service in den USA noch immer in Staatshand. In Deutschland ist sie weitgehend privatisiert.

Siehe dazu meinen Artikel: Deutsche Post ohne Vater Staat

6 Kommentare zu “Nationaldenkmäler privatisieren

  1. Skeptiker sagt:

    Ein Nationaldenkmal ist der Intention nach keine kommerzielle Sache, sondern soll ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Kultur darstellen.

    Wenn also z. B. ein wichtiges Andenken an die Revolution sich wirtschaftlich einfach nicht rentiert, kann es schon sein, dass es staatlich gefördert werden muss, um es zu erhalten.
    Auch käme ein staatlich gefördertes Denkmal gar nicht auf die Idee, ihre Darstellung den Publikumswünschen anzupassen…

    • All diese wirklich wertvollen Dinge sind einfach zu wertvoll, um sie dem effizientesten und fortschrittlichsten Wirtschaftssystem zu überlassen. Dasselbe Argument wird auch für die öffentliche Bildung angeführt, für die Kunst, vor kurzem noch für die Post, davor für die Telekom. Und es scheitert jedes Mal aus denselben Gründen.

      Ethisch betrachtet: Warum sollte man jemanden zwingen dürfen, für ein Nationaldenkmal zu bezahlen, das er nicht sehen will? Analog zur Argumentation, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht privatisiert werden sollte. Gut, dann haben wir ein besseres, seriöseres Fernsehen – aber kaum jemand schaut es an und es wird mehr dafür ausgegeben, als die Menschen bereit sind, dafür auszugeben.

      • Wie die Beispiele aus der Praxis zeigen (diverse private Museen und Denkmäler in den USA) sind solche Dinge sehr wohl rentabel.

        • sba sagt:

          Dafür.
          Und falls mein Beobachten am Doberaner Münster (immerhin Weltkulturerbe. Und für Mecklenburg fast sowas wie ein Nationaldenkmal. Vorher gab’s hier gar keine Nation) habwegs ins Gesamtschema passt, wäre sogar die Akzeptans des Publikums dafür vorhanden (da meckern in der Woche vielleicht drei Leute über die Eintrittspreise, bei einem Durchlauf von ein paar Tausend, und das, obwohl man zu den Gottesdiensten und zum Zwecke der persönlichen Andacht auch so reinkommt).

  2. Dr. Webbaer sagt:

    Der Vertragsgeber sollte hier womöglich auf eine, sagen wir mal, eng bindende Vertraglichkeit achten und bei Verstößen zeitnah in der Lage sein neu zu vermieten.

    • Celine sagt:

      Privatisieren, da denken irgendwie viele an eine EU-Konforme Ausschreibung und der meistbietende der alle diktierten Einschränkungen in kauf nimmt, darf dann den maximalen Profit aus dem Geschäft ziehen, bis das Volk protestiert und der Staat zum doppelten Preis zurückkauft.

      Mount Vernon ist ein gutes Beispiel dafür, dass es auch andere Optionen gibt und die Interessen einer privaten Organisation mit denen der Öffentlichkeit ganz natürlich übereinstimmen kann.
      Die Mount Vernon Ladies’ Association ist eine Non-Profit Organisation und sowohl Besitzer als auch Betreiber des Nationaldenkmals (seit 1858). Sie ist ohne jegliches Geld vom Staat sehr solide finanziert.
      Das funktioniert weil genügend Menschen sich für das gleiche Ziel, den Erhalt des Wohnhauses von George Washington einsetzen und weil noch viel mehr Menschen es sich anschauen wollen und dafür bereit sind Eintritt zu zahlen.

      Man muss sich wohl kaum sorgen, dass die Ladies das Wohnhaus abreißen und das Grundstück zu einem Golfplatz umgestalten.

      Ich könnte mir eine private Non-Profit Organisation auch gut als Betreiber natürlicher Monopole wie z.B. eines Stromnetzes vorstellen. Kennt jemand Beispiel wo so etwas ausprobiert wurde?

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